AP deckt auf: USA arbeiten mit Al-Qaida zusammen – betretenes Schweigen in den deutschen Medien

Die Nachrichtenagentur AP hat in einer Recherche herausgefunden, dass die USA und Saudi-Arabien im Jemen-Krieg eng mit Al-Qaida zusammenarbeiten. Was sonst wahlweise als Verschwörungstheorie oder russische Propaganda bezeichnet wird, nämlich die Zusammenarbeit der USA mit Terroristen ist nun ausgerechnet von AP offen gelegt worden.
Der Jemen-Krieg spielt in Deutschlands Medien kaum eine Rolle. Er ist weit weg, Flüchtlinge kommen auch nicht zu uns und die Medien berichten nur sehr ungerne über die Kriegsverbrechen der Saudis und Amerikaner. Und auch die Bundesregierung ist nicht bereit, es zu verurteilen, wenn die Saudis einen Schulbus bombardieren und dabei dutzende Kinder töten. Daher könnte man meinen, dass diese Reportage von AP nicht wirklich wichtig ist. Das stimmt jedoch nicht, denn sie lässt interessante Rückschlüsse auf Syrien und andere Konfliktherde zu. Und die betreffen uns in Deutschland ganz direkt.
Die Unterstützung von Islamisten durch die USA hat eine lange Tradition. Wer in den 1980ern bereits Nachrichten verfolgt hat, der hat seinerzeit viele Reportagen in Weltspiegel und anderen Sendungen von ARD und ZDF sehen können, in denen von dem tapferen Kampf der „Mudschahedin“ in Afghanistan gegen die Sowjetunion berichtet wurde. Es war die Heldengeschichte von David gegen Goliath, von den tapferen Rebellen gegen den übermächtigen bösen Unterdrücker.
Dass diese „Freiheitskämpfer“ gar keine Afghanen waren, sondern in arabischen Ländern rekrutiert wurden, war ebenfalls kein Geheimnis. Einer der wichtigsten Organisatoren war damals ein junger Saudi namens Osama Bin-Laden, dessen Organisation Al-Qaida damals kräftig von der CIA unterstützt wurde. Nun war damals der Feind noch die Sowjetunion und von einem Konflikt mit der islamischen Welt war keine Rede.
Heute wissen wir, dass der Krieg in Afghanistan von langer Hand vorbereitet worden ist. Es waren die USA, die mit der Operation Cyclone die pro-sowjetische Regierung in Kabul ab Sommer 1979 destabilisierten, indem sie über Pakistan arabische Terroristen nach Afghanistan einsickern ließen mit dem Ziel, die Sowjetunion in den Krieg hineinzuziehen und der Sowjetunion ihr Vietnam zu bescheren.
All dies wissen wir heute, denn erstens sind Dokumente freigegeben und zweitens hat der damalige Sicherheitsberater von Präsident Carter, Zbigniew Brzezinski, dies auch offen in Interviews zugegeben.
 
Um so verlogener war die damalige Propaganda der Amerikaner gegen die Sowjetunion, schließlich boykottierte der Westen die Olympiade 1980 in Moskau mit der Begründung, dass die Sowjets in Afghanistan eingefallen sind. Dass es die USA waren, die dies organisiert und die Sowjets in eine Falle gelockt haben, kam erst 35 Jahre später ans Licht. Wer so etwas seinerzeit behauptet hätte, wäre ein Verschwörungstheoretiker gewesen.
Der Kontakt der US-Geheimdienste zu den Islamisten war also sehr intensiv, man spricht davon, dass die CIA die Islamisten in den 1980ern mit über 6 Mrd. Dollar unterstützt hat. Dass ein Geheimdienst danach die Kontakte zu so wichtigen Verbündetet abbricht, ist eher nicht zu erwarten. Ich möchte jetzt hier gar nicht darauf eingehen, was dies für 9/11 bedeutet, wenn es diese Kontakte zu Osama Bin-Laden und der Al-Qaida in 2001 noch gegeben hat.
Vielmehr interessiert mich, was dies für Syrien und Libyen bedeutet. Und auch für den IS. Wir dürfen nicht vergessen, dass IS und Al-Qaida in Syrien und Libyen nicht gegeneinander sondern zusammen gegen die Machthaber gekämpft haben und immer noch kämpfen.
Heute ist es kein Geheimnis, dass der IS in Libyen eine treibende Kraft war, als es gegen Gaddafi ging. Aber trotz verschiedener Meldungen, der IS sei aus Libyen vertrieben worden, ist er dort immer noch sehr aktiv. Der IS ist ja keine wirklich homogene Organisation, sondern eher ein Netzwerk. So findet man, wenn man bei Google sucht, viele Beiträge verschiedenster Quellen zu den Aktivitäten des IS in Libyen. Erst vor wenigen Tagen gab es dazu einen interessanten Artikel in der TAZ, wo man lesen konnte, dass Leute mit IS-Kontakten und IS-Vergangenheit heute in Libyen eine wichtige Rolle spielen und anscheinend auch mit der italienischen Regierung zusammen arbeiten, wenn es um die Reduzierung der Anzahl der Flüchtlinge geht.
Der IS konnte nur entstehen, weil die USA den Irak besiegten aber nicht besetzten. Sie besetzten die wichtigen Städte, nämlich dort, wo es um Öl ging. Den eher unwichtigen Norden überließen sie soweit sich selbst, dass dort der IS entstehen konnte. Und dieser IS, wie auch Al-Qaida, waren der Zündfunke für den Krieg in Syrien. Aus dem Nordirak sickerten diese Islamisten in Syrien ein.
Egal, ob Assad nun ein böser Diktator ist oder nicht, es war nicht die syrische Bevölkerung, die dort in erster Linie Krieg führte. Sie hatte auch gar nicht die nötigen Waffen. Die kamen über die Grenze aus dem Irak. Ein Schelm, wer hier eine Verbindung zu den USA sieht, die den Irak erobert haben und deren Waffen offiziell dort vom IS im großen Stil erbeutet wurden, allein im irkaischen Mossul sollen dem IS im Jahre 2014 über 2.300 Humvies in die Hände gefallen sein, teilte die irakische Regierung damals mit.
 
Was machen 2.300 Humvies in einer einzigen Stadt? Zum Vergleich: die Bundeswehr verfügt insgesamt über knapp 2.200 sogenannte „geschützte Fahrzeuge“, es sind dem IS also in einer einzigen Stadt mehr militärische Fahrzeuge in die Hände gefallen, als die Bundeswehr insgesamt in ihren Beständen hat?
Andererseits haben die USA aber auch ganz offen Waffen an die sogenannten syrischen Rebellen geliefert. Das Programm zur Bewaffnung hatte ein Volumen von über einer Milliarde Dollar. Jedoch wurde es schon zu Zeiten Obamas als ineffizient kritisiert, weil die USA teilweise mit der Gießkannenmethode die Waffen einfach aus Flugzeugen abwarfen und es ihnen recht egal war, wer sie aufsammelte, solange sie nur gegen Assad zum Einsatz kamen. Aber gestoppt wurde das Programm erst unter Trump.
Dass die saudische Regierung recht offen Al-Qaida und IS unterstützt, ist kein wirkliches Geheimnis, denn die Saudis wollen den Wahabismus, ihre Auslegung des Islam, verbreiten und Al-Qaida und IS treten für die gleichen religiösen Auslegungen des Islam ein. In den westliche Medien wird, wenn es um die Unterstützung der Islamisten in Syrien geht, immer von der „moderaten“ Opposition gesprochen, wobei ich mich frage, wie man Leute, die zur Erreichung ihrer Ziele Granatwerfer und Maschinengewehre einsetzen, als „moderat“ bezeichnen kann. Und diese Gruppen werden ja nicht nur mit Waffen, sondern auch mit Luftaufklärung unterstützt. Und so landen die Erkenntnisse, die z.B. die Tornados der Bundeswehr in Syrien gewinnen, über den Umweg über Saudi-Arabien auch bei IS und Al-Qaida.
Als im September 2016 absehbar wurde, dass Russland in den Syrien-Krieg eingreifen würde, stellte Putin auch in der Öffentlichkeit Fragen, die in den westlichen Medien nicht erwähnt wurden und auf die er auch keine Antworten bekam.
Denn mit Waffen allein war kein Krieg zu gewinnen. Die Kämpfer auf Seiten der Islamisten sind keineswegs alles religiöse Fanatiker, es sind in der Mehrzahl einfache Söldner, die bezahlt werden wollen und auch gerne mal die Seiten gewechselt haben, wenn jemand anderes mehr bezahlte. Aber auch ein religiöser Fanatiker will von irgendwas leben und seine Frauen wollen essen. IS, Al-Qaida usw. brauchten also auch Geld. Praktischerweise gibt es in Syrien Öl, dass man verkaufen kann. Und so wurde das in den eroberten Gebieten geförderte Öl in Tanklastern in die Türkei gefahren und kam in erster Linie auf den europäischen Markt. Dieses Öl wurde unter Marktpreis verkauft und es gab Berichte, dass dieser Ölschmuggel aus Syrien nach Europa von Erdogans Schwiegersohn kontrolliert wurde, der dabei auch kräftig mit verdiente.
Damit hinterließ die Finanzierung des IS für Experten eine sehr dicke Spur. Man kann mit einer Analyse von Öl problemlos feststellen, aus welcher Ölquelle es gefördert wurde. Auch sind die Finanzströme leicht nachvollziehbar, da sie alle im von den USA kontrollierten SWIFT-System gespeichert sind.
Hätte also der Westen tatsächlich den IS und die Al-Qaida bekämpfen wollen, hätte man den Ölschmuggel beenden, die Konten sperren und das geschmuggelte Öl konfiszieren können. Das wäre nicht einmal sonderlich schwierig gewesen. Wenn die USA Sanktionen gegen ein Land verhängen, sperren sie problemlos alle Konten und schränken jeden Handel nach Wunsch ein.
Und Putin fragte immer wieder öffentlich, warum die USA, die angeblich den IS bekämpften, nicht gegen die Finanzierung durch den Ölschmuggel vorgingen. Nur wurde darüber im Westen nie berichtet. Und als Russland dann in den Krieg eingriff, wurden als erstes die LKW-Konvois mit dem Schmuggel-Öl bombardiert. Innerhalb von Tagen war dem IS seine Finanzierung abgeschnitten worden. Übrigens sehr zum Ärger Erdogans, der danach nicht gut auf Putin zu sprechen war, es folgte nur zwei Monate später der Abschuss eines russischen Flugzeuges durch die Türkei und eine diplomatische Eiszeit zwischen Russland und der Türkei, die erst nach dem Putschversuch gegen Erdogan endete. Über das komplizierte Verhältnis zwischen Putin und Erdogan finden Sie hier weitere Informationen.
Aber wieder zum IS. Man muss sich ja generell fragen, warum es die Streitkräfte der Nato nicht schafften, den IS und andere Terrorgruppen in den Jahren 2011 bis 2016 zu schlagen. Die Antwort ist einfach: In Wirklichkeit wurden sie vom Westen unterstützt, denn man wollte Assad loswerden. Der IS und die Al-Qaida waren die nützlichen Idioten, die für den Westen die Drecksarbeit machen durften.
Die Russen schafften dann es mit recht begrenzten Mitteln, also nur ein paar dutzend Flugzeugen, den IS so zu schwächen, dass die syrische Armee wieder vorrücken konnte. Auch dies zeigt, dass der Westen diese Terroristen hätte problemlos besiegen können, wenn er gewollt hätte.
Heute, zwei Jahre später, ist der IS in Syrien weitgehend besiegt. Was die Nato in fünf Jahren nicht schaffte, der IS wurde bis 2016 nur immer stärker, schafften ein paar russische Flugzeuge in zwei Jahren.
Natürlich sind diese Erkenntnisse für den interessierten Leser nicht neu. Aber es ist bezeichnend, dass die westlichen Medien ihren Konsumenten immer noch Sand in die Augen streuen und die Märchen vom Kampf gegen den Islamismus erzählen, mit dem die Beschneidung von Bürgerrechten, das Abhören von Telefonen, das Lesen von Emails und noch vieles mehr begründet wird. An diesen Märchen hält der Mainstream fest, während der Westen in Wirklichkeit seit den 1980er Jahren den Islamismus überall da unterstützt, wo er als nützlicher Idiot missbraucht werden kann, z.B. gegen die Sowjetunion oder wenn man Assad oder Gaddafi stürzen will.
Und dass es, wie AP heute wieder aufgezeigt hat, offizielle Kontakte zwischen dem angeblichen Erzfeind Al-Qaida und der CIA gibt, lässt ebenfalls tief blicken. Wenn diese Kontakte seit Afghanistan Ende der 1970er bestehen, dann wirft dies auch ein interessantes Licht auf 9/11 und den darauf folgenden Krieg gegen den Terror, der ja in Wahrheit nichts anderes ist, als ein Konjunkturprogramm für die Rüstungsindustrie (um nicht „militärisch-industrieller Komplex“ zu sagen). Ein ewiger Krieg gegen einen Feind wie den Terrorismus, den man nie gewinnen kann, bedeutet einen nicht abreißenden Strom an Bestellungen für Waffenproduzenten, denn jede abgeworfene Bombe muss nachbestellt werden.
Nun mag man dies für eine Verschwörungstheorie halten, aber fragen Sie sich selbst: Die CIA hatte seit den 1970er Jahren engste Kontakte zu Al-Qaida und hat sie auch heute. Beides ist unbestritten.
Was ist wahrscheinlicher? Dass die CIA nach dem Sieg gegen die Sowjetunion in Afghanistan den Kontakt zu Al-Kaida abgebrochen hat und diesen Kontakt nach 9/11 wieder aufgenommen hat oder dass diese Kontakte die ganze Zeit bestanden haben?

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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