US-Spitzendiplomat: Starke russische Wirtschaft bedroht die nationale Sicherheit der USA

Ich bin – ich gestehe es – ein großer Fan der Sprecherin des russischen Außenministers. Die Pressekonferenzen von Maria Sacharova sind immer erfrischend, weil sie im Gegensatz zu ihren deutschen Kollegen kein Blatt vor den Mund nimmt. Heute stieß ich bei ihrer Pressekonferenz auf einige sehr interessante Themen, von denen ich über eines nun hier berichten will.
 
Dies ist die Übersetzung ihrer Aussagen gemäß der offiziellen Mitschrift der Seite des russischen Außenministeriums. Sie wird auf ein Video der BBC zu sprechen kommen, dass sie eingespielt hat und das Sie sich auch ansehen können. Ganz unten auf der verlinkten Seite ist der Videomitschnitt der Pressekonferenz und das BBC-Video kann man ab Minute 30 auf Englisch sehen. Sie können also selbst überprüfen, ob sie die Wahrheit sagt und ob Sie dem zustimmen, was sie dazu sagt oder auch nicht.
Beginn der Übersetzung:
 
Wir sind auf Äußerungen der ehemaligen Stellvertreterin der US-Außenministerin (gemeint ist Hillary Clinton, Anm. d. Übers.) Wendy Sherman aufmerksam geworden, die sie in der BBC Sendung „Beyond 100 Days“ machte. Dort erklärte sie, dass „die Stärkung der wirtschaftlichen Position Russlands den nationalen Interessen der USA widerspricht“. Dabei sagte die ehemalige Diplomatin, dass sie „nicht wünscht, den Bürgern Russlands zu schaden“ und sie „glaube, dass sie ein Recht auf ein anständiges Leben haben.“ Der Zynismuslevel geht durch die Decke! Dann kam dieser Satz: „Der Westen muss strategischer denken, um die Kontrolle Putins über sein Land zu schwächen“. Und diese Leute erzählen uns etwas über irgendwelche Einmischungen Russlands, des Kreml, Moskaus in ihre Angelegenheiten! Das ist eine ehemalige Spitzenbeamtin der US-Außenpolitik. Und das sind Leute, die hinter den in der Vergangenheit getroffenen Entscheidungen stecken, unter anderem auch Russland betreffend, Leute, die unter einer Frau gearbeitet haben, die das höchste Staatsamt der USA angestrebt hat. Und ich sage es nochmal, ich verstehe natürlich, dass wir hier über einen Menschen sprechen, die jetzt kein Staatsamt bekleidet, aber sie hat solche Ämter über viele Jahre innegehabt.
Das sind anscheinend die „echten“ westlichen Werte: ungesetzliche Wirtschaftssanktionen einführen, den Ölpreis und den Dollarkurs manipulieren, mit dem Ziel, die Position souveräner Staaten und demokratisch gewählter Staatsoberhäupter zu schwächen.
 
Ich glaube, darüber muss man nochmal nachdenken und zum allerersten Satz zurückkommen. Das bedeutet, dass allein die Verbesserung der wirtschaftlichen Position Russlands die nationale Sicherheit der USA bedroht. Das wichtigste, was ein jeder Staat hat, ist seine nationale Sicherheit. Das ist die oberste Priorität einer jeden Staatlichkeit. Und nun führen Sie sich vor Augen, worüber eine Frau gesprochen hat, die viele Jahre Teil der Führung des US-Außenministeriums war!
 
Ich denke, dass nach solchen Äußerungen klar ist, wie unsere amerikanischen Partner die Entwicklung der Beziehungen zu Russland in der Zukunft sehen. Das hat nichts mit dem amerikanischen Volk, der Demokratie oder den Menschenrechten zu tun. Das ist die Politik einer bestimmten politischen Gruppe in den USA, die die Macht trotz aller Mühen nicht ergreifen konnte und jetzt mit dieser schlimmen russophoben Kampagne begonnen hat, um ihre eigenen politischen Fehler zu rechtfertigen.
 
Ich denke, das Zitat muss man auswendig lernen. Das ist noch ein Grund mehr für unsere europäischen Partner, darüber nachzudenken, ob nicht auch ihr Wirtschaftswachstum, ihr politisches Wohlergehen, ihre wirtschaftliche und politische Stabilität den nationalen Sicherheitsinteressen der USA entgegenstehen? Alles, was mit Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Energieversorgung, mit der Entwicklung der gegenseitigen Wirtschaftsverbindungen zu tun hat, kann jederzeit „zu einer Bedrohung der nationalen Sicherheit der USA werden“. Daran werde ich mich immer erinnern.
 
Ende der Übersetzung.
 
Bleibt noch anzumerken, dass alle Sanktionen, die der Westen auf Druck der USA seit 2014 gegen Russland verhängt hat, weitgehend wirkungslos geblieben sind. Es geleng zwar, die russische Wirtschaft in eine kurze Rezession zu treiben und den Rubel abzuwerten, aber trotzdem hat sich die russische Wirtschaft wieder einigermaßen erholt und wächst wieder. Und anstatt in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten, konnte Russland seit 2014 seine Reserven sogar aufstocken. In einem anderen Zusammenhang habe ich das Thema vor kurzem in einem Beitrag behandelt.
 
Nachdem die ursprünglichen Sanktionen also ihre Wirkung verfehlt haben, werden nun von den USA geradzu panisch immer neue Sanktionen verhängt. Mal wegen Skripal, obwohl es in dem Fall keine Beweise gegen Russland gibt und mal wegen der angeblichen Wahlbeeinflussung durch Russland, obwohl es auch dazu nicht einen einzigen Beleg gibt.
 
Es geht, wie Äußerungen von Wendy Sherman zeigen, auch gar nicht um Russlands „Untaten“, sondern nur darum, Russland aus geopolitischen Gründen zu schwächen. Hierbei geht es in Wirklichkeit weniger um die US-Wirtschaft als um die Dominanz des US-Dollar, für die ein wirtschaftlich starkes Russland eine Gefahr darstellt. Und wie wir gesehen haben, ist das keine Verschwörungstheorie, sondern die Aussagen von (ehemaligen) US-Regierungsmitgliedern.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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