„Enthüllungen“ im Fall Skripal: Einseitige Darstellungen sollen die öffentliche Meinung beeinflussen

Wenn beim Spiegel die Moskau-Korrespondenten schreiben dürfen, dann weiß man schon im Vorwege, was man erwarten darf: Russland-Bashing in Reinkultur. So auch diesmal: Die Moskau-Korrespondentin weiß ganz genau über den Fall Skripal Bescheid, allerdings verdreht sie dabei Fakten.
 
Eines vorweg: Ich weiß nicht, was mit den Skripals passiert ist und wer dahinter steckt. Die einzige unabhängige Untersuchung, die wir haben, ist vom OPWC und das OPWC konnte keine Beweise erbringen. Ansonsten gibt es nur Vorwürfe ohne Belege und die werden auch durch ständiges Wiederholen nicht wahrer.
 
So beginnt die Moskau-Korrespondentin des Spiegel, Christina Hebel, ihren Artikel auch gleich mit Stimmungsmache anstatt Fakten, wobei sie einiges verdreht und aus dem Zusammenhang gerissen hat: „Ginge es nach Wladimir Putin, wäre „die Sache“ schon längst erledigt. „Die Sache“ – das ist der Giftanschlag auf den ehemaligen britisch-russischen Doppelagenten Sergej Skripal in Salisbury. Viel zu viel Aufmerksamkeit werde dem Vorfall geschenkt, ließ der russische Präsident durchblicken. Dabei sei Skripal doch nur ein „Verräter“ und „ein Dreckskerl“. Also aus Sicht Putins einer, der eine Bestrafung verdient hat – schließlich hat der einstige russische Agent sein Vaterland verraten.“
 
Klingt richtig überzeugend oder? Problem: Wenn man Putins Antwort auf eine Frage zu dem Fall im Ganzen gelesen hat, dann klingt das Ganze völlig anders. Zumal Putin nichts davon gesagt hat, dass Skripal „Bestrafung verdient hat“, wie Frau Hebel selbst dazu dichtet, damit es noch böser klingt, im Gegenteil, er hat gesagt, dass Skripal ein Verräter ist, der erwischt und verurteilt wurde. Er habe fünf Jahre abgesessen und sei dann begnadigt worden, damit sei die Sache für Russland erledigt gewesen. Die Aussage von Putin dazu finden Sie hier.
 
Dann kommt Frau Hebel auf Bellingcat zu sprechen: „Die Journalisten des investigativen Netzwerks „Bellingcat“ und des russischen Rechercheblogs „The Insider“ berichteten am Montagabend, auch die Identität des zweiten Skripal-Verdächtigen enthüllt zu haben
 
Diese angeblich kritische und neutrale „Enthüllungsplattform“ Bellingcat liefert nun die „Beweise“ für die russische Schuld. Leider vergißt Frau Hebel zu erwähnen, dass Bellingcat auf das Engste mit dem Atlantic Council vernetzt ist, was Bellingcat zu einer sehr parteiischen Institution macht. Und Bellingcat bringt immer dann „Belege“ für die Gräueltaten der aktuellen Feinde der Nato, wenn es keine Beweise gibt. Dann wird sich auf Bellingcat als angeblich neutrale Quelle berufen. Egal, ob es um Giftgas in Syrien, abgeschossene Flugzeuge über der Ukraine oder Skripal geht. Bellingcat ist Experte für alles, wo es keine neutralen Beweise gibt. Und Bellingcat liefert immer pünktlich und zuverlässig. Details über Bellingcat und andere angeblich neutrale Enthüllungsplattformen finden Sie hier.
 
Auch Frau Hebel scheint zu wissen, dass die Zweifel über die Arbeit von Bellingcat & Co. Immer bekannter werden, daher fügt sie hinzu: „„Bellingcat“ und „The Insider“ veröffentlichten seitdem ihre einzelnen Rechercheschritte – auch weil sie so russischen Vorwürfen entgegentreten wollen, sie seien im Auftrag westlicher Geheimdienste tätig.
 
Ich weiß jedoch nicht, wie die Veröffentlichung einzelner Rechercheschritte den Vorwurf der Zusammenarbeit mit westlichen Geheimdiensten entkräften soll. Im Gegenteil bleibt Bellingcat dabei Antworten schuldig: Woher haben sie die angeblichen Kopien der Pässe wenn nicht von den Geheimdiensten? Passkopien sind auch in Russland nicht frei im Internet zugänglich, aber die Briten haben sie, denn die beiden Russen mussten ihre Pässe bei der Beantragung der britischen Visa einreichen. Damit kommen aus meiner Sicht als Quelle nur britische Behörden in Frage und das ist dann ein eindeutiger Hinweis auf eine Zusammenarbeit mit westlichen Geheimdiensten. Die könnten diese Angaben auch selbst veröffentlichen, schieben stattdessen aber Bellingcat vor. Warum? Weil es so nach neutraler Quelle klingt oder weil es eine Falschinformation ist, mit der sich der britische Geheimdienst selbst nicht die Finger schmutzig machen möchte?
 
Über den russischen Geheimdienst GRU schreibt Frau Hebel: „Der GRU machte in den vergangenen Jahren durch einige aufsehenerregende Aktionen auf sich aufmerksam: GRU-Sondereinheiten besetzten 2014 die Krim, Agenten des Dienstes mischten sich in den Präsidentschaftswahlkampf in den USA 2016/2017 ein und versuchten in diesem Jahr einen Hackerangriff auf den Sitz der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) in Den Haag.
 
Damit hat sie ordentlich Stimmung gemacht und gleich Themen in einen Satz gepackt, obwohl nichts davon so stimmt, wie sie schreibt.
 
Im Falle der Krim waren es andere Einheiten, die dort aktiv wurden (Wer sich für Vorgänge auf der Krim 2014 interessiert, für den gibt es hier ausführliche Informationen)
 
Auch die russische Einmischung in die US-Präsidentschaftswahlen nennt Frau Hebel als Fakt, dabei ist auch hier nichts bewiesen, im Gegenteil. Die Fakten zu der sogannten Russlandaffäre finden Sie hier. Und was das OPWC angeht, so arbeite ich derzeit an einer detaillierten Analyse, die ich nachreiche, aber bisher habe ich auch hier keine Fakten, dafür aber viel Stimmungsmache gegen Russland gefunden.
 
Aber Frau Hebel reichen britische Vorwürfe aus, Fakten, Belege oder Beweise braucht sie nicht.
 
Und natürlich muss auch noch irgendwie Putin von Frau Hebel persönlich in diese Sache involviert werden: „Spätestens seit dem 12. September ist Wladimir Putin persönlich in den Skripal-Fall involviert. Damals behauptete er, die beiden von Großbritannien Verdächtigten seien einfache Zivilisten. Doch das Interview der beiden Männer bei RT wirkte grotesk, ihre Darstellung alles andere als stimmig.“
 
Wer das Interview der beiden gesehen hat, muss in der Tat feststellen, dass es ziemlich schwach und wenig überzeugend war. Dazu jetzt ein wenig Spekulation: Würde ein Geheimdienst seine Agenten nicht auf ein solches Interview vorbereiten, mit ihnen üben und ihnen eine gute Legende an die Hand geben? Würde ein „russischer Propagandasender“ wie RT ein solches Interview nicht solange aufnehmen und bearbeiten, bis es überzeugend wirkt? Aber nichts dergleichen, man sieht zwei völlig unvorbereitete Männer, die sich vor der Kamera ziemlich schlecht verkaufen.
 
Daraus kann nun der Eine den Schluss ziehen, dass sie Agenten sind, die keine vernünftige Erklärung für ihren Aufenthalt in England bringen konnten. Und ein Anderer kann daraus den Schluss ziehen, dass hier zwei Unbeteiligte in einen Fall hineingezogen wurden, die schlicht nicht vernünftig auf eine solches Interview vorbereitet waren. Aber egal, zu welchem Schluss man kommt, es ist weder ein Beweis in die eine oder die andere Richtung.
 
Trotzdem reicht dies für Frau Hebel aus, um den Artikel mit dem Satz zu beenden: „Es sieht nun so aus, als hätten sie den Präsidenten auch beim zweiten Verdächtigen der Lüge überführt.
 
Was der Spiegel dagegen auch nach einer Woche noch nicht erwähnt hat, ist dass ein Journalist der BBC ein Buch herausgebracht hat, in dem er mitteilt, dass Skripal selbst nicht daran glaubt, dass Russland an dem Anschlag auf ihn Schuld ist. Das würde auch erklären, warum die Skripals verschwunden sind und keine eigene Stellungnahme abgegeben haben. Man stelle sich vor, Skripal würde vor die Presse treten und sagen: „Die Russen waren es nicht, es waren westliche Geheimdienste, die eine falsche Spur legen wollten“
 
Die Peinlichkeit wäre nicht zu übertreffen, daher ist eine der Schlüsselfragen: Wo sind die Skripals und warum darf niemand mit ihnen reden?
 
Aber vom Spiegel darf man wohl nicht erwarten, dass er diese Schlüsselfrage stellt.
 

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