Handelskrieg und US-Zölle längst Realität – Wo bleibt der von den Medien versprochene Weltuntergang?

US-Zölle auf europäischen Stahl. Da war doch was, oder? Können Sie sich noch an die Weltuntergangsszenarien erinnern, mit denen wir in der ersten Jahreshälfte bombardiert wurden, weil Trump Zölle auf Stahl und Aluminium einführen wollte? Er hat es sogar getan, nur der Weltuntergang ist ausgeblieben.
 
Auch heute beherrschen Meldungen die Schlageilen, wie schlimm ein Handelskrieg zwischen China und den USA sei. Aber die Fakten sprechen eine andere Sprache. Trotz der ersten von Trump eingeführten Zölle auf chinesische Produkte legte der chinesische Export in die USA sogar noch zu.
 
Heute finde ich im Spiegel einen Artikel über die Sojabohne. China hat nämlich als Antwort auf US-Zölle ebenfalls Zölle auf US-Produkte erhoben, unter anderem auf Sojabohnen. Und auch hier ist der Weltuntergang vertagt worden, denn die USA exportieren nun verstärkt nach Europa. Um die südamerikanischen Länder, die bisher in Europa den Markt dominierten, zu verdrängen, mussten sie ihre Preise senken. Die US-Zölle gegen China führten im Klartext dazu, dass Sojabohnen für Europa billiger wurden. Eine Katastrophe sieht anders aus.
 
Auch die südamerikanischen Länder werden aufgrund des Verlustes der Marktanteile in Europa kaum verzweifeln, sie liefern nun einfach nach China und zwar ohne ihre Preise senken zu müssen, denn die chinesischen Zölle auf US-Soja geben ihnen ohnehin einen Preisvorteil gegenüber der US-Konkurrenz. Und wieder gilt: Weltuntergang abgesagt.
 
Gleiches gilt für den Stahl. Jetzt gelten die US-Zölle auf europäischen Stahl seit Monaten aber ich habe nirgendwo gelesen, dass sich die Prognosen der „Experten“ erfüllt hätten. Weder ist die europäische Stahlindustrie in Schwierigkeiten geraten, noch sind die Preise für Stahlprodukte (z.B. Autos) in den USA explodiert. Der monatelang medienwirksam angekündigte Weltuntergang will einfach nicht stattfinden.
 
All dies kommt für mich nicht überraschend, ich habe seinerzeit eine Analyse der Auswirkungen von Zöllen geschrieben und schon bei der Einführung der US-Zölle erklärt, dass schlicht gar nichts spürbares passieren wird. Übrigens bin ich zu diesem Ergebnis nicht gekommen, weil ich ein so genialer Experte auf dem Gebiet bin, sondern lediglich, weil ich etwas von Wirtschaft verstehe, so wie viele von Ihnen auch, und weil ich mir die Mühe gemacht habe, die Angaben der Presse mit fünf Minuten Google-Suche und einem Taschenrechner zu überprüfen. Lesen Sie hier, warum Zölle trotz des Geheuls der Presse kein Problem sind, sondern oft sogar nützlich sein können.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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