Lobenswert?

Schon lange wird bemängelt, dass Pflegekräfte in Deutschland zu schlecht bezahlt werden, zumal ihre Arbeit nicht nur wichtig sondern auch oft körperlich schwer ist. Da ist es doch eine gute Nachricht, dass Spahn nun 3.000 monatliches Gehalt für sie fordert.
 
Aber natürlich geht das nicht über Nacht. Lobbyisten werden Sturm laufen, man wird sagen, die Pflege werde zu teuer und wenn dies umgesetzt wird, dürften die Kosten in der Pflege steigen, was in der Folge zu einer Erhöhung des Beitrages zur Pflegeversicherung führen wird. Denn mir geht es dabei in erster Linie um die Alten- und Krankenpflege, wo die Bezahlung weit unter 3.000 liegt. Krankenschwestern z.B. auf Intensivstationen und im Schichtdienst liegen auch heute schon oft über dieser Summe, in diesem Beruf herrscht daher auch kein Mangel, wohl aber in der Alten- und Krankenpflege.
 
Um all das geht es in dem Artikel jedoch nicht. Der entscheidende Satz findet sich im vorletzten Absatz „Es müsse nun darum gehen, über mehr Ausbildung, Umschulung und Anwerbung von Kräften aus dem Ausland dafür zu sorgen, dass die geplanten 13.000 zusätzlichen Stellen besetzt werden können
 
Ich bin auch aus persönlichem Erleben sehr für eine bessere Bezahlung und vor allem für eine Aufstockung des Personals der Pflegekräfte, aber ich stelle mir die Frage, warum man 13.000 Pflegekräfte aus dem Ausland anwerben und ausbilden muss, wenn es in Deutschland ca. 3 Millionen Arbeitslose gibt. Sollte es wirklich so sein, dass diese nicht bereit wären, für 3.000 Euro monatlich einen Pflegeberuf zu erlernen und auszuüben? Finden sich wirklich unter 3 Millionen Menschen keine 13.000 dafür?
 
Es sollte doch oberstes Ziel der Politik sein, den Arbeitslosen in Deutschland wieder Jobs zu geben und nicht stattdessen Menschen aus dem Ausland anzuwerben, solange es eine so hohe Zahl an Arbeitslosen gibt, die man ausbilden oder umschulen kann. Oder nicht?

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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