Propaganda im Spiegel – Wenn Überschrift und Artikel nicht zusammen passen

Ich habe schon mehrmals darauf hingewiesen, dass es bei den Medien einen Wettstreit geben muss, wer es schafft, schlecht über Trump zu berichten, auch wenn es eigentlich nichts zu berichten gibt. Heute legt der Spiegel nach und es macht Spaß, diesen wirklich primitiven aber trotzdem wirksamen Versuch der Lesermanipulation zu analysieren.
Die Spiegel-ÜberschriftTrumps Anwalt: „Wahrheit ist nicht Wahrheit“, sagt Rudolph Giuliani“ ist für das Ziel gut gewählt und suggeriert, Trumps Anwalt versuche die Wahrheit zu verdrehen. Was soll man da erst von seinem Mandanten Trump erwarten? Dieser Eindruck wird so oder so ähnlich beim Leser erweckt. Dazu noch ein besonders grimmiges Bild von Giuliani – und fertig ist der gewollt negative Gesamteindruck.
Was war passiert? Giuliani war in einer TV-Sendung interviewt worden und er sagte in einem Satz „Wahrheit ist nicht Wahrheit.“, versuchte aber fortzufahren und zu erläutern, was er meinte. Dazu kam es nicht, denn anstatt ihn erläutern zu lassen, was er meinte, unterbrach ihn der Moderator und fragte „Wahrheit ist nicht Wahrheit?“ und ließ ihn nicht ausreden. Der Satz, völlig aus dem Zusammenhang gerissen, war gefallen.
Erst am Ende des Artikels kann man auch im Spiegel lesen: „Im weiteren Verlauf des Gesprächs wurde dann noch etwas klarer, dass Rudy Giuliani darauf anspielte, dass bei solchen Verfahren oft Aussage gegen Aussage stehe: „Donald Trump sagt, ich habe nicht über (ex-Sicherheitsberater Michael) Flynn mit (ex-FBI-Chef James) Comey gesprochen. Und Comey sagt: Das haben Sie“. Wem werde der enge Comey-Freund Mueller dann wohl glauben, fragte Giuliani rhetorisch.
Giuliani sagte und tat also etwas sehr vernünftiges in seiner Position als Anwalt. Er rät seinem Mandanten von einer Aussage ab, weil dieser schnell wegen Meineid angeklagt werden kann. Und zwar einfach, weil Aussage gegen Aussage stehen würde und der erklärte Gegner Trumps in seiner Position als Ankläger natürlich nicht Trump glauben würde. Und so könnte Sonderermittler Mueller eine Anklage wegen Meineid erheben. Gut möglich, dass diese dann abgeschmettert würde, aber für eine gewisse Zeit würde eine Anklage wegen Meineids gegen den US-Präsidenten die Schlagzeilen beherrschen. Dazu kann kein Anwalt seinem Mandanten raten.
Und im US-Rechtssystem geht es etwas anders zu, als in Deutschland. In Deutschland soll ein Staatsanwalt neutral sein und nur dann Anklage erheben, wenn er objektiv von der Schuld des Angeklagten überzeugt ist. In den USA ist es anders, der Staatsanwalt soll seine Fälle gewinnen, selbst wenn er die Angeklagten für unschuldig hält. Dort geht es zwischen Anklage und Verteidigung nur ums Gewinnen und man hofft, dass das Gericht die Wahrheit findet. Bei Geschworenengerichten, die nicht immer nach dem Gesetz sondern auch schon mal nach dem Gefühl entscheiden, ist das eine zweifelhafte Aussicht im Falle eines Prozesses gegen Trump. Die Debatte pro- und contra-Trump ist in den USA so emotionalisiert, dass Geschworene fast sicher emotional entscheiden. Und das ist wie Lotterie.
Also hat Giuliani etwas sehr vernünftiges gesagt. Aber wie wird es im Spiegel dargestellt? Und passt die Überschrift „Trumps Anwalt :“Wahrheit ist nicht Wahrheit““ zu den tatsächlichen Ereignissen?
Die meisten Leser blättern nur durch die Überschriften. Und bei diesen Lesern ist die im Bewusstsein ankommende Botschaft eindeutig: Trump lügt sowieso. Und selbst wer den Artikel liest, muss dies aufmerksam und bis zum Ende tun, um die tatsächlichen Geschehnisse zu lesen. Bis dahin ist jedoch die gewünschte Botschaft bereits im Gehirn verankert und ob der erklärende Absatz am Ende des Artikels tatsächlich den vorher provozierten Eindruck revidiert, ist fraglich.
So funktioniert Propaganda gemäß Lehrbuch.

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