Trump „teilt gegen CNN-Journalisten aus“? Wie der Spiegel durch Wegglassen Nachrichten verfälscht

Gestern geriet Trump bei der Pressekonferenz zu den Wahlen mit einem Journalisten von CNN aneinander. Die westlichen Medien melden nur, dass Trump einen Journalisten von CNN beschimpft hat, die Vorgeschichte lassen sie aber weg. Dabei ergibt sich dann ein ganz anderes Bild.
 
Der Spiegel titelte gestern: „Eklat bei Trump-Pressekonferenz: „Sie sind eine furchtbare, unverschämte Person“ Und der Artikel begann so: „Bei einer Pressekonferenz hat der US-Präsident den Medien „Feindseligkeit“ unterstellt und heftig gegen einen CNN-Journalisten ausgeteilt. Dem Reporter wurde nun „bis auf Weiteres“ die Akkreditierung entzogen.
 
Da denkt man doch sofort, dass Trump wieder mal grundlos durchgedreht ist und den armen Journalisten von CNN ohne Grund persönlich beleidigt hat. Ein vollständiges Bild ergibt sich jedoch erst, wenn man die ganze Geschichte kennt. Entscheiden Sie selbst.
Bei der Pressekonferenz, bei der übrigens Trump selbst dem Journalisten von CNN das Wort erteilt hatte, nutzte dieser das nicht für eine Frage, sondern für ein Streitgespräch mit Trump:
 
„Herr Präsident, ich möchte eine Aussage diskutieren, die Sie im Wahlkampf getätigt haben“
„Jetzt geht´s los“
„Sie nannten die Migrantenkarawane eine Invasion. Aber wie Sie wissen, ist das keine Invasion. Das ist einfach eine Gruppe Migranten, die sich aus Zentralamerika in Richtung der Grenze der USA bewegt.“
„Danke, dass Sie das erwähnt haben.“
„Warum nannten Sie das eine Invasion?“
„Weil ich das so sehe. Wir beide haben unterschiedliche Meinungen.“
„Aber denken Sie nicht, dass Sie Migranten dämonisiert haben?“
„Ganz und gar nicht. Ich will, dass Migranten kommen, aber legal. Sie müssen die vorgesehenen Prozeduren durchlaufen.“
 
Wer mal Aufzeichnungen der Bundespressekonferenzen zum Beispiel bei Jung&Naiv gesehen hat, der weiß, dass es bei solchen Pressekonferenzen Regeln gibt. Jeder Journalist, der eine Frage stellt, darf einmal nachfragen, danach ist der nächste Journalist an der Reihe. Journalisten, die keine Fragen stellen, sondern diskutieren wollen, wird das Wort entzogen, das ist die normale Praxis bei solchen Veranstaltungen.
 
Der Mann von CNN sah das offensichtlich anders, eine Mitarbeiterin wollte ihm nun das Mikrofon abnehmen, um den nächsten Journalisten zu Wort kommen zu lassen. Trump erteilte das Wort bereits dem nächsten Journalisten, aber der Mann von CNN wehrte sich und fuhr fort:
 
„Aber die Migranten sind hunderte Meilen von der Grenze entfernt“
„Wissen Sie, lassen Sie mich das Land regieren und sie führen CNN. Wenn Sie das gut machen würden, hätten Sie andere Ratings. Es reicht jetzt.“
 
Aber dem CNN-Mann reichte es immer noch nicht:
 
„Zu den Russlandermittlungen. Machen Ihnen die drohenden Veröffentlichungen Angst?“
„Mir macht gar nichts Angst, weil das alles Fiktionen sind.“
 
Erst danach, nachdem der CNN-Mann mehrmals die Aufforderungen ignoriert hatte, auch andere Journalisten zu Wort kommen zu lassen, und sich sogar geweigert hatte, das Mikrofon weiterzugeben, sagte Trump: „CNN sollte sich für Sie schämen. Sie sind eine unhöfliche und schreckliche Person, Sie sollten nicht für CNN arbeiten. Sie sind sehr unhöflich. Die Art, wie Sie mit Sarah Huckabee umgehen, ist schrecklich. Und wie Sie andere behandeln, ist schrecklich. Sie sollten Menschen nicht so behandeln.“
 
Während dann schon der nächste Reporter begann, seine Frage zu stellen, stand der CNN-Mann wieder auf und begann eine erneute Diskussion, laut und ohne Mikrofon.
Daraufhin sagte Trump: „Wenn Sie Fake-News verbreiten, was CNN oft macht, sind Sie ein Feind des Volkes.
 
Im Spiegel kann man weder über diese Vorgeschichte, noch über das fortgesetzte Stören der Pressekonferenz durch den CNN-Mann etwas lesen. Das Weiße Haus entzog ihm dann die Akkreditierung für die Pressekonferenzen und begründete das damit, dass sein Verhalten gegenüber anderen Journalisten unfair gewesen sei, die ebenfalls Fragen stellen wollten und damit, dass er sich körperlich gegen den Versuch einer Mitarbeiterin gewehrt hat, ihm das Mikrofon abzunehmen.
 
Die Berichterstattung des Spiegel setzt erst ein, nachdem die das erste Wortgefecht stattgefunden hat und erwähnt nicht, dass der Mann von CNN anstatt Fragen zu stellen, eine Diskussion angefangen hat und sich trotz mehrmaliger Aufforderung weigerte, nach seiner Frage das Mikrofon an andere Journalisten weiterzugeben. Im Spiegel wird es so dargestellt: „Auf offener Bühne zettelte Trump einen handfesten Streit mit dem CNN-Reporter Jim Acosta an. „Sie sind eine furchtbare, unverschämte Person“, fuhr der Präsident den Reporter an.
 
Laut Spiegel war es nicht der CNN-Journalist, der den Streit verursacht hat, sondern Trump. Dabei entsteht natürlich für die deutschen Leser ein völlig anderes Bild. Und das ist gewollt.
 
Man muss Trump nicht gut finden und ich tue dies auch nicht. Aber man sollte zumindest objektiv berichten, damit sich jeder ein wahrheitsgemäßes Bild machen kann. Aber das ist wohl zu viel verlangt von den deutschen Medien.
 
Den vollen Wortlaut des Disputes sehen Sie hier im Original.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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