Wie man Umfragen ganz einfach zum gewünschten Ergebnis manipulieren kann

Es ist faszinierend zu analysieren, wie man Umfragen manipulieren kann. Das zeigt dieser Artikel im Spiegel sehr eindrücklich.
Der Artikel an sich ist nicht sonderlich interessant. Es geht darum, dass Trump nun prüfen lassen will, ob die schon erhobenen Zölle auf chinesische Produkte von 10 auf 25% erhöht werden können.
Interessant wird es ganz am Ende des Artikels. Der Spiegel hat seit einiger Zeit ein neues Feature, die sogenannte Live-Abstimmung. Dort darf sich jeder Leser per Klick an einer Umfrage beteiligen und das Ergebnis wird sofort als Zeiger auf einer Skala zwischen den beiden zur Auswahl stehenden Thesen angezeigt. Eine nette Spielerei, nicht repräsentativ.
Zum Thema Zölle habe ich eine Analyse geschrieben, die aufzeigt, dass die Zölle, mit denen Trump die Welt in Atem hält, praktisch überhaupt keine Auswirkung auf den Handel haben, so werden die Auswirkungen der viel gescholtenen US-Zölle auf Stahl und Aluminium von der Bundesbank auf lediglich 0,4% des BIP der EU geschätzt.
Wenn man mir also die Frage stellen würde, die der Spiegel in dieser Live-Umfrage stellt „Ist Trumps Politik eine Gefahr für die Weltwirtschaft?“, dann würde ich klar mit „Nein“ antworten. Das Problem ist aber, dass es die einfache Antwort „Nein“ nicht gibt. Der Spiegel gibt als mögliche Antworten vor „Ja, seine Wirtschaftspolitik ist wie Poker“ oder „Nein, er weiß genau, was er tut
Nun bin ich ein informierter Mensch, der sich mit dem Thema Zölle ausführlich beschäftigt und dazu recherchiert hat. Trotzdem weiß ich bei Trumps Sprunghaftigkeit nicht, ob „er weiß, was er tut“ und schon gar nicht weiß ich, ob er genau weiß, was er tut. Daher tue ich mich mit der Antwort auf schwer, wenn sie so formuliert ist.
Bei den durchschnittlich informierten Lesern des Spiegel, ist die Wahrscheinlichkeit, dass da jemand angibt, dass er glaubt, Trump wisse genau, was er tut, als fast gegen Null gehend zu beurteilen. Ich habe den Versuch gemacht und lade Sie ein, es auch zu probieren. Das Ergebnis zum Zeitpunkt meiner Antwort war 85% halten Trumps Politik für gefährlich, 9% finden das nicht.
Hätte man aber sachlich gefragt „Sind Zölle eine Gefahr für die Weltwirtschaft?“ und als Antwortmöglichkeiten einfach nur ja oder nein angeboten, ohne jeden suggestiven Zusatz, wären die Antworten sicher anders ausgefallen.
Daher dürfen wir nun abwarten, wann der Spiegel die Ergebnisse dieser durch die vorgegebenen Antworten manipulativen Umfrage nutzen wird, um zu melden, dass die große Mehrheit der Deutschen Trumps Politik gefährlich findet.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

Schreibe einen Kommentar