Angeblich hingerichteter nordkoreanischer Unterhändler ist quicklebendig

Die deutschen Medien haben Ende Mai gemeldet, dass der nordkoreanische Unerhändler bei den Gesprächen mit den USA hingerichtet worden sei. Inzwischen ist er aber gesehen worden und war quicklebendig, nur davon stand nichts in den deutschen Medien.

Ich wollte über diese Meldung eigentlich nichts schreiben, weil sie eigentlich nur eine Randnotiz ist. Sie wurde nun aber für mich interessant, weil sie wieder einmal aufzeigt, wie deutsche Medien Stimmung gegen ihre Feindbilder machen: Wenn es etwas negatives über Nordkorea zu berichten gibt, wird es berichtet. Wenn es sich hinterher als unwahr herausstellt, wird es aber nicht dementiert. Der deutsche Leser erfährt nur das, was er erfahren soll: Negative Meldungen über – in diesem Fall – Nordkorea.

Der Spiegel meldete die Hinrichtung des Unterhändlers am 31. Mai. In dem Artikel stand zu lesen:

„Nach dem ergebnislosen Treffen von US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat Pjöngjang einem südkoreanischen Zeitungsbericht zufolge seinen Sondergesandten für die USA hingerichtet. Kim Hyok Chol sei nach seiner Rückkehr im März am Mirim-Flughafen bei Pjöngjang erschossen worden, berichtet das Blatt „Chosun Ilbo“ unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen.“

Am 2. Juni jedoch berichtete die nordkoreanische Nachrichtenagentur von einem Konzert, dass Kim Jong Un besucht hat und bei dem auch der Unterhändler als einer der anwesenden genannt wurde. Die nordkoreanische Meldung fand ich am 3. Juni bei der TASS.

Inzwischen sind seit der Meldung Nordkoreas schon zwei Tage vergangen und die deutschen Medien haben bislang nichts richtig gestellt. Selbst das deutsche Wikipedia meldet den Mann noch als im März verstorben (Stand 4. Juni 9.45 Uhr). Interessant ist dabei, dass der englische Artikel über den Unterhändler Kim Hyok Chol auf Wikipedia den Mann nicht als tot bezeichnet, denn in englisch-sprachigen Nachrichten wurde darüber berichtet, dass er noch lebt. CNN hat sogar Bilder von dem Konzert veröffentlicht, auf dem der Diplomat nur ein paar Sitze vom „Großen Führer“ Kim Jong Un entfernt sitzt.

Anti-Spiegel @SpiegelAnti

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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