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Das größte Problem für Macron sind nicht die Gelbwesten

Macron hat an allen Fronten Probleme. Sein größtes Problem aber ist ein Skandal, über den man in Deutschland nur selten etwas hört, der für Macron aber weit gefährlicher ist, als die Gelbwesten.

Nach den Ausschreitungen vom Wochenende hat die französische Regierung angekündigt, nun auch die Armee gegen die Demonstranten einzusetzen. Problematisch dabei ist, dass Soldaten nicht dafür ausgebildet sind, Massendemonstrationen zu begleiten, man muss also eine weitere Eskalation der Gewalt befürchten. Das spielt nur Macron in die Hände, denn je gewalttätiger die Demonstrationen werden, desto mehr Menschen gehen aus Angst nicht mehr demonstrieren.

Nachdem alle Versuche, die Gelbwesten-Proteste zu beenden, fehlgeschlagen sind, scheint nur massive Polizeigewalt zu helfen. Je gewalttätiger die Polizei auftrat, desto mehr Gelbwesten verletzt wurden, desto weniger Demonstranten nahmen an den Demos teil. Da passt der nun angekündigte Einsatz der Armee ins Bild.

Das lässt für Samstag nichts Gutes erwarten.

Das viel wichtigere Problem für Macron ist jedoch die Affäre um seinen ehemaligen Leibwächter Benalla. Der Mann sitzt inzwischen in Untersuchungshaft und zwar nicht nur, weil er bei Gelbwesten-Demonstrationen Leute verprügelt hat, sondern wegen Affären im Präsidentenpalast selbst. Heute wurde bekannt, dass auch andere Mitarbeiter der Präsidialverwaltung bei Vernehmungen die Unwahrheit gesagt haben. Anscheinend geht es unter Macron dort drunter und drüber.

Macrons größte Befürchtung dürfte sein, dass sich Benalla auf einen Deal mit dem Staatsanwalt einlässt und auspackt. Gerüchte, Benalla sei nicht nur Leibwächter und Mitglied der Präsidialverwaltung gewesen, sondern auch Macrons Geliebter, reißen nicht ab.

Was Macron privat treibt, ist seine Sache. In diesem Fall aber dürften ihm die Franzosen übel nehmen, dass er sie mit seiner vorgespielten Ehe belogen hat. Macron hat ohnehin schon bei vielen den Ruf, ein Kunstprodukt zu sein, dass erschaffen wurde, um einen Wahlsieg von Kandidaten zu verhindern, die für das Establishment unangenehm hätten werden können. Eine vorgespielte Ehe passt da ins Bild und dürfte dem Image von Macron den endgültigen Todesstoß geben.

Schlimmer noch aber ist es, wenn Macron Posten nach Gutsherrenart an einen Geliebten vergibt. Das klingt nach Vetternwirtschaft, Filz und vielleicht sogar Korruption. Es könnte für Macron richtig gefährlich werden, wenn sich diese Dinge bestätigen. Im Gegensatz zu den deutschen Medien hat das russische Fernsehen darüber schon vor einem Monat ausführlich berichtet.

Da muss Macron sich sogar heimlich freuen, wenn Meldungen über Gewalt bei Gelbwesten-Demonstrationen die Nachrichten über seinen wichtigsten Skandal aus den Nachrichten verdrängen.

Anti-Spiegel @SpiegelAnti

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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