Drei Tage vor Kommunalwahl: Wieder wirtschaftlicher US-Angriff auf die Türkei

Am Sonntag sind nicht nur die Präsidentschaftswahlen in der Ukraine, sondern auch Regionalwahlen in der Türkei. Pünktlich vor der Wahl gerät die türkische Währung wieder unter Druck. Der Westen, allen voran die USA, will Erdogan endlich weg haben.

Vorweg sei gesagt, dass ich kein Erdogan-Fan bin, mir geht es nur um eine objektive Sicht auf die Dinge, die unsere Medien durch Weglassen wichtiger Informationen sabotieren.

Die Streitpunkte der USA mit der Türkei würden einen eigenen Artikel füllen und ich habe dazu schon viel geschrieben. Erdogan erdreistete sich vor einigen Jahren, einen selbstbewussten Kurs im Nahen Osten zu fahren, wo die USA die Vormacht sein wollen. Er verfolgte in Syrien eigene Interessen, ließ sich von der EU nicht einbinden und förderte im Land den Islam, nachdem das Land zuvor ein säkularer Staat gewesen war.

Wenig überraschend kam es 2016 zu einem Putschversuch gegen Erdogan, den nach allem was man weiß, die CIA mit Hilfe der Gülenbewegung orchestriert hat und vor dem Erdogan in letzter Minute von Russland gewarnt wurde. Die Details finden Sie hier.

Wenig überraschend, dass Erdogan darüber nicht erfreut war und als der Westen sich danach weigerte, Putschisten an die Türkei auszuliefern, zeigte der Westen eindeutig, auf wessen Seite er steht.

Man muss das einordnen: Man stelle sich vor, in Frankreich gäbe es einen Militärputsch, der misslingt. Würde Deutschland die Schuldigen an Frankreich ausliefern? Ganz sicher!

Bei der ebenfalls über die Nato mit Deutschland verbündeten Türkei verweigert Deutschland die Auslieferung. Dabei werden humanitäre Gründe vorgeschoben, die es ja auch geben mag. Aber einen Edward Snowden würde Berlin an die USA ausliefern, obwohl ihm dort die Todesstrafe droht.

Fakt ist also, dass Deutschland seine Entscheidung nicht aus humanitären, sondern aus politischen Gründen getroffen hat. Der deutschen und allen anderen westlichen Regierungen stehen die Putschisten näher, als die legitime türkische Regierung.

Das sieht Erdogan natürlich deutlich.

Wenig überraschend hat Erdogan sich danach vom Westen ab- und Russland zugewandt. Das wiederum macht die USA noch wütender und es kamen weitere Streitpunkte mit der Türkei hinzu. Zum Beispiel kauft die Türkei nun das moderne russische Flugabwehrsystem S-400 anstatt der amerikanischen Systeme. Das erbost Washington so sehr, dass man die schon lange vereinbarte Lieferung von modernen Flugzeugen vom Typ F-35 absagen will. Aber die Zeit drängt, wenn die USA den Deal noch verhindern wollen, die ersten Lieferungen aus Russland werden schon im Sommer erwartet und daher dürften die USA den Druck noch erhöhen.

Schon der Einbruch der türkischen Wirtschaft letzten August kam aus wirtschaftlicher Sicht überraschend. Die Türkei hatte eine stark wachsende Wirtschaft und wenig Schulden. Trotzdem gab es einen massiven Angriff der Finanzmärkte auf die Türkei mit der Folge, dass die türkische Währung einbrach und die Wirtschaft Probleme bekam.

Wenn die Finanzmärkte geschlossen die Währung eines Landes angreifen, glaube ich nicht an Zufälle, zumal ich selbst ursprünglich aus dem Finanzgeschäft komme. Und wie der Zufall es will, treffen solche koordinierten Angriffe auf eine Währung immer genau die Länder, die gerade mit den USA im Streit liegen. Und zufälligerweise sitzt die Macht der Finanzmärkte wo? Richtig in New York an der Wallstreet.

Aber laut unserer Presse sind das alles Zufälle und in Wirklichkeit ist angeblich die türkische Regierung an den Problemen schuld. In unserer Presse ist dann von einer „Wirtschaftskrise“ die Rede, dabei handelt es sich um einen Wirtschaftskrieg. Das sehen wir derzeit ja auch in Venezuela, wo angeblich die venezolanische Regierung an den in Wirklichkeit durch US-Sanktionen verursachten Problemen schuld sein soll.

Heute nun berichtet der Spiegel wieder über ein Abwertung der türkischen Währung, exakt drei Tage vor den Kommunalwahlen in der Türkei. Natürlich findet sich in dem ganzen Artikel kein Wort über den Konflikt mit den USA. Für den Spiegel ist alles Zufall. Aber glauben Sie in der internationalen Politik an Zufälle?

Es kann ja Zufall sein, aber die Hintergründe einfach wegzulassen, ist kein Journalismus, sondern Verdummung der Leser.

Man könnte die Zusammenhänge mit dem Streit zwischen der Türkei und den USA ja im Artikel mit Argumenten begegnen, aber diese Dinge einfach wegzulassen, bedeutet, den Leser für dumm zu verkaufen.

Jedenfalls kommen die Währungsturbulenzen aus Sicht der USA erneut genau zum „richtigen Zeitpunkt“, nämlich drei Tage vor den Kommunalwahlen. Man hofft in Washington offensichtlich, mit solchen Aktionen unmittelbar vor dem Wahltag, möglichst viele Wähler zu einer Stimme gegen Erdogan zu bringen und ihn zu schwächen.

Wie gesagt, ich bin kein Freund Erdogans, aber über so manipulative Berichterstattung der deutschen Medien rege ich mich immer noch auf. Länder werden durch Maßnahmen der USA in die Armut getrieben und unsere Medien berichten noch nicht einmal über die Zusammenhänge.

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