Jahrespressekonferenz: Putin im O-Ton über den Klimawandel

Auf der Jahrespressekonferenz des russischen Präsidenten Putin ging es gleich in der ersten Frage um das Thema Klimawandel. Die Antwort Putins dürfte für viele in Deutschland überraschend gewesen sein.

Dass der Mensch der Verursacher des Klimawandels ist, wird in Deutschland von Medien und Politik als Fakt dargestellt, bei dem die Wissenschaftler demnach einer Meinung sind. Das ist bei weitem nicht so, wie ich immer wieder beobachte, wenn ich nicht-deutsche Medien oder gar Podiumsdiskussionen von Wissenschaftlern zu dem Thema verfolge. Ich bin kein Naturwissenschaftler und kann nicht beurteilen, wie groß der Einfluss von CO2 und vor allem des vom Menschen ausgestoßenen CO2 ist, aber was ich sicher sagen kann ist, dass es die viel beschworene Einigkeit der Klimaforscher bei dem Thema nicht gibt. Dazu hat sich Putin auch bei seiner Pressekonferenz wieder einmal geäußert.

Daher habe ich die Frage des Journalisten und Putins Antwort übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Frage: Guten Tag, Herr Präsident! Mein Name ist Valery Sanfirov von Radio Mayak.

Heute habe ich mir die Wettervorhersage angehört und da wurde gesagt, dass es bis Ende Dezember keinen Schnee geben wird. Da habe ich mich sofort gefragt, vor welcher Kulisse Sie Ihre Neujahrsansprache aufzeichnen werden. (Anm. d. Übers.: Die Neujahrsansprache des russischen Präsidenten findet jedes Mal vor einer anderen Kulisse statt. Immer irgendwo auf dem Gelände des Kreml, aber eben immer in einer weihnachtlichen Winterlandschaft und in Russland wird derzeit mit viel Humor diskutiert, wie das dieses Jahr aussehen wird, denn in Westrussland ist es derzeit ungewöhnlich warm für einen Dezember und von Schnee ist weit und breit nichts zu sehen)

Aber ich wollte nicht nach dem Weihnachtsbaum fragen, ich wollte nach dem Klimawandel fragen. Alle reden darüber, aber niemand scheint zu wissen, was man dagegen tun kann. Wie hoch ist das Risiko, was ist Ihre persönliche Meinung zu diesem Thema? Welchen Schaden können diese Klimaveränderungen in Russland anrichten?

Und noch etwas. In diesem Jahr ist Russland, wenn ich mich nicht irre, dem Pariser Abkommen beigetreten und demnach soll unser Land den Ausstoß schädlicher Emissionen um 25-30 Prozent senken.

Aber auf der VTB-Konferenz „Russia is calling!“ sagten Sie vor kurzem, dass die Reduzierung in dem Zeitraum bis zu 60 Prozent betragen würde. Ich frage mich, ist Ihnen hier erstmals ein Fehler unterlaufen oder wie haben Sie das gemeint? Danke.

Wladimir Putin: Sie haben mich erwischt.

Tatsächlich ist Russland dem Pariser Abkommen beigetreten. In der Tat haben wir das bereits früher angekündigt, aber in diesem Jahr haben wir es konkretisiert und der Beitritt wurde von der Regierung beschlossen. Und die dort genannte Zahl ist tatsächlich 25-30 Prozent des Referenzwertes, der als das Jahr 1990 festgelegt wurde. So machen das fast alle Länder, einschließlich der EU: Sie setzen als Referenzwert 1990 an, oder besser gesagt, der die Berechnung basiert auf diesem Datum.

Aber wenn… Wie komme ich jetzt aus dem raus, was Sie gefragt haben… Wenn man von 100 Prozent 30 Prozent abzieht, bleiben 70 Prozent übrig, und wenn man die CO2-Aufnahmekapazität unserer Wälder mit einrechnet, bleiben vielleicht 60. Nehmen wir mal an, dass ich es so gemeint habe. Das ist das Erste. (Anm. d. Übers.: Ich habe damals Putins Aussagen übersetzt und daher jetzt noch einmal nachgeschaut, was er gesagt hat. Die Aussage mit den 60 Prozent habe ich bei der Konferenz „Russia is calling“ nicht gefunden. Putin hat sich bei der Diskussion des Valdai-Klubs mit Zahlen dazu geäußert, allerdings ging es dabei um die russischen Verpflichtungen bis 2050 und nicht bis 2030 und auch die genannten Zahlen waren andere. Die Sache mit den Wäldern ist übrigens eine legitime Aussage, viele Länder haben ihre Waldbestände bei der Berechnung ihrer Klimaziele angerechnet, weil Wälder ja CO2 abbauen. Ich will dem Reporter keine Absicht unterstellen, aber wenn ich nichts übersehen habe, hat er Putin mit einer falschen Angabe zu Putins früheren Aussagen auf´s Glatteis geführt.)

Zweitens: Russland ist keiner der größten Emittenten von Abgasen. Nach Angaben der UNO, gibt es verschiedene Berechnungen der verschiedenen Organisationen, aber gemäß den Vereinten Nationen, werden die ersten Plätze von den Vereinigten Staaten von Amerika und der Volksrepublik China belegt, die für je 16 Prozent der Gesamtemissionen verantwortlich sind, dann folgt die EU mit 11 Prozent, dann Russland mit 6, dann Indien mit 5.

Wie Sie wissen, zielt das Pariser Abkommen darauf ab, einen Temperaturanstieg von 1,5 Prozent zu verhindern. Ob wir das alle zusammen erreichen können oder nicht, weiß ich nicht, denn niemand kennt die wirklichen Ursachen des Klimawandels, zumindest des globalen Klimawandels.

Schließlich wissen wir, dass es in der Geschichte unserer Erde Phasen gab, in denen es sowohl Erwärmungen als auch Abkühlungen gab, und die können von globalen Prozessen im Universum abhängen. Eine leichte Veränderung der Neigung der Rotationsachse der Erde und ihrer Umlaufbahn um die Sonne kann zu sehr ernsten Klimaveränderungen auf der Erde führen und diese Effekte haben in der Geschichte unseres Planeten bereits für kolossale und dramatische Folgen gesorgt, ob sie gut oder schlecht waren, aber es gab dramatische Veränderungen.

Und jetzt passiert das auch. Es ist sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich, zu berechnen, wie die moderne Menschheit den globalen Klimawandel beeinflusst. Aber nichts tun ist auch unmöglich, darin ich stimme meinen Kollegen zu. Deshalb müssen wir auf jeden Fall alles tun, um sicherzustellen, dass sich das Klima nicht dramatisch verändert.

Was unser Land betrifft, so ist dieser Prozess für uns sehr ernst. Bei uns steigen die Temperaturen 2,5-mal schneller, als im Durchschnitt auf dem Planeten. Wie Sie wissen, sind wir ein nördliches Land, 70 Prozent unseres Territoriums liegt in den nördlichen Breitengraden, wir haben ganze Städte jenseits des Polarkreises, die auf Permafrostboden gebaut sind. Wenn der zu tauen beginnt, können Sie sich vorstellen, welche Folgen das für uns hat. Sehr ernste Folgen.

In bestimmten Regionen wird es wärmer, so wie jetzt in Moskau Rekorde bei den Temperaturen gemessen werden, und das kann in einigen Gebieten zu Wüstenbildung führen, was uns sehr besorgt. (Anm. d. Übers.: Russland hat viele Klimazonen, von arktischen im Norden bis zu subtropischen am Schwarzen Meer und das Thema Wüstenbildung kann für Russland im Süden ein großes Problem werden, wo jetzt noch fruchtbare Regionen sind, denen bei einer Erwärmung Wüstenbildung droht)

Der Klimawandel manifestiert sich auch in der Zunahme der Zahl verschiedener Naturkatastrophen: Waldbrände, Überschwemmungen und so weiter. Auch das betrifft uns direkt. Darum haben wir alles getan und werden wir alles tun, alle Anstrengungen unternehmen, um die Folgen dieser Veränderungen so gering wie möglich zu halten.

Ende der Übersetzung


Wenn Sie sich dafür interessieren, wie Russland auf die Fragen der internationalen Politik blickt, dann sollten Sie sich die Beschreibung meines Buches ansehen, in dem ich Putin direkt und ungekürzt in langen Zitaten zu Wort kommen lasse.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

4 Gedanken zu „Jahrespressekonferenz: Putin im O-Ton über den Klimawandel“

  1. Ich bin mitnichten ein Fachmann was den Klimawandel betrifft, allerdings muss man sagen, dass sich in den letzten Jahrzehnten einiges geändert hat, sowohl was die Temperaturen betrifft, als auch die Unwetterhäufigkeit und Intensität. Als Kinder waren wir von Morgens bis Abends in unserem Freibad, ohne irgendeinen Sonnenschutz, oder Sonnencreme Hautschutzfaktor 30. Heute ist man eine halbe Stunde im Freien und hat sich schon den tollsten Sonnenbrand geholt. Es hat nichts mit Nostalgischer Verklärung zu tun, das hat wirklich eine neue Qualität. Der Verdacht liegt nahe, dass das zumindest größtenteils Menschengemacht ist. Was mich an der ganzen Debatte eigentlich am meisten nervt, ist die plötzlich aufkommende Panik. Es geht doch gar nicht darum, ob der ganze Klimawandel der Menschheit geschuldet ist, oder dem Universum. Vor allem geht es unserer Politik in Deutschland auch nicht darum irgendwelche Grenzwerte einzuhalten. Umweltschutz und Klimawandel kann nur Global angegangen werden, denn wir haben nur eine Erde. Es hat sich durch die ganze CO²-Debatte eine ganz neue Einnahmequelle für unsere tollen Volksvertreter aufgetan, sogar eine bei der der Deutsche von sich aus sagt: Das reicht nicht und gerne bereit ist noch etwas mehr zu zahlen. Das Geschrei wird groß, wenn der Deutsche Michel merkt, dass dieser Mist immer teurer wird und sich trotzdem nix tut, was den Klimawandel betrifft. Alles in allem bleibt festzuhalten: Dem Planeten Erde ginge es ohne die Spezies Mensch bei weitem besser…

  2. Hach ja der Klimawandel, über würde man wohl diskutieren wenn es ihn nicht gäbe?

    Vielleicht darüber wie man nachhaltig Afrika mit ausreichen Trinkwasser versorgt und es nicht in umweltschädlichen Pet-Flaschen nach Europa karrt ?

    Vielleicht darüber wie man dezentral Sonnenenergie In Haushaltsstrom wandelt um auch kleinere Orte mit Elektrizität zu versorgen ?

    Vielleicht darüber ein Wegenetz zu schaffen welches sich dem Bedarf der Menschen anpasst ?

    Vielleicht darüber was sinnvoll und machbar ist und weniger was gut für Rendite – Jäger ist ?

    Vielleicht über Sinn/Unsinn eines immer währenden Wachstums ?

    Vielleicht darüber wie wir die Erde schützen können und wie Ausgleich fürs Nicht-Wollen zu erzielen wäre ?

    Vielleicht darüber wie man gesellschaftliche Verantwortung definiert ?

    Aber mit dem Thema Klimawandel muss man auf all die o. g. Fragen keine Antwort geben. Die perfekte Ablenkung !

    http://www.wrongkindofgreen.org/2019/11/06/climate-and-war-bill-mckibbens-deadly-miscalculation/

    http://www.wrongkindofgreen.org/2019/12/02/the-militarisation-marketisation-of-nature-an-alternative-lens-to-climate-conflict/

    http://www.wrongkindofgreen.org/2019/09/26/the-manufacturing-of-greta-thunberg-for-consent-natural-climate-manipulations-volume-ii-act-vi/

    http://www.wrongkindofgreen.org/2019/09/11/the-manufacturing-of-greta-thunberg-for-consent-volume-ii-act-i-a-design-to-win-a-multi-billion-dollar-investment/

    Als Beispiel hier einmal dieses…

    „The Children’s Investment Fund Foundation“

    „Der Investor und Hedgefonds-Manager Christopher Cooper-Hohn gründete 2003 den sehr privaten und exklusiven Children’s Investment Fund (TCI), „einen erfolgreichen und umstrittenen Hedgefonds, der sich für Konzerne wie CSX, die amerikanische Eisenbahn, zu einem Paradebeispiel entwickelt hat.“ Coopers damaliger Ehepartner, Jamie Cooper-Hohn, würde die angeschlossene Wohltätigkeitsorganisation, die Children’s Investment Fund Foundation (CIFF), beaufsichtigen. Die Stiftung für Kinderinvestitionen wurde aus einem Teil der Fondsgebühren finanziert, die der Hedgefonds zur Finanzierung der Stiftung erwirtschaftete. CIFF erhielt seine erste Finanzierung als Spende von The Children’s Investment Fund Management, das den in London ansässigen Hedgefonds verwaltet.“

    „Der Fonds erzielte im Jahr 2004 eine Rendite zwischen 42 und 44% (je nach Anteilsklasse). Die Renditen für 2005 lagen zwischen 50 und 52%. [Quelle] Im Jahr 2008 berichtete die New York Times, dass Anleger, die von Anfang an im Fonds waren, mit einer jährlichen internen Rendite von 42% belohnt wurden. Im Jahr 2013 erzielte der TCI-Flaggschiff-Master-Fonds eine beachtliche Rendite von 47%, was einem der leistungsstärksten Hedgefonds der Welt entspricht. Auch 2016 wurde berichtet, dass der „TCI ein Rekordjahr mit 47% Rendite“ verzeichnet.“

    „Die New York Times berichtet außerdem, dass „etwa 90 Prozent des Vermögens der Children’s Investment Fund Foundation bei T.C.I. reinvestiert werden“. Jamie Cooper-Hohn zitiert: „Es ist schwierig, diese Renditen mit anderen Investitionen in Einklang zu bringen. Ich mag eine voreingenommene Perspektive haben, aber wir haben eine der besten Investmentfirmen der Welt, die sich um unser Kapital kümmern. “

    „Nach der Scheidung der Cooper-Hohns im Jahr 2014 leistet das Unternehmen keinen Beitrag mehr zur Wohltätigkeit der Kinder gemäß den im ursprünglichen Geschäftsmodell festgelegten Gebühren …- kehrte zu aktivistischen Investitionen zurück und kaufte über TCI große Anteile an der australischen Eisenbahngesellschaft QR National, Japan Tobacco und News Corp. Heute hält der Fonds große Anteile an der Telekommunikationsgesellschaft Charter Communications, der europäische Flugzeughersteller Airbus und das globale Landwirtschaftsunternehmen Syngenta. “

    http://www.wrongkindofgreen.org/2019/09/19/green-smearing-from-nicaragua-to-bolivia/

    https://popularresistance.org/western-regime-change-operatives-launch-campaign-to-blame-bolivias-evo-morales-for-amazon-fires/

    Wer sich die Mühe macht und durch diese Links stöbert wird erkennen das es nicht um Klima geht sondern um die gnadenlose Umverteilung von Geld.

  3. Komisch, ich arbeite seit den 70-er Jahren täglich auf Baustellen unter freiem Himmel. Mein Sonnencremverbrauch hielt sich bisher in Grenzen. Auch wenn ich im Januar jedes Jahr als Bleichgesicht in der Karibik meinen Urlaub verbringe brauche ich das Zeug nicht.

    Zu Putins Antwort: ich war etwas enttäuscht davon. Mir kam es vor, als wollte er auf einen fahrenden Zug aufspringen anstatt zu sagen: der Mensch kann das Klima nicht beeinflussen, Veränderungen gab es schon immer auch ohne Menschen und Auto oder sonstwas, was sollen 0,03% CO2 in der Atmosphäre bewirken.

    Zu deiner Arbeit Thomas: vielen Dank für deine unermüdliche Berichterstattung. Ich wünsche dir ein frohes Weihnachtsfest und einen Guten Rutsch. Obwohl, bei euch kommt ja erst der Rutsch und danach Weihnachten.

  4. Man kann es noch anders sehen, wie Bodybuilding. Beim Klima kann der Mensch seine Muskeln trainieren. Für weitere Aufgaben die er noch weit vor sich herschiebt, weil sie zu schwer für ihn sind; Plastik, chemische und radioaktive Verschmutzung, Kriege usw. Dafür braucht es gewaltige Muskeln.

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