Kein Wort in den deutschen Medien über Kriegsverbrechen der Niederlande im Irak

Die holländische Luftwaffe hat 2015 ein Dorf im Irak bombardiert und dabei bis zu 300 unschuldige Zivilisten getötet. Die Regierung versuchte, das geheim zu halten, nun ist es jedoch bekannt geworden.

Da darüber keine Meldungen in Deutschland zu finden sind, obwohl die niederländische Presse widerstrebend berichtet und es auch im dortigen Parlament Anhörungen zu dem Thema gegeben hat, werde ich die offizielle Erklärung des russischen Außenministeriums zu dem Fall übersetzen.

Beginn der Übersetzung:

Wie Sie wissen, werfen unsere westliche Partner unter anderem unserem Land, aber auch anderen Ländern, sehr häufig, ohne Beweise, verschiedenste schwere Verstöße im Nahen Osten und in Nordafrika vor, es geht unter anderem um Syrien. Uns werden „Zerstörungen von zivilen Objekten“, angebliche „Angriffe auf medizinische Einrichtungen“ und „nicht gerechtfertigte Opfer unter der Zivilbevölkerung“ vorgeworfen. Die Niederlande sind da keine Ausnahme. Auf Initiative von örtlichen offiziellen Vertretern sehen wir Dokumente in den Medien zu diesem Thema auftauchen. Am interessantesten ist: Je aktiver diese offensichtliche Dynamik bei der Entfachung des Anti-Russland-Themas ist, desto mehr Fakten tauchen auf, die auf die wahre Rolle und die wahren Interessen dieser Länder hinweisen, auch im humanitären Bereich, die das wahre Verhalten dieser Staaten und Regierungen zur Problematik der Menschenrechte und von Menschenleben selbst im Nahen Osten und Nordafrika aufzeigen.

Ich möchte ein paar Worte über einen tragischen Fall unter Beteiligung des holländischen Militärs im Irak sagen, der keine Aufmerksamkeit der internationalen Öffentlichkeit bekommen hat. Wie nach journalistischen Recherchen bekannt wurde, die von einigen Medien durchgeführt wurden, bombardierten Flugzeuge der niederländischen Luftstreitkräfte vom Typ F-16 im Juni 2015 die irakische Ortschaft Hawidscha. Einige Angaben sprechen von mehr als 70 toten Zivilisten, andere von rund 300.

Wie nun bekannt wurde, versuchte die holländische Regierung vier Jahre lang, dies zu verheimlichen. Zwei Verteidigungsminister – Jeanine Hennis-Plasschaert, die jetzt das Amt der Sonderbeauftragten des UN-Generalsekretärs für den Irak innehat und die 2017 abgelöste Ank Bijleveld – verheimlichten den Vorfall absichtlich und bestritten später eine solche Opferzahl unter der Zivilbevölkerung während der Operationen im Irak. Sie taten dies auch gegenüber dem eigenen Parlament, dem gegenüber sie übrigens rechenschaftspflichtig sind.

Während der Debatten mit Abgeordneten griffen Verteidigungsministerin Jeanine Hennis-Plasschaert und Premier Mark Rutte zu Ausreden, dass der Staatsführung nicht über die Opferzahl berichtet wurde, weshalb dem Fall keine Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Parallel wurde versucht, die Verantwortung auf die Verbündeten der Anti-IS-Koalition abzuschieben, die den Piloten angeblich falsche Koordinaten der Zielobjekte gegeben hätten. Schließlich wurde auch behauptet, dass es zur Explosion von Munition in zerbombten Lagern der Terroristen gekommen ist, die zur unabsichtlichen Zerstörung der Wohnhäuser geführt habe. Es gab auch zynische Erklärungen, wonach die Regierung „im Interesse der Gewährleistung der Sicherheit der Piloten“ kein Recht hatte, das Parlament zu informieren. Es gab viele Märchen.

Wie wir aus entsprechenden, offen zugänglichen Materialien verstanden haben, hatte der starke Druck der Abgeordneten keinerlei Folgen. Die Versuche der Oppositionsparteien, die Regierung zur Verantwortung zu ziehen und ein Misstrauensvotum zu verabschieden, scheiterten. Obwohl offizielle Vertreter früher schon für kleinere Verstöße ihren Rücktritt erklärt haben.

Im Ergebnis konnte das Kabinett jede Strafe vermeiden, ohne logische Erklärungen abzugeben, warum Dutzende – vielleicht auch Hunderte, das muss noch geklärt werden – unschuldige Menschen ums Leben gekommen sind und warum diese Tatsache verheimlicht wurde.

Das ist eines der Beispiele der so genannten gerechten Justiz auf holländische Art und des Wunsches, den Fokus von der eigenen Rolle in internationalen Angelegenheiten unter anderem auf Russland zu verschieben.

Ende der Übersetzung

Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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