MH-17: Daten für Gerichtsverhandlung ohne Angeklagte bekannt gegeben

Die Gerichtsverhandlung über den Abschuss von MH-17 soll nächstes Jahr stattfinden. Nun wurden in den Niederlanden sie genauen Daten genannt. Die gerichtlichen Anhörungen sollen bis Ende 2021 dauern.

Das Gericht Schiphol in den Niederlanden gab die Verhandlungswochen bekannt, in denen über MH-17 zu Gericht gesessen werden soll. Die Bekanntgabe hängt mit den erhöhten Sicherheitsvorkehrungen zusammen. Demnach finden die Verhandlungen in folgenden Perioden statt: 9. bis 13. März 2020, 23. bis 27. März 2020, 8. Juni bis 3. Juli 2020, 21. August bis 13. November 2020 und 1. Februar bis 26. März 2021.

Ich erwarte die Verhandlung mit Spannung, denn Staatsanwalt Westerbeke, der vier Männer wegen MH-17 anklagen will, hat außer Telefonmitschitten des ukrainischen Geheimdienstes SBU, der schon mit vielen Fälschungen aufgefallen ist, nichts in der Hand. Hinzu kommt, dass die Verhandlung in Abwesenheit der Angeklagten stattfinden wird, es wird also keine Fragen an die Angeklagten geben können und auch eine Verteidigung ist so kaum möglich.

Über die letzten Entwicklungen zu MH-17 in den Niederlanden habe ich erst vor wenigen Tagen geschrieben. Dort sind die Abgeordneten unzufrieden, weil die Regierung Dokumente zu MH-17 geheim hält, obwohl sowohl Abgeordnete, als auch Journalisten auf jede erdenkliche Weise – auch vor Gericht – Einsicht verlangt haben. Die Frage, was die Niederlande zu verbergen haben, ist für mich eine der interessantesten Fragen an dem Fall.

Aber unverständlicher Weise haben die deutschen „Qualitätsmedien“ dazu keinerlei Fragen, oder haben Sie bei denen dazu etwas gelesen?

Da ich im Zuge meiner Arbeit an dem Buch über die Ukraine-Krise 2014 sehr ausführlich zu MH-17 recherchiert habe (das Kapitel in dem Buch hat ca. 70 Seiten und fast 100 Quellenverweise) kenne ich mich mit dem Thema sehr gut aus und habe dazu auch hier schon einiges geschrieben. Eine Kurzfassung der Hintergründe finden Sie hier und das Kapitel aus meinem Buch habe ich hier als Leseprobe veröffentlicht.


Wenn Sie sich für die Ukraine nach dem Maidan und für die Ereignisse des Jahres 2014 interessieren, als der Maidan stattfand, als die Krim zu Russland wechselte und als der Bürgerkrieg losgetreten wurde, sollten Sie sich die Beschreibung zu meinem Buch einmal ansehen, in dem ich diese Ereignisse detailliert auf ca. 670 Seiten genau beschreibe. In diesen Ereignissen liegt der Grund, warum wir heute wieder von einem neuen Kalten Krieg sprechen. Obwohl es um das Jahr 2014 geht, sind diese Ereignisse als Grund für die heutige politische Situation also hochaktuell, denn wer die heutige Situation verstehen will, muss ihre Ursachen kennen.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

Ein Gedanke zu „MH-17: Daten für Gerichtsverhandlung ohne Angeklagte bekannt gegeben“

  1. „Die Frage, was die Niederlande zu verbergen haben, ist für mich eine der interessantesten Fragen an dem Fall.
    Aber unverständlicher Weise haben die deutschen „Qualitätsmedien“ dazu keinerlei Fragen, oder haben Sie bei denen dazu etwas gelesen? “

    In der Tat, was haben die Niederlande zu verbergen? Offensichtlich eine ganze Menge, denn sonst brauchten sie diese Geheimniskrämerei ja nicht! Vermutlich wäre auch der Prozess abzusagen, weil die ganze Anklage in sich zu zusammenfällt oder ganz andere Figuren anzuklagen wären! Und ich bin mal gespannt, ob die Regierung überhaupt etwas unternimmt, um den Parlamentsbeschluss umzusetzen, der da fordert, gegen die Ukraine zu ermitteln! Meine Hoffnung ist überschaubar!

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