Putin im O-Ton über den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern

Bei dem Interview vor seinem Besuch in Saudi-Arabien, dass Putin drei arabischen Fernsehsendern gegeben hat, wurde er auch nach dem israelisch-palästinensischen Konflikt gefragt.

Da dieses Thema ein wenig aus den Nachrichten verschwunden ist und man im Westen kaum zu hören bekommt, was Staaten in anderen Teilen detr Welt zu dem Konflikt sagen, habe ich Putins Antwort übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Journalist: Herr Präsident, ein weiteres Thema, das früher sehr relevant war, betrifft die palästinensisch-israelische Aussöhnung. Russland und die Sowjetunion spielten eine wichtige Rolle bei der Lösung dieses Problems, zum Beispiel bei der Madrider Konferenz. Derzeit sehen wir von Russland bei dem Thema keine große Aktivität, während die Vereinigten Staaten feierlich den so genannten Deal des Jahrhunderts ankündigen und die israelische Regierung ihre willkürliche Politik der Unterdrückung fortsetzt. Aber wo ist Russlands Rolle bei der Lösung dieses für den Nahen Osten grundlegenden Problems?

Putin: Die Lösung hängt ja nicht von uns ab, nicht von unserer Aktivität. Es hängt vom Wunsch aller an diesem Prozess beteiligten Parteien ab, wen sie in dem Prozess sehen oder nicht sehen wollen.

Übrigens haben wir auch sehr gute Beziehungen zu Israel. Fast anderthalb Millionen israelische Bürger stammen aus der ehemaligen Sowjetunion. Es ist fast ein russischsprachiges Land. Wo auch immer Sie dort hinkommen, jeder spricht Russisch. Darum ist es uns nicht gleichgültig, was dort vor sich geht. Aber wir haben eine grundsätzliche Position zur palästinensischen Frage. Wir halten uns strikt an alle Beschlüsse der Vereinten Nationen und sind der Meinung, dass sie umgesetzt werden müssen.

Was den „Deal des Jahrhunderts“ betrifft, so werden wir jeden Deal unterstützen, der zum Frieden führt, aber wir müssen verstehen, was dieser Deal überhaupt ist. Schließlich sind noch keine Einzelheiten des so genannten „Deals des Jahrhunderts“ bekannt, die Vereinigten Staaten haben sie der Öffentlichkeit noch nicht präsentiert. Nicht der Weltöffentlichkeit und nicht ihrem eigenen Land, nicht dem Nahen Osten und nicht Palästina.

Wir gehen von der Zwei-Staaten-Lösung aus, die einen palästinensischen Staat schaffen soll. Wir haben immer angeboten, in Moskau direkte Verhandlungen zwischen dem israelischen Ministerpräsidenten und der Führung der Palästinensischen Autonomiebehörde zu führen, aber leider ist es dazu nicht gekommen. Wir tun alles, wir haben mehrere Konferenzen abgehalten, mehrere Treffen mit verschiedenen Gruppen Palästinas gehabt. Wir glauben, dass die Wiederherstellung der palästinensischen Einheit ein sehr wichtiger Faktor wäre, weil ohne sie die palästinensische Position geschwächt ist.

Wir arbeiten daran. Das bedeutet nicht, dass wir aus diesem Prozess völlig ausgestiegen sind und er uns nicht mehr interessiert. Wir sind sehr daran interessiert, vor allem, weil wir glauben, dass der israelisch-palästinensische Konflikt der Schlüssel zur Lösung so vieler Probleme der Region ist. Und solange das nicht gelöst ist, ist es auch eine Quelle von Radikalismus und Terrorismus. Denn wenn Menschen das Gefühl haben, nicht in der Lage zu sein, ihre Rechte legal zu verteidigen, greifen sie zu den Waffen. In diesem Sinne scheint mir nicht nur Palästina, sondern auch das israelische Volk an einer endgültigen Lösung interessiert zu sein.

Ende der Übersetzung


Wenn Sie sich dafür interessieren, wie Russland auf die Fragen der internationalen Politik blickt, dann sollten Sie sich die Beschreibung meines Buches ansehen, in dem ich Putin direkt und ungekürzt in langen Zitaten zu Wort kommen lasse.

Anti-Spiegel @SpiegelAnti

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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