USA lassen Kurden fallen – Das russische Fernsehen über den Umgang der USA mit ihren „Verbündeten“

Das russische Fernsehen hat am Sonntag in der Sendung „Nachrichten der Woche“ einen Blick drauf geworfen, wie zuverlässig die USA als Partner eigentlich sind. Das Ergebnis ist wenig überraschend, aber ich wüsste gerne, wie ein Transatlantiker gegen diese nackten Fakten argumentiert.

Dass man im russischen Fernsehen kaum Lobeshymnen auf die USA erwarten kann, ist wenig überraschend. Aber immer wieder sind die nackten Fakten, die dort präsentiert werden, wie eine kalten Dusche. In diesem Beitrag wurde einfach nur aufgezählt, wie die USA mit ihren sogenannten „Verbündeten“ umgehen und man denkt sich spontan: „Wer solche Freunde hat, der braucht keine Feinde mehr“.

Egal, ob aktuell die Kurden, ob die EU oder Nordkorea bei den kürzlichen Verhandlungen über sein Atomprogramm, sie alle wurden schon von den USA betrogen. Von der Ukraine, die gerade von ihrer „Schutzmacht“ durch einen innenpolitischen Skandal zerrieben wird, gar nicht zu reden. Ich habe daher diesen Beitrag des russischen Fernsehens, der all das mit nackten Fakten auflistet, übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Das Schicksal der Kurden ist weckt Mitgefühl. Aber gleichzeitig sollte man verstehen, dass die Kurden selbst in Syrien aus irgendeinem Grund Amerika als ihren Verbündeten gewählt haben, nicht den Präsidenten ihres Landes, Baschar al-Assad, und nicht Russland, das konsequent dazu beigetragen hat, Syrien von IS-Terroristen zu säubern.

Die Kurden weigerten sich, mit Assad zu verhandeln und ihre Aktionen in Syrien haben sie nur mit den Vereinigten Staaten koordiniert. Die Amerikaner benutzten sie zunächst als Kanonenfutter, weil die Kurden ausgezeichnete Krieger sind. Für ihre Dienste und Loyalität hofften die Kurden mit Hilfe der Vereinigten Staaten, einen eigenen Staat zu schaffen oder zumindest von ihnen geschützt zu werden. Aber die Amerikaner haben die Kurden am Ende einfach verraten und fallen gelassen. An wen sollen die Kurden jetzt eine Beschwerde schicken? Schließlich haben die Vereinigten Staaten die Kurden im Laufe der Geschichte schon mindestens ein Dutzend Mal betrogen.

Nach dem Ersten Weltkrieg haben sie die Gründung eines eigenen kurdischen Staates nicht unterstützt. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben sie die Kurden bewaffnet, um die Feinde der USA in der Region zu besiegen und als die Kurden dann bombardiert und mit amerikanischem Napalm bekämpft wurden, haben die USA keinen Finger gerührt, um die Kurden zu unterstützen.

Jetzt haben die USA ihre Verbündeten wieder mal im Stich gelassen. Obwohl, wenn man sich den Fall von der anderen Seite anschaut, haben sich die Kurden selbst erneut bei der Wahl ihres Schirmherrn betrogen. Schließlich sind die Vereinigten Staaten ein unzuverlässiger Partner. Ich verstehe, warum zum Beispiel die Polen in letzter Zeit nervös werden. In einem Artikel einer großen polnischen Zeitung mit der Überschrift „Trump hat die Kurden verraten. Wird er Polen auch verraten?“ hieß es: „Wir werden immer den Verrat Amerikas fürchten, egal wer dort Präsident ist.“

Aber kann Amerika wirklich die Europäer verraten? Ja, es kann. Mehr noch, es ist bereits geschehen. Vor fünf Jahren verhängte Europa unter starkem Druck der USA Sanktionen gegen Russland. Moskau hat reagiert. Europa hat dabei mehr als 100 Milliarden Euro verloren. Und jetzt verhängt Amerika de facto Sanktionen gegen Wein und Käse aus Europa, indem es die Einfuhrzölle um bis zu 25 Prozent erhöht. Wenn wir uns daran erinnern, dass die USA schon vorher hohe Zölle auf europäischen Stahl und Aluminium eingeführt haben, wird klar, warum Europa all dies als Verrat betrachtet. Im russischen Slang nennt man das „Kidalovo“. (Anm. d. Übers.: Das Wort ist nicht zu übersetzen, es bedeutet, jemanden im wichtigsten Moment hängen zu lassen oder zu verraten)

Genau das ist es, was Nordkorea erlebt hat. Kim Jong-Un kam zu Gesprächen mit Trump. Er flog sogar im Flugzeug hin, um sich mit dem Kollegen zu treffen, sprengte sein Atomtestgelände in die Luft, bekam aber dafür im Gegenzug nichts und weigerte sich schließlich, weitere Verhandlungen mit Trump zu führen.

Kürzlich verkündete das nordkoreanische Außenministerium das Scheitern der Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten, weil die amerikanischen Diplomaten mit leeren Händen zu den Treffen kamen. Es gibt so unzählige Fälle, die die Unzuverlässigkeit der USA als Partner zeigen. Saudi-Arabien hat vor über einem Jahr für 100 Milliarden Waffen von den USA gekauft, hat sogar versprochen noch drei Mal mehr zu kaufen, und dann sind Drohnen und Raketen in ihre Raffinerie geflogen und die US-Luftverteidigung hat nicht funktioniert. Und dann sagte Trump auch noch, dass die USA nicht versprochen hätten, die Saudis zu beschützen.

Aber wozu auf so weit entfernte Beispiele schauen? Zuerst hat Amerika den Putsch in der Ukraine unterstützt, der den Zerfall des Landes und den Bürgerkrieg provoziert hat, und jetzt ist die Ukraine für jeden amerikanischen Führer – für den gegenwärtig und auch jeden zukünftigen – ein so toxisches Land geworden, dass ein Treffen zwischen den Präsidenten der Länder – oder auch nur ein Telefonat – in absehbarer Zeit schwer vorstellbar ist. Es gibt nichts zu besprechen. Es sei denn, die Ukraine will US-Flüssig-Gas, US-Kohle oder US-Waffen kaufen. Das heißt, für Geld wird geredet, aber ansonsten nicht.

Ende der Übersetzung


Wenn Sie sich dafür interessieren, wie Russland auf die Fragen der internationalen Politik blickt, dann sollten Sie sich die Beschreibung meines Buches ansehen, in dem ich Putin direkt und ungekürzt in langen Zitaten zu Wort kommen lasse. Es ist teilweise wirklich unterhaltsam, wie Putin mal bitterernst, mal mit einer großen Portion schwarzem Humor die Politik der USA in dem Buch immer wieder treffend charakterisiert.

Anti-Spiegel @SpiegelAnti

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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  • Wer mit Teufel zu Mittag essen will, braucht einen langen Löffelstiel! Die USA halten sich an keinen Vertrag, an keine Zusage, das kennen wir doch schon seit der Indianerzeit! Die brauchen Erfüllungsgehilfen, mehr nicht! Überall in der Welt stiften sie Unfrieden, hetzen die Leute aufeinander, schüren Konflikte, Erpressung, Intrigen, Mord, sind ihre Methoden! Mir ist dieses Gesindel so was von suspekt und ich empfinde eine riesige Abneigung! Und die Transatlantiker sind nichts anderes als Kollaborateure!

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