Wie Russland die Aussichten der Weltwirtschaft einschätzt

Während im Westen die Sorge vor einer neuen Wirtschaftskrise wächst, ist man in Russland erstaunlich entspannt. Wie kommt das?

Russland macht sich immer unabhängiger sowohl vom Dollar und damit auch vom westlichen Finanzsystem. Obwohl das einer der Hauptgründe für die aggressive Politik der USA gegenüber Russland sein dürfte, wird in Deutschland darüber nicht berichtet.

Die Macht der USA steht und fällt mit dem Dollar. Solange der Dollar den weltweiten Handel dominiert, können die USA aufgrund der großen Nachfrage nach Dollar weiterhin ungebremst Schulden machen und damit ihren aufgeblähten Militärapparat finanzieren. Die Schulden der USA wachsen immer schneller, gerade erst haben sie die 23 Billionen-Dollar-Grenze durchbrochen. Das sind immerhin 23.000.000.000.000 Dollar Schulden. Die USA sind also de facto pleite, denn ihre Schulden wachsen immer schneller und sind völlig außer Kontrolle geraten. Aber solange der Dollar auf der Welt gefragt ist, können sie dieses Spiel spielen. Mehr Details dazu finden Sie hier.

Das ist der Grund, warum die USA gegen jedes Land vorgehen, dass seinen Handel nicht mehr in Dollar abwickeln möchte. Gaddafi zum Beispiel wollte eine afrikanische, goldgedeckte Währung einführen, damit war er zum Abschuss freigegeben. Aber im Falle von China und Russland können die USA nicht einfach die Länder bombardieren, sie sind zu stark und würden sich wehren. Also geht man gegen diese Länder mit Sanktionen vor.

Putin hat das immer wieder gesagt, wenn er 2014 von Kritikern im eigenen Land auf die Sanktionen angesprochen wurde, die mit der Wiedervereinigung mit der Krim begründet wurden. Putin hat seinen Kritikern dann entgegen gehalten, dass die Krim nicht der Grund für die Sanktionen sind, sondern nur ein Vorwand. Nach Putins Meinung wollen die USA Russland, nachdem es wieder auf die Beine gekommen ist und dem Weltmachtanspruch der USA im Wege steht, in die Knie zwingen. Wären die Ereignisse auf der Krim nicht gewesen, hätten die USA einen anderen Vorwand gefunden.

Und die folgenden Jahre gaben Putin recht. Die USA verhängen immer neue Sanktionen gegen Russland und längst geht es nicht mehr um die Krim. Die USA (er)finden ständig neue Vorwände für Sanktionen.

Wer diese These anzweifelt, sollte über folgendes Beispiel nachdenken: Die USA haben verschiedene Sanktionen wegen der angeblichen russischen Einmischung in die US-Wahlen von 2016 verhängt. Aber als der Mueller-Bericht ergeben hat, dass es diese Einmischung gar nicht gegeben hat, da haben die USA die Sanktionen aber nicht wieder abgeschafft, sondern einfach neue Gründe (er)funden, um weitere Sanktionen zu verhängen.

Dabei sind die USA in einen Teufelskreis hineingeraten. Bei dem Versuch, ihren Willen durchzusetzen, haben sie gegen immer mehr Länder immer mehr Sanktionen verhängt und diese Länder dadurch gezwungen, sich nach Alternativen zum Dollar umzuschauen. Sie gehen dazu über, den Handel in den nationalen Währungen abzurechnen, anstatt über den Umweg über den Dollar. Damit sinkt der Anteil des Dollar am Welthandel und das weltweite Vertrauen in den Dollar. Es geschieht also genau das, was die USA eigentlich um jeden Preis verhindern müssen.

Die USA sägen also immer kräftiger an dem Ast, auf dem sie sitzen. Putin hat immer wieder öffentlich gesagt, dass er nicht nachvollziehen kann, warum die USA eine Politik machen, die ihnen am Ende mehr schaden wird, als allen anderen. Besonders deutlich hat er es Ende November 2018 formuliert, als er dazu sagte:

„Die USA schießen sich nicht nur ins Knie, sie schießen etwas höher.“

Solche Äußerungen gibt es von Putin massenhaft, wie man auch in meinem Buch über Putin nachlesen kann. Zuletzt hat er sich dazu im Oktober auf einer Konferenz über Energiesicherheit in ähnlicher Weise geäußert.

Und weil die USA auch das internationale Zahlungssystem SWIFT als Druckmittel einsetzen, indem sie zum Beispiel den Iran de facto davon abgeklemmt haben, machen sich nun die Länder der Welt auf die Suche nach Alternativen zu SWIFT. Die BRICS-Staaten sind dabei, ihre verschiedenen Zahlungssysteme zusammenzuschließen, was erstens zu einer Unabhängigkeit von SWIFT und zweitens zu einer Abkehr vom Dollar führen wird.

Russland hat auch reagiert, indem es seine Währungsreserven umgestellt und den Anteil an Dollar massiv abgebaut hat. Russland setzt auf Gold. Dabei geht es jedoch nicht explizit um den Kampf gegen den Dollar, sondern um defensive Maßnahmen. Russland will einfach nur verhindern, dass die USA den Dollar als Instrument für Sanktionen verwenden können. RT-Deutsch hat Leiter der Forschungs- und Prognosestelle der russischen Zentralbank, Alexander Morosow, so zitiert:

„Da Russland mit vielen Ländern in verschiedenen Währungen handelt, sind wir natürlich daran interessiert, einen Teil der Fremdwährung in der Struktur unserer Vermögenswerte zu halten. Wir hatten also nicht das Ziel, den US-Dollar, den Euro oder eine andere Währung vollständig loszuwerden.“

Russland gehört zu den Ländern mit den größten Reserven der Welt. Inzwischen sind es über 500 Milliarden und Russland hat ein Programm beschlossen, bei dem Gewinne aus dem Verkauf von Öl, wenn der Ölpreis über 42 Dollar liegt, automatisch in die Reserven fließen. Sie wachsen also sehr schnell, denn der Ölpreis liegt um einiges darüber, während im Westen nur die Schulden wachsen.

Der Untergang des Sozialismus Ende der 1980er Jahre wird uns immer damit begründet, dass der Sozialismus pleite gewesen wäre. Nach dieser Logik müsste das westliche Wirtschaftssystem heute längst pleite sein und zusammenbrechen, denn die Verschuldung des Westens ist heute ungleich höher, als sie es bei sozialistischen Ländern je war. Heute steht der Westen, was die Schulden angeht, miserabel da, während die meisten anderen Länder weit weniger verschuldet sind. Die Frage, wie lange das noch funktionieren kann, ohne dass das westliche System kollabiert, ist eine mehr als berechtigte Frage, über die Sie hier mehr lesen können.

Am Sonntag hat die russische Sendung „Nachrichten der Woche“ in einem Beitrag auch ein Interview mit der Chefin der russischen Zentralbank gezeigt, wo sie auch zu diesem Thema befragt wurde. Diesen Teil des Beitrages habe ich hier übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Die Chefin der russischen Zentralbank Elvira Nabiullina gab Nile Asker Zade ein großes Interview und teilte ihre Prognosen über die Zukunft der russischen Wirtschaft mit. Ist sie gegen externe Herausforderungen gerüstet? Sollte Russland Angst vor neuen Sanktionen haben?

Die Schlacht der Giganten des Welthandels, den Vereinigten Staaten und Chinas, malt das Schreckgespenst der Rezession an die Wand. In Deutschland wird von einer sich abzeichnenden globalen Krise gesprochen. Analysten senken die Prognosen für die Entwicklung der Weltwirtschaft. Nach Angaben der Zentralbank wird sie in diesem Jahr um 3 Prozent wachsen. Für Russland ist es vor diesem Hintergrund wichtig, eigene, interne Impulse für das Wirtschaftswachstum zu haben.

„Hat Russland keine Angst vor einer Krise?“

„Sie kann Auswirkungen haben, aber wir haben wirklich fundamentale Grundlagen für unsere Stabilität geschaffen. Wir haben lange daran gearbeitet, dass die innere Entwicklung Russlands nicht so sehr von externen Schocks und externen Schwankungen abhängig ist“, versicherte Elvira Nabiullina.

Mit externen Schocks sind in erster Linie die Sanktionen gemeint, mit denen Russland seit sechs Jahren lebt. Die USA drohen mit neuen Sanktionen, vor allem gegen Banken. Ist unser Finanzsystem darauf vorbereitet?

„Wir haben uns daran gewöhnt, unter den Sanktionen und mit ständigen Diskussionen über neue Sanktionen zu leben. Deshalb bereiten wir uns darauf vor, berechnen alle negativen Szenarien, um dem möglichen Sanktionsdruck am besten standzuhalten. Wir beobachten verschiedene Aspekte der Finanzstabilität, um vorbereitet zu sein“, sagte die Zentralbankchefin.

Trotz der Sanktionen ist der Rubel in diesem Jahr gegenüber dem Dollar und dem Euro sogar stärker geworden.

„Der Hauptgrund für diese Stärkung des Rubel sind Kapitalzuflüsse. Investoren sind auf der Suche nach profitableren Wertpapieren und Investitionen, daher gab es einen Kapitalzustrom in viele Schwellenmärkte, zu denen auch Russland gehört“, sagte Nabiullina.

Investoren schicken ihr Geld wieder in unsere Wirtschaft. Die Zentralbank erklärt das damit, dass sie eine Abschwächung der Politik der Zentralbank erwarten, mit der Stabilität der makroökonomischen Bedingungen in Russland und mit der Tatsache, dass die Inflation in Russland unter Kontrolle ist. Im Oktober lag sie bei 3,8% Prozent.

Ende der Übersetzung

Wer sich die reinen Fundamentaldaten der Wirtschaft anschaut, kann nicht umhin, sich Sorgen um den Westen zu machen. Die gleichen Wirtschaftsexperten, die uns erklären, der Sozialismus sei an seinen Schulden zu Grunde gegangen, erklären uns heute, dass Staatsschulden kein Problem seien. Dieser Logik zu folgen, ist nicht ganz einfach und manchmal klingt sie für mich, wie das Pfeifen im dunklen Walde…

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

9 Gedanken zu „Wie Russland die Aussichten der Weltwirtschaft einschätzt“

  1. Um das Problem der zunehmenden Verschuldung und die Perspektiven der verschiedenen Länder besser zu verstehen ist folgendes wichtig:
    1. Geld ist ein Versprechen auf die Lieferung menschlicher Arbeit. Schulden und Zinsen bedeuten damit, dass man in der Gegenwart oder in der sehr nahen Zukunft Geld und damit Produkte menschlicher Arbeit bekommen möchte UND, dass man sich als Gegenleistung verpflichtet dafür in Zukunft Produkte menschlicher Arbeit zu liefern. Über die Zinsen, sofern sie positiv sind, verpflichtet man sich in Zukunft mehr Produkte menschlicher Arbeit zu liefern als man zunächst bekommt. Man hofft also mit Hilfe der Kreditaufnahme zusätzliche menschliche Arbeit liefern zu können.
    2. Der wichtigste Produktionsfaktor bei der Herstellung von Produkten menschlicher Arbeit ist in der Regel Energie. Die Verfügbarkeit billiger und zugleich hochwertiger Energie war und ist die Grundvoraussetzung der Industrialisierung und auch des Wohlstandes von Staaten wie Deutschland und den USA.
    3. Wichtiger Punkt ist auch das Phänomen der Komplexität. Komplexität kostet Energie bzw. Geld. Zunächst, wenn man vom Chaos ausgeht, ist Komplexität sehr vorteilhaft. Kluge Investitionen in ein mehr an Komplexität sind zunächst sehr gewinnbringend. Aber der Ertrag zusätzlicher Komplexität wird zunehmend geringer. Schließlich überschreitet man einen Punkt von dem an ein Zunahme der Komplexität mehr kostet als sie einbringt. Wenn man das ignoriert und die Komplexität weiter steigert führt das zum Kollaps.
    Für Forschung und Entwicklung gilt teilweise ähnliches wie für die Komplexität: Der Aufwand steigt, während der Ertrag sinkt.
    4. Der Aufwand für die Energieproduktion pro Energieeinheit sinkt, während die besten Energiequellen sich zunehmend erschöpfen.
    5. Es wird schließlich ein Punkt erreicht, von dem an die Energie für immer mehr Energienutzer zu teuer und für immer mehr Energieproduzenten zu niedrig ist. Energie ist für Verbraucher zu teuer, wenn sie mit dem Einsatz der Energie nicht mehr kostendeckend produzieren können. Die Verbraucher können dann Schulden machen, z.B. weil sie glauben, dass die Energie wieder billiger wird, oder dass sie bald besonders gute Ideen haben und ihre Produktivität doch wieder steigern können. Energieproduzenten können bei zu niedrigen Preisen ebenfalls Schulden machen, z.B. weil sie glauben, dass die Energie wieder teurer wird oder dass sie ihre Produktivität steigern können.
    Wenn die Energieproduktion systembedingt immer energieaufwendiger und schwieriger wird, wird man versuchen mit der Aufnahme von Schulden gegen zu halten, vorallem wenn man die Zusammenhänge von Energie, Energieaufwand für die Energieproduktion und Produktivität nicht erkennt.
    Mehr in unter anderem in meinen Artikeln http://www.freizahn.de/2018/10/warum-bald-krieg/ , http://www.freizahn.de/2019/05/ueber-zinsen-energiepreise-und-altersvorsorge/ und http://www.freizahn.de/2018/02/rette-sich-wer-kann/.
    Russland wird aber in diesem Jahrhundert auch sehr ernste Probleme bekommen, wenn es seine Chancen nicht genügend nutzt.

  2. Noch ein Kommentar zum Thema Sozialismus:

    Der gute Markus Krall hat das sehr schön erklärt, am Beispiel eines Bäckers. Angenommen ein Land, in dem gerade der Sozialismus eingeführt wurde, es läuft nicht rund, daher beschliesst ein Politkommissar, den Brotpreis (Brötchen, etc) zu regulieren, zunächst mal so, daß der Bäcker noch Gewinn macht. Aber da es im Sozialismus meist längerfristig nicht gut läuft, beschliessen die schlauen Politkommissare, den Brotpreis soweit herunterzuregulieren, daß der Bäcker keinen Gewinn mehr macht. Die Politkommissare rechtfertigen das damit, daß der Bäcker ja jahrelang gute Gewinne gemacht hat und jetzt auch mal was zum Sozialismus beitragen kann, soll sich nicht so haben. Nur hat der Bäcker jetzt überhaupt keine Motivation mehr, arbeitet nur noch ein Minimum und verkauft den Rest privat oder auf dem Schwarzmarkt. Der Politkommissar setzt Quoten fest, aber der Bäcker vergisst eben ab und zu die Mehlbestellung oder bekommt kein Mehl mehr geliefert, weil der Müller auch keine Motivation mehr hat und sein Mehl gar nicht oder schwarz verkauft.

    Markus Krall hat das marktheoretisch sehr schön erklärt, durch die erzwungene Preissenkung wird dem Markt signalisiert, daß Brot im Überfluß vorhanden ist, also weniger produziert werden soll. Sinkt der Zwangspreis unter die Gestehungskosten, ist das Signal, kein Brot mehr nötig, nichts mehr produzieren. Da hilft dann nur noch eine staatliche Backfabrik mit qualitativ unterirdischen Massenprodukten, mangels Konkurrenz spielt Qualität dann keine Rolle.

    Und so zieht sich das durch den ganzen real existierenden Sozialismus durch. Was ist nun das eigentliche Problem? Der Sozialismus will dem Bäcker keinen fairen Preis für seine Waren zahlen. Das ist das Kernproblem. Ich möchte auch keinen ungezügelten Kapitalismus propagieren, die bessere Lösung wäre ein Mischsystem, eine staatliche Backfabrik mit Massenware, dazu freies Wirtschaften für private Bäcker, die Preise würden sich automatisch einpendeln, wenn die privaten zuviel verlangen, würden die Bürger notgedrungen Massenware kaufen.Der soziale Ausgleich sollte über angemessene Steuern auf Gewinne erfolgen, Steuerparadiese wären abschaffen. Übrigens, in Europa wird jährlich die unglaubliche Summe von einer Billion Euro an Steuern legal vermeiden, gibt Studien dazu.

    Es gibt einige unverbesserliche Sozialisten (Fischer: „im damaligen Sozialismus an zuwenig Daten gescheitert“), die glauben, daß man mit AIs den perfekten Sozialismus einführen könnte, das wären aber eben nur neue Formen von Politkomissaren. Beispiel, die Socialist AI entscheidet, daß die Bäcker mal etwas weniger verdienen sollten, damit das Asteroiden-Bergbau-Programm finanziert werden kann, langfristig und gesellschaftlich sinnvoll, aber man wäre dann wieder in genau derselben sozialistischen Misere drin, die Menschen bekämen keine faire Entlohnung, würden weniger oder eben schwarz arbeiten.

    Übrigens, wer in der DDR oder Sowjetunion Material abgreifen und damit handeln konnte, z.B. Lebensmittel oder Baumaterial, der konnte im Sozialismus leben wie Gott in Frankreich, da war z.B. um 1988 herum der Kauf eines C64 gar kein Problem. Trickser und Funktionäre kamen gut zurecht. Aber der Normalbürger wurde eben ziemlich veräppelt.

    1. Sie sind da einem ziemlich bürgerlichen Demagogen auf den Leim gegangen. Schauen Sie sich die Industrialisierung der SU an. So etwas hat es im Kapitalismus nie gegeben.
      Außerdem blenden Sie den Klassenkampf zwischen dem Kapitalismus und Sozialismus völlig aus. Wie hätte sich die DDR entwickeln können wenn es das westliche Embargo nicht gegeben hätte. Aber davon haben Sie wohl noch nie etwas gehört. Die DDR musste 95% aller Produkte die es auch auf dem Weltmarkt hätte kaufen können, selbst herstellen, auch wenn man nur ein einziges Gerät oder Teil davon gebraucht hätte. Antikommunismus macht dumm.

  3. @ ibmhal56789

    Wenn ich bösartig wäre würde ich sagen “ fein nachgeplappert“, aber ich möchte so nicht mit anderen Menschen umgehen darum nehme ich die Antwort von @ Heiko dazu um den Sozialismus den du kennst einmal genauer zu betrachten.
    Es gab in der Nachkriegszeit zwar reichlich zu tun (Wiederaufbau) aber schon diese frühe Phase wurde für politische Zwecke genutzt. Im Westen gab es die finanzielle Hilfe, die real betrachtet ein Darlehn war. Jeder der glaubte sich an Deutschland bedienen zu können tat es auch, gleichzeitig sorgte man mit den Finanzhilfen für eine Liquidität auf dem Weltmarkt. Damit sage ich nicht das die einfachen Menschen es leicht hatten.
    Mit der Unversöhnlichkeit mit der man Russland gegenüberstand entwickelte sich der Osten wie folgt.
    Finanzhilfen gab es nicht, Russland holte sich das was ihnen nach Vertrag zustand. Und nun sehen wir uns um. Deindustrialisierung, zerstörte Wohnbebauung, riesige Flüchtlingswellen, Wirtschaftssanktionen, außer Kohle kaum Rohstoffe. Der Weltmarkt wurde versperrt, man warb Arbeitskräfte ab, man sabotierte. Das war der Osten, der Sozialismus. Vergleichbar ging es den anderen Ländern auch. Aus dieser Notlage heraus entstanden die hinreichend bekannten Tauschgeschäfte. Der Eine hatte Kohle, der Andere das Erz aber keiner ein Stahlwerk. Stahl kaufen ging nicht also mußte ein Stahlwerk her. Vergleichbares lief in allen Bereichen. Deshalb gab es die engen wirtschaftlichen Verflechtungen nicht weil wir uns alle im Sozialismus badeten.
    Wollte die DDR z.b. einen Computer mußte sie ihn erfinden denn man konnte wegen des Embargos nicht mal eben Komponenten einkaufen sondern musste förmlich jedes Teil neu erfinden. Weil dieses Problem in weiten Teilen bestand gab es dann den technologischen Rückstand.

    Dieses System kann man seit Jahrzehnte an Cuba studieren. Bis zur Wende wurde Cuba vom Ostblock unterstützt und wenn man die doch recht isolierte Lage betrachtet und mit welcher Niedertracht Cuba zu kämpfen hat/hatte dann sage ich ganz klar
    “ Hut ab vor dem unbeugsamen Willen und der Leistung der Menschen“.
    Schau dir die sozusagen sozialistischen Länder Südamerikas an. Diese Putsche, Embargos usw führten nicht zur Marktwirtschaft sondern zum Tauschhandel.
    „Elend schweißt zusammen“.

    Also was meinst du, waren nun die billigen Brötchen Schuld oder eher die Rahmenbedingungen?

    Übrigens, als Argentinien durch die US Heuschrecken in die Pleite getrieben wurde taten die Kapitalismus erfahrenen Argentinier etwas unglaubliches. Sie nahmen einen Tauschhandel auf. Und zum Entsetzen der Geier funktionierte dieses System. Und es wird immer funktionieren.

    Was denkst du warum man Venezuela vorsätzlich versucht auszuhungern? Warum man das in Bolivien grad macht?

    Der Markt funktioniert nur so lange wie eine Balance von Angebot und Nachfrage vorhanden ist. Die Zinsen ganz gleich in welcher Höhe stören diese Balance weil dafür der Gegenwert fehlt.

    Nimm deinen Bäcker, wenn Bauer ihm für 100 Brötchen Mehl gibt der Bäcker den Bauer bezahlt dann kann der Bäcker seine 100 leckeren Brötchen backen und mit Gewinn verkaufen. Alles perfekt . Jeder hat das was er wollte.

    Wenn nun Wetter bedingt der Bauer weniger Getreide hat muss er trotzdem alle seine Kosten decken also verlangt er vom Bäcker einen höherer Preis. Das Wetterproblem wurde nun zum Problem des Bäckers. Er kann die höheren Kosten weiter reichen oder auch nicht. Tut er es läuft er Gefahr keine 100 Brötchen mehr zu verkaufen. Er muß also auf einen Teil seines Gewinns verzichten. Das geht aber nur bis zu dem Punkt wo der Gewinn weg ist. Ab diesem Zeitpunkt produziert er auf Pump wenn er seine Kunden behalten will. Oder er senkt Kosten.

    Du nimmst an, dass durch Preisregulierung die Motivation abnimmt. Mio Mittel-Klein- und Kleinstunternehmer beweisen das Gegenteil.

    In ein Preisgefüge wird auf ganz unterschiedliche Weise eingegriffen. Aufkäufe zur Preisstabilität, Subventionen, Steuererleichterungen oder eben am EVP. Ob darin eine Balance vorkommt liegt aber nicht mehr bei den Marktteilnehmern. Denn wenn für solche Marktstützungen Kredite aufgenommen werden müssen dann muss der Zins bei irgend einem wieder eingesammelt werden.
    Nach dem System der Preisgestaltung ist es der Endverbraucher. Gibt man Diesen zu wenig Mittel dann kippt das System aber das ist nun nicht die Schuld des Endverbrauchers. Soll das System weiter bestehen muss nun der Endverbraucher Schulden machen. Wie lange geht das Gut?

    Ich sage nicht der Sozialismus ist Gut oder Schlecht, er hat Stärken und Schwächen und der schwächste Punkt ist der Mensch. Es gibt Menschen die sich zu Tode arbeiten und solche die lieber Däumchen drehen. Es gibt Schenker und Diebe, gute und schlechte Menschen usw. Von all diesen Gruppen verträgt eine Gesellschaft einen gewissen Teil ohne Schaden zu nehmen.

    Unter diesem Gesichtspunkt hatten wir eben keine Arbeitslosen, weil die Gemeinschaft zählte und nicht der Einzelne. Deswegen waren typische Saisonarbeiter nicht halbjährlich Arbeitslose sondern gingen in viele unterschiedliche Betriebe. Man wurde eben auch nicht gefeuert weil die Beschaffung Probleme machte. Man produzierte dann immer stärker für den Export und vernachlässigte den Binnenmarkt. Der Kaufkraft stand ein Angebotsmangel gegenüber. Wie das ausging ist bekannt. Wie es hätte aussehen können dagegen nicht weil sich dies Form ja nie frei entwickeln konnte.

  4. Frag mal einen ehemaligen DDR-Bürger, wie das war. Auch sehr viele Produkte, die nicht hauptsächlich für den Export bestimmt waren, waren in der DDR immer knapp. Ok, Grundversorgung hat schon geklappt, viel mehr gabs aber nicht. Andererseits hat fast die ganze Bevölkerung gearbeitet, also produziert. Wie passt das zusammen? Die DDR hatte wesentlich weniger Bullshit-Jobs wie der Westen, mangels Automatisierung mussten die Leute real arbeiten, haben sie auch getan. Und die Produkte, die exportiert wurden, waren schon konkurrenzfähig, z.B. die ganzen Quelle-Waschmaschinen, Ikea-Möbel, Baumaterial, etc. Ach ja, man konnte in der DDR mit Devisen fast alles bekommen, auch z.B. einen C64 oder PC, es gab sogar offizielle Läden dafür. Für den DDR-Normalbürger war das aber unerreichbar, auch wenn er z.B. anteilig am Tag 100 Quelle-Waschmaschinen montiert hat. Das passt halt nicht zusammen, hart arbeitende Genossen, die sich nicht mal einen Bruchteil der von ihnen erbrachten Wertschöpfung leisten konnten. Das ist einfach eine andere Form von Ausbeutung. Solange der Sozialismus nicht sein Verhältnis zu Ausbeutung/fairer Bezahlung geklärt hat, wird da ein Problem bestehen bleiben.

    Gerade Venezuela ist ein geniales Beispiel für diese blödsinnigen Preisregulierungen. Nachdem für z.B. Lebensmittel Preise festgesetzt wurden, an denen weder Bauern noch Händler irgendwas verdienen konnten, verschwanden die Produkte aus den Läden. Teilweise war da auch eine politische Agenda dahinter, aber das große Problem für den Handel war, daß die Preise so niedrig festgelegt wurden, daß man keine neuen Waren nachkaufen konnte, ohne Verlust zu machen. Gleichzeitig hat die venezolanische Regierung auch inflationär Geld ausgegeben, statt auch mal von den Großverdienern wieder Steuern einzusammeln, das hat die Probleme extrem verstärkt. Einsicht von den Verantwortlichen: null. Der PETRO war auch so ein sinnfreies Ding, habe ich bei dem Artikel zu Tacheles #20 erklärt. Das war ein Coin, der durch die im venezolanischen Boden liegenden Ölvorräte begrenzt sein soll, also soviele Coins wie Barrel Öl im Boden, dafür kann man sich aber im Laden nichts kaufen. Ein PETRO als Gutschein für eine bestimmte Menge Öl (Benzin, Diesel), die man sich jederzeit von der staatlichen oder genossenschaftlichen Tankstelle holen könnte, wäre ein Erfolgsmodell gewesen, die Leute hätten diese Dinger gerne genommmen und gespart, Vertrauenswürdigkeit der venezolanischen Regierung vorrausgesetzt. Und das hätte man vorher wissen können, habe ich sogar an einigen Stellen gepostet, wurde aber niedergelabert, nach dem Motto, Coins sind das Größte, reale Deckung interesssiert kein Schwein.

    Der Punkt ist, daß Wirtschaft mit Politkommissaren nicht gut funktioniert. In der DRR warst du schon Staatsfeind oder Konterrevolutionär, wenn du deine eigene Bäckerei oder Werkstatt aufmachen wolltest. Hätte man in der DDR/SU wirtschaftliche Freiheit gewährt und den sozialen Ausgleich über angemessene Besteuerung durchgeführt, wären DDR/SU überlebensfähig gewesen.

    Der Knackpunkt bleibt mMn, daß der Sozialismus die Menschen arbeiten ließ, aber nur einen ganz geringen Teil der erbrachten Wertschöpfung in Form von Löhnen an die Menschen zurückgeben wollte, zugegeben, das soziale System drumherum mit kompletter Gesundheitsversorgung, Renten, etc ist schon auch ein geldwerter Vorteil, trotzdem bleibt bei mir der Eindruck bestehen, daß sowohl Turbo-Kapitalismus als auch Sozialismus unterm Strich keine fairen Löhne zahlen wollen.

    1. „Frag mal einen ehemaligen DDR-Bürger, wie das war. Auch sehr viele Produkte, die nicht hauptsächlich für den Export bestimmt waren, waren in der DDR immer knapp. Ok, Grundversorgung hat schon geklappt, viel mehr gabs aber nicht. “

      Ich bin so ein DDR Bürger, deshalb kann ich mir zumindest auf einen Teil selbst erlebtes eine Meinung bilden.

      1. LPG, zu der Schweinezucht, Milchviehwirtschaft und Ackerbau gehörte. Einfaches Planziel 100%. Real Schweine 110, Milch 120 und Ackerbau 70. War ein langer trockener Sommer. Zusammen gerechnet hat die LPG ihre 100% erreicht. Zack Plan erfüllt aber die 30% aus der Pflanzenproduktion konnte regional nicht ausgeglichen werden. Es fehlt an Ware. Die Überproduktion der anderen Bereiche konnte man verwerten.
      Rein marktwirtschaftlich hätte das Überangebot der 2 Bereiche einen Preisverfall erleben müssen, der 3. Teil jedoch teurer werden müssen. Durch die zentrale Planwirtschaft bestand aber die Möglichkeit das es trotz allem unterm Strich die Versorgung zu 100 % gesichert wurde. Die Preise blieben gleich, die Verteilung wurde das Problem. Dieser Verteilung setzte man dann einen Rucksack auf weil nicht nur umverteilt werden musste sondern nach einem Schlüssel verteilt wurde.
      Daraus entstand ja der Ausspruch „karrt alles nach Berlin wir holen es dort ab“.

      Die Entlohnung wurde nach anderen Messgrößen bestimmt. Da gab es die Schwerpunktindustrie wo die vergleichbar höheren Löhne gezahlt wurden, wo verstärkt Wohnungsbau durchgeführt wurde. Typische Weltmarktprodukte oder Inlandsvorhaben. In meinem Umkreis war es das EKO, mit jeder technischen Lücke die man schloss kam ein neues Wohngebiet dazu weil man ja Menschen ansiedeln musste. Vergleichbares gab es in FF/O wegen des Halbleiterwerks.

      Die Versorgungsprobleme trafen auf gute Bezahlung, ergo Unzufriedenheit. Eine zeitliche Streckung um das Problem zu lösen war der Preis. Da kostete der Fernseher eben bis zu 5000 OM, die Schrankwand bis zu 4000 OM. Man wurde sozusagen gezwungen erst anzusparen und dann zu kaufen. Offenbar hoffte man wohl in Berlin das Produkt bis dahin ausreichend zu produzieren. Diejenigen die nicht warten wollten suchten sich eben andere Bezugswege. Von 10 Schrankwänden gingen 4 unter der Hand weg und 6 in den regulären Verkauf. Wer also seinen Arbeitsplatz schnell verlassen konnte, wer die Lieferung in der Schlange erlebte oder zufällig vorbei kam und genug gespart hatte konnte vllt Eine der 6 erwerben. Je öfter man leer ausging um so größer der Frust oder um nicht gefrustet zu sein kaufte man eben ein anderes Produkt. Man hatte eben nicht das Wunschprodukt aber das benötigte Produkt. Nicht perfekt aber kein Mangel. Man bezeichnete diese Menschen als bescheiden/genügsam.
      Von den Genügsamen gab es viele, die waren froh nicht wie im Westen arbeitslos, obdachlos oder verschuldet zu sein. Sie passten sich der Realität an. “ irgendwann habe ich auch mal Glück“.
      Nicht ein niedriger Lohn bei angepasstem Preisgefüge ist das Problem sonder der menschlich nachvollziehbare Wunsch immer alles sofort haben zu wollen. Heute nennt man das dann private Überschuldung. Wir haben es verlernt anzusparen.
      Gleichzeitig fördert genau dieses Verhalten in vielen Bereichen den Preisanstieg. Ich will aber die große Wohnung, ich will unbedingt in München wohnen, ich will, ich will…. Irgend wann gibt es die bittere Pille wenn man erkennen muß das man nicht mehr kann.
      Welches ist nun der wohl bessere Weg?

      1. Ist schon klar, Rohstoffe waren in der DDR knapp, und z.B. der Aufbau einer Halbleiterindustrie hat enorme Ressourccen verschlungen. Für ein Land der Größe der DDR war das trotzdem eine beachtliche Leistung, einen Z80-Klon etc hervorzubringen, leider war die Ausbeute nicht gut, im Westen gab es halt bessere Maschinen. Muss man sich sowieso fragen, warum hat nicht z.B. die UdSSR für den gesamten Ostblock die CPU-Produktion übernommen?

        Aber zurück zum Beispiel mit der Schrankwand, der Ausweg wäre mMn gewesen, daß man neben den staatlichen Möbelfabriken auch private Möbelhersteller hätte zulassen sollen, möglicherweise durch ausländische Investoren (aus ideologischer Sicht natürlich haarig). Ok, Ressourcen waren knapp, aber z.B. Holz und Lacke konnte die DDR selbst herstellen. Es gab eine Menge gut ausgebildeter Kräfte in der DDR, die hätten eine ressourcenschonde Herstellung hinbekommen. China hat auch jahrzehntelang herumgekrebst, aber als ein (nennen wir es mal) teilweise privatisierter Staatskapitalismus zugelassen wurde, ging ein enormer Boom los.

        Ich möchte auch ganz bestimmt nicht so einen neoliberalen Kapitalismus a la USA propagieren, es braucht eher ein Mischsystem, staatliche oder genossenschaftliche Massenproduzenten für die Grundversorgung, also einfache Möbel oder einfache Autos (Richtung Dacia), aber es sollte in jedem Bereich auch private Produzenten/Anbieter geben, für den, der es etwas luxuriöser möchte.

        Jedesmal wenn ich das mit Sozialisten diskutiere, kommt irgendwas wie „Aber die Privaten, die machen immer alles kaputt, die Unternehmer, die sind so böse“. Das ist doch Blödsinn, wer eine effiziente Produktion auf die Beine bekommt, verkauft seine Produkte, entweder weil sie preiswert oder edel/Luxus sind. Wenn ein Sozialismus nur dann funktionieren kann, wenn alles im Land oder auf der Welt gleichgeschaltet wird, ist das einfach Diktatur pur. Es gab auch z.B. ein Modell wie Jugoslawien vor dem Bürgerkrieg, das war ein Mischmodell, Schwerindustrie und meisten Konzerne staatlich, dazu gab es aber eine Menge kleinerer und mittlerer Privatbetriebe. Jugoslawien war wirtschaftlich nie so stark wie die BRD, aber die meisten Bürger waren trotzdem zufrieden.

        Ich habe enorme Bauchschmerzen mit Ideen wie Socialist AI oder AI Socialism, wo dann einfach AIs im im Wirtschaftssystem entscheiden sollen, was zulässig (politisch korrekt) ist oder nicht, das wird das nächste tumbe Zwangssystem. Es ist ja schon bei heutigen AIs so, daß man z.B. nach einem Unfall nicht immer sagen kann, was wirklich schiefgelaufen ist, im Sinne von debuggen und den Fehler zukünftig ausmerzen. Man kennt zwar den Störfaktor, z.B. ein Passant, der auf der Straße stehenbleibt, aber wie man die AI 100% dazu bekommt, solche Situationen am besten zu handeln, ist selten klar. Es gibt schon die Tendenz (z.B. von fefe beschrieben), einfach alles auf die KI zu schieben, nach dem Motto, ups, verstehen wir nicht, können nichts machen. KI abschalten und selber denken geht auch nicht, weil KI ist alternativlos. Ergebnisse der KI nachrechnen, sowas machen nur Rechte oder Putinisten. Die perfekte organisierte Verantwortungslosigkeit.

        1. Ich lehne den privatwirtschaftlichen Bereich nicht ab. Warum auch denn aus diesem Bereich kommen sehr erfolgreiche Produkte. Wenn man genau hinsieht handelt es sich um großindustriell nicht abgedeckte Nieschenprodukte.

          Leben und leben lassen kann gut funktionieren wenn ein ausgeglichenes Umfeld vorhanden ist.

          Ich denke das ist auch die eigentliche Intention des Sozialismus. Das Problem ist der Einfluss von Parteien ganz gleich wie sie sich nennen. Die Parteien-Doktrien lassen sehr oft das wichtigste verschwinden – den Sachverstand. Sieht man heute nur zu gut. Das Heer von Beratern die inzwischen beschäftigt werden müssen und das neben Parlament und Regierung ist nicht zuletzt der Austauschbarkeit geschuldet.

          Betrachtet man dann einmal wer in Deutschland die Arbeitsplätze schafft fällt eben auf das die Politik den wenigen Großen nachrennt und damit nicht nur die fasche Gruppe vertätschelt sondern damit genau die hofiert die die wenigste gesellschaftliche Verantwortung tragen will.

          Die Leistungserbringer sind eben auch nicht nur die paar die etwas mehr verdienen sondern Leistungserbringer sind all die fleißigen Arbeitsbienen von der Reinigungskraft bis zum Landarzt. Die Arbeit all dieser Menschen ist das gut geschmierte Getriebe.

          Und deshalb bin ich eher bereit einem kleinen Marktteilnehmer in der Not zu helfen als Anderen. Erst recht wenn er Verantwortung für Mitarbeiter trägt. Ist das ein sozialistischer Gedanke? Sozial geprägt ist das sicher.

          Den Mietendeckel betrachte ich eher als Reißleine, Notstop von mir aus etwas Sozialismus.
          Die Frage nach dem Grund wird aber die ganze Zeit parteipolitisch zerredet. Mangelnder Wohnungsbau/falscher Wohnungsbau und verfehlte Förderpolitik.

          Was nutzt es den Kommunen anzuraten Land bereit zu stellen wenn sie es nicht haben? Wie viel mehr Wohnungen werden gebaut wenn man vorhandene Einzelteile eines Hauses fördert aber für ein ganzes Haus kein Geld da ist?

          Schau dich in den Städten um was da teilweise in der Landschaft steht. Jahrzehnte wurden Mieten kassiert reinvestiert wurde das Nötigste oder nichts. Diesen Hausbesitzern geben wird Zuschüsse für Fassaden, Fenstern, Heizungen usw. Löst das ein Wohnungsproblem? Nein wir schaffen nur die Basis mehr Miete zu bekommen.

          Errichtest du aber auf einem Grundstück einen Neubau mit bestimmten Vorgaben und damit du es tust gibt dir der Staat Vergünstigungen ist das doch ok. Der Unterschied liegt darin das du erst in Vorleistung gehst und dann regelmäßig deinen Nutzen ziehst.
          Derjenige der jetzt aber gefördert wird wurde meist schon beim Bau damals gefördert, hat all die Jahre nur von der Substanz gelebt und bekommt nun wieder eine Förderung.
          Der Eigenheimbesitzer weis beim ersten Spatenstich schon wie viel Geld er bei Seite legen muss wenn er nicht eines Tages das Dach auf den Kopf bekommen will.

          Sozialer Wohnungsbau hat also per se nichts mit Sozialismus zu tun sondern mit gesellschaftlicher Verantwortung. Wer sich dieser Verantwortung stellt soll von der Gesellschaft auch etwas bekommen.

          Und dieses Konstrukt kann man auf vielen Gebieten nutzen. Nicht die xte Praxis in der Stadt muss am Leben gehalten werden sondern ein Ärztehaus im ländlichen Raum. Dort gehören die Förderungen hin um einen Grund der Landflucht entgegen zu wirken. Wenn es die Selbstverwaltung nicht geregelt bekommt muss der Staat das regeln und nicht einfach nur Beitragserhöhungen durchwinken.
          Es schadet auch nicht wenn man den jungen aufstrebenden Ärzten klar macht das es auch die Fleißarbeit der Menschen vom Land zu verdanken ist das er studieren konnte.

          Wie auch du sagst, die Mischung macht es. Etwas Sozialismus am richtigen Platz schadet nicht.

  5. Oder noch mal ein anderes Beispiel für falsch verstandenen Sozialismus: Mietpreisbremse und Enteignungsfantasien in Berlin

    Die Vorstellung ist so ungefähr, daß man staatliche Preise festlegt, und sich dann die Wohnungsnot ganz von selbst erledigt. Am Anfang mag das auch funktionieren, die bestehenden Wohngungen werden zwangsweise billiger. Es wird aber keine zusätzliche Wohnung neu gebaut werden, wenn von vorneherein klar ist, daß man damit keinen angemessenen Gewinn machen kann, oder es werden nur noch Eigentumswohnungen (zu Verkauf, nicht zur Miete) angeboten. Für die sozial Schwächeren wird die Lage dann immer prekärer werden. War da nicht auch was mit staatlichen/kommunalen Wohnungsgenossenschaften, die vor Jahren auch und vor allem von linken Regierungen für’n Appel und’n Ei verscherbelt wurden? Hach, woher kommt nur diese Wohnungsnot, versteh ich überhaupt nicht. Wer da üble Zusammenhänge sieht, ist wohl schon ein Dissident, kommt bald ins Lager, bis er wieder ordentlich angepasst denkt.

    Was wäre nun die marktwirtschaftliche Lösung? Es sollte staatlichen oder genossenschaftlichen Wohnungsbau geben, der für alle Bürger eine Grundversorgung anbietet, keine Luxuswohnungen, aber angemessenen Größen, dazu aber auch einen freien Markt an privaten Anbietern. Dadurch würden sich die Preise automatisch einpendeln. Wenn die eine Seite es überreisst, z.B. utopische Preise für größere Wohnungen verlangt, werden die Leute sich eben mit normalen Wohnungen zufrieden geben.

Schreibe einen Kommentar