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Absurdität der Woche: Twitter und das Afroamerikanische Meer

Twitter hat heute mitgeteilt, dass es bei der Plattform keine „Blacklist“ mehr geben wird, weil die Bezeichnung rassistisch sei. Welche Worte bei Twitter noch gestrichen werden und wie der russische Humor darauf reagiert, will ich zum Abschluss dieser Woche hier erzählen.

Zum Wochenende bringe ich gerne eine Meldung, die ich lustig oder absurd finde, was natürlich auch Geschmackssache ist. Aber die folgende Meldung finde ich absurd.

Um Missverständnisse zu vermeiden muss ich es wie immer im Vorwege sagen: Rassismus ist in meinen Augen inakzeptabel und ich kämpfe dafür, dass jeder die gleichen Chancen im Leben hat, und nicht wegen Hautfarbe, Religion, ethnischer Zugehörigkeit, sexueller Orientierung oder was auch immer benachteiligt wird. Das ist in meinen Augen selbstverständlich.

Aber ich bin dafür, dass man im Kampf gegen Rassismus und für Chancengleichheit für Dinge kämpft, die auch etwas bringen. Es bringt überhaupt nichts, Denkmäler von Menschen abzureißen, die seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten tot sind, wenn man gleichzeitig durch die Globalisierung die Ausbeutung schwächerer und armer Länder, zum Beispiel in Afrika, weiterhin fördert. Die Bilderstürmer sollten lieber vor Konzernzentralen demonstrieren, als Denkmäler anzugreifen, wenn sie den Menschen in Afrika helfen und ein Zeichen gegen die Kolonisierung setzen wollen.

Was bringt der Protest gegen die Kolonisierung der Vergangenheit, wenn man nicht gegen die Fortsetzung der Kolonisierung – heute als Globalisierung gefeiert – vorgeht? Warum ich das so sehe, habe ich hier erklärt.

Auch immer neue Sprachverbote bringen nichts. Dadurch, dass man in den USA in den letzten Jahrzehnten die Bezeichnungen von „Neger“, über „Schwarzer und „Farbiger“ zu „Afroamerikaner“ geändert hat, wurde die Lage der betroffenen Menschen keinen Deut besser. Statt dieser Scheingefechte hätte man lieber Geld in die Hand nehmen sollen, um den Menschen in den Armenvierteln eine vernünftige Ausbildung zu geben, damit sie aus dem Teufelskreis der Armut ausbrechen können.

Kurz und gut: Die Missstände müssen dringend behoben werden, aber bitte mit Maßnahmen, die in der Gegenwart ansetzen und in die Zukunft wirken und nicht mit Bildersturm und Sprachverboten.

Twitter geht jedoch unbeirrt den Weg der Sprachverbote. Heute wurde bekannt, dass die „Blacklist“ bei Twitter nicht mehr „Blacklist“ heißen darf. Das sei rassistisch. Ab sofort muss es „Denylist“ heißen. Auch die Worte „Slave“ und „Master“ sind neuerdings verboten, es muss nun „Follower“ oder „Primary“ und „Replica“ heißen. Kein Scherz, Twitter hat das verkündet und CNN und andere Medien haben darüber berichtet.

Unbestätigten Meldungen zufolge sollen die neuen Bezeichnungen auch auf andere Sprachen ausgedehnt werden, ich bin schon sehr auf die deutschen Äquivalente gespannt.

Wie immer hilft mir in solchen Fällen der russische Humor. Heute bekam ich – Zufall oder nicht – von mehreren Freunden dieses Bild zugeschickt.

Übersetzt steht da „Nein zu Rassismus!!!“ und darunter wurde der Begriff „Schwarzes Meer“ durchgestrichen und „Afroamerikanisches Meer“ geschrieben. Mal sehen, wann aus diesem Scherz Wahrheit wird, zumal die USA mit ihren Kriegsschiffen dort ja so aktiv sind, dass es schon fast zu einem „amerikanischen Meer“ geworden ist.

In diesem Sinne: Schönes Wochenende und schauen Sie auch am Wochende beim Anti-Spiegel vorbei, ich habe noch einige Themen für das Wochenende in der Pipeline.

Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

Zeige Kommentare

  • Schwarzwald, Schwarz (eine Gemeinde in der Mecklenburgische Seenplatte), Schwarzenborn, Schwarzenborn, Schwarzenberg, Schwarze Tod, Schwarz als Farbe ... es wird absurd

    • Und was ist mit Schwarz Rot Gold? Vor lauter Political Correctness weiß man bald nicht mehr was man sagen, oder tun darf...
      Dämlicher geht immer...

  • Während der Westen fleißig gendert, seine Sprache reinigt und immer mehr im Sumpf seiner Oligarchie versackt übernimmt der Osten dann mal eben die Führerschaft. Wir haben fertig!

    • Apropos Gender.
      Ich habe gerade ein neues "Wort" gelernt: "Upskirting“
      https://de.sputniknews.com/ :
      "„Upskirting“ gilt nun als Straftat: Reaktionen aus dem Netz "

      Bei dieser Schlagzeile habe erst mal "geguckt wie ein Eichhörnchen ", und ehrlich gesagt, die Truppe ist sprachlich z.T. ziemlich heruntergekommen,wenn ich da an die Zeiten denke, als sie noch "RIA Novosti" waren.

      Irgend wann werde ich mir mal anschauen, wie man das in einen deutschsprachigen Straftatbestand gegossen hat - mir schwant da "Schröckliches".

      Aber der absolute Hit ist der in die Meldung eingebaute "Zwitscher"-Eintrag.
      Die schreiben da doch tatsächlich:
      " Bis zu zwei Jahre Knast drohen Täter*innen künftig!"
      Da bin ich ja fast umgefallen vor Lachen.

      Ehrlich gesagt diese "Zwitscher"-Leute haben dermaßen einen an der Waffel...

      • Ich habe das zum Anlass genommen, meine Souterrain-Wohnung aufzugeben. Auch lohnt es sich jetzt nicht mehr Frauen auf die Glass-Ceiling raufzuhelfen.

  • Beitrag von mir der kürzlich wo beim Thema Psychologie des Hamsterns (Panic Buying) wegzensiert wurde:

    "See the over-all theme: gooddies here, baddies there! Black and white."

    Schwarz-Weiss denken gibt's also auch nicht mehr.

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