Bericht von einem vergessenen Krieg – Reportage aus dem Donbass im russischen Fernsehen

Schon seit langem hat man nichts mehr von dem Bürgerkrieg in der Ukraine gehört, dabei hat der Beschuss dort in letzter Zeit sogar wieder zugenommen.

Es gibt aus dem Bürgerkrieg in der Ukraine keine wirklich großen Meldungen, aber die Ruhe in den Medien bedeutet nicht, dass es dort auch ruhig ist. Wer die täglichen OSZE-Berichte liest, der stellt fest, dass der Beschuss wieder zunimmt, die OSZE spricht trocken von einer „Zunahme der Verstöße gegen die Waffenruhe“. In ihrem aktuellen Bericht vom 23. Mai spricht die OSZE im Bereich von Donezk von einer Zunahme des Granatbeschusses, einem Verletzten, neuen Einschlagskratern und so weiter.

Das russische Fernsehen hat am Sonntag in der Sendung „Nachrichten der Woche“ mal wieder aus der Region berichtet und ich habe den Bericht des russischen Fernsehens übersetzt. Die selbsternannten „Volksrepubliken“ von Donezk (DNR) und Lugansk (LNR) drohen wegen der Zunahme des Beschusses von ukrainischer Seite mit neuen Offensiven und haben ihre Streitkräfte in Alarmbereitschaft versetzt. Beeindruckender als der Text des Berichtes sind die Bilder des Beitrages. Man bedenke, dass all das keine 2.000 Kilometer von Berlin entfernt stattfindet und damit näher an Deutschland ist, als Athen oder Madrid.

Beginn der Übersetzung:

Leider hat Selensky in dem Jahr, in dem er an der Macht ist, keinen Frieden in den Donbass gebracht. Der Neustart ist ausgeblieben. Alexander Lukaschewitsch, der russische Botschafter bei der OSZE, schätzte die Politik des offiziellen Kiew im Donbass so ein: „Keine Fortschritte auf dem Weg der politischen Regulierung, keine politische Verpflichtung Kiews aus dem Minsker Abkommen wurde bisher vollständig umgesetzt. Darüber hinaus fordern ukrainische Offizielle, die Zusammensetzung der Kontaktgruppe neu zu formatieren und die derzeitigen Vertreter des Donbass auszuschließen und den in den Minsker Vereinbarungen vorgeschriebenen direkten Dialog mit ihnen aufzugeben.“

Unterdessen gibt es im Südosten der Ukraine eine neue Verschärfung. Das ukrainische Militär begann mit neuer Kraft, den Donbass zu beschießen. Es gibt Tote und Verletzte. In dieser Hinsicht befahlen die Führer der DNR und LNR Denis Puschilin und Leonid Pasetschnik, ihre Truppen in volle Kampfbereitschaft zu bringen.

Die Lage im Donbass hat sich stark verschärft. Allein im Mai verletzte die Ukraine 300 Mal mit Artillerie die Waffenruhe. Elf Zivilisten wurden verletzt, darunter fünf Kinder, eine Frau wurde getötet.

In der letzten Woche schoss die Luftverteidigung der DNR eine ukrainische Drohne ab. Mehrere hundert von ihnen wurden bereits über dem Donbass abgeschossen.

„Ist das eine Drohne zur Luftaufklärung?“

„Ja, das ist ein Aufklärer. Das Bild von der Kamera geht direkt auf den Bildschirm des Piloten und sie sehen alles“, sagte Eduard Basurin, ein Sprecher der DNR-Volkspolizei.

Die Bevölkerung, müde vom Beschuss, bittet um Erwiderung des Feuers. Diese Woche gab der Leiter der DNR, Denis Puschilin, eine Erklärung ab: „Als Vorsitzender der Volksrepublik Donezk habe ich beschlossen, die Kampfbereitschaft der Volksmilizen im Falle eines weiteren aggressiven Verhaltens Kiews zu erhöhen. Alle notwendigen Anweisungen sind bereits erteilt.“

In der Volksrepublik Luhansk trifft die ukrainische Artillerie unter Verstoß gegen alle Abkommen und internationalen Konventionen sowohl Wohngebäude als auch kritische, lebenserhaltende Einrichtungen. Der Leiter der LNR, Leonid Pasetschnik, wandte sich an die OSZE, die Mitglieder der Minsk-Gruppe und den Präsidenten der Ukraine, Wladimir Selensky.

„Sie, Vladimir Aleksandrovich, lassen uns keine andere Wahl, als wirksame und entschlossene Maßnahmen zu ergreifen, um die Kontaktlinie zu verschieben. Zu diesem Zweck habe ich bereits entsprechende Anweisungen erteilt, um die Einheiten der Volksmiliz in Alarmbereitschaft zu versetzen“, sagte Pasetschnik.

Im Minsker Format gibt es keine Einigkeit in der Bewegung zum Frieden. Als Hauptschuldiger für die Verschärfung der Situation im Donbass wird Vladimir Selensky angesehen.

„All der Beschuss, all die Opfer – all das hat er auf seinem Gewissen. Er hat eine Mehrheit im Parlament, er führt die Regierung, stellt die Regierung, er hat die Machtstrukturen unter sich. Jetzt kann es keine Ausreden mehr geben“, glaubt Denis Puschilin.

Und wieder, nach diesen Aussagen, eröffnet die ukrainische Artillerie plötzlich am Nachmittag das Feuer auf die Siedlung Verkhnetortskoe auf dem Gebiet der DNR, das Dorf liegt nicht an der Frontlinie. Zwei Häuser, eine Stromleitung und eine Gasleitung wurden beschädigt. Wie durch ein Wunder ist niemand gestorben. Eine Stunde später gab Donezk offiziell bekannt, dass die ukrainische Artillerieeinheit, die auf Verkhnetortskoe gefeuert hat, zerstört wurde.

„Man kann nicht die ganze Zeit die Wange hinhalten. Wir müssen in den Verhandlungen und in der Reaktion härter vorgehen“, sagte Eduard Basurin.

Dennoch schießt die ukrainische Artillerie immer noch. DNR und LNR melden Zerstörungen und Verluste, erwidern das Feuer. Kiew hält seine Versprechen eines Waffenstillstands nicht ein.

Ende der Übersetzung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

5 Gedanken zu „Bericht von einem vergessenen Krieg – Reportage aus dem Donbass im russischen Fernsehen“

  1. Wahrscheinlich kennen die meißten der Leserschaft nicht Voicedonbass. Doch hier soll jetzt keine „Werbung“ für uns: https://www.facebook.com/707180039367921/photos/a.712473192171939/3012523405500228/?type=3&theater
    gemacht werde, sondern ich möchte auf Renate Koppe hinweisen, die nun schon seit 2016 jeden Millitärbericht und sonstige Berichte aus den Volksrepubliken übersetzt und auf ihrer Facebookseite veröffentlicht. Eine Wahnsinnsarbeit, vor allem dermaßen trostlos, wenn man tagtäglich über das selbe muss schreiben. Insoweit, wer die offiziellen Verlautbarungen der Republiken im Donbass zeitnah in deutscher Sprache erfahren möchte, der sei an Renate verwiesen….

    Zum heutigen Thema Anti-Spiegel hatten wir uns auch geäussert (Obiger Link) Wir bemühen uns schon lange um ein Umdenken , speziell in Donezk mit Eingaben an verschiedene Parlamentarier und Militärs, dass ein Umdenken stattfindet. Insoweit war ich ganz persönlich hoch zufrieden mit der Nachricht, dass auch Donezk durch den Oberbefehlshaber am 20.Mai reagiert hat. Und genau diese Handlungsweise, wird zum Erfolg führen.

    Ist das apathische Hinnehmen der Volksrepubliken im Donbass, des Tötens der eigenen Kinder durch die ukrainische Armee nun ENDGÜLTIG vorbei ?

    Неужели ДЕЙСТВИТЕЛЬНО КОНЕЦ апатичному смирению с убийством собственных детей украинской армией ?

    Die Hoffnungen von Voicedonbass auf einen Strategie-Wechsel der Donbass-Armee – mit dem einhergehenden Ende des Sterbens der Menschen der Volksrepubliken, scheinen sich mit den neuesten Informationen zu erfüllen.

    Seit dem die Köpfe der Volksrepubliken in Donezk und Lugansk am 20. Mai den Befehl erteilten, die Formationen und Einheiten der Republiken in volle Kampfbereitschaft zu bringen und das Feuer auf die ukrainischen Stellungen, sofort mit geeigneten militärischen Mitteln zu begegnen, welche die Republiken mit Artilleriefeuer belegen , beliefen sich die Kampfverluste der Einheiten des Mörderregimes der Ukraine auf neun getötete und achtzehn verwundete Mörder. Zwei Schützenpanzetrwagen und ein Militärlastwagen wurden zerstört, sowie außerdem sechs Mörsereinheiten des Kalibers 120 und 82 mm “, ergaben dann die eigenen Nachforschungen von Voicedonbass, die fast deckungsgleich mit den offiziellen Angaben der Republiken sich gestaltet.

    Man kann nun die Prognose wagen, dass der Frieden näher rücken könnte.

    Seit eben dem Übergang der Verteidiger der Menschen im Donbass von einer fast krankhaften Apathie zu jeglichem Beschuss der Ukraine auf die eigenen Bürger ,in einen Zustand voller Kampfbereitschaft und dem Befehl, feindliche Schusspunkte zu unterdrücken, haben die Verluste der APU erheblich zugenommen.Mit der Wahrscheinlichkeitserhöhung des eigenen Todes der Mörder unmittelbar nach dem Mord, wird die Beschuss-Intensität der bezahlten Mörder der Ukrainischen Armee abnehmen, wenn man auch weiterhin seitens der Republiken konsequent die Artilleriestellungen SOFORT ausschaltet, welche ihre todbringende Granaten abschießen. Man hat die erforderliche Technik. Man wurde gut an der Technik ausgebildet. Man hat nun eine der best ausgebildetsten Armee der Welt.
    Man ist in der Lage, sich den Frieden zu erzwingen.
    Man muss es nur tun.

    Es bleibt die Hoffnung, dass sie es nun auch weiter tun werden.

    1. https://www.facebook.com/watch/?v=3821732627898311

      War mal so frei, die Übersetzung mit Dank von Anti-Spiegel zu „klauen“ , (natürlich mit Linkverlegung zum Autor) .

      Es ist wirklich ein Novum was auch in dem Video zum Ausdruck gebracht wird, ohne das man darüber spricht. Das Novum habe ich im Begleittext beschrieben. Auch wenn es sich für manch einen der noch lebenden Freunde, welche ich selbst in der Armee der Donbass-Republiken habe, sehr schal klingt. Doch darüber werden sie hinwegkommen. ….

      Russland registriert die Veränderung im Denken der Donbass-Menschen
      Der Donbass erwacht aus dem „Angsttraum“, sich selbst durch Hingabe an den Mörder der eigenen Kinder, sich selbst, dass Land und seine Ehre zu schützen….

      Lange, war es auch im russischen Fernsehen seltsam still geworden um ihre Landsleute im Donbass. Doch der 20. Mai 2020 an dem durch die von der Bevölkerung des Donbass gewählten Chef’s der Volksrepubliken im Donbass…

      (Den Begriff: „Südosten der Ukraine“ ,- wie im russischen Video noch benannt- benutzt Voicedonbass schon lange nicht mehr. )

      …. dem Wahnsinn ein Ende bereitet wurde, dass eigene Militär zum Stillhalten zu verpflichten, wenn die Mörderbande des Selensky das eigene Staatsgebiet mittels Artilleriefeuer beschießt.

      Die für Voicedonbass ergreifendeste Szene des Videos- in dem die Menschen selbst darum bitten, nun endlich zurück zu schießen-.. , wenn die Mörderbande des Oberverbrechers Selensky versucht, die Kinder des Donbass zu töten…

      Momentan bleibt erst mal nur den beiden Leaders der Republiken zu GRATULIEREN , ENDLICH auf die Bevölkerung – das Militär – und die Volksvertreter in den Parlamenten gehört zu haben und nun die richtige Strategie zu fahren, welche Mörder auch verstehen.

      Übrigens: Man sollte wohl davon ausgehen können, dass man auch in Moskau diesen Schritt der Republiken nicht wird „abwürgen“ wird wollen, wenn man auf UN-Ebene versucht die Welt von Frieden, zumindest in Corona-Zeiten einzuschwören, während die eigenen Staatsangehörigen und weitere ethnischen Russen von der Ukrainischen Armee getötet werden…

      Vielleicht dann doch zu viel des „Guten“ … was sich Selensky getraut zu tun…

      Möge Selensky – und der EX- Präsident“(die heute sogar eine gemeinsame Linie fahren im Ukrainischen Parlament) Poroschenko „der Schlag beim Sch…. treffen“

      Kein frommer Wunsch… Doch ehrlich.

      Übersetzung des Videos:
      „geklaut“ bei : Link zu T.Röper …

  2. Im Grunde kann man sich das seit Jahr und Tag bei News Front ebenfalls ansehen, wie oft und mit welchen Waffen der Donbass beschossen wird. Youtube hat nun auch News Front gesperrt, natürlich weil sie „Falschmeldungen“ verbreiten, also die tatsächliche Situation darstellen, die die westlichen Narrative ad absurdum führt. Dort stand heute übrigens auch, dass die USA kein Interesse haben, dass dieser Krieg endet. Das ist meine Auffassung seit Jahren. Die USA können damit weiter das Märchen von der „russischen Aggression“ verbreiten, können die ukrainischen Nationalisten mit ausgedienten Waffen bei Laune halten und vor allem, sie können zusehen, wie sich Ukrainer und Russen die Köpfe einschlagen und weiter entfremden! Auf etwas anderes kommt es ihnen doch nicht an.

    1. Ja, natürlich wollen die Amerikaner, wie auch die Deutschen und auch Polen, dass sich der Bürgerkrieg „ewig“ hinzieht. Die Amerikaner aus anderen Gründen als Deutschland un Polen, jedoch macht es für den Donbass eben keinen Unterschied.

      Donezk & Lugansk können sich nur auf sich selbst – und in vielerlei Hinsicht Russland natürlich- verlassen . Ich wage auch zu bezweifeln, dass nach Corona die Grenze zur Ukraine, seines der Republiken wieder geöffnet wird. Zumindest hoffe ich es.

      Desweiteren verdichten sich nun die Anzeichen auf eine Gradwanderung Russlands, in der Bereitstellung effektiver Verteidigungs-Waffensysteme an Donezk & Lugansk , auch wenn die herkömmlichen Methoden ausreichen, um die feindliche Artillerie auch auszuschalten. Jedoch, wenn Funkaufklärungssystem „Torn“ oder die Funkaufklärungsstation R-381T „Taran“, die automatisierte Störstation R-330Zh „Zhitel“ und andere Waffensysteme (Flugabwehr) vorhanden sind, dann erhöht das natürlich die Hemmschwelle der Anwendung der Ukrainischen Artillerie enorm.
      Ich denke, Russland wird das bald erkennen und handeln, sofern die Republiken nun nicht nachlassen, den Beschuss der Ukrainischen Armee auch postwendend knallhart zu beantworten..

      Weil, dies wird Ergebnisse bringen im Nachlassen des Beschusses, was kein Gequassel in Minsk-Paris und Berlin je zustande gebracht hat.

  3. Das „Minsker Abkommen“ ist im Grunde tot. Das ist das entscheidende Problem.

    Und tot ist es in erster Linie deshalb, weil es inzwischen nahezu unmöglich geworden sein dürfte, den Donbaß in einer halbwegs praktikablen Art und Weise wieder in den ukrainischen Staatsverband zu integrieren.
    Und das weiß man auch, und das weiß man auch in der Ukraine.

    Daher bleibt der Ukraine auch gar nichts anderes übrig, als die Sache am Köchel zu halten – und zwar unterhalb der Schwelle, die ein Eingreifen der RF legitimieren könnte.
    (Das die Russen ihre Leute dort verrecken lassen, ist da wohl eher unwahrscheinlich.)

    Die Ukraine kann den Donbaß auch nicht einfach „gehen lassen“ – das erscheint an sich als das Vernünftigste – jedoch bestünde dann die Gefahr, daß dieses fragile Staatsgebilde auseinander bricht.

    Für die Europäer ist das eine sogenannte „WIN-WIN“ – Situation.
    Vernünftig integrieren kann man die Ukraine auf absehbare Zeit nicht, weil – dieser Brocken ist einfach zu fett – und so hat man letztendlich einen „guten Grund“, sie am langen Arm verhungern zu lassen.

    Die Amerikaner stehen schon mit einem Bein in der Ukraine, und wer diese Seuche einmal im Land hat, wird sie so schnell nicht wieder los.
    Für die ist die Situation auch recht komfortabel, denn deren Interessen gehen eindeutig dahin, verschiedene „Brandherde“ weltweit schwelen zu lassen, wodurch man eine Art permanenten „Ausnahmezustand“ unterhalb des Schwellwertes, der einen „großen Krieg“ auslösen würde, aufrecht erhalten kann.
    So sind tatsächlichen oder vermeintlichen Gegner stets „beschäftigt“.
    (Siehe z.B.: https://deutsch.rt.com/international/102394-us-leiter-is-bekampfung-syrien-ziel-zweites-afghanistan-vietnam-russen/ )

    Und dieses Scheißspiel kann noch ewig so weiter gehen.

    Palästina läßt grüßen. Dort hat man diejenigen, auf die sich die Palästinenser mehr oder weniger stützten konnten, dermaßen gegeneinander ausgespielt und geschwächt, daß auf sie Rücksicht zu nehmen, Israel inzwischen überhaupt nicht mehr für nötig hält.

    Das mit Abstand größte Horrorszenario, daß dieser sog. westlichen Wertegemeinschaft Alpträume bereitet, weil es deren Ende bedeuten würde, ist Ruhe auf diesem Planeten

Schreibe einen Kommentar