Beschlossene Waffenruhe in Gefahr: Ukrainischer Insider warnt vor Provokationen im Donbass

Dawyd Żwanija, ein Insider aus der Ukraine und ehemalige rechte Hand von Poroschenko, hat sich wieder zu Wort gemeldet. Seine Erklärung ist beängstigend.

Ich habe bereits vor einigen Tagen über die erste und die zweite Erklärung von Dawyd Żwanija berichtet. Der Mann fordert die ukrainische Generalstaatsanwältin eindringlich auf, ihn vorzuladen und er will über seine eigenen Verbrechen aussagen, die er zusammen mit Poroschenko begangen hat und auch über die Verbrechen von Poroschenko selbst. Die Reaktion aus Kiew ist bisher jedoch Schweigen.

Heute hat er einen weitere Erklärung auf YouTube veröffentlicht. Ich habe sie übersetzt und nach der Übersetzung werde ich zum besseren Verständnis noch ein paar Ergänzungen machen.

Порошенко готовит новую кровавую провокацию на Донбассе

Beginn der Übersetzung:

Heute berichteten die Medien, Petr Poroschenko sei in die Türkei gereist.

Die Journalisten meinen, dass er dort Urlaub macht. Seine Anhänger sind verärgert, denn während sie in Kiew protestieren, macht ihr Führer einen Badeurlaub. Und Petr Poroschenko, der immer bereit ist zu lügen, schweigt dazu und rechtfertigt sich nicht einmal. Das ist sehr seltsam. Aber ich weiß, warum er schweigt: Weil er will, dass wir denken, dass er am Meer ist. Tatsächlich ist er zu einem ganz anderen Zweck in die Türkei gereist.

In der Türkei gibt es die Firma Rocket Sun, die Kampfdrohnen produziert. Sie wird von Poroschenko und seinem Komplizen Gavlovsky-Svinarchuk kontrolliert. Der Direktor dieses Unternehmens ist ein US-Bürger. Das ist ein sehr wichtiges Unternehmen, seine Drohnen nahmen an Operationen in Syrien und Berg-Karabach teil. Die Drohnenpiloten sind ukrainische Staatsbürger.

Jetzt soll eine Waffenruhe im Donbass durchgesetzt werden. Für Poroschenko ist das sehr ungünstig, denn seine Beliebtheitswerte sind vom Krieg abhängig. Deshalb macht er in der Türkei keinen Urlaub, sondern trifft sich mit Leuten, um Provokationen zu organisieren. Poroschenko will den Friedensprozess sprengen. Er ist jetzt nicht in der Lage, dem Militär den Befehl zu geben, den Waffenstillstand zu brechen. Also will er Drohnen und die Piloten benutzen, die das verschweigen würden. Das ist es, worüber er in der Türkei in diesem Moment mit schrecklichen Menschen spricht.

Es ist nicht das erste Mal, dass Poroschenko Blut einsetzt, um zu bekommen, was er wollte. Und wenn die Regierung ihn nicht aufhält, wird es nicht das letzte Mal gewesen sein.

Ich wende mich erneut die Generalstaatsanwältin Irina Venediktova: Laden Sie mich zur Vernehmung vor. Ich werde die ganze Wahrheit über diesen Mann erzählen, über seine geheimen Geschäfte im Ausland und seine Betrügereien. Wir müssen das Land von diesem Krebsgeschwür befreien.

Ende der Übersetzung

Vor einer Woche wurde bekannt gegeben, dass sich die Konfliktparteien im ukrainischen Bürgerkrieg auf eine unbefristete Waffenruhe geeinigt haben. Das gab es schon öfter, aber diese Waffenruhe hat durchaus die Chance, eine zeitlang zu halten.

Der Grund ist, dass Selensky die Waffenruhe braucht. Er muss beim Friedensprozess vorankommen. Seine Beliebtheitswerte fallen immer weiter, inzwischen sind mehr Menschen im Land mit seiner Politik unzufrieden (56 Prozent), als zufrieden (36 Prozent). Sein wichtiges Wahlversprechen war vor einem Jahr, dass er den Krieg beenden will. Und da muss er nun Fortschritte präsentieren.

Allerdings gibt es in der Ukraine reichlich Kräfte, die den Krieg nicht beenden wollen. Sei es, weil sie blendend daran verdienen (wie zum Beispiel Poroschenko) oder sei es aus purem Nationalismus, denn verblendete Radikale gibt es in der Ukraine leider reichlich. Daher kann es jederzeit passieren, dass die Kriegsbefürworter die Waffenruhe durch Provokationen stören.

Poroschenko stützt sich auf die Nationalisten, seine Anhängerschaft rekrutiert sich aus verblendeten, radikalen Nationalisten, die Poroschenkos Kriegsrhetorik begeistert aufnehmen. Dass es ihm dabei nur um seinen eigenen Geldbeutel geht und er seine Anhänger mit den Parolen nur ausnutzt, das verstehen diese Leute aus irgendwelchen Gründen nicht.

Aber Selensky braucht die Waffenruhe, denn sie ist eine Voraussetzung für ein neues Treffen im Normandie-Format, das er Selensky dann innenpolitisch „vermarkten“ kann. Das Problem dabei ist, dass ein solches Treffen, wenn es den stattfinden sollte, wohl keine Fortschritte bringen wird. Der Grund dafür ist schnell erzählt.

Selensky will das Abkommen von Minsk umschreiben, was in erster Linie bei Putin auf Ablehnung stößt, aber auch Merkel und Macron haben Selensky bei diesem Vorhaben bisher die kalte Schuler gezeigt und halten an dem bestehenden Abkommen fest. Das hat das letzte Normandie-Treffen im Dezember deutlich gezeigt.

Der Streit dreht sich um folgendes: Im Minsker Abkommen ist ein klarer Fahrplan festgelegt, wie Kiew die abtrünnigen Gebiete wieder unter Kontrolle bekommen soll. Da sind eine ganze Reihe von Maßnahmen aufgeführt, die Kiew vorher erfüllen muss, zum Beispiel eine Amnestie, direkte Verhandlungen über Wahlen und vor allem ein in der ukrainischen Verfassung garantierter Sonderstatus für die Gebiete. Letzteres lehnt Kiew ab und obwohl es schon 2015 alles hätte umgesetzt werden müssen, ist es bis heute nicht geschehen.

Selensky will nun, dass Kiew zuerst die Kontrolle über die Gebiete bekommt und diese Dinge danach umgesetzt werden. Nur ist das unmöglich: Warum sollten die Rebellen zum Beispiel ihre Waffen niederlegen, wenn sie befürchten müssen, danach verhaftet zu werden, weil die Amnestie nicht beschlossen wurde? Das ist unrealistisch. Außerdem: Wenn Kiew die Dinge angeblich umsetzen will, warum dann nicht sofort? Niemand glaubt Kiew, dass es diese Schritte machen wird, wenn es erst einmal die Kontrolle über die Gebiete hat.

Wie unehrlich Kiews Position ist, zeigt folgende Meldung von Mitte Juli: Der ukrainische Außenminister teilte mit, Kiew sei dem Minsker Abkommen gegenüber treu, aber lehne den (in dem Abkommen eindeutig zugesagten) Sonderstatus für die Gebiete ab. Ja, was denn nun?

Selbst wenn es zu einem weiteren Normandie-Treffen kommen sollte, stehen die Chancen für Fortschritte also schlecht. Hinzu kommt die Warnung von Dawyd Żwanija, Poroschenko könnte das Treffen durch Provokationen mit Drohnen verhindern wollen.

Wir werden es in den nächsten Wochen und Monaten sehen. Wenn es zu Vorfällen mit Drohnen kommen sollte, hätte Żwanija seine Glaubwürdigkeit unter Beweis gestellt.


Wenn Sie sich für die Ukraine nach dem Maidan und für die Ereignisse des Jahres 2014 interessieren, als der Maidan stattfand, als die Krim zu Russland wechselte und als der Bürgerkrieg losgetreten wurde, sollten Sie sich die Beschreibung zu meinem Buch einmal ansehen, in dem ich diese Ereignisse detailliert auf ca. 670 Seiten genau beschreibe. In diesen Ereignissen liegt der Grund, warum wir heute wieder von einem neuen Kalten Krieg sprechen. Obwohl es um das Jahr 2014 geht, sind diese Ereignisse als Grund für die heutige politische Situation also hochaktuell, denn wer die heutige Situation verstehen will, muss ihre Ursachen kennen.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

3 Gedanken zu „Beschlossene Waffenruhe in Gefahr: Ukrainischer Insider warnt vor Provokationen im Donbass“

  1. (..)Wir werden es in den nächsten Wochen und Monaten sehen. Wenn es zu Vorfällen mit Drohnen kommen sollte, hätte Żwanija seine Glaubwürdigkeit unter Beweis gestellt.(..)

    Der Umkehrschluss :
    Wenn nichts passiert in Faktor Drohnen ?

    Der Mann ist strohdumm, weil er Vergangenheit mit Zukunfts-Ereignissen beweisen will. Und es passiert dann logischerweise, dass sogar Journalisten wie T.Röper die eigenen Gedanken zur Glaubwürdigkeit des „Möchtegerne-Kronzeugen“ über Aussagen in der Vergangenheit, an dem Zutreffen von „Kaffeesatz-Leserei“ des „Zeugen / der Quelle “ festmacht.

    Doch wie real ist ein solcher Einsatz ?
    DIE LISTE, die bei den Verhandlungen der Kontaktgruppe zum neuen Waffenstillstand vereinbart wurde , enthält unter anderem ein Verbot der durch die Ukraine praktizierten militärischen Aufklärung durch „Erkundungs Trupps- Drohnen -, sowie generell des Einsatzes von Flugzeugen jeglicher Art und Größe.

    In der Tat ist es möglich, dass radikale Kräfte, wie überall auf der Welt, Verträge Vereinbarungen in einem Krieg zu stören in der Hoffnung, die Kriegsparteien , springen über das hingehaltene Stöckchen. So gab es bereits in der ersten Stunden Störmanöver der Nazis , indem sie mit Schallgedämpten Klein-Waffen schossen. Auch werden es ein par Drecksäcke schaffen, kleine mit Sprengranaten beladenen Drohnen zu starten…

    Doch gerade die hier angeprochenen Drohnen werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht eingesetzt werden. Da dieser Möchtegerne-Kronzeuge wahrscheinlich von der Kriegsführung – und den Möglichkeiten der Republikanischen Armee(n) keine Ahnung zu haben scheint, stellt er sich selbst ein Bein mit seinen Ausführungen zu dem Kindermörder Poroschenko.

    Die Ukrainische Armee besitzt diese aus türkischer Produktion Drohnen schon. Sie sollen ( oder werden schon?) auch in der Ukraine produziert. Die sind- ich benutze mal ein verständliches Wort, SAUTEUER … und die Ukrainer, würden sie nie aufsteigen lassen und dann über Feindgebiet sich sofort von der gegnerischen intelligenten elektronischen Kriegsführung übernehmen zu lassen, oder eben durch die nun hochentwickelte Flugabwehr abschießen zu lassen. Und da nun auch die Frontzone zu dem Gebiet gehört, in dem die Kriegsparteien ein Flugverbot sich selbst auferlegt haben, sollte sich die Ukrainische Armee wirklich 3 mal überlegen, auch auf eigenem Staatsgebiet nun größere Flugobjekte aufsteigen zu lassen…..

    Also, mit der Aussage des Möchtegerne…. hat er sich selbst einen Bärendienst erwiesen..

    1. „Der Mann ist strohdumm, weil er Vergangenheit mit Zukunfts-Ereignissen beweisen will. “
      Als strohdumm würde ich den nun nicht bezeichnen wollen! Der wird seine Gründe haben, warum er das sagt. Aber da dürften wir viel zu wenig Einblick in die Welt der Oligarchen haben, um da plausible Schlussfolgerungen ziehen zu können.

      „Und da nun auch die Frontzone zu dem Gebiet gehört, in dem die Kriegsparteien ein Flugverbot sich selbst auferlegt haben,“ Haben sich die ukrainischen Kräfte schon mal an eine einzige Vereinbarung gehalten? Das wäre mir neu. Es gibt doch genügend Nationalisten in der Ukraine, die keinen Frieden wollen und nach Gründen und Möglichkeiten suchen, den Donbass zurückzuerobern.
      Und die „Freunde“ der Ukraine mit dem Sternenbanner dürften es auch für gut befinden, wenn an der Frontlinie gezündelt wird. Da können sie doch selber etliche Dinge einem Praxistest unterziehen und vor allem ihre Anwesenheit rechtfertigen.

      1. Absolut korrekt. Natürlich wird es über kurz oder lang wieder weiter gehen.Doch dann wird es völlig anders sein, als das bisher der Fall war… Weil, eines sollte man nicht überbewerten, nämlich den Geduldsfaden der Republiken-Armee(n)

        Ja, jetzt folgen sie ( Donezk & Lugansk) dem Befehl der Oberbefehlshaber, die Stille einzuhalten… Doch was geschieht, wenns auch dieses mal wieder durch Einsatz von Artillerie (von Seiten der „Armeeteile“, welche den Befehlen des Ukrainischen Oberbefehls bis dahin gehorschten. Also, ab dem Zeitpunkt dass absolut klar feststeht, dass sich der Präsident kann nun absolut nicht mehr durchsetzen…

        Die Amerikaner selbst, werden in der Ukraine keinen einen Soldaten offiziell gegen die Republiken einsetzen. Das müssen die Ukrainer dann schon selbst tun. Sozusagen, können die Amis, die Polen und Deutsche, den Ukrainer einzig goldene Gewehrkugeln kaufen… können versprechen … bis hin zur Vielweiberei und goldener Klooschüssel.

        Offizieller Einsatz von Nato-Truppen ist ausgeschlossen. In diesem Zusammenhang wird meinerseits immer wieder mal an die Worte Putins erinnert, was die Staatlichkeit der Ukraine angeht, für den Fall, dass sie mal militärisch nach Donezk „durchstarten“ wollen.

        – Was im übrigen nie wird schon aus dem Grunde stattfinden, weil der Generalstab der Ukras genau weiss, dass zumindest die Hälfte der Offiziere und Mannschaften würden auf die andere Seite wechseln… –

        Dieser Waffenstillstand ist ein anderer, wie alle zuvor. Dieser ist nämlich definitiv der Letzte. Wenn das nicht funktioniert, ist die Kacke am Dampfen …!
        Danach gibt es kein Minsk3 ..

        Gibt auch noch dermaßen viele Faktoren, welche dazu beitragen, dass dies der letzte Waffenstillstand vor der Endgültigen Lösung ist, wie nun mal die allgemeine Situation in der Ukraine, welche gar keine Reserven mehr hat, um die Leute an der Front auch nur noch halbwegs zu ernähren. Bleibt ihnen – wenn nicht frisches Geld aus Übersee oder Brüssel eintrifft, eh nichts anderes mehr, als Truppen abzuziehen.

        Tja..dann unser Freund Corona…
        Die Amis sprechen von der nächsten Billion an Corona-Unterstützung, die Russen geben den Familie ein Drittel an Investitionskapital zum Wohnungsbau, die EU Maßnahmen sind auch bekannt….

        Und die Ukraine spricht von Steuererhöhung, von Erhöhung der Energiekosten… und und ..bis hin zur Einführung von elektronischen Kassen ect… Nicht mal mehr nach Polen und Deutschland können sie um als Sklave zu dienen…

        Und dann die Kommunalwahlen…
        Au ha….

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