Corona-Folgen: Wie Russland die Entschädigung von wegen Corona ausgefallenen Reisen regelt

Wie in Deutschland, so treibt auch in Russland viele Menschen die Frage um, was mit bereits gebuchten Urlaubsreisen und Flügen geschehen soll, die wegen der Pandemie ausfallen mussten. Dazu gibt es nun eine Entscheidung der russischen Regierung.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie die Regelungen in Deutschland bei diesem Thema sind, aber vielleicht ist es interessant zu erfahren, wie Russland mit dieser Frage umgeht. In Russland hat die Regierung versucht, die Interessen der Fluglinien und Reiseveranstalter einerseits, und die Interessen der Verbraucher andererseits unter einen Hut zu bekommen. Dabei mussten beide Seiten leichte Abstriche machen, aber mir scheint, dass eine faire Regelung gefunden wurde.

Die Verbraucher bekommen keine Rückerstattungen für bezahlte Reisen, sondern Gutscheine in Höhe der bezahlten Preise, die sie später einlösen können. Sollte das nicht möglich sein, hat der Verbraucher nach drei Jahren das Recht auf Rückerstattung des bezahlten Geldes. Mit der Regelung verlieren die Verbraucher ihr bezahltes Geld nicht und andererseits schützt sie die Reiseveranstalter vor horrenden Rückzahlungen, die sie in den Bankrott treiben könnten.

Darüber hat das russische Fernsehen berichtet und der Vollständigkeit halber habe ich den Beitrag des russischen Fernsehens übersetzt, in dem noch mehr Details der Regierungsverordnung genannt werden.

Beginn der Übersetzung:

Das Kabinett billigte die Verordnung über „Gutscheine anstatt Geld für Flugtickets“, die wegen des Coronavirus annulliert wurden. Wer kann mit einem solchen Gutschein rechnen, was bedeutet dieses Dokument und womit können Touristen rechnen, die vor der Pandemie eine Auslandsreise bezahlt haben?

Der Blick auf Touristen-Resorts im Ausland ist für russische Touristen immer noch unerreichbar. COVID-19 hat nicht nur die Reiseziele, sondern auch die Reisedaten geändert. Die Fluggesellschaften ändern die Flugpläne und machen Verluste. Passagiere haben es eilig, ihren Urlaub zu retten und ihr Ticket noch in diesem Sommer zu nutzen. Jetzt gelten dafür neue Regeln. Die Regierung hat die Verordnung über Gutscheine für annullierte Flüge beschlossen.

„Die Entscheidung der Regierung gibt den Fluggesellschaften das Recht, die Vertragsbedingungen in dieser schwierigen Situationen zu ändern, das bedeutet, dem Fluggast ein spezielles Dokument zu übermitteln, einen Gutschein, der bestätigt, dass die Fluggesellschaft verpflichtet ist, die bezahlte Leistung in der Zukunft zu erbringen oder das Geld zurückzuerstatten“, erklärte Julia Spivakova, Sprecherin von Aeroflot.

Ein solcher Mechanismus würde nur für Verträge gelten, die vor dem 1. Mai dieses Jahres geschlossen wurden. Die Maßnahme ist nötig, um den Konkurs von Fluggesellschaften zu vermeiden. Jetzt bekommen Kunden als Entschädigung für annullierte Flüge statt Geld einen Gutschein, ein elektronisches Dokument, das den erstattungsfähigen Betrag des Tickets sichert. Sie können zukünftige Flüge ganz oder teilweise mit dem Gutschein bezahlen. Flug, Datum und Uhrzeit werden vom Fluggast gewählt.

„Der Gutschein gilt für drei Jahre, er wird elektronisch ausgestellt, wir haben das Gutscheinverfahren bereits umgesetzt und man muss sagen, dass es sehr gefragt ist. Es ist praktisch, dass der Gutschein sowohl zur Bezahlung eines neuen Tickets, als auch bei der Bezahlung zusätzlicher Leistungen der Fluggesellschaft verwendet werden kann“, fügte Julia Spivakova, Sprecherin von Aeroflot, hinzu.

Um einen Gutschein zu bekommen, müssen Sie der Airline eine Benachrichtigung senden, persönliche Informationen und Buchungsnummer angeben. Aber ein solches Ticket gegen bares Geld eintauschen, ist erst drei Jahre nach dem Datum des ursprünglich geplanten Abflugs möglich. Dabei gibt es für einige Kategorien von Kunden Ausnahmeregelungen. Auch die Reiseveranstalter suchen nach Alternativen zu gestrichenen Reisen.

„Aufgrund der seit dem 27. März geltenden, vorübergehenden Beschränkungen werden Reiseunternehmen Touren auf spätere Termine umbuchen, wir reden von Reisen im Wert von mindestens 50 Milliarden Rubel (ca. 700 Millionen Euro). Reiseunternehmen geben ihren Touristen die Möglichkeit, solche Reisen bis zum 31. Dezember 2021 zu verschieben“, sagte Dmitry Gorin, Berater des Leiters von Rosturism.

Dabei ist Flexibilität gewährleistet. Wenn die Grenzen zu den gebuchten Länder noch geschlossen sind, die geplante Reise aber bereits begonnen hätte, können Kunden eine ausgefallene Auslandsreise durch eine inländische ersetzen. Anstatt in die Türkei kann man zum Beispiel nach Kamtschatka, Sotschi, auf die Krim oder andere Regionen des Landes reisen. Dabei wird die für die ursprüngliche Reise bezahlte Summe voll angerechnet. Oder buchen Sie die Reise auf einen späteren Zeitpunkt um.

„Wir bieten Touristen immer an, andere Termine zu wählen, die ihnen passen, und die Reise für die gleiche Anzahl von Tagen im selben Hotel im selben Land umzubuchen. Für das gleiche Geld, das sie bereits bezahlt haben“, sagt Vadim Ostrovsky, Geschäftsführer eines Reiseveranstalters.

Man kann seine Reise auch stornieren und das bezahlte Geld zurückbekommen, dazu muss man das Reisebüro kontaktieren und eine entsprechende Erklärung schreiben. Wenn der Urlaub schon während der Isolation im eigenen Wohnzimmer stattgefunden hat, ist es gut zu wissen, dass internationale Flüge nach optimistischsten Prognosen der Experten frühestens im September wieder aufgenommen werden.

Ende der Übersetzung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

Ein Gedanke zu „Corona-Folgen: Wie Russland die Entschädigung von wegen Corona ausgefallenen Reisen regelt“

  1. Das hilft mir auch nicht weiter. Ich habe im Februar die Flüge bei Aeroflot gebucht und will am 26.08. eigentlich fliegen, aber wenn (Zitat aus dem Artikel) „dass internationale Flüge nach optimistischsten Prognosen der Experten frühestens im September wieder aufgenommen werden.“, ist das wohl viel zu früh.
    Man könnte sagen, ich hänge völlig in der Luft, da niemand (weder die Botschaft, noch die Visastelle) weiß, wann wieder Visen ausgestellt werden dürfen. Und selbst wenn von russischer Seite wieder ein Visum verhalten könnte, ist ungewiss, ob die Auslandskrankenversicherung einem die 30000 € für RU garantiert. Bei einer Reisewarnung geht man da natürlich leer aus.
    Also eine rundherum „bescheidene“ Situation für Touristen wie mich, die nur Flüge und Hotels buchen und dann die ganze Reise mit öffentlichen Nahverkehr bewältigen.

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