Das russische Fernsehen über den Zustand der EU

Während die EU in westlichen Medien als Erfolgsmodell gefeiert wird, hat das russische Fernsehen im Rückblick auf 2020 eine andere Sicht auf das Thema.

Am Sonntag hat der Moderator der russischen Sendung „Nachrichten der Woche“ in einem Kommentar auf den aktuellen Zustand der EU geschaut und dabei ein Bild gezeichnet, das man in westlichen Medien wohl eher nicht zu hören bekommt. Daher ich habe ich den Kommentar übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Für die Europäische Union entpuppte sich das abgelaufene Jahr als Moment der Wahrheit, als in einem schwierigen Moment deutlich wurde, dass es an innerer Solidarität fehlt und die Werte des Humanismus, wie sie in der EU-Hymne besungen werden, waren plötzlich vergessen und jedes Land war bei der Konfrontation mit dem Virus auf sich allein gestellt.

Alles begann mit Italien, als die Epidemie das Land im Frühjahr überrollte. Rom bat die Europäische Union um Hilfe, aber man hatte es nicht eilig. Russland war das erste Land, das Einheiten chemischer Schutztruppen zur Desinfektion nach Italien schickte und dann ein Ärzteteam, das in der schwierigsten Phase der Frühjahrswelle mit seinen italienischen Kollegen Schulter an Schulter gearbeitet hat.

Am Ende des Jahres, bei schrecklichen Zahlen von Infektionen, Sterblichkeit und wirtschaftlichem Niedergang, ist die Europäische Union demoralisiert. Das Gesundheitssystem selbst der reichsten Länder dort war weder für eine wirksame sanitäre Prävention noch für die Behandlung von Massen von Patienten bereit. Es wurden keine neue Krankenhäuser gebaut und einen europäischen Impfstoff gibt es nicht.

Deutschland kam mit der Pandemie besser zurecht, als andere Länder, aber innerhalb des Jahres wurde deutlich, dass Deutschland der Hauptnutznießer der Europäischen Union ist und dass sie für den größten Teil der übrigen EU-Staaten eine Belastung ist. Die EU ist eine reale Belastung für Frankreich, dessen Einwanderungspolitik ihm von den Deutschen auferlegt wird. Südeuropa, sei es Italien oder Griechenland, ertrinken in unbezahlten Schulden. Und Brüssel kümmert sich sicher nicht um Spaniens Probleme. Die Baltischen Staaten wurden durch die Auswanderung von Arbeitskräften entvölkert. Osteuropa – und vor allem Ungarn und Polen sowie die Tschechische Republik und die Slowakei – stehen dem Westen in offener Konfrontation gegenüber.

„Der Westen hat in den Augen Mitteleuropas an Attraktivität verloren und die Art und Weise, wie wir unser Leben gestalten, ist nicht nach seinem Geschmack. Sie können uns ihren Willen nicht aufzwingen und wir können sie auch nicht vom gegenwärtigen intellektuellen und politischen Weg abbringen. Die mitteleuropäischen Länder haben eine andere Zukunft gewählt, frei von Einwanderung und Migration, auch wenn Brüssel in die entgegengesetzte Richtung gehen will: zu Klimazielen, die bis zur Absurdität getrieben werden, zu einem einheitlichen sozialen Europa, einem gemeinsamen Steuersystem, einer multikulturellen Gesellschaft“, sagte der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban.

Die Russophobie, die der europäischen Führung im ausgehenden Jahr das Bewusstsein vernebelt hat, hat der Europäischen Union einen Bärendienst erwiesen. Als zusätzliche Sanktionen gegen Russland verhängt wurden, erklärte unser Außenminister Sergej Lawrow, dass die Europäische Union nicht in der Lage sei, die Geschehnisse angemessen einzuschätzen: „All dies ist bedauerlich und zeigt deutlich, dass die Europäische Union nicht in der Lage ist, angemessen zu beurteilen, was in der Welt geschieht, sie hat den Wunsch, sich selbst über das Gesetz zu stellen.“

Und weiter: Russland sollte das weder dramatisieren noch sich aufdrängen. In der Tat herrscht Eiszeit. So etwas hat es noch nie gegeben.

„In den letzten zwanzig Jahren hatten wir immer ein Selbstwertgefühl. Aber diejenigen, die für die Außenpolitik im Westen verantwortlich sind, verstehen nicht, dass es respektvoller Gespräche bedarf. Vielleicht sollten wir eine Weile aufhören, mit ihnen zu reden“, hat Lawrow unterstrichen.

Und das war kein Versprecher. Kürzlich bestätigte der Kreml dasselbe: „Wie banal es auch ist, aber allein kann man keinen Tango tanzen. Es ist offensichtlich, dass es nicht Russland war, das die Dialoge auf allen Feldern abgebrochen hat. Es ist offensichtlich, dass es Russland ist, das bei seinen Versuchen, diesen Dialog irgendwie wieder aufzunehmen, nicht auf Verständnis stößt. Und es ist offensichtlich, dass Russland natürlich nicht bereit ist, sich mit ein solches Verhalten gefallen zu lassen“, sagte Dmitri Peskow, der Sprecher des russischen Präsidenten.

Insgesamt hat die Europäische Union in diesem Jahr einen radikalen internen Wandel durchgemacht. Von europaweiter Romantik ist keine Spur geblieben. Für alle drinnen ist sie eine totale Enttäuschung. Und für alle, die nicht drin sind, auch.

Ende der Übersetzung

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

2 Antworten

  1. Ja, die Zeichen stehen auf Sturm. Nicht gut. Die erste Übersetzung enthält noch viel ‚Wie schön ist Russland‘ Propagandasprech, aber da ist auch viel Häme drin. Kann verstehen, dass die Russen sauer sind.
    Naja, immer dasselbe. Solange nicht die Menschen das Sagen haben, sondern irgendwelche geisteskranken Superreichen im Bunde mit sinnlosen Monsterinstitutionen und ihre korrupten Politiker wird sich die Situation niemals verbessern. Glaube, da sieht es in Russland besser aus als bei uns, aber um wieviel? Das gelobte Land scheints mir nicht zu sein.

  2. Das 4 Reich / EU, der Herren „““menschen“““ Dynastien, wächst und gedeiht, nur ihre Menschenherden werden knapp gehalten und mit Elektropeitschen, auf den Weg ins Schlachthaus getrieben, um ihre Reste zu verwerten.

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