Der russische Blick auf die politischen Kämpfe in den USA

Wie jede Woche hat das russische Fernsehen auch an diesem Sonntag wieder einen Blick über den großen Teich auf die politischen Entwicklungen in den USA geworfen.

Da die russische Berichterstattung über die Politik in den USA sich teilweise stark von dem unterscheidet, was die deutschen Medien berichten, übersetze ich die Beiträge des russischen Fernsehens zu dem Thema inzwischen schon traditionell. So auch dieses Mal.

Beginn der Übersetzung:

Donald Trump startet zuversichtlich den Wahlkampf zur Wiederwahl. Impeachment und „Ukrainegate“ haben seine Beliebtheit nur erhöht.

Je näher die Wahl rückt, desto höher wird der Einsatz und Trump hat die Trümpfe in der Hand. Die Regierung teilt vorsichtig mit: Der Präsident wird die Steuern senken.

„Bei einem Treffen im Oval Office sagte der Präsident, lassen Sie uns die Steuern bis September senken. Wir gehen davon aus, dass die Steuern für die Mittelschicht um 10 Prozent gesenkt werden“, sagte Larry Kudlow, Trumps Wirtschaftsberater.

Aber Umfragen zufolge glauben 66 Prozent der Amerikaner ohnehin an Trumps Wiederwahl. Er füllt Stadien. Seine Unterstützer lieben ihn von Kopf bis Fuß: Trump-Bilder auf Mützen, T-Shirts und Socken.

Joe Biden, den die demokratische Elite so gerne gegen Trump nominieren wollte, macht bei den Vorwahlen bisher keine Punkte. Bei den Vorwahlen in New Hampshire wurde er nur Fünfter. Frustriert hat er ein Treffen mit den Wählern abgesagt und den Staat einen Tag früher verlassen, als geplant.

Ein investigativer Film ist der Fangschuss für die Kampagne des ehemaligen Vizepräsidenten. Premiere war am Vorabend der Vorwahlen auf einem der amerikanischen TV-Kanäle. Journalisten erzählten ausführlich, wie Bidens Sohn Millionen in der Ukraine „gewaschen“ hat und wie sein hochrangiger Vater ihn gedeckt hat.

„Joe Biden fordert, dass ich gefeuert werde und ich fragte: Wie begründen Sie das?! Wie können Sie erklären, dass der Generalstaatsanwalt gefeuert wurde?! Poroschenko sagte, wir würden uns etwas einfallen lassen“, sagt Viktor Schokin, der ehemalige Generalstaatsanwalt der Ukraine, in dem Film.

Am Ende wendet sich sogar die schwarze Bevölkerung, die sich an Bidens Zeit mit Obama erinnert, vom ehemaligen Vizepräsidenten ab. Die Kongressabgeordnete aus Hawaii, Tulsi Gabbard, eine ehemalige Soldatin der US-Armee, die im Nahen Osten den Geruch des Krieges kennen lernte, sagt „Nein zum Krieg“. Gabbard erhielt etwas mehr als 3 Prozent der Stimmen. Der 78-jährige Sozialdemokrat Bernie Sanders gewann den Staat.

Bernie Sanders sticht unter allen demokratischen Kandidaten durch seine Rhetorik hervor. Die ganze Kampagne betont, dass er keine finanziellen Interessen bedient. Es hat nichts mit der Wall Street zu tun. Seine Sponsoren sind die Wähler, die jeweils 10 oder 20 Dollar zahlen. Hier ist das Wahlplakat, darauf steht geschrieben: „Bezahlt aus dem Fonds „Bernie -2020″. Es waren nicht Millionäre, die zahlen“.

Der am weitesten vom Volk entfernte, aber der reichste Kandidat im Rennen, ist der Milliardär Bloomberg. Er kauft Politologen, kauft Anzeigen, seine Wahlkampagne ist in Amerika jetzt aus jedem Bügeleisen zu hören und all das nur, um sicherzustellen, dass Trump nicht für eine weitere Amtszeit im Weißen Haus bleibt.

„Er wird seine 400 bis 500 Millionen Dollar ausgeben und vielleicht wird er sogar die Vorwahlen gewinnen. Er hat keine Chance, Präsident zu werden. Um ehrlich zu sein, ich würde lieber gegen Bloomberg als gegen Sanders antreten. Sanders hat echte Unterstützer, aber Bloomberg kauft einfach alles“, sagte Trump.

Es gibt bereits das Gerücht, dass Bloomberg Hillary Clinton zur Vizepräsidentin machen wird, wenn er gewinnt. Und jetzt steigen bei so einem Tandem natürlich seine Gewinnchancen. Aber Trump versucht unterdessen, die Obama-Administration so weit wie möglich zu verunglimpfen. Vor allem die Autorin der Außenpolitik, eben diese Ex-Außenministerin Hillary Clinton: Unter ihr sollen Militärgeheimnisse ins Ausland geleakt worden sein. Insbesondere nach Russland.

„Wir haben eine große Anzahl von superschnellen Raketen. Sie sind fünf, sechs und sogar siebenmal schneller, als herkömmliche Raketen. Wir brauchen sie, weil Moskau solche Waffen bereits besitzt. Ich werde Ihnen nicht sagen, wie Moskau sie bekommen hat. Die Russen haben die Idee aus den Plänen der Obama-Administration übernommen. Das ist sehr schlecht“, sagte Trump.

Trumps Worte sorgten für Aufsehen. Journalisten bedrängten Generäle und die wussten nicht, was sie sagen sollten, weil die USA wiederholt erklärt haben: Sie entwickeln eine solche Art von Raketen gar nicht. Infolgedessen wurden Trumps Worte nicht widerlegt, aber auch nicht bestätigt. Das Pentagon macht angeblich beim Wettrüsten nicht mit und braucht auch keine Parität bei Atomwaffen mit Russland und China.

„Wir wollen keine Parität. Die Russen haben in den letzten 15 Jahren viel Arbeit geleistet, um ihr Arsenal zu erweitern und zu modernisieren und wir haben die Lebensdauer der bereits bestehenden Systeme nur verlängert. Um ehrlich zu sein, überrascht mich die Idee, dass wir ein Wettrüsten beginnen“, sagte Charles Richard, Chef des US Strategic Command.

Das Weiße Haus fügte hinzu: Sie werden mit Moskau über neue Verträge über Abrüstung sprechen. Amerikanische Zeitungen schreiben: Die Regierung sucht nun aktiv nach einem kompetenten Verhandlungsführer, der in der Lage sein wird, die Interessen der Vereinigten Staaten in dem zukünftigen Abkommen zu verteidigen.

Ende der Übersetzung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

Ein Gedanke zu „Der russische Blick auf die politischen Kämpfe in den USA“

  1. Für die „kleinen“ Amerikaner und den Rest der Welt, wäre Bernie Sanders wohl das Beste, allerdings glaube ich nicht, dass er es schafft. Schon in den Reihen der eigenen Partei wird versucht ihn auf jeden Fall zu verhindern, denn er steht nun einmal nicht für das herrschende Establishment.
    Was mir bei dem ganzen Brimborium ewig und am meisten Schleierhaft bleibt, ist die Frage was so ein Wahlkampf, bei dem wahrscheinlich etliche Millionen, wenn nicht sogar Milliarden verballert werden, noch mit Demokratie zu tun hat? Wohl eher nichts, was allerdings eh egal ist, denn die USA ist ebenso wenig eine wirkliche Demokratie, wie Deutschland.

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