Der „Schwarze Montag“ – Börsen und Ölpreis brechen weltweit massiv ein

Dieser 9. März wird als „Schwarzer Montag“ in die Geschichte der Finanzmärkte eingehen. Wir konnten (spätestens) heute den Beginn einer neuen, großen Wirtschafts- und Finanzkrise beobachten.

Überraschend kam das nicht. Der Coronavirus hat dazu geführt, dass in der realen Wirtschaft Lieferketten unterbrochen wurden, Fabriken stillstehen, Messen abgesagt werden, der Tourismus zusammengebrochen ist, die Fluggesellschaften massenhaft Flugverbindungen eingestellt haben und so weiter und so fort. Der Schlag gegen die reale Wirtschaft konnte an den Börsen nicht spurlos vorbeigehen. Unternehmen senken ihre Prognosen, andere werden ums Überleben kämpfen müssen. Kredite werden nicht zurückgezahlt werden können und die Banken werden erhebliche Probleme bekommen.

Hinzu kam noch etwas anderes, was die extreme Lage aufzeigt: Der Ölpreis ist am gleichen Tag, an dem die Börsen abgeschmiert sind, auch um 30 Prozent eingebrochen. Normalerweise müsste das die Börsen freuen, denn geringe Kosten für Öl sind gut für die Industrie, die Fluggesellschaften und so weiter. Aber die arbeiten ja selbst nicht oder nur eingeschränkt und ihr Problem weiß Gott nicht der Ölpreis.

Dass der Ölpreis so eingebrochen ist, hat einen einfachen Grund. Die Stabilität des Ölpreises der letzten Jahre lag einem Bündnis, dass sich „OPEC Plus“ nannte. Russland hatte seine Energiepolitik mit der OPEC abgestimmt und so war es möglich, die Ölpreise zu kontrollieren und zu stabilisieren. Am Freitag aber konnten sich Russland und die OPEC nicht auf eine Verlängerung des Bündnisses einigen.

Über die Gründe gibt es keine eindeutigen Angaben. Anscheinend wollte Saudi-Arabien die Situation nützen und die Ölpreise senken, um Marktanteile zu gewinnen und um die US-Frackingfirmen aus dem Markt zu drängen. Fracking ist erst ab einem Ölpreis von 50 Dollar rentabel. Russland hingegen hat sich immer für stabile und berechenbare Preise ausgesprochen. Daran dürfte das Bündnis am Freitag zerbrochen sein.

Aber man kann Saudi-Arabien auch ein wenig verstehen. Während OPEC Plus auf stabile Preise setzte und so auch mal die Produktion gedrosselt hat, haben die US-Frackingfirmen aggressiv gefördert und dabei Marktanteile erobert. Das hat die Saudis sehr verärgert und nun scheinen sie ihre Gelegenheit ergreifen zu wollen, diesem Konkurrenten einen schweren Schlag zu versetzen.

Saudi-Arabien hat heute ernst gemacht und eine Erhöhung seiner Fördermenge und hohe Rabatte auf sein Öl angekündigt. Im Ergebnis ist der Ölpreis von ca. 45 Dollar um 30 Prozent auf ca. 30 Dollar eingebrochen. Da die US-Frackingfirmen hoch verschuldet sind, werden sie das nicht lange durchhalten. Es war ohnehin für diese Jahr eine Pleitewelle in der Branche erwartet worden, die dürfte nun schneller kommen, als gedacht. Analysten von Goldman Sachs haben mitgeteilt, dass sie einen weiteren Preisverfall beim Öl auf 20 Dollar für realistisch erachten.

Der Spiegel schrieb zu der Situation an den Ölmärkten:

„Die Aussicht auf eine Ölschwemme bei sinkendem Verbrauch lässt die Kurse implodieren. „Die Opec zettelt einen Preiskrieg an“, sagt Eugen Weinberg, Chef-Rohstoffstratege der Commerzbank, dem SPIEGEL. Noch sei kaum abzuschätzen, „was genau das für die Weltwirtschaft bedeutet“. (…) Ein so plötzlicher Kursverfall wie in dieser Nacht bedroht die Stabilität zahlreicher Nationen und Regionen. Er kann auch ein Anzeichen für eine bevorstehende globale Rezession sein. So jedenfalls verstehen ihn offenbar Anleger rund um den Globus: An Aktienbörsen weltweit sind die Kurse am Montagmorgen deutlich gefallen, auch die Währungen von Ölstaaten wie Russland oder Norwegen werteten ab. (…) Umso heftiger kämpfen die ölproduzierenden Staaten nun um Marktanteile – allen voran die Opec. Das Kartell ist seit Jahren in der Defensive, sein Anteil am globalen Verkauf sinkt weiter. Verantwortlich hierfür ist vor allem die massiv gestiegene Förderung in den Vereinigten Staaten. Mit der Fracking-Technologie sind die USA zum größten Ölproduzenten der Welt aufgestiegen.“

Natürlich ist vieles, was an den Märkten geschieht, Spekulation und Psychologie, aber die im Spiegel genannte Beschreibung scheint mir zutreffend zu sein. Das bedeutet, dass die OPEC nun ihre Marktanteile erhöhen und in erster Linie die US-Frackingindustrie aus dem Markt drängen will. Wenn das das Ziel ist, dürften die Ölpreise längere Zeit niedrig bleiben, auch wenn Saudi-Arabien selbst wegen seiner horrenden Staatsausgaben eigentlich einen höheren Ölpreis bräuchte.

Aber dieser Schritt geht auch – ob gewollt oder nicht – gegen Russland, denn Russland setzt seit jeher auf stabile und berechenbare Ölpreise und nicht auf Preiskämpfe. Die russische Währung gab, wie im Spiegel berichtet, dann heute auch stark nach. Ob das auch zu einer Gefahr für den russischen Staatshaushalt wird, muss man abwarten. Russland rechnet mit einem durchschnittlichen Ölpreis von 40 Dollar über das Jahr und hat außerdem über 100 Milliarden in einem Stabilisierungsfond, der in solchen Fällen eingreifen kann. Russland dürfte über die Maßnahmen der OPEC also nicht erfreut sein, aber sie sind zumindest erst einmal kein ernstes Problem.

Die Aktienbörsen reagieren mit einem Preisverfall, der mit dem heutigen Schwarzen Montag nicht zu ende sein dürfte. Die US-Börsen haben wegen des Kurssturzes sogar kurzzeitig den Handel ausgesetzt. In der Folge suchen sich die Fonds, die auf massenhaft Cash sitzen, verzweifelt neue „Parkmöglichkeiten“ für ihr Geld. Der Goldpreis ist daher in die Höhe geschossen, gleiches gilt für „sichere“ Staatsanleihen, deren Renditen nun teilweise negativ sind.

All das sind deutliche Zeichen einer schweren Krise. Und es ist selten, dass sie alle gleichzeitig auftreten. Schlimmer noch: Viele der heute gesehenen Phänomene sind als historisch zu bezeichnen. Einen so schweren Einbruch beim Dax gab es zuletzt bei der Pleite von Lehmann Brother im Zuge der Finanzkrise 2008 und einen so starken Einbruch beim Ölpreis gab es zuletzt beim Golfkrieg 1991. Das lässt nichts Gutes erwarten.

Das zeigt sich auch daran, dass die Bundesregierung im Eiltempo die Regeln für Kurzarbeitergeld geändert hat. Berlin erwartet massive wirtschaftliche Probleme und man will den Branchen helfen, die nun unter Druck geraten. Das allerdings dürften so ziemlich alle sein und ob die Regierung allen helfen kann, darf bezweifelt werden.

Man kann sicher sagen, dass wir am Anfang einer großen, internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise stehen, die ohnehin erwartet wurde, nun aber durch das Coronavirus noch einmal um ein Vielfaches verstärkt und vor allem beschleunigt wird. Und da zu erwarten ist, dass auch in der EU und in Deutschland ganze Regionen unter Quarantäne gestellt werden und damit die Wirtschaft dort stillstehen wird, wird es eine Krise sein, die vielleicht die größte wird, die wir erlebt haben.

Hier hängt alles von den Entscheidungen ab, die nun von den Verantwortlichen getroffen werden, daher sind Spekulationen über den weiteren Verlauf auch unmöglich.

Auf der Pressekonferenz des Gesundheitsministeriums wurde schon einmal deutlich gesagt, dass es „Einschränkungen“ geben wird und dass diese nicht etwa Wochen, sondern Monate andauern werden.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

5 Gedanken zu „Der „Schwarze Montag“ – Börsen und Ölpreis brechen weltweit massiv ein“

  1. Die Aktien waren sowieso überbewertet! Man hat nur auf einen auslösenden Faktor, einen schwarzen Schwan, gewartet. Das ist der Virus. Den Crash hätte es sowieso gegeben! Der Ölpreis schadet allen, aber die Amis werden extrem darunter leiden, da sie für ihr giftiges Schieferöl mindestens einen Preis von 55-60 brauchen. Da dieser ganze Müll dort drüben auf wackeligen Krediten aufgebaut ist, werden viele Betriebe dort die Grätsche machen. Bei uns haben unsere Politiker und Finanzwächter ein Riesenproblem. Nach der letzten Krise hat man schlichtweg „vergessen“, die Stellschrauben, die die Fiskalpolitik hat, um Krisen zu begegnen, wieder zurückzudrehen. Die Schrauben sind am Anschlag. Handwerker kennen den Spruch: Nach fest kommt lose…! Bei dieser Krise werden wir also keine Stellschrauben mehr drehen können, was zu einem grossen Knall führen könnte. Dragi und den anderen gierigen „Fachleuten“ sei Dank!
    Noch ein kurzer Abstecher zum Thema „Einschränkungen“. Alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen sollen abgesagt werden. Abgesehen von diesem Quatsch… bedeutet das, dass diese wahnwitzige Natoübung mit 40.000 Soldaten (Personen) an Russlands Grenzen auch abgesagt wird? Oder zeigt uns diese Doppelmoral wieder drastisch auf, dass wir total verarscht werden?

  2. Die Fracking Industrie ist einer der Vorzeigeobjekte Amerikas. Trump ist stolz zu sagen, dass die USA jetzt auch Ölexporteur ist. Bis zur Präsidentschaftswahl wird er alles dafür machen, diese Industrie am Leben zu erhalten. Auch Boing wird in diesem Jahr nach dem Willen von Trump nicht untergehen.
    Aber es gibt auch die Demokraten, die an diesen Erfolgen kein Interesse haben. Mal sehen was kommt.
    Die Börse wird weiter fallen. Der Handel ist schon mehrfach ausgesetzt worden und ich kann mir gut vorstellen, dass die Börse wegen Corona für Wochen dicht gemacht werden. Die einzigen Möglichkeit um weitere Kursverluste zu verhindern.
    Mit dem Wegfall der Fracking Industrie können dann die USA auch kein Freedomgas mehr liefern. Und auf einmal wird es kein Problem sein Nordstream 2 fertigzustellen.
    Um die Fracking Industrie zu stützen, kann Trump auf die Idee kommen, dass Lieferverträge mit der EU geschlossen werden und wir dann vorab für Zukünftige Lieferungen einen großen Vorschuss zahlen sollen. Damit könnte dann dieser Industriezweig bis zum Jahreswechsel gerettet sein. Wenn es dann im nächsten Jahr zur Pleitewelle kommt, schauen wir Europäer in die Röhre.
    Der Gaskunde wird dann die Zeche für nichtgeliefertes Gas zahlen dürfen.
    Wie dem auch sei, Es kommen interessante Zeiten auf uns zu.

  3. Ein Virus ist ja nicht einfach so da. Oft entsteht so etwas im Zusammenspiel von Mensch/Tier. Die Schweinegrippe, Vogelgrippe, Ebola, Rinderwahnsinn oder auch Würmer usw. kommen so denke ich aus zu viel Nähe mit Tieren (Asien), aus der Massentierhaltung, oder dem Verzehr, wie zB. auch in unseren Küchen, Salmonellen bei der Zubereitung von Huhn. Dazu kommt der massive Antibiotikaeinsatz damit die Elenden die Mast auch ja überleben wobei sich je länger weltweite gefährliche Antibiotikaresistenzen bilden. Corona ist auf einem der vielen Märkte entstanden wo auch geschlachtet und gegessen wird.
    Trump wird bestimmt noch darauf zu sprechen kommen und finanzielle Forderungen an China stellen.
    Über die ganze Palette von der Pharmaindustrie bis hin zur Lebensmittelindustrie haben wir an den Schmerzen der Tieren Billionen verdient. Oft braucht es genug wirtschaftlichen Schaden bevor sich etwas ändert.

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