Die russische Karte und ein weiterer Milliardär – Das russische Fernsehen über die politische Woche in den USA

Wie immer hat das russische Fernsehen am Sonntag in der Sendung „Nachrichten der Woche“ wieder einen Rückblick auf die innenpolitischen Spielchen in den USA gebracht, den ich traditionell übersetze.

In Russland scheinen sich die politischen Kommentatoren auf einen Wahlkampf zwischen Trump und Sanders zu freuen. Das dürfte der Super-Gau für die westlichen Medien werden, denn Trump ist ohnehin ihr Buhmann, aber Sanders gilt mit seinen sozialen Ansichten ebenfalls als Bösewicht. Er bekam nur so lange gute Presse, wie er keine Chance auf den Sieg in den Vorwahlen hatte. Auch die demokratische Partei in den USA will Sanders nicht, vor vier Jahren wurde seine Kampagne von der Partei sogar zu Gunsten von Clinton sabotiert.

Aber was sollen die westlichen Medien tun, wenn ihnen beide Präsidentschaftskandidaten nicht gefallen? Gegen Sanders wird nun auch schon eine angebliche russische Unterstützung ins Spiel gebracht und obwohl es dafür mal wieder keinerlei Belege gibt, greifen die deutschen „Qualitätsmedien“ das Thema sofort auf. Aber man darf gespannt sein, wen Russland angeblich unterstützen wird, wenn der Kampf Trump gegen Sanders heißt. Schließlich kann es für westliche Medien keine Wahl mehr geben, bei der nicht eine russische Einmischung zumindest unterstellt wird.

Diesen Ton der schadenfrohen Vorfreude kann man in dem Bericht der Sendung „Nachrichten der Woche“ zwischen den Zeilen deutlich heraushören.

Beginn der Übersetzung:

Ein weiterer, nicht sehr junger amerikanischer Milliardär der Demokraten ist lautstark in das Rennen um die US-Präsidentschaft eingestiegen. Der ehemalige Bürgermeister von New York, der 78-jährige Michael Bloomberg, hat an der parteiinternen Debatte in Nevada teilgenommen. Trump nannte seine Rede die schlimmste in der Geschichte. Aber dafür wurde Russland schon wieder beschuldigt, sich in die US-Wahl einzumischen. Das ist nur noch witzig.

Es gibt keine Stimmzettel und keine Wahlurnen. Sie stimmen hier mit den Füßen ab. In der indianischen Sprache ist ein „Caucus“ eine „lärmende Versammlung“. Und so sammeln sich die Unterstützer der Kandidaten in Gruppen: wer die größte Unterstützergruppe hat, hat gewonnen. Es kommt vor, dass in den Wahllokalen die Kandidaten die gleiche Anzahl von Unterstützern gewinnen, aber ein Gewinner muss trotzdem bestimmt werden. Dann wird ganz altmodisch, wie auf den Caucuses im vorletzten Jahrhundert vorgegangen. Reguläre Spielkarten sind dafür in allen Teilen Nevadas vorhanden. Ein Vertreter jeder Gruppe darf eine Karte ziehen und wer die höchste Karte zieht, dessen Kandidat hat diesen Bezirk gewonnen.

Karten entscheiden hier alles, denn Nevada ist Las Vegas und Las Vegas ist die Welthauptstadt des Glücksspiels, darum werden hier keine Münzen geworfen, wie in Iowa. Sanders und Biden sind in diesem Bezirk gleichauf. Mit einer leichten Handbewegung bringt der Pik-König dem ehemaligen Vizepräsidenten den Sieg.

In Nevada ist ein Drittel der Bevölkerung farbig. Die innerparteiliche Abstimmung ist in vielerlei Hinsicht ein Stimmungstest. Biden hofft auf die Afroamerikaner, um seinen Rückstand aufzuholen. Sein Trumpf ist, dass er in einem schwarzen Viertel aufgewachsen ist.

Da Nevada an Mexiko grenzt, fragten Journalisten die Kandidaten, wie man die Beziehungen zum Nachbarland aufbauen kann und wie überhaupt der dortige Präsidenten heißt. Einige Kandidaten wussten nicht, was sie sagen sollten. Bei den jüngsten Debatten mussten die Politiker an ihren Fehlern arbeiten.

Es sind die heißesten Debatten der Kampagne. Es gibt mehr Zuschauer als je zuvor, fast 20 Millionen saßen vor den Bildschirmen. Jeder interessiert sich für den Newcomer, der ins Rennen gegangen ist, den Milliardär Michael Bloomberg. Bei der ersten Debatte war er in einen Löwenkäfig geraten.

„Ich möchte darüber sprechen, gegen wen wir antreten. Ich möchte über Milliardäre sprechen, die Frauen als „dicke Weiber“ und Lesben als „Pferdegesichter“ bezeichnen. Und ich spreche im Moment nicht über Donald Trump. Ich spreche über Michael Bloomberg. Die Demokraten riskieren, einfach einen arroganten Milliardär durch einen anderen zu ersetzen“, sagte Elizabeth Warren, die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten.

Eine Partei verwandelte einen der reichsten Menschen der Welt in einen Prügelknaben. Jeder nahm ihn sich vor. Bloomberg zeigte keine Emotionen, sondern stand mit versteinertem Gesicht da, ohne zu wissen, was er mit seinen Hände machen sollte, kämpfte er sich schleppend durch den Abend.

„Bloomberg hat sich zum Narren gemacht. Er schnappte nach Luft: Ich kann nicht atmen, stellt mir keine Fragen!“ sagte Donald Trump. Die Abneigung des Präsidenten ist verständlich, denn Bloomberg macht einen persönlichen Wahlkampf gegen ihn. Geld spielt für ihn keine Rolle. Er kauft Werbung und er kauft politische Analysten.

„Ich habe mich geweigert, in seinem Stab zu arbeiten. Bloomberg ging spät ins Rennen, er hat keine Zeit, die Kommunikation durch persönliche Treffen und Veranstaltungen aufzubauen. Deshalb ist er im Internet und im Fernsehen. Er ist überall. 420 Millionen Dollar hat er in zwei Monaten ausgegeben, das ist eine beispiellose Summe. Und es funktioniert!“, sagte Vitaly Shklyarov, ein Politologe und ehemaliger Wahlkampfberater von Bernie Sanders.

Im November, als er anfing, war Bloomberg nicht unter den ersten fünf. In einigen Bundesstaaten führt er heute laut Umfragen das Feld an. Er konkurriert mit seinem Altersgenossen, dem 78-jährigen Bernie Sanders. Der will ein kostenloses Gesundheitssystem für alle und kostenlose Bildung, der demokratische Sozialist ist nicht nach dem Geschmack der Parteielite der Demokraten. Kurz vor den Vorwahlen in Nevada spielte die Washington Post die „russische Karte“: Russland soll Sanders bei dem Vorwahlen geholfen haben.

„Es ist nicht klar, welche Rolle sie spielen, aber Russland und andere Länder werden sich sicherlich wieder in diese Wahl einmischen. Und ich möchte ihnen sagen: Russland, halte dich aus unseren Wahlen raus!“, sagte Sanders.

Über Fakten der so genannten Einmischung wird, wie üblich, nicht berichtet. Sanders selbst räumte später ein, dass der Artikel extra veröffentlicht worden sein könnte, um seine Positionen vor der innerparteilichen Abstimmung zu schwächen. Der Politologe Vitali Shklyarov, der in Sanders‘ Wahlkampfteam bei den letzten Wahlen arbeitete, teilt diese Ansicht.

Zu dieser Frage kann Trump, der als erster von den Demokraten wegen seiner mystischen Absprachen mit Russland angeschwärzt wurde, nicht schweigen. Der Herr des Weißen Hauses schrieb auf Twitter. Wenn die Partei Sanders mit Moskau in Verbindung bringt, verspielt sie damit seine Siegeschancen.

Der Präsident selbst scheint durch eine andere Einmischung verletzt zu sein, eine aus Hollywood. In Trump erwachte der Filmkritiker und er verriss die kürzliche Oscar-Verleihung: „Was für eine schreckliche Preisverleihung in diesem Jahr! Haben Sie das gesehen? Der Gewinner ist ein Film aus Südkorea. Was zum Teufel ist da los? Wir haben so viele Probleme mit Südkorea beim Handel und hier geben sie ihnen den „Besten Film des Jahres“! Das ist OK? Ich weiß es nicht. Holen wir „Vom Winde verweht“ zurück. Es gibt so viele großartige Filme und wir haben einen Gewinner aus Südkorea“, empörte sich Trump.

Die Republikaner in Nevada jubelten Trump zu. Die innerparteiliche Abstimmung dort wurde einfach abgesagt und es wurde entschieden, dass der amtierende Präsident keine Konkurrenten hat und wenn jemand in dem Staat nominiert wird, dann ist es nur Trump. Die Demokraten in Nevada unterstützten Sanders.

Ende der Übersetzung

Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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