Ermordeter iranischer General: Spiegel betreibt offen US-Kriegspropaganda

Das Propaganda-Feuerwerk zum Iran geht in den deutschen Medien ungebremst weiter. Der Spiegel hat das mit einer „Analyse“, die von einseitiger „Berichterstattung“ überquoll, erneut unter Beweis gestellt.

Der Spiegel-Artikel begann damit, wie der Iran die Trauer um den von den USA ermordeten General „inszeniert“. Von einer Inszenierung kann kaum die Rede sein, wenn schon in Bagdad, das nicht die iranische, sondern die irakische Hauptstadt ist, zehntausende an einem Trauermarsch mitgemacht haben, wie der Spiegel auch selbst schrieb.

Dass die Menschen vor Ort wohl besser wissen, was sie über den Mann denken müssen, kommt dem Spiegel nicht in den Sinn. Der sagt seinen Lesern lieber, was sie denken sollen:

„Soleimani steuerte Irans Politik von Irak bis Jemen. Er trug entscheidend dazu bei, dass sich der syrische Diktator Baschar al-Assad an der Macht halten konnte. Wie kein anderer verkörperte der Quds-Chef die skrupellose Kriegsführung des iranischen Regimes, das vor Terror gegen Zivilisten ebenso wenig zurückschreckt wie vor Folter und Hinrichtung von Gegnern im Inland.“

Das ist ein altbekanntes Propaganda-Mittel der Medien: Man packt ganz viel böse Dinge in wenige Sätze, das beeinflusst den Leser in die gewollte Richtung. Details, Hintergründe oder Belege braucht es dabei nicht, das würde nur stören. Die Emotionen der Leser sollen angesprochen werden, nicht ihr kritischer Verstand.

Soleimani trug nach Meinung des Spiegel entscheidend dazu bei, dass Assad im Amt geblieben ist. Das ist sicher richtig, aber gegen wen hat Assad sich denn verteidigt? Gegen den IS und andere islamistische Terrorgruppen, die der Spiegel gerne „gemäßigte Opposition“ genannt hat. Ich habe mich dabei immer gefragt, ob es für den Spiegel auch eine „gemäßigte Opposition“ wäre, wenn Horden von bewaffneten Männern in Pickups mit Maschinengewehren Berlin stürmen würden. Aber in Syrien findet der Spiegel diese Leute ganz nett.

Was wäre denn nach einem Sieg des IS aus Syrien geworden? Etwa eine Demokratie nach europäischem Vorbild? Wohl kaum, eher schon so etwas wie Libyen oder Afghanistan, also ein failed State. Und das direkt an der Grenze zu Europa. Es ist offensichtlich, dass die Spiegel-Redakteure US-Propaganda verbreiten. Aber ich frage mich wirklich, ob sie verstehen, was sie da propagieren. Ein unkontrollierter, islamistischer Terrorstaat an Europas Grenze hätte kaum zu mehr Sicherheit in Europa selbst geführt. Ist es den Spiegel-Schreiberlingen egal, was dann auch in ihrer Heimat drohen würde? Oder begreifen sie wirklich nicht, was sie da propagieren?

Und was meint der Spiegel genau, wenn er von der „skrupellosen Kriegsführung des Iran“ schwadroniert? Hat der Iran Hunderttausende (oder sogar Millionen) Zivilisten umgebracht, als er in den Irak einmarschiert oder Libyen zerstört hat? Das waren meines Wissens die USA mit ihrem Anhang und nicht der Iran. Der Iran schreckt angeblich auch vor „Terror gegen Zivilisten“ nicht zurück. Ich wiederhole die Frage in anderen Worten: War es etwa kein Terror, als der Westen in den letzten Jahren ganze Länder zerstört und Hunderttausende Zivilisten ermordet hat?

Wenn der Westen im Irak eine Million Menschen umbringt, sind das „Kollateralschäden“. Das ist für den Spiegel völlig in Ordnung.

Und die Vorwürfe gegen den Iran in Sachen Folter sind nicht bewiesen. Ich kann nicht ausschließen, dass es im Iran Folter gibt, aber wir wissen sicher, dass die USA Gefangene foltern, siehe Abu Graib oder Guantanamo. Und der Spiegel beklagt auch Hinrichtungen im Iran. Korrekt: Auch ich bin gegen die Todesstrafe, aber warum beklagt der Spiegel weder Hinrichtungen in den USA, noch die US-Drohnenmorde? Die USA haben allein mit ihren Drohnen mehr Menschen ermordet, als der Iran mit seinen „Hinrichtungen“.

Aber so funktioniert Propaganda nach Lehrbuch: Man packt eine Menge Böses in wenige Sätze und weckt damit beim Leser die gewünschten Emotionen, anstatt die Dinge einzuordnen oder zu beleuchten. Und man beachte: Der Spiegel nennt diesen Artikel eine „Analyse“.

Ich will die Politik des Iran dabei nicht beschönigen, aber der Bösewicht sitzt woanders. Der Iran hat kein einziges Land überfallen, der Liebling des Spiegel, die USA, tun seit Jahrzehnten nichts anderes.

Wen er da unterstützt, zeigt der Spiegel dann auch ganz offen:

„Während seine Anhänger in Iran und im Irak um ihn trauerten, feierten deshalb andernorts Menschen seinen Tod auf den Straßen. In der syrischen Provinz Idlib, die seit Monaten von Assad, Russland und Iran unter Beschuss genommen wird, verteilten Bürger Süßigkeiten.“

Gut, dass der durchschnittliche Spiegel-Leser nichth weiß, wo Idlib liegt, oder was da los ist. Dort, an der syrisch-türkischen Grenze, herrscht der syrische Ableger von Al-Qaida. Wenn aber die Al-Qaida sich über den Tod eines Generals freut, dann sollte das nachdenklich machen.

Tatsächlich war Soleimani einer der wichtigsten Akteure im Kampf gegen den IS und Al-Qaida in Syrien und im Irak. Dass der Mann den USA nicht gefällt, lässt tief blicken. Immerhin waren es die USA, die den IS erst geschaffen haben. Das ist keine Übertreibung oder Verschwörungstheorie mehr, seit in den USA die Unterlagen der CIA-Operation „Timber Sycamore“ öffentlich gemacht werden musste. In dieser Operation hat die CIA Islamisten für den Kampf gegen Assad bewaffnet, das war die Geburt des IS in Syrien.

Da ist es nur folgerichtig, dass die USA nun den Mann ermordet haben, der ihr Baby in Syrien und im Irak besiegt hat. Immerhin haben sie für die Bewaffnung der Islamisten mehrere Milliarden ausgegeben und dann kommt Soleimani daher und macht den USA – zusammen mit den Russen – einen Strich durch die Rechnung.

Danach kommt der Spiegel zu den erwarteten Vergeltungsmaßnahmen, die der Iran angekündigt hat:

„Soleimani hat ein enges Netz gesponnen zu Milizen im Irak, in Gaza, im Libanon, die Angriffe gegen US-Einrichtungen durchführen könnten. Auch eine weitere Attacke auf Öltanker in der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Seewege der Welt, ist denkbar.“

Eine „weitere Attacke auf Öltanker“ befürchtet der Spiegel. Er suggeriert seinem Leser damit, dass es solche Attacken durch den Iran schon gegeben hätte. Aber wo sind die Beweise? Der Spiegel verschweigt seinen Lesern, dass die Angriffe auf Öltanker, die es im Sommer 2018 gegeben hat, nie aufgeklärt wurden. Mehr noch: Es gibt weit mehr Hinweise darauf, dass es sich um von anti-iranischen Kräften organisierte Angriffe gehandelt hat, die die USA endlich in einen Krieg gegen den Iran treiben sollten. Nachdem das nicht funktioniert hat, haben die Attacken auf Tanker genauso plötzlich wieder aufgehört, wie sie begonnen haben.

Dafür zitiert der Spiegel die US-Regierung völlig unkritisch:

„US-Außenminister Mike Pompeo schrieb am Freitag auf Twitter, dass Deeskalation das wichtigste Anliegen seiner Regierung sei. Die USA hätten den Angriff nicht verübt, um einen Krieg zu beginnen, sondern zu verhindern, behauptete Präsident Trump.“

Pommpeo und „Deeskalation“ in einen Satz zu packen ist schon ein starkes Stück. Der Mann ist ein knallharter Falke und wahrscheinlich weiß er nicht einmal, was Deeskalation überhaupt ist. Und sogar Trumps Aussage kommentiert der Spiegel zur Abwechslung mal nicht, sondern lässt sie so stehen. Dabei würde mich wirklich interessieren, wann es in der Geschichte je einen Fall gegeben hat, bei dem ein Angriff einen Krieg verhindert hätte.

Angriffe provozieren Kriege und verhindern sie nicht. Das liegt in der Natur der Sache, aber dem Spiegel sind diese Aussagen aus den USA keinen Kommentar wert.

Was der Spiegel hier eine „Analyse“ nennt und woran gleich zwei Redakteure des Spiegel gearbeitet haben, ist per Definition Propaganda: Es lässt weg, was nicht ins Bild passt, propagiert einseitig eine Position und malt andererseits ein Feindbild an die Wand.

Wer gedacht hat, es gäbe keine Propaganda mehr in Deutschland, weil Goebbels tot und die DDR untergegangen ist, der braucht nur aufmerksam den Spiegel lesen, um zu sehen, dass die Propaganda heute stärker ist, als je zuvor. Und zwar aus einem einzigen Grund: Früher wussten die Menschen, dass sie Propaganda ausgesetzt sind, denn sie wurde wenigstens noch ehrlich als „Propaganda“ bezeichnet.

Heute nennen sich die Propagandisten „Qualitätsjournalisten“.

Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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  • Die Propaganda eines „Goebbels“ und der „DDR“ in einem Atemzug! Er hat wohl nicht alle Tassen im Schrank!
    Ein derartiger Ausfall läßt sich ja noch nicht einmal mit diesem freiheitlich-demokratischen Geschichts- und Politunterricht rechtfertigen.

    Wir würden ihm da doch zu gern auf die Sprünge helfen - mit einem kleinen 24-Stunden-Studienaufenthalt an der „Ostfront“, allerdings 1944.
    Auch ein netter kleiner Abenteuerkurzurlaub, z. B. in Mittelbau-Dora – selbstverständlich nicht in schwarzer sondern in gestreifter Uniform – würde offensichtlich vorhandene Bildungslücken doch recht nachhaltig schließen – sofern er denn diesen Tag überlebte – und das wollen wir natürlich, andernfalls das Bildungs- und Erziehungsziel verfehlt würde, weshalb auch Birkenau naturgemäß keine Aufnahme in dieses der Nachhilfe dienende Schulungsprogramm finden könnte.

    Was unsere „Propaganda“ angeht, so haben wir da in erster Linie über uns selbst und in unsere eigenen Taschen gelogen, was an sich schon hinreichend dämlich war – was euch betrifft, so lagen wird im großen und ganzen völlig richtig.
    Oder meint er ernstlich, daß das, was er heute da so erfahren muß und doch recht ansprechend auseinander nimmt, vor 1990 grundsätzlich anders war? Wenn er das glaubt, reicht sein „geopolitisches“ Verständnis auch nur von 12:00 bis Mittag.

    • Ruhig......

      Ich denke, da hast du Thomas falsch verstanden. Er hat keineswegs Goebbels und die DDR gleichgesetzt. Was er wohl meinte, ergibt sich aus dem letzten Satz des Absatzes:

      "Früher wussten die Menschen, dass sie Propaganda ausgesetzt sind, denn sie wurde wenigstens noch ehrlich als „Propaganda“ bezeichnet."

      Und das ist sachlich in Bezug auf Goebbels und die DDR durchaus korrekt! Goebbels war bekanntlich "Minister für Volksaufklärung und Propaganda". Und in der DDR war das offizielle Werben für den Staat, ja jede Wandzeitung in der Schule, auch ganz offiziell "Propaganda"! Schon vergessen, welchen Posten Angela Merkel in der FDJ-Leitung ihrer Uni hatte? Sie war "Sekretärin für Agitation und Propaganda".

      Das sage ich als jemand, der selbst in der DDR gelebt hat, und sie gegen jede Gleichsetzung mit den Nazireich verteidigt. Etwa wenn vor allem aus konservativen Kreisen von "den zwei Diktaturen in Deutschland" die Rede ist.

      "Propaganda" war eben lange Zeit ein positiv besetzter Begriff. Der Wortursprung ist lateinisch "verbreiten, ausbreiten". Und genau in dem Sinne wurde es benutzt. Seinen nagativen Spin bekam es in der Propaganda des Westens gegen die Sowjetunion und den Ostblock in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert. Diese unterschied plötzlich zwischen "Aufklärung" und "Berichterstattung" im Westen = gut einerseits und "Propaganda" im Osten = schlecht andererseits.

    • Ich reagiere ebenfalls allergisch, wenn jemand das faschistische Deutschland mit der DDR vergleicht. Aber das ist hier nicht der Fall, Thomas verweist lediglich darauf, dass es bei Goebbels Propaganda gab und in der DDR auch! Wir sollten uns viel mehr darauf konzentrieren, dass der Spiegel hier erneut Staatsterrorismus und Mord rechtfertigt!

    • Besteht da wirklich so ein großer Unterschied (ideologisch, politisch) zwischen den beiden deutschen Diktaturen?
      Beides waren doch sozialistische Regime. Ja, es gab auch Unterschiede. Die einen national, die andern international ausgerichtet. Die einen mehr darwinistisch, die anderen mehr kollektivistisch (Arbeiterklasse) geprägt.
      Beide Regime gottlos und menschenfeindlich, rein materialistisch fundiert.

      Schlimmer ist nur das Deutschland von heute, nicht nur gottlos, sondern geradezu satanisch böse und menschenverachtend, ein ähnlicher Blut- und Bodenkult wie bei Adolf herrscht, zwar nicht auf einer Herrenrasse aufbauend, dafür aber auf einerm "Naturmenschen" ein grüner Okkultismus der Naturverehrung! Letzteres findet man auch bei den Swastikaträgern von 33 - 45.

      Und selbst wenn man das anders sieht, ist es wirklich ein Grund sich so zu ereifern, und ausfällig zu werden? ????

      • Goebbels Propaganda war schrill, triumphierend und sehr tödlich und doch folgten die Menschen seinem Ruf.

        DDR Propaganda war glorifizierend, gut zu überhören und klar. Der im System heranwachsende Nachwuchs wußte welche Bilder auf eine Wandzeitung gehörten, pappte sie drauf bekam eine gute Note und hörte den Eltern zu wenn sie aus ihren Betrieben berichteten. War man dann raus aus der Schule gabs keine bösen Überraschungen mehr.

        Die Goebbels Jünger mußten bis nach Stalingrad um zu erkennen wie sie belogen werden.

  • Der Westen verhält sich derzeitig wilhelminisch drittreichig. Die Amerikaner haben sich an die spitze der Rogue Nations gesetzt. Im Gegensatz zum Ukraine-Firlefanz hat sich Trump nun tatsächlich einen impeachablen Verstoss gegen den War Power Act geleistet. Ich hoffe, das geht alles noch einmal gut aus.

  • Also wenn man hier den einen oder anderen Artikel liest, dann versteht man warum es die "Qualitätsmedien" heutzutage, erst recht, so einfach haben die Menschen mit ihrer offensichtlichen Lügenpropaganda zu überzeugen. Es werden die ihnen seit 70. Jahren eigehämmerten Propagandastereotypen über die sozialistische Welt einfach so wiedergegeben. Schon daran sieht man was Propaganda, so sie nicht der Information sondern der Desinformation dient, alles erreichen kann.
    Ach ja, muss man heute immer dazu sagen, ich verteidige den so gewesenen Sozialismus nicht, er ist an zu vielen Schwächen und Fehlern kaputt gegangen. Aber ich muss Menschen ihr Geschichtskenntnisse absprechen die der heutigen Propaganda, da sind wir wieder beim Thema, erliegen und den Deutschen Faschismus in die Nähe des Sozialismus rücken. Nach dem Motto, Nationalsozialismus=Sozialismus. Da geht es schon los Sozialismus ist International, laut Definition, kann jeder nachlesen, ein kleiner Punkt in der Argumentationskette. Und was nun noch der Letzte begreifen müsste der Nationalsozialismus hat sich ganz offiziell den Völkermord auf die Fahnen geschrieben, nicht nur geschrieben sondern praktiziert in den Jahren seiner Existenz. Hat man wahrscheinlich schon früher nicht so richtig gelernt in der Schule, heute ja erst recht nicht, deshalb können die "Qualitätsmedien" auch solche Lügenkonstruktionen verbreiten.

  • Um mal auf das eigentliche Thema des Artikels zurückzukommen:

    Es stimmt, dass der Iran schon sehr lange keinen Angriffskrieg mehr geführt hat. Der letzte große Krieg war der erste Golfkrieg (1980-1988) und den hat bekanntlich der Irak angefangen - natürlich erst nachdem er sich das Placet des Westens gesichert hatte. Dass dann mehrere westliche Mächte (inkl. Israel) den Krieg verlängerten und tüchtig Geschäfte machten, indem sie BEIDEN Seiten Waffen verkauften- Stichwort: Iran-Contra-Affäre - wissen die meisten hier wohl schon.

    Macht das den Iran, bzw. die Vertreter seiner Elite automatisch zu einem der "good guys"? Nein und zwar schon allein deswegen, weil eine simple Einteilung der Welt in schwarz und weiß schlichtweg naiv ist und nicht funktioniert. "In der internationalen Politik geht es nicht um Menschenrechte oder Demokratie. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das!" hat Egon Bahr einmal vor einer Gruppe Abiturienten gesagt und er hatte Recht damit.

    Was sind nun aber die Interessen des Iran, bzw. seiner Elite und wie werden diese Interessen durchgesetzt? Bei der Beantwortung der Frage stellt man fest, dass die Interessen der iranischen Eliten z.T. erheblich von den Interessen des iranischen Volkes abweichen. Das war einmal anders, allerdings war der letzte Politiker, der Politik im Sinne des iranischen Volkes gemacht hatte, 1953 in der "Operation Ajax" weggeputscht worden, da er der BP das Geschäft vermasselt hatte. Die Machthaber der jetzigen islamischen Republik scheinen dem Westen erheblich besser in den Kram zu passen. Warum?
    Zum Einen weil sie, trotz gegenteiliger Bekundungen, unter der Hand recht gute Geschäfte mit westlichen Eliten machten. Der Atomdeal ist ein gutes Beispiel dafür.
    Zum Anderen, deswegen, weil sie eine Seite des Konfliktes in Nahost am Laufen halten: Den zwischen sunnitischen und shiitischen, bzw. nichtsunnitischen Muslimen. Hier möchte die iranische Regierung, mit dem Wächterrat, im Hintergrund gerne ihren Einfluss ausbauen und zur Schutzmacht aller nichtsunnitischen Muslime in der Levante werden. Deswegen unterstützt der Iran Assad. Der ist zwar kein Shiit, aber als Alevit auch kein Sunnit. In Syrien folgt der Iran daher schlicht der Logik: Der Feind meines Feindes ist mein Freund.
    Aus dem gleichen Grund kämpften vom Iran finanzierte Gruppen gegen den IS und dessen Ableger. Wohlgemerkt: dies alles geschieht immer schön "hintenrum" wie man so sagt. So wie der Westen gerne sunnitische (wahabistische?) Terrorgruppen, wie Al-Qaida, den IS oder Boko-Haram finanziert (da war doch vor kurzem was in Nigeria?), um seine Interessen durchzusetzen, so finanziert der Iran eben seinerseits shiitische Milizen, einerseits um den Wirkungsradius von IS & Co zu begrenzen, andererseits, um auch selbst ein bisschen Terror zu machen und die eigenen Interessen durchzusetzen. Im Irak ist genau das zu sehen: Die shiitischen Milizen, die halfen, den IS zu bezwingen sind inzwischen zu einem eigenen Staat im Staate geworden, vielleicht nicht so schlimm wie der IS, aber sie stellen dennoch eine Bedrohung für die irakische Souveränität dar.

    Vor diesem Hintergrund unterschied sich ein General Soulemani, der die iranischen Aktionen koordinierte, nicht so sehr von seinen westlichen Pendants oder Leuten wie Donalds Rumsfeld oder Zbigniew Brzeziński. Soulemani war ein hochintelligenter Mann, der bereit war, für die Erreichung seiner Ziele über Leichen zu gehen, ganz gleich, wie viele es nun sein mochten. In jetzt als einzigartigen Oberteufel hinzustellen ist dagegen verfehlt, denn, wie gesagt, Leute seines Schlages gibt es auch in der westlichen Elite zu Genüge.

    Sein Tod mag der Tatsache geschuldet sein, dass der sunnitisch/wahabistische Terror in Nahost, vor allem dank dem Einfluss Russlands an Stärke verliert. Das bedeutet im Umkehrschluss einen Machtzuwachs für die shiitischen Milizen/Terroristen. Diesen Machtzuwachs würden die iranischen Eliten zu gerne in ihrem Interesse ausnutzen. Der Rückzug der amerikanischen Truppen in den letzten Jahren und die eher vorsichtige Haltung Trumps, was Militäraktionen angeht, lässt diese Versuchung um so verlockender erscheinen. Als dann im Dezember ein amerikanischer Geschäftsmann ermordet worden war, musste Trump handeln, allein schon um sein Gesicht nicht zu verlieren und seine Handlungsfähigkeit zu beweisen.

    Kurzum: Damit in Nahost Friede einkehren kann, muss der Westen aufhören, "seine" Terroristen zu finanzieren und der Iran muss das Gleiche für seine Seite tun. Das bedeutet aber auch,dass gleichzeitig die jeweiligen Eliten aus den Machtpositionen entfernt werden müssen, die bisher vom status quo profitierten.

    Hier spielt dann auch Israel eine Rolle. Die jetzigen Machthaber um Netanjahu profitieren sehr von der angeheizten Stimmung in der Levante und dem faktischen Dauerkriegszustand. Wäre der Nahe Osten friedlicher, wäre ihre Machtbasis futsch, da sie vor allem als Hardliner punkten können.
    Spannend wird in Zukunft auch die Rolle der Türkei und hier insbesondere der politische Ehrgeiz Erdogans sein. Aber das ist ein anderes Thema.

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