Fall Navalny: Weißrussland veröffentlicht abgehörtes Telefonat zwischen Berlin und Warschau

Der weißrussische Präsident Lukaschenko hat mitgeteilt, sein Geheimdienst habe ein Telefonat zwischen Berlin und Warschau abgehört, das bestätigen soll, dass Navalny nicht vergiftet wurde. Nun wurde das Gespräch veröffentlicht, aber wirklich viel Licht bringt es nicht in die Geschichte.

Ich habe schon über die Mitteilung Lukaschenkos berichtet, sein Geheimdienst habe ein Gespräch zwischen Berlin und Warschau zum Thema Navalny abgehört, aus dem hervorgehen soll, dass die angebliche Vergiftung Navalnys eine Fälschung ist. Nun wurde das Gespräch veröffentlicht, in dem ein „Nick“ aus Berlin mit einem „Mike“ aus Warschau spricht. Da sich jedoch nicht feststellen lässt, wer diese beiden Herren sind, lässt sich auch nicht sagen, ob das Gespräch authentisch ist und ob es sich tatsächlich um ein Gespräch zwischen offiziellen Vertretern der deutschen und polnischen Regierung handelt. Vielleicht werden später noch weitere Informationen veröffentlicht, aber das, was jetzt veröffentlicht wurde, bringt keine gesicherten neuen Erkenntnisse.

Trotzdem habe ich das kurze Gespräch, über das die russischen und weißrussischen Medien berichtet haben, der Vollständigkeit halber übersetzt. Das Gespräch wurde auf Englisch geführt, bisher ist aber nur diese russische Übersetzung veröffentlicht worden, bei der das englische Original kaum zu hören ist.

Beginn der Übersetzung:

Mike (Warschau): Hallo, guten Tag, Nick. Wie geht´s?

Nick (Berlin): Alles scheint nach Plan zu verlaufen. Die Materialien zu Nawalny sind fertig. Sie werden dem Kanzleramt übergeben. Wir warten auf ihre (Merkels) Erklärung.

Mike: Ist die Vergiftung sicher bestätigt?

Nick: Hör mal, Mike, das ist in diesem Fall nicht so wichtig. Es ist Krieg. Und in Kriegszeiten ist jedes Mittel recht.

Mike: Einverstanden. Man muss Putin die Lust nehmen, seine Nase in die weißrussischen Angelegenheiten zu stecken. Der effektivste Weg ist, ihn mit Problemen in Russland zu überhäufen, und davon gibt es nicht wenige. Erst recht, weil sie demnächst Wahlen haben, den Wahltag in Russlands Regionen.

Nick: Genau darum kümmern wir uns. Wie läuft es in Weißrussland?

Mike: Um ehrlich zu sein, nicht so gut. Präsident Lukaschenko erweist sich als harte Nuss. Das sind Profis und sie sind gut organisiert. Es ist klar, dass Russland ihn unterstützt. Die Beamten und Militärs sind dem Präsidenten gegenüber loyal. Wir arbeiten daran. Den Rest besprechen wir, wenn wir uns treffen, nicht am Telefon.

Nick: Ja, ja, ich verstehe. Dann bis bald, tschüs.

Ende der Übersetzung

Den aktuellen Stand der bekannten Fakten zum Fall Navalny finden Sie hier. Interessant ist, dass die Bundesregierung bisher nur Behauptungen über seine Vergiftung verkündet hat, aber keinerlei Fakten, Belege oder Laborergebnisse vorgelegt hat. Und auf die Frage, warum die Bundesregierung die Proben an die Bundeswehr und nicht an neutrale Labore der OPCW geschickt hat, konnte Regierungssprecher Seibert keine Antwort geben.

Wieso wurde Nawalny-Probe nicht in neutralem Labor in der Schweiz untersucht?

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

5 Gedanken zu „Fall Navalny: Weißrussland veröffentlicht abgehörtes Telefonat zwischen Berlin und Warschau“

  1. Ob das Gespräch nun existiert oder nicht, spielt doch gar keine Rolle mehr. Angesichts der Tatsache, dass die deutsche Seite bisher keinen einzigen Beleg für ihre Behauptungen einer Novitschok-Vergiftung geliefert hat und der Seibert bei der BPK erklärte, dass es offen sei, ob und wann denn nun die Laborergebnisse und Proben der russischen Seite zur Verfügung gestellt werden, wird es immer klarer, dass es sich hier um eine false flag-Aktion handelt. Und angesichts der immer lauter werdenden Forderungen nach einem Aus für North Stream II läuft das ganze offensichtlich darauf hinaus, der Merkel einen gesichtswahrenden Ausstieg zu ermöglichen. Das wird doch immer deutlicher. Wenn die Russen den nicht hätten nach Deutschland fliegen lassen, so hätte seine Entourage hier das Märchen von einer Novitschok-Vergiftung verbreitet und der Rummel wäre der gleiche gewesen!

  2. Mir kommt diese Meldung allerdings wie ein Ente vor. Ich persönlich glaube eher, dass das eine Aktion der Demokraten war um Trump auf einen Kurs gegen Putin zu zwingen. Und die letzte Wahl hatte Trump ja auch deswegen gewonnen, weil er einen Dialog mit Russland wollte. Also meiner Meinung nach wurde Nawalny vergiftet, aber vom CIA .. und nicht um Putin von Weißrussland abzuhalten (Putin ist glaube ich multitasking-fähig), sondern um einen Keil zwischen Trump und Putin zu treiben.

    1. Wurde der überhaupt vergiftet? Ich glaube da nicht mehr dran, seit der Seibert rumeierte, ob die Laborergebnisse und die Proben überhaupt den Russen zur Verfügung gestellt wurden. Wenn die Bundeswehr tatsächlich Novitschok nachgewiesen hätte, hätte die Merkel das schon wie eine Monstranz herumgetragen! Dazu passt auch nicht, dass niemand anders irgendwelche Symptome hatte. Ich plädiere für false flag Aktion!

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