Gute Nachricht zum Wochenanfang: Corona oder nicht, Russland feiert seine Schulabgänger mit Feuerwerk

Jedes Jahr findet in St. Petersburg eines der größten Volksfeste der Welt statt, das mit einem riesigen Feuerwerk endet, dem Millionen Menschen im Stadtzentrum zuschauen. Die Atmosphäre kann man nicht beschreiben, die muss man erleben!

Seit 15 Jahren feiert St. Petersburg seine Abiturienten mit einem riesigen Volksfest. Der Schloßplatz, einer der größten Plätze der Welt, wird gesperrt und ist nur für die über 30.000 Abiturienten offen. Dort finden die ganze Nacht Konzerte statt. Der Höhepunkt ist ein 20-minütiges Feuerwerk nahe der Mündung der Newa. Das Feuerwerk findet unter musikalischer Begleitung statt, die mit Lautsprechern im ganzen Zentrum übertragen wird und die Salven werden vom Fluss aus auf einer von Fläche 1.800 mal 800 Metern abgefeuert.

Höhepunkt des Feuerwerks ist das Segelschiff mit den purpurnen Segeln, das den Fluss hochgefahren kommt und die geöffneten Klappbrücken passiert. Das Schiff symbolisiert, dass die Schulabgänger nun in einen neuen Abschnitt ihres Lebens „segeln“. Es symbolisiert Stolz auf den Schulabschluss einerseits und die neugierige Hoffnung der Jugendlichen auf den nun kommenden Lebensabschnitt als junge Erwachsene andererseits.

Zu dem Spektakel kommen jedes Jahr Millionen Menschen. Aber in diesem Jahr kam Corona dazwischen. Die Russen lassen sich jedoch ihre Feiern nicht nehmen und so wurde das Fest eben verlegt, um zu verhindern, dass Millionen von Menschen dicht gedrängt an den Flussufern den Newa stehen.

Das Feuerwerk wurde aus dem Zentrum in den Norden der Stadt verlegt und am finnischen Meerbusen abgehalten und live im ganzen Land übertragen. Natürlich musste kurzfristig auch die gesamte Choreografie verändert werden. Und auch wenn zuschauen am Bildschirm nicht das gleiche ist, wie miterleben, muss man sagen, dass es dieses Jahr wieder sehr beeindruckende Bilder geworden sind.

Wo normalerweise die Petersburger Altstadt mit ihren Palästen die Szene beherrscht, waren es dieses Mal die modernen Viertel im Norwesten der Stadt. Das Feuerwerk wurde unter anderem von den Hochbrücken der Stadtautobahn abgebrannt, die im Westen der Stadt in Nord-Süd-Richtung den finnischen Meerbusen überquert. Zu sehen ist auch das hochmoderne, 70.000 Zuschauer fassende Stadion, in dem auch Spiele der Fußball-WM stattgefunden haben. Und natürlich wird die Kulisse dort vom Lakhta-Tower dominiert, dem seit 2018 mit 462 Metern höchsten Gebäude Europas, das am Petersburger Stadtrand gebaut wurde.

Übrigens interessant: Zuerst sollte der Turm, der Gazproms Konzernzentrale beherbergt, gegenüber des historischen Stadtzentrums gebaut werden, aber weil die Bewohner der Stadt dagegen waren, ihr altes Stadtzentrum von so einem Turm dominieren zu lassen, musste Gazprom sich fügen und seinen neuen Firmensitz am Stadtrand bauen. Und das im undemokratischen Russland!

Das russische Fernsehen hat am Sonntag in der Sendung „Nachrichten der Woche“ über die „Purpurnen Segel“ berichtet, denn die Übertragung des Feuerwerks hatte landesweit so hohe Einschaltquoten, wie sonst nur Spiele der Fußball-WM. Daher habe ich den Bericht des russischen Fernsehens übersetzt und unten auch die Übertragung des Feuerwerks selbst verlinkt. Das ist ein Muss für jeden, der Feuerwerke mag!

Beginn der Übersetzung:

Russlands wirkliche Softpower

Die Einschaltquoten der TV-Übertragung der „Purpurnen Segel“, des zentralen Feiertags russischen Schulabgänger, wurden bekannt gegeben. In diesem Jahr musste das Fest wegen der Epidemie verändert werden und die Feier wurde virtuell. Der Gesamtanteil der Zuschauer der vier landesweiten Sender betrug 22,7 Prozent, das waren mehr als 16 Millionen Russen. Das ist vergleichbar mit – wenn nicht sogar mehr als – bei Spielen der Fußball-WM. Und tatsächlich war das Spektakel faszinierend.

Man muss sagen, dass der Veranstalter und Sponsor der Show, die Bank „Roosiya“, ein großes Risiko eingegangen ist, denn in der Regel bekommt die Feier ihre Energie und Ausstrahlung von den anderthalb Millionen Zuschauern an den Ufern der Newa, die singen, tanzen und im Takt ihre Taschenlampen schwingen, aber jetzt wurde die ganze Aktion aus Gründen der epidemiologischen Sicherheit in die Gewässer des Finnischen Meerbusens verlegt und es war nicht klar, ob die Magie verloren gehen würde. Aber es hat geklappt!

Es war auch eine große technische Herausforderung, denn in der Regel wird die Show von mehr als fünfzig fest installierten TV-Kameras gefilmt. Aber wo soll man die auf hoher See festmachen? Dieses Mal wurde das ganze Spektakel von vielen Quadrocoptern aufgenommen.

Wie sich zeigt, ist es unmöglich, Russland eine solche Feier zu nehmen. Ja, es ist unmöglich, den Planeten einer solchen Feuer zu berauben, die beste Feier der Welt, wie im letzten Jahr die Auszeichnung des renommierten Wettbewerbs Best Event Awards World bestätigt hat.

Ausschnitte der Feier „Purpurne Segel“ wurden auf Euronews, im chinesischen Fernsehen, in Neuseeland und vielen anderen Ländern ausgestrahlt und auf dem globalen von Associated Press (APTN) verbreitet. Das ist die wahre Softpower Russlands.

Ende der Übersetzung

Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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  • Ja, feiern können die Russen! Ein wenig kenne ich die tolle Atmosphäre in den Petersburger Kneipen und auch zum Tag des Sieges, wo die ganze Stadt auf den Beinen ist und so habe ich eine kleine Vorstellung von dem, was dort abgeht!

  • Tja, dort feiert man im Juni/ Juli alljährlich die Abiturienten, hier zulande im September/ Oktober den Bieranstich. Ja, das paßt schon.

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