Leserfragen: Wie wird in Russland über die Berliner Corona-Demo vom Samstag berichtet?

Ich bekomme derzeit viele Mails mit der Frage, wie in Russland über die Corona-Demo in Berlin vom Samstag berichtet wird. Daher will ich das hier beantworten.

Die Antwort dürfte viele enntäuschen, denn die Antwort ist, dass das Thema in den russischen Medien praktisch nicht vorkommt. Warum das so ist, will ich hier erklären.

Corona ist in Russland (fast) kein Thema mehr

Medien setzen eine Agenda und/oder berichten über das, was ihre Leser und Zuschauer interessiert. In Russland ist das derzeit die Lage in Weißrussland, denn es gibt Hunderttausende, wenn nicht Millionen grenzübergreifender Familien. Die Grenze zwischen den Ländern ist nicht existent, man kommt ohne Grenzkontrolle hinüber. Die Verbindungen sind wirtschaftlich, kulturell und gesellschaftlich so eng, wie zwischen kaum zwei anderen Ländern auf der Welt.

Das abschreckende Beispiel der Ukraine und ihrer „Revolution“ von 2014 macht den einen Menschen Sorgen, während andere – vor allem junge Leute – Sympathie für die Protestler in Weißrussland zeigen. Das ist es, was die Russen derzeit wohl am meisten bewegt.

Corona ist in Russland hingegen kaum noch ein Thema. Die Medien melden pflichtschuldig jeden Tag die Zahl der Neuinfizierten und das war´s in den Medien weitgehend zu Corona. Eine Maskenpflicht gibt es in Russland meines Wissens nur noch in der U-Bahn oder in Ämtern, wobei ich bei einem Behördengang vor einer Woche festgestellt habe, dass die Aufforderung zum Anlegen der Maske zwar am Eingang gegeben wird, die Mitarbeiter drinnen dann aber mehrheitlich ohne Maske arbeiten.

Auch in der U-Bahn tragen nur 20 bis 30 Prozent Maske, obwohl offiziell Maskenpflicht herrscht. Ich mache mir bei jeder U-Bahnfahrt den Spaß und zähle die Menschen mit und ohne Maske, die Zahl von 20 bis 30 Prozent ist mein Erfahrungswert, der sich allerdings seit Wochen bei jeder Fahrt bestätigt.

Auf den Straßen sieht man praktisch keine Maske. Als ich vor einiger Zeit mit deutschen Freunden auf der Terrasse eines Pubs in Petersburg Skat gespielt habe, haben wir auch die Passanten mit Maske gezählt. Es waren neun, die wir in drei Stunden gesehen haben und an dem Pub im Zentrum der Stadt gehen viele Menschen vorbei.

Daher haben die Russen gar kein Verständnis oder Gefühl dafür, was in Deutschland in Sachen Corona vor sich geht. Deshalb sind solche Demos auch für die russischen Medien kein Thema, denn das Thema interessiert das russische Publikum nicht mehr. Selbst für mich, der ich täglich stundenlang deutsche Nachrichten lese und schaue, ist das kaum vorstellbar, weil meine alltäglichen Erlebnisse eben völlig anders sind.

In Russland lassen sich viele Menschen jedes Jahr gegen die Grippe impfen. Die Impfung ist kostenlos, kann überall gemacht werden und in den großen Städten gibt es sogar Krankenwagen, in denen man sich auf dem Weg zur Arbeit an einer U-Bahnstation impfen lassen kann. Auch vor der Grippe wird dabei jedes Jahr gewarnt, denn auch die kann für Risikogruppen zu schweren Krankheitsverläufen führen. Die Warnungen vor Corona klingen irgendwie ganz ähnlich, wie die jetzige Aufforderung, sich gegen die Grippe impfen zu lassen: Frei von Panikmache, aber mit dem Hinweis, vorsichtig zu sein. Und vor allem: Alles kann, nichts muss, es herrscht komplette Freiwilligkeit bei dem Thema.

Die Macht der Medien

Daher muss ich alle enttäuschen, die hoffen, die Demo wäre ein Thema in Russland gewesen. Sie war russischen Medien allenfalls sehr kleine Meldungen wert.

In Deutschland hingegen hat jede Zeitung auf ihrer Seite jeden Tag mehrere Artikel zu Corona, das Thema wird gehypt, die Panik damit geschürt und wundert es mich nicht einmal, dass eine große Mehrheit der Deutschen für die Corona-Einschränkungen Verständnis hat oder gar noch härtere Einschränkungen fordert. Vor dem Hintergrund des medialen Dauerfeuers kann das nicht überraschen und es zeigt exemplarisch auf, wie groß die Macht der Medien auf die öffentliche Meinung ist.

Das ist es auch, was ich immer wieder feststelle und bei jeder Gelegenheit wiederhole: Die Corona-Panik findet außerhalb des Machtbereichs der westlichen Medien nicht mehr statt. Das springt jedem ins Auge, der nicht-westliche Medien verfolgt: In Russland und anderen nicht-westlichen Ländern werden die Infiziertenzahlen gemeldet und es wird gewarnt, sich vorsichtig zu verhalten, um eine Infektion zu vermeiden. Aber in Russland zum Beispiel wird darauf hingewiesen, dass die russischen Ärzte auch schwere Fälle von Corona inzwischen recht effektiv behandeln können und dass es kaum noch Corona-Tote in Russland gibt.

Was es über die Medien im Westen aussagt, dass sie die Panikwelle weiter befeuern, die auf dem Rest der Welt weitgehend abgeklungen ist, darf sich jeder selbst überlegen. Ich habe meine These dazu in der Tacheles-Sendung Nummer 38 ausführlich erklärt.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

4 Gedanken zu „Leserfragen: Wie wird in Russland über die Berliner Corona-Demo vom Samstag berichtet?“

  1. Nun jedenfalls können ethisch und moralisch völlig verkommene Subjekte wie er:
    https://deutsch.rt.com/europa/106124-ischinger-hard-power-gegen-russischen/
    ungestört mit den Hebeln der Macht spielen.
    Und solange solche personifizierten Widerwärtigkeiten, wie ein Herr Röttgen, im auswärtigen Ausschuß des deutsch Bundestages ihr Unwesen treiben dürfen, interessieren uns solche Veranstaltung, wie dieses Corona-Theater einen kalten Arsch.
    Aber an den Befindlichkeiten des (Deutschen) Volkes sind schon Verdienstvollere verzweifelt, wie diese Veröffentlichung
    http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_19/LP00120_010120.pdf
    nur zu deutlich zeigt, und die dahinterstehende Tragik ist eigentlich kaum zu ermessen.

    1. Ischinger, dieser gemeingefährliche Drecksack, gehört doch aus dem Verkehr gezogen. Als normal denkender Mensch fragt man sich doch, warum unsere Sicherheit bedroht sein sollte. Die Antwort sind Verbrecher wie Ischinger. Deren Sicherheit ist bedroht, wie die Sicherheit von Mördern, Räubern und Einbrechern durch die Waffengesetze in vielen US-Staaten und die damit verbundenen schwer bewaffneten Opfer bedroht ist. Man kann Russland und China nicht plündern und das bedroht „unsere“ Sicherheit.

      Die Luftpostgeschichte ist wirklich tragisch. Wolfgang Jung erwähnt ja die Leute, die sich immer an die Spitzen drängeln. Alles kleine Ischingers, im selben Stall aufgewachsen und „erzogen“. Dass diese Taktik immer noch funktioniert, ist mir ein Rätsel, obwohl ich genau weiß, warum es noch funktioniert. Normalerweise müsste man Typen, die solche Reden wie der Ischinger schwingen, von der Bühne zerren und in psychiatrische Behandlung geben.

      https://www.youtube.com/watch?v=2hNVaVYDxUo

  2. Gestern gabs auf Vesti einen kurzen Bericht über die Demo. Videos mit Polizisten, die Demonstranten zu viert weggezerrt haben oder auch geschlagen haben. Es wurde nicht gezeigt, was die Demonstranten vorher gemacht hatten, trotzdem ist die Gewalt der Polizei ersichtlich. Also Bonbons werden auch in unserem Wertewesten von der Polizei nicht verteilt! Natürlich wurden auch Bilder vom „Sturm auf den Reichstag“ gezeigt. BTW, warum heißt das Ding eigentlich noch REICHStag? Wo doch Reichsbürger und Reichsflaggen (zurecht) negative Bedeutungen haben!

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