Macron vs. AKK – Wie wird das neue, alte transatlantische Verhältnis?

Seitdem die US-Medien Joe Biden zum Wahlsieger ausgerufen haben, reden alle europäischen Politiker von einem Neubeginn der transatlantischen Beziehungen. Wenn man die Aussagen von Macron und Annegret Kramp-Karrenbauer vergleicht, sieht man, wie verschieden die Erwartungen sind.

In seltener Einigkeit haben Spiegel und RT-Deutsch heute über den aus der Distanz ausgetragenen Disput zwischen Annegret Kramp-Karrenbauer, der Verteidigungsministerin, die sich gerne als Putzfrau verkleidet (oder ist es umgekehrt?) und dem französischen Präsidenten Macron berichtet, die sich beide in Zeitungen zu dem Thema der Zukunft der europäischen und transatlantischen Sicherheit geäußert haben. Ihre Positionen gehen dabei auseinander.

AKK tief im Rektum der Transatlantiker

Alles hat damit angefangen, dass Politico am 2. November einen Artikel von Kramp-Karrenbauer veröffentlicht hat, der den Titel „Europa braucht Amerika immer noch“ hatte. Der Titel sagt schon alles: AKK hat sich bei den Transatlantikern angebiedert und vertritt die Meinung, Europa sei ohne die USA verloren. Auch mit den US-Atombomben auf europäischem Boden müsse sich Europa abfinden. Dieser Tauchgang tief ins Rektum der Transatlantiker gipfelte in Sätzen wie diesem:

„Die Illusionen von einer strategischen Autonomie Europas müssen ein Ende haben: Die Europäer werden nicht in der Lage sein, Amerikas entscheidende Rolle als Bereitsteller der Sicherheit zu ersetzen.“

Die EU ist eine größere Wirtschaftsmacht, als die USA. Und mit Frankreich ist die EU auch eine Atommacht. Warum sollte ein solcher Block mit so viel Geld nicht in der Lage sein, für seine eigene Sicherheit zu sorgen? Was AKK da von sich gibt, erinnert mich an Äußerungen indischer Politiker zu Zeiten des britischen Empire. Damals waren die indischen Vertreter von Londons Gnaden auch dankbar für den Schutz, den ihnen die Kolonialmacht angeblich geboten hat. Wie wir aber heute wissen, kann Indien ganz gut allein für seine Sicherheit sorgen und Indien ist bedeutend ärmer, als die EU.

Und wenn wir heute im Spiegel lesen, dass AKK sich weiter steigende deutsche Rüstungsausgaben für die nächsten Jahre per Sondergesetz sichern will, um den Transatlantikern das zu geben, was sie wollen, nämlich weitere Aufträge für die US-Rüstungsindustrie, dann frage ich mich, welches Land diese deutsche Ministerin in Wahrheit vertritt.

Sie finden diese Formulierung zu hart? Warum denn? Seit der Ausrufung des Zwei-Prozent-Ziels der Nato ist Europa zum am schnellsten wachsenden Markt für die US-Rüstungsindustrie geworden und weitere Erhöhungen der Budgets werden ebenfalls größtenteils auf die Konten der Waffenhersteller jenseits des Atlantik fließen.

Scherzhaft könnte man sagen: Darum heißen sie ja „Transatlantiker“, weil sie sicherstellen, dass das Geld von Europa über den Atlantik transferiert wird.

Macron: Europa ist nicht souverän

Macron fällt schon seit einiger Zeit damit auf, dass er weniger Abhängigkeit von den USA, mehr Autonomie für die EU und das Überdenken des Verhältnisses zu Russland fordert. Er hat dabei keine wirklich konkreten Pläne vorgelegt, aber seine Äußerungen gehen immer wieder in diese Richtung. Vieles ist in Deutschland kaum gemeldet worden, aber seine Äußerungen über den „Hirntod der Nato“ haben sogar in Deutschland Schlagzeilen gemacht.

Macrons aktuelle Äußerungen waren wieder eindeutig, so eindeutig, dass sogar die Artikel von Spiegel und RT-Deutsch eine seltene Einigkeit demonstriert haben. Die Überschrift beim Spiegel lautete „Kritik an Kramp-Karrenbauer – Macron pocht auf Europas eigenständige Verteidigung“ und bei RT-Deutsch war der Titel „„Fehlinterpretation der Geschichte“ – Macron kritisiert Kramp-Karrenbauer deutlich

Beide berichteten über ein Interview, das Macron nun gegeben hat und in dem er für Europa eine eigenständigere Rolle einfordert. Und Macron wird ausgesprochen deutlich, denn er bestreitet, dass die Europäer souverän seien und er gibt zu bedenken, dass die USA die Europäer als Verbündete gar nicht ernst nehmen. All das hört man sonst nur von eingefleischten Kritikern der US-Politik, aber nicht von westeuropäischen Staatschefs. Macron geht sogar soweit, dass er den Europäern vorhält, sie hätten sich das geostrategische Denken abgewöhnt, denn deren geopolitischen Beziehungen seien über die Nato definiert. Was Macron dabei nicht sagen musste, was aber jedem bekannt ist, ist die Tatsache, die es die USA sind, die die Ziele der Nato festlegen.

Macron hat also im Klartext gesagt, die Europäer seien Vasallen der USA, die nicht souverän sind und keine eigenen geopolitischen Ziele haben, sondern über die Nato zu Erfüllungsgehilfen der USA geworden sind.

Ich gebe zu, das ist meine Interpretation, denn Macron hat das natürlich so deutlich nicht gesagt, aber wenn man seine Antworten zu einem Bild zusammensetzt, dann zeigt es das, was ich hier ausgeführt habe.

Was sind Macrons Motive?

Darüber kann man nur spekulieren. Will Macron die Chance ergreifen, die sich Frankreich nach dem EU-Austritt der Briten bietet und die militärische Führungsmacht in der EU werden? Das ist durchaus möglich, denn nun ist Frankreich das militärisch mächtigste Land der EU, das sogar Flugzeugträger, Atomwaffen und Atom-U-Boote hat.

Daher ist es durchaus möglich, dass französische Geostrategen eine Chance wittern, zumindest einen Teil der historischen politischen Macht Frankreichs wiederherzustellen und es einerseits zur Führungsmacht der EU zu machen und andererseits die Macht der USA aus Europa ein wenig zurückzudrängen.

Die USA werden sich das freilich nicht gefallen lassen. Aber solange es nur leere Worte sind, die EU aber gleichzeitig ihre Rüstungsausgaben und damit ihre Zahlungen an die US-Rüstungsindustrie immer weiter erhöht, können die USA im geopolitischen Schach ganz entspannt bleiben.

Hinzu kommt, dass die Ära Macron wohl nicht lange anhalten wird. Der als Hoffnungsträger gewählte Macron ist tief gefallen. Die Gelbwesten haben ein Jahr lang gegen ihn demonstriert und in der Corona-Zeit hat Macron in Frankreich auch nicht an Beliebtheit gewonnen. Macrons Amtszeit endet in anderthalb Jahren im Mai 2022 und derzeit sieht es nicht danach aus, als würde er erneut gewählt werden. In der verbleibenden Zeit wird er aber wohl kaum entscheidende Weichenstellungen vornehmen können, weshalb man in den USA ganz entspannt zuschauen kann, wenn Macron ab und zu ein wenig zickig ist.

Am Ende dürfte sich also nicht viel ändern und die USA werden weiterhin über Europa bestimmen und in Europa werden weiterhin Politiker das Sagen haben, die einen Tauchschein für unbegrenzte Tauchtiefe im transatlantischen Rektum vorweisen können.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

3 Gedanken zu „Macron vs. AKK – Wie wird das neue, alte transatlantische Verhältnis?“

  1. Kramp-Karrenbauer ist eine Fehlbesetzung auf dem Posten des Kriegsministers (die als Verteidigungsminister zu bezeichnen, ist Euphemismus pur) wie es schlimmer nicht geht. Eine Provinzlerin aus dem Saarland, der jegliche Bildung in historischen, geografischen und vor allem aktuellen außenpolitischen Fragen fehlt und die nur im eingeschränkten, transatlantischen Modus denken kann. Die stellt ein nicht mehr kalkulierbares Sicherheitsrisiko dar und die Amerikaner werden sich über dieses dumme Puttchen kaputtlachen, weil sie der den größten Unsinn über „den Russen“ einreden können, damit die überteuerte, sinnlose US-Waffen kauft!

  2. Leider muss man feststellen, dass durch solche Geistesgrößen wie Frau Waffengret Kampf Knarrenbauer in Verbindung mit einem Semidementen US-Amerikanischen Präsidenten die Welt nicht sicherer wird. Es gibt einen Geschmacklosen Witz, über ein total Intelligentes Baby, welches schon vom ersten Tag an sprechen konnte und fähig war die schwierigsten Rechnungen zu lösen. Da das den Medizinern nicht geheuer war, operierten sie dem Baby das Gehirn heraus und ersetzten es durch zwei aufgeweichte Brötchen…
    Als es dann aus der Narkose aufwachte sagte es: „Wir müssen mehr Geld für unsere Verteidigung ausgeben…“

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