Parlamentswahlen im Dezember in Venezuela: Das Szenario steht schon fest

Wie verlogen die Politik Deutschlands und der EU ist, wird deutlich, wenn es um die dort anstehenden Parlamentswahlen geht. Da die „Qualitätsmedien“ das Spiel mitspielen, will ich hier aufzeigen, was den Lesern in Deutschland verheimlicht werden soll.

Ich will hier gar nicht großartig auf den Putschisten Guaido eingehen, ich denke, das Thema ist bekannt. Der Mann hat sich selbst zum Präsidenten ausgerufen, aber außer den Ländern des Westens, die auf Druck der USA diesen mittlerweile anderthalb Jahre andauernden Putschversuch unterstützen, steht der Mann recht allein da.

Auch in Venezuela selbst hat er nur wenig Unterstützung. Das liegt zum Einen daran, dass die Menschen in lateinamerikanischen Ländern die Einmischungen der USA satt haben (Stichwort „Yankee go home!“) und Guaido völlig offensichtlich eine Marionetten Washingtons ist. Aber es liegt auch an den mittlerweile bekannt gewordenen Korruptionsskandalen von Guaido und seinen engen Kontakten zu kolumbianischen Drogenkartellen. Diese Dinge sind in Deutschland weitgehend unbekannt, in Venezuela aber Allgemeinwissen.

Parlamentswahlen im Dezember

Für den Dezember sind in Venezuela Parlamentswahlen angesetzt. Wenn sich Guiado und seine westlichen Sponsoren so sicher sind, dass er die Mehrheit im Volk hat, dann sollten sie das als gute Nachricht auffassen. Aber das Gegenteil ist der Fall: Guaido will die Wahlen boykottieren und die westlichen Staaten unterstützen ihn dabei. Ihr Argument: die Wahlen wären nicht frei.

Was der Öffentlichkeit im Westen dabei verschwiegen wird, ist folgendes: Schon im Januar 2020 hat Venezuela die EU ausdrücklich eingeladen, die Wahlen zu beobachten. Ebenfalls als Wahlbeobachter wurden damals die UNO und eine Reihe lateinamerikanischer Länder eingeladen.

Die EU hat darauf nicht geantwortet. Das ist überraschend, denn was wäre leichter, als die Wahl zu beobachten und dann haarklein aufzuzeigen, wie Präsident Maduro die Wahlen gefälscht hat? Die Tatsache, dass die EU eine Beobachtung der Wahlen ablehnt, deutet darauf hin, dass man erstens nicht von einer Wahlfälschung überzeugt ist und zweitens befürchtet, der gesponserte Kandidat Guaido könnte krachend verlieren. Und das auch noch unter den Augen der EU-Beobachter.

Die Opposition hat natürlich angekündigt, die Wahl zu boykottieren, obwohl die Regierung sie ausdrücklich zur Teilnahme aufruft. Damit dürfte nach der Wahl ein eingeprobtes Spielchen beginnen: Die Opposition wird von Wahlfälschung sprechen (aber wieso sollte Maduro die Wahl fälschen, wenn gar keine Opposition antritt?) und die EU wird ebenfalls von Wahlfälschung sprechen (obwohl sie dazu gar nichts sagen kann, denn die Beobachtung der Wahlen lehnt sie ja ab).

Die USA zündeln weiter

Auch die USA scheinen angesichts der Wahlen zu befürchten, dass ihre „Guiado-Show“ in sich zusammenfallen könnte.

Die in meinen Augen beste Venezuela-Berichterstattung in Deutschland macht RT-Deutsch, weil Florian Warweg, der für RT-Deutsch auch zur Bundespressekonferenz geht, die nötigen Sprachkenntnisse besitzt, um über Meldungen aus der Region aus erster Hand zu berichten. (Disclaimer: Wie es zum Kontakt zwischen mir und Florian Warweg gekommen ist, können Sie hier nachlesen. Wir haben uns danach zwei Mal getroffen, als ich in Berlin war und stehen in einem – sehr lockeren – Kontakt)

Am 15. Juli hat RT-Deutsch berichtet, dass Trump gesagt hat:

„[Dass] etwas mit Venezuela passieren wird, das ist alles, was ich Ihnen sagen kann, etwas wird mit Venezuela passieren“, und fügte hinzu, dass die USA in dem erwähnten Szenario „sehr involviert“ sein werden.“

Dem sind dann schnell Taten gefolgt. Schon einen Tag später ist der US-Zerstörer USS Pinckney in venezolanische Hoheitsgewässer eingedrungen. Da liegt die Vermutung nahe, dass die USA so einen Angriff auf ihr Schiff provozieren wollten, der ihnen einen Grund liefern würde, militärisch gegen Venezuela vorzugehen, anstatt die Wahlen abzuwarten.

Solche Szenarien wären nicht neu. Den Vietnamkrieg haben die USA begonnen, nachdem sie gemeldet haben, im Golf von Tonkin hätten nordvietnamesische Schnellboote ein US-Kriegsschiff angegriffen. Spätestens seit 2005 die entsprechenden Dokumente freigegeben wurden, wissen wir aber, dass es den Angriff gar nicht gegeben hat. Die USA hatten ihn frei erfunden, um einen Grund für den Vietnamkrieg zu konstruieren.

Auch einen Militärschlag gegen den Iran wollten die USA vor einem Jahr damit begründen, dass der Iran eine US-Drohne abgeschossen hat. Der Iran sagt, die Drohne sei in den iranischen Luftraum eingedrungen. Man erkennt also durchaus ein gewisses Muster in dem Vorgehen der USA.

Eine Eskalation in Venezuela im Vorfeld der dortigen Wahlen ist also nicht ausgeschlossen.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

9 Gedanken zu „Parlamentswahlen im Dezember in Venezuela: Das Szenario steht schon fest“

  1. SOLO UN MILAGRO
    Mit der Hilfe von den „gusanos-cubanos“ u. den von Ihnen geführten Mörder-Collectivos“
    die bereits willkürlich über 25000 Bürger (lt. Amnesty International) ohne Gericht, ermordet haben,
    wird es unter dem grössten Terror- u. Narco-Baron Maduro keine freien Wahlen geben.
    Egal ob die Opposition antritt oder nicht, Maduro wird nie zulassen, das jmd. anderes als
    er selbst gewinnt. Da war schon bei den letzten Wahlen so.
    Auch durften bei den letzten Wahlen nur Bürger wählen, die Inhaber der „Carnet Patria“
    waren. Auch nur diese bekommen diese vergammelten „CLAP“ Pakete !
    Wer nicht nachgewiesener Maßen den Verbrecher Maduro u. seine „Cartel de los Soles“ Verbrecher wählt, bekommt nix.
    Über 530 politische Gefangene sitzen im Gefängnis. Es ist das bekannte Unterdrückungssystem
    wie in Cuba. Dazu passen auch die in USA beschlagnahmten 81 Luxus-Autos (3,6 Mill. Dollar)
    die für Regierungskleptokraten bestimmt waren. Das Volk hungert sich zu Tod u. die
    grössten Volksvermögens-Diebe u. Lügen-Schmarotzer bereichern sich. Man kann beim besten Willen nicht verstehen, dass es noch jmd. gibt, der solche Volksverbrecher noch unterstützt.
    Es geht nicht um USA, Russland, usw. es geht um Verbrechen gegenüber dem eigenen Volk,
    das vor Hunger, Unfähigkeit u. Verzweiflung ohne Hilfe es nicht schafft, dem unbeschreibaren
    Gereuel unter dem hirnkranken, linksdrall Verbrecher ein ENDE zu setzen.
    Die USA sollten die ausgesetzte Belohnung für den Verbrecher verdoppeln.
    Vielleicht findet sich ein ehrgeiziger „Sniper“ für den längst notwendigen „Gnadenschuss“.

  2. „Dazu passen auch die in USA beschlagnahmten 81 Luxus-Autos (3,6 Mill. Dollar)
    die für Regierungskleptokraten bestimmt waren.“

    81 Autos zu $ 3,6 Mio, das sind im Schnitt knapp $45.000 pro Auto. Das erscheint uns nun nicht gerade „luxuriös“, wenn wir uns die die gängigen Autopreise so anschauen.

    Aber gut, warum die „Regierungskleptokraten“ derartige Geschäfte zu tätigen, für sinnvoll erachteten, wissen wir natürlich nicht.

    1. Nun lassen Sie doch dem armen Mann seine dramatische Zahl. Jemand, der sich für einen bezahlten Auftragsmord ausspricht und sogar noch die Bezahlung verdoppeln will, darüber hinaus auch nicht begreift, dass Sanktionen und andere Drangsalierungen zu Leid und Elend bei den Betroffenen führen, hat ja sonst nichts, was er vorweisen könnte.

      1. Man muß sich da wirklich mal die Geschichte anschauen: hier ab „Aufstieg der Ölindustrie“
        https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Venezuelas#Auf_dem_Weg_ins_20._Jahrhundert
        Die haben das Theater im Grund seit dieser Zeit. Als der Ölpreis durch die Decke ging, ließen sie sich es wohl sein und als er einbrach, seit 1983, ging es bergab. Und es ist auch immer wieder das gleiche Spiel, egal wer da den Boss mimt. Keine Investition in eine rohstoffunabhängige Wirtschaft, wenn es die Öleinnahmen zulassen. Dann kamen noch die marktradikalen Irren vom IWF – da ist Elend Programm.
        Inwiefern da auch Freihandelsbedingungen eine Rolle spielen, die Mittel- und Südamerika da sicher durch die USA auf Auge gedrückt werden – schließlich ist das ja deren höchstpersönliches Protektorat – früher Hinterhof genannt – wäre auch mal interessant zu erfahren. Jedenfalls bewahrheitet sich hier wieder, daß Rohstoffreichtum für Entwicklungsländer, jedenfalls unter Freihandelsbedingungen, eher Fluch als Segen ist.

        Interessant sind auch die immer wiederkehrenden Seitenhiebe gegen Kuba. Nun muß man ja „Sozialismus“ nicht lieben, aber angesichts der Tatsache , das die dort an Diktaturen überhaupt keinen Mangel hatten, und die übelsten alles andere als sozialistisch waren, haben diese Leute doch eine erstaunlich große Fresse.
        Dort scheint wirklich ein sehr seltsamer „Geist“ zu herrschen, W. Wimmer meinte da einmal bezüglich Venezuela, der dort wohl maßgeblichen Widerspruch bestehe zwischen der alten „Spanischen“ Oberschicht und der indigenen Bevölkerung.

  3. EINSPRUCH!
    Daß sich ein „Guaido“ als imperialische Marionette nicht für das „einfache venezoelanische Volk“ einsetzt, erscheint seit langer Zeit offen sichtlich. Ich kann nicht alle politischen Verwicklungen nachvollziehen (vor allem nicht beweisen), und das kann auch eine „Laberbacke“ (laverdad) nicht. Ich muß mich also völlig neutral verhalten, was „Laberbacke“ nicht tut. Er weiß scheinbar mehr…… Es wäre schön, wenn er diese Erkenntnisse mit uns teilen würde. Vielleicht ist er aber ja “ nur ein recht dummer Troll“.

  4. @ laverdad

    Bitte sag deinem Auftraggeber wenn er etwa nachvollziehbares zu Thema hat kann er sich gern mit Fakten beteiligen.

    Ansonsten zügel dein Mundwerk, denn das was du machst ist Anstiftung zu einer Straftat.

    1. Der hat keinen Auftraggeber. Das ist das typische Hetzen von Leuten, die jetzt nicht mehr plündern und ausbeuten können. Es reicht oft schon, dass man ein paar Dollar höheren Lohn und eine Krankenversicherung für seine Sklaven zahlen soll, um zum Mord aufzurufen.

  5. Ich möchte mit laverdad nicht so hart ins Gericht gehen. Aber ich möchte ihn bitten, für die aufgestellten Vermutungen und Behauptungen künftig die entsprechenden Links einzusetzen. Das wir uns hier informieren und diskutieren macht ja den Unterschied aus zu den „Qualitätsmedien“. Dort werden Behauptungen und Vermutungen ohne Nachweise aufgestellt, dann dreimal wiederholt, die „Qualitätsmedien“ beziehen sich dann teilweise auch noch gegenseitig auf ihre Behauptungen und denken, dass der dumme Leser dann glaubt, das diese Behauptungen plötzlich zu Fakten mutieren. Das der Maduro kein Chorknabe ist, ist nichts neues! Aber das gibt den USA immer noch kein Recht, ein ganzes Land in Geiselhaft zu nehmen und zu erpressen (sanktionieren). Oder wie in anderen Ländern, z.B. Syrien, völkerrechtswidrig zu bombardieren, nur um ein für die USA ungeliebtes Staatsoberhaupt loszuwerden.

    1. „Alles Sehen ist perspektivisches Sehen!“

      Ich habe „laverdad“ despektierlich und eventuell abwertend als „Laberbacke“ bezeichnet, da ich aus meiner Informations-Sicht heraus seine Ausführungen nicht teile. Das könnte eventuell nicht ganz richtig gewesen sein, aber ohne Nachweise für seine (aus meiner Sicht) absolut nicht nachvollziehbaren Behauptungen erscheint das einfach nur als Propaganda für irgendeine Seite.

      und zu Rainer Hmbrg:
      „Das der Maduro kein Chorknabe ist, ist nichts neues!“

      Was ist eigentlich ein „Chorknabe“?

      Ist das nicht eigentlich nur ein kleiner Junge, welcher „angepasst an seinen „Herrn und Meister“ alles singt und tut, was dieser im befiehlt? (Es drängt sich mir hier auch ein Bild an katholische Priester auf, deren Vergehen immer wieder an die Öffentlichkeit gelangen!!!)

      Waren nicht auch Gaddafi in Lybien, Mossadegh im Iran, oder sogar „A.H.“ in Deutschland KEINE Chorknaben, wenn es um die Unterwürfigkeit gegenüber imperialistischen Mächten ging?

      Was ist falsch daran, wenn ein Herr Maduro im Sinne der Mehrheit seines Volkes agiert? Kann er das als „Chorknabe“ seiner Unterdücker?

      Ist es nicht für uns alle wichtig, „KEINE CHORKNABEN ZU SEIN“

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