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Rückgang um mehr als 20 Mrd. pro Monat: Rechnerisch reichen Saudi-Arabiens Reserven nur für 22 Monate

Der Verfall des Ölpreises hat Saudi-Arabien schwer getroffen. Die staatlichen Reserven schrumpfen um fast eine Milliarde täglich und zum 1. Juli soll die Mehrwertsteuer verdreifacht werden.

Ich habe schon über die Probleme berichtet, die Saudi-Arabien nun hat. Der Verfall des Ölpreises hat zu drastischen Maßnahmen geführt. Der Staat will die Staatsausgaben um mehr als 26 Milliarden senken, wie der Spiegel im Mai berichtet hat. In dem Artikel hat der Spiegel auch über die geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer berichtet. Saudi-Arabien will die Steuer von 5 auf 15 Prozent anheben, sie also verdreifachen.

Die Sparmaßnahmen treffen auch die politischen Ambitionen des absolutistisch regierten Königreiches. In dem völkerrechtswidrigen Krieg gegen den Jemen hat Saudi-Arabien schon im April einen Waffenstillstand verkündet. Offiziell wurde der Schritt mit humanitären Gründen und dem Coronavirus begründet. Aber Humanität hat Saudi-Arabien in dem Krieg bisher nie interessiert. Der Grund dürfte eher sein, dass sich das Land den teuren Krieg, der 200 Millionen Dollar pro Tag verschlingen soll, einfach nicht mehr leisten kann.

Am Montag wurde auch noch bekannt, wie stark die Devisenreserven Saudi-Arabiens im April zurückgegangen sind: Sie vielen um 21 Milliarden von 465 auf 444 Milliarden Dollar. Und das, nachdem sie schon im März um 27 Milliarden geschrumpft sind.

Saudi-Arabien muss also darauf hoffen, dass die Weltwirtschaft bald wieder anspringt und mit ihr auch die Nachfrage nach Öl. Aber die Öllager der Welt sind randvoll, selbst wenn die Nachfrage wieder anspringt, wird die Ölförderung nicht schnell erhöht werden, denn zunächst müssen die Lager zumindest ein wenig geleert werden. Wenn Saudi-Arabien weiterhin 20 Milliarden pro Monat verliert, reichen seine Reserven rechnerisch nur noch für 22 Monate. Das ist in Anbetracht einer erwarteten, sehr schweren weltweiten Wirtschaftskrise keine lange Zeit.

Weitere Steuererhöhungen und Sparprogramme sind in Saudi-Arabien also zu erwarten.

Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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