Völlig anders als in Deutschland: Wie das russische Fernsehen über die Lage in den USA berichtet

Derzeit läuft der Parteitag der US-Republikaner und wieder einmal ist es spannend, wie unterschiedlich deutsche und russische Medien berichten.

Wenn der Parteitag vorbei ist, werde ich die Berichterstattung der deutschen Medien über die Parteitage der Republikaner und der Demokraten vergleichen. Es ist schon wirklich offensichtliche und plumpe Propaganda, die die deutschen Medien bei dem Thema machen. Während sie in den schönsten Farben über den Parteitag der Demokraten berichtet haben, ohne zum Beispiel groß darauf einzugehen, dass viele der Reden dort aus der Konserve gekommen sind und keineswegs live vorgetragen wurden, was sich leicht an bestimmten Aussagen festmachen lässt, die veraltete Daten zum Beispiel zu Corona-Opfern enthielten, verteufeln sie den Parteitag der Republikaner mit Überschriften, die von „Trumps Horrorshow“ berichten. Mein persönlicher Höhepunkt war bisher ein Spiegel-Bericht über einen Jungen, der erzählte, wie Biden ihn von seinem Stottern geheilt habe. Biden der Messias und Wunderheiler, lächerlicher geht es nun wirklich nicht mehr. Denke ich zumindest, aber vielleicht toppen die „Qualitätsmedien“ ja auch das noch einmal.

Aber den Artikel über all diese Dinge, schreibe ich gegen Ende der Woche. Heute will ich als Kontrastprogramm zur deutschen Berichterstattung einen russischen Beitrag über den Parteitag der Republikaner und die Situation in den USA übersetzen, der am Dienstag in den russischen Abendnachrichten gelaufen ist. Zusammen mit meiner Übersetzung wird das Video auch ohne Russischkenntnisse verständlich sein und da die Bilder durchaus interessant sind, empfehle ich, den Beitrag nach der Lektüre der Übersetzung anzuschauen.

Beginn der Übersetzung:

Unterstützung für Trump und neue Proteste: Die Lage in den USA

In der Nacht vom 24. auf den 25. August verwüsteten Demonstranten erneut die Straßen in US-Städten. Proteste toben auch in North Carolina, wo der zweite Tag der Republican National Convention stattfindet. Donald Trump hat nun unerwartet Unterstützung von einigen demokratischen Gegnern erhalten.

Aus den USA berichtet unser Korrespondent.

Es sind Bilder, wie aus einem Film über die Apokalypse. Kenosha ist eine Stadt in Wisconsin, die in der zweiten Nacht in Folge von Demonstranten beherrscht wird. Die Videos, die im Internet erschienen, ähneln den Aufnahmen aus Filmen über die Apokalypse. Häuser brennen. Zuvor brannten sie eine Kirche und ein Autohaus ab, die Zahl kaputter Autos geht in die Dutzende. Während die einen zerstören, plündern die anderen, obwohl in der Stadt Ausgangssperre herrscht und die Nationalgarde der Polizei zur Hilfe gekommen ist. Aber die Menge ist stärker. Ein Ziegelstein fliegt einem Polizisten in den Kopf, der Mann fällt bewusstlos zu Boden.

Die verängstigten Bewohner setzen auf sich selbst und ihr Waffenarsenal. Mit Sturmgewehren bewachen sie Häuser und Geschäfte vor Plünderern. Ein Mann sagt uns: „Wir schützen unsere Häuser. Wenn sie Straßenlaternen zerschlagen wollen – bitte schön, die gehen uns nichts an.“

Am Vortag wurde in Charlotte, North Carolina, der Republikanische Kongress eröffnet. Die amerikanische Flagge wird davor verbrannt.

Der Kameramann darf nicht filmen. Die Demonstranten verstecken sich unter Regenschirmen, die sie vor Gummigeschossen schützen sollen. Doch die Polizei setzt sie noch nicht ein, die Menge wird mit Pfefferspray auseinander getrieben. Die Augen werden ausgewaschen und die Angriffe gegen alle und alles gehen weiter. Ein Schwarzer versuchte, die Antifa zu mit dem Hinweis auf Jesus besänftigen. Er bittet sie, wenn sie schon die Gesetze des Landes nicht respektieren, dann wenigstens die Gesetze Gottes zu achten, aber für die Menge gilt kein Gesetz.

Es ist unwahrscheinlich, dass die Radikalen auf den Priester hörten, der im selben Moment den Kongress der Republikanischen Partei eröffnete und die Amerikaner bat, für den Frieden zu beten.

Es kommt das Paar zu Wort, das sein Haus vor der Menge verteidigt hat. Die beiden haben, er mit einem Sturmgewehr und sie mit einer Pistole, Demonstranten von ihrem Grundstück getrieben. Das Ehepaar aus St. Louis ist Ehrengast der Convention und hat dem Land erklärt, warum es nicht für die Demokraten stimmen sollte:

„Den Radikalen reicht es nicht, auf den Straßen zu marschieren, sie wollen über die Gänge des Kongresses gehen. Sie wollen die Macht. Das sind die Leute von Joe Biden und diese Leute sollen über Ihre Zukunft und die Zukunft Ihrer Kinder entscheiden. Wenn es nicht einmal einfache Sicherheit in Ihrer Gegend gibt, können Sie keine blühende Zukunft aufbauen. Das ist es, was auf dem Spiel steht. Und deshalb müssen wir Trump wiederwählen.“

Politiker werben von Washington aus für Trump. Ihnen steht das Jefferson Memorial zur Verfügung. Das Wort hat Nikki Haley, die die Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen vertreten hat. Sie ist die erfolgreiche Tochter von Einwanderern aus Indien. Hier ist ihre Sicht auf Rassismus in den Vereinigten Staaten:

„Es ist jetzt in Mode zu sagen, dass Amerika rassistisch ist. Das ist eine Lüge. Amerika ist kein rassistisches Land. Das amerikanische Volk weiß, dass wir es besser machen können. Und natürlich schätzen und respektieren wir jedes schwarze Leben.“

Trump hat auch Unterstützung bei Demokraten und Schwarzen. Vernon Jones, ein schwarzer, demokratischer Kongressabgeordneter aus Georgia, sagte den Parteimitgliedern wörtlich:

„Die Demokratische Partei ist mit einer Pandemie der Intoleranz, der Voreingenommenheit gegenüber der Polizei und der gefährlichen Toleranz gegenüber Menschen infiziert, die andere angreifen und unsere eigene Gesellschaft terrorisieren. Die Demokraten wollen nicht, dass Schwarze die mentale Plantage verlassen, auf der sie uns jahrzehntelang gehalten haben. Trump hingegen hat sich erfolgreich mit den Problemen auseinandergesetzt, die Afroamerikaner seit Jahrzehnten an einem normalen Leben hindern.“

Republikanische Kongressabgeordnete, die Trump während der Amtsenthebung verteidigten, kamen auch zu Wort. Seine Verdienste werden die ganze Woche in leuchtenden Farben von seinen zahlreichen Kinder beschreiben. Trump Jr. hat bereits gesprochen. Trump Senior sprach währenddessen mit Mitarbeitern des Gesundheitssystems, die dem Land helfen, Corona zu bekämpfen. Zuvor sagte er, die Demokraten könnten die Epidemie nutzen, um die Wahl zu beeinflussen:

„Sie benutzen Corona, um uns die Wahl zu stehlen. Sie wollen allen Amerikanern faire Wahlen stehlen.“

Das Zentrum, in dem Trump sprach, ähnelte einer uneinnehmbaren Festung, aber zumindest durch die Gitterstäbe des Zauns konnten die Bewohner von Charlotte den Präsidenten unterstützen.

„Wir sind hier, um unsere Unterstützung zu zeigen. Viele sind heimlich Unterstützer von Trump, aber sie wollen nicht auf die Straße kommen“, sagte eine Frau.

Und ein Schwarzer sagte: „Ich war sicher, dass er seine Versprechen erfüllt und das hat er getan. Es sieht so aus, als hätte ich recht gehabt und darum bin ich hier. Das ist eine wichtige Wahl.“

Trump hat sein Programm für die zweite Amtszeit bereits vorgestellt. Er verspricht, in zehn Monaten zehn Millionen Arbeitsplätze zu schaffen und die Produktion ins Land zurückzubringen, die Kriege zu beenden und die Polizei zu schützen. Das wird er am Donnerstag, dem 27. August, alles Punkt für Punkt erklären. In einer Live-Übertragung aus dem Weißen Haus.

Ende der Übersetzung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

3 Gedanken zu „Völlig anders als in Deutschland: Wie das russische Fernsehen über die Lage in den USA berichtet“

    1. Youtube betreibt auf auf der RT-Seite mal wieder die die
      Verschleierungstaktik („Wir haben von ihrer Seite ungewöhnlich hohen Datenverkehr festgestellt“) und bietet dann stark verpixelte Captchas, die man nicht wirklich lösen kann, um das Video nicht zeigen zu müssen. Oder um die Werbeeinnahmen ganz zu kassieren. Dann müssen sie halt auf mich verzichten.

  1. Höhepunkt war bisher ein Spiegel-Bericht über einen Jungen, der erzählte, wie Biden ihn von seinem Stottern geheilt habe
    Nach einem riesen Schrecken, soll bei manchen das Stottern aufgehört haben…

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