Wettrennen um Nord Stream 2: Russland bringt weiteres Rohrverlegungsschiff zur Baustelle

Die Bemühungen der USA, Nord Stream 2 zu stoppen, scheinen nach dem angeblichen Giftanschlag auf Navalny doch noch Erfolg haben zu können. Die – zumindest bei dem Thema – bisher standhafte Merkel scheint zu wanken und in der EU schwenkt die Stimmung von Ärger über angedrohte US-Sanktionen um zu Ärger über die Pipeline.

Es sind nur noch 120 Kilometer zu bauen, dann ist Nord Stream 2 fertig. Da kam die angebliche Vergiftung von Navalny für die Gegner von Nord Stream 2 zur rechten Zeit, denn viel Zeit bleibt ihnen nicht mehr, wenn sie das Projekt im letzten Moment noch begraben wollen. Am lautesten schreien in Deutschland die Grünen nach einem Ende von Nord Stream 2 – angeblich, weil sie gegen Gas im Allgemeinen und gegen Russland im Besonderen sind. Letzteres stimmt unbestreitbar, nur mit Erdgas haben sie keine Probleme, wenn es nur in den USA durch Fracking gewonnen und mit Tankern als Flüssiggas nach Europa kommt. Zumindest für haben sie still und heimlich im Bundesrat für staatliche Subventionen für US-Fracking-Gas gestimmt.

Wer den Fall Navalny wie ein Kriminalist betrachtet und nach einem Motiv sucht, der wird bei der russischen Regierung jedenfalls nicht fündig, denn Navalny ist in Russland keine politische Kraft, er wurde aus dem Westen medial aufgebaut. Dafür sehen wir, dass Russland durch den Fall einen massiven politischen und medialen Schaden davon trägt, was kaum in Russlands Interesse sein kann.

Bei den Transatlantikern und den Nord-Stream-Gegnern in Washington dürften hingegen die Sektkorken geknallt haben, als sie von Navalnys Zusammenbruch im Flugzeug gehört haben.

Bleibt die Frage, wie Russland nun reagiert. Aus Russland wird gemeldet, dass ein drittes Schiff bereit steht, um die Beendigung der Bauarbeiten zu beschleunigen. Das Schiff, die „Ostap Scheremet“, ist gerade aus Wladiwostok in Kaliningrad angekommen, während die „Akandemik Tscherski“ und ihre Begleitschiff in Mukran derzeit mit Rohren beladen werden.

Ende September wollen die Staats- und Regierungschefs der EU über das Projekt beraten, dann muss Merkel Farbe bekennen.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

15 Gedanken zu „Wettrennen um Nord Stream 2: Russland bringt weiteres Rohrverlegungsschiff zur Baustelle“

  1. Auch wenn es fertig wird, egal, es wird nicht in Betrieb genommen. Wenn die usa nein sagen, dann ist zumindest für Deutschland nein! Merkel hat sich nur aufgelehnt, weil es gegen Trump geht. Wäre von den anderen Schwachköppen einer Präsident, wäre Merkel längst im Allerwertesten von demjenigen eingetaucht und hätte nach dem Auftauchen das Projekt ohne murren eingestampft. Jetzt hat sie endlich einen Vorwand. Sie ist bestimmt erleichtert, die Gute. Vielleicht nehmen wir doch noch an der us-Wahl teil, als Bürger des 51. Bundesstaates.

  2. Was irgendwie immer unter geht, es handelt sich rechtlich um ein nach EU Planung und EU Regeln genehmigtes Projekt. Es ist im Versorgungsnetz integriert und dient speziell der Versorgungssicherheit für Industrieunternehmen. Wir schließen Atomkraftwerke, wir schließen Kohlekraftwerke und brauchen eine sichere Energieversorgung.
    Es ist Schizophren immer von Klimaschutz zu reden, sich keine Gedanken um den ganzen Atommüll zu machen, Atomkraftwerke auch noch über EU zu bezuschussen, Kohleabbau in Deutschland anzuprangern und nicht ein einziges Mal von Atomkraftbetreiber ein Entsorgungskonzept zu verlangen.
    Russisches Gas war und ist Jahrzehnte lang gut und sicher in die europäische Versorgung integriert. Nicht Russland hatte Probleme bei der Versorgung gemacht sondern die Ukraine. Vllt auch unter Mithilfe Polens. Und dann finanzieren wir Infrastruktur für US Gas welches wir selbst wegen hoher Schäden für Mensch und Natur ablehnen.
    Verlogener geht es kaum. Wieso wird eine Gasleitung von Dänemark nach Polen gebraucht? Dänemark macht doch auf Wind. Auch dieses Projekt wird von der EU gefördert. Wieder für Russisches Gas was aus der EU kommt? So wie die Schiebereien in der Ukraine?
    Fragt mal nach der Kosten – Nutzen Rechnung zu Offshore Anlagen für Windkraft, ich meine das im Bezug zum Steuerzahler und Energieverbraucher nicht die der Finanzmärkte. Dänemark und auch die USA können da gute Daten liefern.

    Und wenn die EU alles regeln will dann bitte für beide Seiten, dann verlange ich als Marktteilnehmer freien Zugang zu allen Betreibern in der EU. Dann will ich mit dem Netzbetreiber telefonieren der das beste Angebot hat, dann will ich dort meinen Strombedarf oder Gasbedarf erwerben den ich für optimal halte.

    1. „Was irgendwie immer unter geht, es handelt sich rechtlich um ein nach EU Planung und EU Regeln genehmigtes Projekt. Es ist im Versorgungsnetz integriert und dient speziell der Versorgungssicherheit für Industrieunternehmen.“
      Du vergißt dabei die Grünen! Die wissen nichts, davon aber jede Menge. Die behaupten einfach, wir brauchen das russische Gas nicht, während sie für US-Fracking-Gas stimmen.
      Der Habeck hat vom Steuerrecht keine Ahnung, die Baerbock fabulierte von ihren Kobolden herum und so kann man das fortsetzen. Aktuell wird von den Grünen erstmal die dt. Landwirtschaft an die Wand gefahren und dabei werden für eine unproduktive Ökolandwirtschaft doppelt so hohe Flächenprämien gezahlt, als im konventionellen Bereich! Das führt nicht nur zu einer fehlenden Selbstversorgung, sondern auch zu Importen, und, woran gar keiner denkt, zu größeren Betrieben, sprich dieser sogenannten Massentierhaltung und Monokulturen, weil kleine und mittlere Betriebe angesichts der mit grüner Landwirtschaftspolitik einhergehenden Auflagenflut aufhören und aussteigen.
      Für den Schutz des Wolfes werden etliche Millionen verbraten und da wären wir dann beim Gas. Auch von der Energieversorgung haben die Grünen keine Ahnung, aber sie verstehen es mit ihrem blinden Populismus, die Leute uschig zu machen und diesen Unsinn zu glauben. EU-Recht hin oder her, Genehmigung und Bedarf hin oder her, denen traue ich zu, dass die uns dabei noch massive Probleme bereiten werden, denn sie haben ja die transatlantischen Kollaborateure und deren Verbindungen. Wenn dieser Irrsinn die Bürger auch Mrd. kostet, das interessiert diese Grünen doch überhaupt nicht, denn mit Geld können sie doch auch nicht umgehen, das sieht man doch jetzt schon.

  3. Es wird Russland weh tun aber es wird es überleben. Es würde mich wundern wenn man sich in Russland nicht schon nach Ersatz umgesehen hat um die Verluste zu kompensieren. Aus strategischer Sicht haut sich hier nur eine Seite gewaltig auf den Daumen und die Leidtragenden werden die europäischen Verbraucher sein, auf die dann, in naher Zukunft, eine Erhöhung der Energiepreise zukommen wird. Natürlich war dann wahrscheinlich “ General Winter “ daran schuld und der deutsche Lemming wird es wieder schlucken. Irgendwann werden die europäischen „Eliten“ vor der Tür stehen und dann ist der Tag der Abrechnung, „wer zuletzt lacht, lacht am Besten!“ Ich weiß schon viele Jahre nicht worauf diese Stock Überheblichkeit gerade vieler Menschen aus den gebrauchten Bundesländern fußt, das Land der Dichter und Denker ist gerade dabei mit großen Schritten dem Abgrund entgegen zu gehen. Aber die Leute merken es weitestgehend nicht haben sie doch nicht gelernt dialektisch zu denken um die ganzen Zusammenhänge zu erkennen, die gerade Sie, Herr Röper, so gut herausarbeiten. Besser kann man es nicht machen.

  4. Nord Stream 2 ist ja kein politisches Projekt, sondern ein wirtschaftliches, welches von den beteiligten Unternehmen zur Genehmigung eingereicht und genehmigt wurde. Wenn die Politik das jetzt aus fadenscheinigen Gründen ( Nawalny ist Russe und wurde (vielleicht?) in Russland vergiftet, was also mit Deutschland nichts zu tun hat.) einfach aufkündigen würde, dann würden die beteiligten Unternehmen natürlich zu erst mal Regressforderungen stellen.

    So weit, so gut.
    Da die USA aber durch ihre angedrohten Sanktionen Nord Stream 2 zu einem Politikum gemacht haben, muss unsere Politik reagieren. Zu erst durch Sprüche wie: Wir verbitten uns Einmischungen von außerhalb, blablabla.
    Dann passiert Nawalny, der mit Deutschland absolut nix zu tun hat, siehe weiter oben… aber,
    wie wir alle wissen, muss man Steilvorlagen nutzen und das war ebendiese für die Rückgratlosen Vollpfosten in Berlin, weshalb erstmal Nord Stream 2 auf den Prüfstand musste, damit man sein mit Scheiße aus dem US-Amerikanischen-Hintern- Verschmiertes-Gesicht- wahren konnte, was aber so gar nicht funktionieren wollte, weshalb man nun zuvörderst versucht auch noch den Rest von vielleicht vorhandenem Anstand dadurch zu pulverisieren, dass man dem Ami anbietet extra Gasterminals für sein Drecksfrackinggas zu bauen, in der Hoffnung, dass diese Dreckszeug schlimmer stinkt, als die eigene Verabscheuungswürdigkeit.

    Man verzeihe mir die verbale Entgleisung, aber manchmal kann man nicht mehr anders…

  5. Ich habe das schon oft geschrieben aber es bleibt nicht hängen.

    Die USA werden kein Gas liefern können, weil sie bald nicht einmal soviel fördern, wie sie selbst verbrauchen. Der gewaltige Hipe der Frakingindustrie ist vorbei. Die Firmen schließen im Rekordtempo ein Bohrloch nach dem anderen viele auch größere Firmen gehen Pleite. Und das wird auch im nächsten Jahr so weiter gehen. Die Firmen sind überschuldet, das Gerät ist geleased aber die Preise sind und bleiben im Keller. Die belogenen Investoren werden dem schlechten kein gutes Geld hinterherwerfen. Das wars dann!

    Und auch beim Flüssiggas ist Russische am Anlandepunkt in Europa billiger als Amerikanisches. Aber die Verflüssigung schluckt allein 1/3 des Energiegehaltes. Echt Nachhaltig liege Grünen! Nicht?

    1. Jein…. Wenn die Preise wieder steigen, lohnt sich auch Fracking wieder, Richtig ist aber, daß die USA netto auch auf der Höhe des Frackingbooms immer noch Gas-Importeur waren. Aber darauf kommt es ja auch gar nicht an! So lange man einen Dummen findet, der bereitwillig das teure US-Gas kauft, und man selbst billigeres Pipelinegas etwa aus Kanada importiert, geht die Rechnung auf!

      Der größte LNG-Exporteur der Welt, der in der Geschichte irgendwie nie erwähnt wird, ist übrigens Katar. Ein Schelm, wer da an den „Krieg gegen den Terror“ denkt….

    2. Noch eine Ergänzung: Die meisten der verschlossenen Bohrlöcher sind aus Kostengründen nur einfach verschlossen, d.h. sie können nur mit erheblichem Aufwand und Kosten wieder eröffnet werden.
      Es kann noch viel passieren. Wenn die Wahl erst vorbei ist, kann es sein, dass die erwarteten Wählerstimmen auf die man noch setzt, nicht mehr gebraucht werden?
      Auch, das die weltweite Aufmerksamkeit durch andere, neue Narrative andere Richtungen erfährt?

  6. Ist es nicht so das wir davon ausgehen müssen das die Amis diese Pipeline ehr in die Luft jagen werden als einfach zuzusehen und ihre (völlig berechtigte) Niederlage zu akzeptieren?

    https://kenfm.de/nawalny-und-nordstream-2-von-dirk-pohlmann/

    Dann hätte man auch wieder einen schönen „Terroranschlag“ und kann auf dessen Grundlage Europa weiter aufrüsten und besetzen und – oh Ja! – man könnte den Anschlag Putin in die Schuhe schieben, das wäre doch schon ein glaubwürdiger Grund für einen bewaffneten Konflikt mit Russland…Beweise brauchen wir ja nicht mehr, wie diverse Beispiele zeigen. Vermutlich würde es genügen irgend einen russischen Buchstaben auf einen Chip in der Steuerung zu drucken um Russlands Schuld „zweifelsfrei“ festzustellen und den nächsten Weltkrieg zu starten.

  7. Nord-Stream 2 ist ein Europäisches Projekt, dh. Deutschland dürfte sich ein klein wenig zurücknehmen.

    Und; wurde nicht Jamal Khashoggi zerrstückelt aus dem Konsulat von Istanbul getragen. Trotzdem macht die Welt lukrative Waffengeschäfte mit den Saudis.

Schreibe einen Kommentar