Wie in Russland über das amerikanisch-chinesische Verhältnis berichtet wird

Das amerikanisch-chinesische Verhältnis ist so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht. Die Position der USA wird uns in den deutschen Medien hinreichend erklärt. Aber wie ist Chinas Sicht der Dinge?

In der Sendung „Nachrichten der Woche“ hat das russische Fernsehen am Sonntag über die aktuelle Situation zwischen den USA und China berichtet und dabei auch die chinesische Sicht der Dinge beleuchtet. Daher habe ich den Beitrag des russischen Fernsehens übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Donald Trump bleibt sich treu: China ist schuld an der Ausbreitung des Coronavirus: „Auf der ganzen Welt breitet sich das Coronavirus aus, ein sehr schlechtes Geschenk aus China“, erklärte Trump auf Twitter.

Auch die Weltgesundheitsorganisation, von der Trump meint, dass sie die Coronavirus-Pandemie schlecht bekämpft, wird von Trump beschimpft. Der amerikanische Präsident stellte der WHO ein Ultimatum und forderte Reformen innerhalb von 30 Tagen. Andernfalls versprach er, die Finanzierung der Organisation einzustellen. Aber Trump hatte keine 30 Tage Geduld. Er dauerte nur eine Woche und dann beschuldigte er die WHO, „vollständig von China kontrolliert“ zu sein und kündigte den Austritt der Vereinigten Staaten aus der Organisation an.

Gleichzeitig kündigte Trump die Verhängung von Sanktionen gegen Hongkong an, schränkte die Einreise von Wissenschaftlern aus China in die USA ein und versprach, gegen chinesische Unternehmen vorzugehen, die an der US-Börse gehandelt werden.

So sieht sie aus, die chinesische Vorsicht. Es ist der dritte Coronatest in einer Woche. Ohne einen negativen Test darf man zu keiner Sitzung gehen, insbesondere nicht, wenn die Staatsführung dabei ist. Eine Schlange ausländischer Journalisten wartet auf historische Bilder. Die Abschlusssitzung der Nationalen Volksversammlung, auf deren Tagesordnung die Rettung des Landes vor der Epidemie und ihren wirtschaftlichen Folgen steht. Und es geht nicht nur um das Coronavirus.

„Wir haben beschlossen, einen Mechanismus zum Schutz der Souveränität, der Sicherheit und der Interessen Chinas im Sondergebiet Hongkong einzurichten. Das wird die weitere Entwicklung nach dem Prinzip „ein Land, zwei Systeme“ gewährleisten, sagte Li Changshu, Vorsitzender des Ständigen Ausschusses des Nationalen Volkskongresses.

Dieses Prinzip, nachdem das chinesische Festland und Hongkong schon seit 23 Jahren leben und nach dem die Zentralregierung für Außenpolitik und Verteidigung zuständig ist, die ehemalige britische Kolonie ansonsten aber volle Autonomie genießt, verspricht Peking zu bewahren.

Aber in Washington wurde das Gesetz sofort als anti-demokratisch bezeichnet. „Ich beauftrage meine Regierung, den Prozess der Abschaffung der Vorzüge zu beginnen, die Hongkong eine Sonderbehandlung geben“, sagte Trump.

Ermutigt durch diese Unterstützung – vor Trump hatten sowohl Außenminister Pompeo, als auch der Kongress und der Senat angekündigt, den Sonderstatus Hongkongs abschaffen zu wollen – kam es wieder zu Pogromen auf Hongkongs Straßen. So wie schon das ganze letzte Jahr – eine Pause gab es nur für die Zeit der Quarantäne – zerschlugen sie mit amerikanischen Flaggen in den Händen Fenster und U-Bahn-Stationen und verprügelten diejenigen, die anderer Meinung waren. Die Polizei musste Tränengas einsetzen.

Und der Westen drohte sofort mit erhobenem Finger: Das ist der Beweis für die Unmenschlichkeit Pekings und seiner gesamten repressiven Maschinerie. Die chinesische Presse reagierte mit Aufnahmen aus Minneapolis.

Also gingen die Aktivisten in Hongkong zum amerikanischen Konsulat. Sie fordern, die Autonomie in Ruhe zu lassen. Doch Trump, der hier als schwer kranker Patient dargestellt wurde, blieb hartnäckig. Er twitterte ein einziges Wort: „China“ und fuhr auf der Pressekonferenz fort: „China ist an allem schuld.“

„Die Welt leidet jetzt unter dem Fehlverhalten der chinesischen Regierung. Hätte China das Virus in Wuhan isoliert, hätte sich die Krankheit nicht auf der ganzen Welt ausgebreitet und eine globale Pandemie ausgelöst, die mehr als 100.000 Menschenleben in Amerika und mehr als eine Million Menschenleben weltweit gefordert hat“, sagte Trump.

China hat all das mehr als nur einmal gehört. Und Vorwürfe, angeblich Informationen über das Virus verschwiegen und WHO-Beamte bestochen zu haben – während die Trump-Regierung der Organisation die Finanzierung kürzte – und dass China angeblich einen amerikanischen Impfstoff stehlen will. Als angebliche Jäger nach der Technologie hat der Herr des Weißen Hauses chinesische Studenten ausgemacht, sie werden jetzt pauschal vom FBI überprüft.

All dies wird in China als Fortsetzung des Handelskrieges betrachtet. Obwohl es zu Beginn des Jahres so aussah, als könnten Peking und Washington sich einigen. Der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang hofft immer noch auf amerikanische Besonnenheit: „Die bilateralen Handels- und Wirtschaftsbeziehungen haben einen langen und harten Weg zurückgelegt, und beide Seiten haben enorm davon profitiert. Die Volkswirtschaften Chinas und der Vereinigten Staaten sind eng miteinander verflochten und die Unternehmen der beiden Länder brauchen einander“, sagte er.

Aber Trump ist so sehr am anti-chinesischen Virus erkrankt, dass er bereit ist, auch auf Kosten der amerikanischen Interessen zu handeln, die unter den Folgen des Schlages gegen Hongkong nicht weniger leiden werden. Die amerikanische Wirtschaft hat Trump bereits gewarnt. Schließlich ist die Revision des Status der „Autonomie“ des globalen Finanzplatzes ein Ende der besonderen wirtschaftlichen Bedingungen. Dabei war Peking in erster Linie an der Finanzstabilität Hongkongs interessiert. Deshalb wird das Sicherheitsgesetz dort ja entwickelt.

„Letztes Jahr wurden wir Zeuge beispielloser Vorfälle in Hongkong, die praktisch alle Geschäftsaktivitäten zum Erliegen gebracht haben. Alle Bereiche der Gesellschaft haben darunter gelitten“, erinnerte Dennis Wang-Pun, Präsident der Hong Kong Manufacturers Association.

„Die Aufständischen richteten weiterhin Schäden an, indem sie Straßen blockierten und Fußgänger zusammenschlugen. Touristen haben Angst, nach Hongkong zu kommen. Wir fühlen uns hilflos. Diese Entscheidung wird es Hongkong ermöglichen, sich langfristig in einem stabilen und friedlichen Umfeld zu entwickeln“, sagte einer der Entwickler des Gesetzes in Hongkong.

Genau daran ist Washington nicht interessiert. Daher sowohl die Vorwürfe wegen angeblicher Unterdrückung der Uiguren, als auch die Diskussion über die Unabhängigkeit Tibets und der Flirt mit den Separatisten Taiwans.

Auf all dies reagiert China aus der Position – wie sie es nennen – „eines wütenden Tigers, aber eines weisen Drachens“, der eine Pause einlegt, aber Stärke zeigt. Gegen die US-Marine hat China seinen Flugzeugträger in die Nähe von Taiwan geschickt.

Ende der Übersetzung

Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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