Zum Ärger der westlichen Rüstungsindustrie – Russland präsentiert Kalaschnikow für Nato-Staaten

Dieses Thema wird es wahrscheinlich nicht in die westlichen Schlagzeilen schaffen, aber es wird in den Kreisen der Hersteller von Kriegswaffen einschlagen, wie eine Bombe: Die neueste Kalaschnikow, die gezielt für Nato-Länder entwickelt wurde.

Für viele mag es erst einmal merkwürdig klingen, wenn Russland ein hochmodernes Gewehr entwickelt und es an Nato-Staaten verkaufen möchte. Aber Ost-West-Konflikt hin oder her, auch der Waffenmarkt ist eben ein Markt, in dem es Marktanteile und Gewinne geht. Und da die Nato-Staaten sowieso Sturmgewehre kaufen, denken sich die Russen, dann kann Russland doch auch daran verdienen.

Die Kalaschnikow gilt als eines der besten Sturmgewehre der Welt. Sie ist von höchster Qualität, anspruchslos in der Wartung, praktisch „unkaputtbar“ und dazu noch billiger, als die westliche Konkurrenz. Nicht umsonst ist die Kalaschnikow das meist verkaufte Sturmgewehr der Welt.

Aber bisher war die Kalaschnikow für westliche Länder vollkommen uninteressant, weil sie nicht den Nato-Standards entsprochen hat. Das lag in erster Linie daran, dass die Kalaschnikow das Kaliber 7,62×39 mm hat, während die Nato einheitlich mit Kaliber 5,56х45 mm ausgestattet ist. Nun hat Kalaschnikow das erste Model, die Kalaschnikow AK-19 vorgestellt, die ebenfalls dem Nato-Standard entspricht. Damit will Kalaschnikow neue Märkte erobern, die für den Konzern bisher verschlossen waren. Und das Gewehr bringt neben seinen traditionellen Qualitäten auch zum Beispiel ein unglaublich geringes Gewicht von nur 3,3 kg mit, während westliche Modelle um die vier Kilo wiegen.

Indien beispielsweise kauft sehr viele russische Waffen, aber bei den Sturmgewehren verwendet Indien bis heute die Standards der ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien, das wiederum die Nato-Standards verwendet. Gleiches gilt für die Armeen anderer ehemaliger Kolonialstaaten. Diesen kann Russland nun eine Alternative zu westlichen Sturmgewehren anbieten. Das dürfte westliche Hersteller ärgern, denn beim Preis-Leistungs-Verhältnis ist die Kalaschnikow besser, als die westliche Konkurrenz.

Aber auch Nato-Länder könnten Interesse zeigen. Die Türkei macht bekanntermaßen schon lange Schlagzeilen, weil sie das russische Flugabwehrsystem S-400 gekauft hat, was die USA ärgert. Da der Riss zwischen der Türkei und dem Westen immer größer wird, ist nicht ausgeschlossen, dass sich die Türkei auch für die neue Kalaschnikow interessiert. Und es gibt noch andere Länder, die sich für das Gewehr interessieren könnten. Russische Experten nannten zum Beispiel Ungarn.

Und wenn die USA dann Druck auf die Nato-Staaten machen, die sich für die AK-19 interessieren, können die antworten: „Wo ist das Problem? Ihr besteht darauf, dass unsere Gewehre den Nato-Standards entsprechen, das ist doch gegeben…“

Wenn es zu diesem Szenarien kommen sollte, dann wird ein weiteres Mal offensichtlich, dass es bei all den Rufen nach einer Aufrüstung der Nato-Staaten nicht wirklich um Sicherheit geht, sondern nur darum, dass sie die westliche und vor allem die amerikanische Rüstungsindustrie mit Aufträgen versorgen sollen.

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

4 Antworten

  1. „„Wo ist das Problem? Ihr besteht darauf, dass unsere Gewehre den Nato-Standards entsprechen, das ist doch gegeben…“ “

    Ganz genau so kann man doch auch bei Nord Stream argumentieren.
    Und genau so wie bei Nord Stream wird die USA „argumentiern“ (und drohen, und erpressen)

    „Ihr macht euch abhängig von den bööösen Russen!“
    „Russland nutzt die Exporte für „böööse Zwecke“
    „Russland zerstört so die westlichen Werte wie Freiheit und Rechtsstaatlichkeit“

    Wow…
    eben beim googeln nach den Argumenten der Amis gegen Nord Stream 2 war ich echt erstaunt wie wenig da zu finden war, die drei Zitate sind tatsächlich das „beste“ oder das „am wenigsten schlechte“ das ich dazu finden konnte.

  2. Das ist so nicht ganz richtig. Das Hauptkaliber der „Kalashnikow“ ist inzwischen 5,45 x 39. Es gab schon vorher eine ganze Reihe von Kalashnikow-Typen welche auf das Nato-Kaliber 5,56 x 45 umgerüstet werden konnten. Also eigentlich – alles nichts neues.

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