Zynische Doppelmoral in den Medien

Angebliche gesundheitliche Probleme und Folter bei Navalny

Wer dachte, nachdem Navalny im Gefängnis verschwunden ist, würde es ruhiger um ihn, hat sich getäuscht. Der Spiegel berichtet fast täglich über seine angeblichen Probleme in der Haft. Warum das verlogen ist.

Der Spiegel und andere Medien berichten fast täglich über Navalny und seine Probleme in der russischen Haft. Mal ist von Folter die Rede, mal von gesundheitlichen Problemen, die ärztlicher Behandlung bedürfen. Diese Berichte kann man nicht überprüfen, aber wenn man sie mit vergleichbaren anderen Fällen vergleicht, zeigen sie die ganze Doppelmoral von „Qualitätsmedien“ wie dem ehemaligen Nachrichtenmagazin Spiegel auf.

Wieder mal Rückenschmerzen

Über die gesundheitlichen Probleme von Navalny gibt es bisher keine unabhängigen Berichte. Es gibt nur die Berichte seines Teams, das behauptet, er habe Rückenschmerzen und er werde gefoltert. Die Medien stellen das als Fakten dar.

Mit Rückenschmerzen von Inhaftierten haben wir schon so unsere Erfahrungen gemacht, man erinnere sich nur an Julia Timoschenko, der Dr. Lutz Harms, ein Neurologe der Charité, einen Bandscheibenvorfall diagnostiziert hat. Und wir erinnern uns an ihre wundersame Heilung, kaum dass sie aus der Haft entlassen war. Was in Deutschland kaum bekannt ist, ist wie Dr. Harms sich bei seinen Besuchen in Kiew zur Untersuchung von Timoschenko hat schmieren lassen, inklusive Begleitservice des Fotomodells Maria Furdychko. Wer davon noch nie etwas gehört hat, findet die Details hier.

Der Spiegel berichtet über die angeblichen Rückenschmerzen Navalnys zum Beispiel folgendes:

„Dutzende russische Ärzte forderten derweil in einem offenen Brief und in einer Videobotschaft wegen eines Rückenleidens rasche medizinische Hilfe für Nawalny. Die Mediziner verlangten eine angemessene Behandlung, um »die Gefahr für sein Leben und seine Gesundheit« abzuwenden. »Wir fürchten das Schlimmste«, heißt es in dem Schreiben.
Konkret forderten die Ärzte den Zugang eines Neurologen zu dem 44-Jährigen und den Einsatz moderner diagnostischer Technik. Sie erinnerten zudem daran, dass der Gefangene nach dem Mordanschlag mit dem Nervengift Nowitschok im August noch immer geschwächt ist.“

Welche Ärzte haben den Brief geschrieben? Aufgrund welcher Informationen kommen sie zu ihren Schlussfolgerungen? Keiner der Ärzte, von denen wir nicht einmal erfahren, wer sie sind, denn der Spiegel setzt ja keinen Link zu dem offenen Brief, hat Navalny gesehen. Es gibt nur die unbestätigten Gerüchte seines Teams über ein mysteriösen Rückenleiden, das Navalny vorher nie gehabt hat. Und dass Navalny „nach dem Mordanschlag mit dem Nervengift Nowitschok im August noch immer geschwächt ist„, ist eine Lüge. Die Charité hat in ihrem Bericht in The Lancet geschrieben, er sei seit Anfang Oktober wieder vollkommen genesen.

Schon an dieser unwahren Aussage kann man sehen, dass es den Ärzten – wer immer die sind – nicht um den Gesundheitszustand von Navalny geht, sondern um Propaganda für Navalny.

Folter?

Aber nehmen wir einmal an, Navalny habe ein Rückenleiden. Dann sollten eben neutrale Ärzte ihn untersuchen und das wird sicher auch geschehen. Da Navlny ja bereits von Folter spricht, wird demnächst wohl Nils Melzer, UNO-Sonderberichterstatter über Folter, zu Navalny kommen. Mal sehen, was wir danach erfahren.

Und genau das ist die zynische Doppelmoral des Spiegel und all der anderen „Qualitätsmedien“, die über Navalnys Probleme in der Haft berichten. Nils Melzer hat seit Oktober 2019 mehrmals deutlich kritisiert und Alarm geschlagen, dass Julian Assange in London gefoltert wird. Und im Gegensatz zu Navalny hat Assange echte, von niemandem bestrittene, gesundheitliche Probleme, die laut Ärzten lebensbedrohend sind. Aber London verweigert Assange mittlerweile seit anderthalb Jahren die nötige medizinische Behandlung.

Aber ich kann mich nicht erinnern, darüber im Spiegel etwas erfahren zu haben. Während der Spiegel ein angebliches Rückenleiden von Navalny derzeit täglich in eigenen Artikeln behandelt, gibt es im Spiegel keinerlei Empörung darüber, dass die UNO Großbritannien vorwirft, Assange zu foltern und sein Leben zu gefährden. Und die Bundesregierung tut das gleiche, sie hat offiziell mitgeteilt, man habe den Bericht des UNO-Sonderberichterstatters über Folter nicht gelesen.

Ich wünsche niemandem etwas schlechtes und sollte der UNO-Sonderberichterstatter tatsächlich melden, Navalny wird in Russland gefoltert und ihm wird die nötige medizinische Behandlung vorenthalten, werde ich der erste sein, der das kritisiert. Aber bisher haben wir nur die Berichte von Navalnys Leuten, die daran interessiert sind, dass der Medienhype um ihn nicht abreißt und die ihn weiter zu einem Helden aufbauen wollen. Das sind keine verlässlichen Quellen, sorry.

Zynische Doppelmoral

Die „Qualitätsmedien“ machen aus der Navalny-Story aber eine Serie mit endlosen Fortsetzungen, was eindeutig politische Propaganda ist. Das zeigt die Tatsache, dass sie zu dem Zustand von Julian Assange schweigen, bei dem es längst unabhängige Berichte gibt, die von Folter und vorenthaltener medizinischer Behandlung sprechen.

Das ist kein Journalismus, das ist – ich wiederhole mich – Propaganda. Aber leider werden die „Qualitätsmedien“ trotzdem weiter machen und uns in nächster Zeit wohl weiterhin mit Berichten darüber bespaßen, dass Navalny nun dieses oder jenes weh tut. Und sie werden über Assange weiterhin den Mantel des Schweigens hüllen.

Jeder kann an diesem Beispiel leicht überprüfen, wie sehr der Spiegel hier Propaganda betreibt, indem man in der Suchfunktion des Spiegel die Suchbegriffe „Nawalny Folter“ und „Assange Folter“ eingibt. In den fünf Tagen seit dem 25. März gab fünf Artikel zu der Suchanfrage „Nawalny Folter.“ Und zwar nur aufgrund von Meldungen seines Teams, von denen niemand weiß, ob sie wahr sind.

Der UNO-Sonderberichterstatter über Folter hat seinen Alarmruf über die Folter von Assange am 15. Oktober 2019 veröffentlicht und raten Sie mal, wie oft der Spiegel in der ersten Woche danach darüber berichtet hat? Es gab in der Woche danach nur einen Artikel unter der Suchanfrage „Assange Folter“ im Spiegel, in dem es um eine weitere Anhörung vor Gericht ging. Über die Vorwürfe des UNO-Sonderberichterstatters Nils Melzer vom 15. Oktober 2019 findet sich in dem Artikel nicht ein einziges Wort.

Noch Fragen?

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

11 Antworten

  1. Ich stelle mir vor, gerade einem Mordanschlag entgangen zu sein – um dann aus freien Stücken in die absehbare Strafanstalt des Killers zu gehen? Alle Achtung! Zweitens dürften die gesundheitlichen Probleme einen realen Hintergrund haben. Schon bei der Vergiftung gab es dafür plausible Hinweise, die ich hier nicht wiederholen möchte und warum können diese Diagnosen nicht mal versehentlich an die Öffentlichkeit? Drittens denke ich, daß zur Zeit eine lückenlose Videoüberwachung stattfindet und kein schiefsitzender Furz unbemerkt entfleuchen kann.

    1. Wer „Mordanschlag“ kaufte, kaufte auch https://www.youtube.com/watch?v=M_LukdE-M2Q aka Brutkastenleuge, kaufte auch https://www.neues-deutschland.de/artikel/1058759.twitter-maedchen-aus-aleppo-bauchredner-aus-syrien.html aka Bana aus Aleppo, kaufte auch https://www.youtube.com/watch?v=ZtkQYRlXMNU, aka Hufeisenplan, kaufte auch usw usw…
      Killer ist ein gutes Stichwort, zb mal hier schauen https://www.youtube.com/watch?v=ZtkQYRlXMNU Wo war noch mal toedlichste aller toedlichen Nervengifte ? Im Tee, in der Wasserflasche oder doch in der Unterhose oder wo ? Vielleicht finden sie die Antwort hier, aber Vorsicht, dieser Film ist trotz seiner Mio an Foerdermitteln aus der EU und seines im Vorfeld des Filmes als unbestechlichen Putin Kritiker geruehmten Machers Nekrasov in D auf dem Index. Hat man ihn gesehen, versteht man warum https://www.reelhouse.org/pirayafilm/the-magnitsky-act-behind-the-scenes-de/the-magnitsky-act-behind-the-scenes-doc_

  2. einfache Fragen:
    1) wo ist die behauptete Videobotschaft?
    2) welcher Text?
    3) welcher Text des angeblichen offenen Briefes?
    4) wo ist der offene Brief veröffentlkch?

    Ergebnis: 4 x 0 = alles erfunden

    Übrigens „nicht genannte“ „Spezialisten“ sehen hierin eine eine weitere Agression der russischen Seite, der sofort lt. Stoltenberg militärisch geantwortet werden muss, da sie die grundlegenden Interessen der USA und deren Verbündeten gefährden.

  3. Spiegels Forenzensur erlebt seit ein paar Tagen neue Höhenflüge. Offenbar werden die Nawalny-Artikel jetzt besonders „überwacht“ und Kommentare von Leuten, die als „kritisch“ aufgefallen sind, vorab gefiltert, bzw. erst viele Stunden später in homöopathischen Dosen manuell freigeschaltet – also wenn sie keiner mehr liest. Auch das Forum an sich wird automatisch zensiert, was man sehr gut daran erkennt, wenn etwa zum Thema Syrien in 4 Stunden nur 49 Kommentare veröffentlicht werden, und darunter so gut wie kein kritischer.

    Mir selbst ist es seit Freitag lediglich gelungen, 6 Kommentare durchzubekommen. 4 davon in lächerlichen Randthemen ohne jeden politischen Bezug. Und die auch erst 3 Stunden nach absenden. Geschrieben habe ich bestimmt an die hundert – auch um die Zensur zu testen. Ich stehe also jetzt auf Spiegels „Schwarzer Liste“ und mit mir offenkundig auch einige andere Spiegelkritiker, von denen man erheblich weniger liest, als zuvor. Dafür haben NATO-treue Hetzer keine Probleme, selbst Beleidigungen anderer Nutzer durchzukriegen.

    Offenbar liegen dort die Nerven blank. Kommentarspalten, in denen fast nur Kritik am kommentierten Artikel geübt wird, wie das zuletzt öfter vorkam, sind dem Spiegel offenkundig unangenehm.

  4. Wenn ich mich richtig erinnere befindet sich Navalny in einer Strafkolonie/ Arbeitslager.
    Da kann es schon einmal vorkommen das der Rücken weh tut. Selbst das abgammeln auf der Pritsche kann solche Rückenschmerzen verursachen wenn man harte Arbeit nur vom Hörensagen kennt.
    Was mich etwas wundert, wie oft bekommt der Mann denn Besuch? Sprach man nicht immer von Behinderung der Kontaktaufnahme und anderen Schikanen?

    Wenn Navalny Gesundheitsprobleme hat wird man „Putins Goldschatz“ schon behandeln denn alles Andere wäre politischer Selbstmord.
    Oder ist das jetzige rum jammern die Vorbereitung wegen der Verfahren die noch laufen?
    Denkbar wäre auch ein Rückgang der landesweiten Spendenbereitschaft also muss man sich in Erinnerung bringen.

  5. Genaugenommen habe ich schon im Sommer 2000 bei dem Kampfhundthema begriffen, daß die Presse lügt. Mein Mann gab dem Hamburger Abendblatt zum Thema ein Interview, das in der Wochenendausgabe total verfälscht erschien. Wir wurden mit vollem Namen genannt. Dann kam der Krieg mit Georgien, der uns Anlaß gab, das russische Fernsehen einzuschalten, um die Gegenseite zu hören, denn gegen Rußland ging es schon eine Weile, spätestens als die tschetschenischen Attentäter Ende der 90er im deutschen Staatsfernsehen liebevoll als Rebellen bezeichnet wurden und das Geseier dieser unerträglichen Sonja Mikitch unsere Nerven strapazierte. Auch der Krieg gegen Serbien war uns vom Gefühl her suspekt. Aber Gewißheit gab uns Georgien, als wir ein Treffen von Merkel und Medwedjew im russischen Fernsehen sahen. Die redeten aneinander vorbei, auch die deutsche Übersetzung im Staatsfunk ARD und ZDF stimmte überhaupt nicht. Dumm, wenn man Russisch kann. Ich habe zu Putin und Rußland meine eigene Meinung, weil ich weiß, aus welchem Nest Putin kommt und daß der Leningrader KGB eine kriminelle Vereinigung schon zu Sowjetzeiten war. Aber was die deutschen Medien so an Propaganda ablassen, ist mir zu primitiv, wie übrigens die gesamte BRD-Politik und ihr Werkzeug, die deutsche Presse, die man niemals als unabhängig bezeichnen kann. Kleine Zeitungen hält man sich als geduldete Opposition, aber auch die erhalten Order. Habe meine Erfahrungen mit der JF gemacht.

  6. Den Spiegel würde ich mir dann erst wieder kaufen, wenn er von Rückenschmerzen bei Spahn, Maas, Merkel, Altmaier, Lauterbach, Drosten und Co berichtet, die sie allesamt in der Haft erlitten haben…

  7. Man findet sehr leicht Berichte von ehemaligen Gefangenen über die Zustände in russischen Gefängnissen. Falls diese wahr sind, scheint Folter in gewissen Gefängnissen an der Tagesordnung zu sein und einzelne Berichte sind schwer zu ertragen.

    Das bedeutet natürlich noch lange nicht, dass Nawalny auch Folter erfahren hat oder noch erfahren wird.

    Ich empfehle dringend, nach solchen Berichten zu googeln, weil: „Den Grad der Zivilisation einer Gesellschaft kann man am Zustand ihrer Gefangenen ablesen.“ M. Dostojewski

  8. Natürlich wird Navalny gefoltert. Und die Rückenschmerzen sind sicherlich sehr schlimm. Im Gefängnis gibt es halt keine Super Luxusausstattung, die er mittlerweile gewohnt ist. Die Betten sind sicher auch nicht so gut wie die in der Villa in Deutschland und den 5 Sternehotels, in denen er sonst übernachtet.
    Wer den Luxus gewohnt ist, leidet Höllenqualen, wenn man sich mit Mittelklasse begnügen muss. Das ist die reinste Folter. Das wird jeder Multimillionär bestätigen können.
    Auch die Ärzte können daher mit reinem Gewissen für einen dicken Briefumschlag die Folter bescheinigen. Das kann ich als Nichtarzt doch auch halt nur ohne Briefumschlag.
    Die Prinzessin auf der Erbse wird diese Tortur sicherlich nicht mehr lange durchstehen. Ich werde da schon ein paar Krokodilstränen weinen.
    Wir können auch dem Schmigel vorschlagen, dass die eine Spendenaktion für Navalny ins Leben rufen. Damit mit den Spendengeldern dem guten Mann sein Luxus finanziert werden kann.
    Das Russland Bashing der Qualitätsmedien wird immer Grotesker. Die Menschen nehmen es immer mehr als Propaganda war. Man kann das gut merken, dass es trotz großer Anstrengung bislang noch nicht gelungen ist einen Hass auf Russland in der Bevölkerung zu erzeugen. Auch glaubt keiner wirklich an eine Kriegsgefahr von Russland aus.

  9. Die Russen können Nawalny ja im Austausch zu Assange freilassen. Passt zwar nicht ganz, da Nawalny ja kein politischer Gefangener ist, aber würde ja trotzdem gut das Messen mit zweierlei Massstab zeigen. Sonst soll der Westen einfach den Mund halten.

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