USA

Das russische Fernsehen über neu veröffentlichten Dokumente über den Kennedy-Mord

In den USA wurden neue Dokumente über den Kennedy-Mord veröffentlicht, die jedoch in der Sache nichts Neues enthalten. Interessant ist hingegen, wie unterschiedlich in Russland und in Deutschland über das Kennedy-Attentat berichtet wird.

Ich zeige immer wieder auf, wie sehr sich die Korrespondentenberichte des russischen und des deutschen Fernsehens aus den USA unterscheiden. Das wurde an diesem Sonntag besonders deutlich, denn im russischen Nachrichtenrückblick ging es in dem Bericht aus den USA dieses Mal ausschließlich um den Kennedy-Mord. Daher habe ich den russischen Korrespondentenbericht übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Die Wahrheit über den Kennedy-Mord bleibt in den Archiven

Für manche sind die Feiertage die schönste Zeit für einen Skandal. Also muss man einen kleinen Skandal organisieren. Das wurde getan. In den USA wurde ein großer Teil der Dokumente im Zusammenhang mit der Ermordung von Präsident Kennedy 1963 freigegeben. Mit unbegründeten Interpretationen werfen sie einen Schatten auf Russland.

Aus den USA berichtet unser Korrespondent.

John F. Kennedy ist einer von nur zwei amerikanischen Präsidenten, die auf dem Arlington Cemetery, dem Hauptfriedhof der USA, begraben sind. Das war der Wunsch seiner Witwe Jacqueline. Sie wollte, dass das Grab des 35. Präsidenten der Vereinigten Staaten für so viele Besucher wie möglich zugänglich ist. Im ersten Jahr war es unmöglich, zu dem Grabstein durchzukommen. Jede Stunde kamen dreitausend Menschen, um Kennedy zu betrauern.

Der jüngste Präsident in der Geschichte der USA war weniger als drei Jahre im Amt, obwohl er eine zweite Amtszeit wollte. Er war an diesem Tag wegen der Wiederwahl in Dallas. Im Falle eines Sieges plante Kennedy, den Vizepräsidenten zu ersetzen, den Chef des FBI, der während seiner 50-jährigen Amtszeit eng mit der Mafia verbunden war, zu entlassen und die Kriege zu beenden, die die CIA und das Pentagon noch reicher machten.

Die nationalen Fernsehsendungen wurden plötzlich von einer schockierenden Nachricht unterbrochen. Auf den Bildschirmen waren nur Buchstaben zu sehen. Weder die Kameras noch die Moderatoren waren auf die schreckliche „Breaking News“ aus Dallas vorbereitet: „Präsident Kennedy starb um ein Uhr.“

Sofort wird der Welt der Mann präsentiert, der Amerika den 35. Präsidenten genommen hat. Lee Harvey Oswald wurde nur eine Stunde nach dem Attentat gefasst, vor laufenden Kameras abgeführt und ihm wurde ein Prozess versprochen, zu dem es jedoch nicht kam. Am nächsten Tag wurde er selbst in einer Polizeistation vor den Augen von Reportern ermordet.

Von da an häuften sich die Todesfälle, was nicht zu der offiziellen Version des einsamen Fanatikers passt. Es ist unwahrscheinlich, dass Oswald am Tag von Kennedys Besuch allein die Innenstadt von Dallas mit Flugblättern mit dessen Bild und der Aufschrift „Gesucht wegen Hochverrats“ gepflastert hat. Der Präsident wurde beschuldigt, mit den Kommunisten zu flirten. Mitten im Kalten Krieg war es ein sicherer Zug, den Mörder des Präsidenten mit den Kommunisten in Verbindung zu bringen: „Lee Oswald befand sich am 28. September 1963 in der sowjetischen Botschaft in Mexiko-Stadt und sprach mit Konsul Valery Vladimirovitsch Kostikov. Das kam am 1. Oktober ans Licht, als Oswald die sowjetische Botschaft anrief und in gebrochenem Russisch fragte, ob es etwas Neues über das Telegramm nach Washington gäbe.“

In den nun freigegebenen Dokumenten geht es auch um U-Boote, mit denen die UdSSR Saboteure zur Ermordung des US-Präsidenten entsandte, und um die Summen, die Moskau angeblich für dessen Liquidierung bereitstellte. Zwischen den Horrormeldungen des heutigen Tages – Russland steht kurz vor einem Angriff auf die Ukraine – wird dem amerikanischen Publikum ein Ausflug in die Geschichte geboten: „Die Leute vergessen oder wissen nicht, dass Lee Harvey Oswald buchstäblich ein Kommunist war. Er lebte in der Sowjetunion, er sympathisierte mit dem Kommunismus, er wollte diese Ideen verbreiten. Und während des Kalten Krieges hat ein Kommunist den Präsidenten ermordet, der gegen die Sowjetunion vorgehen wollte“.

Das klingt gut, nur war es genau anders herum. Kennedy, der nicht in einen Krieg mit der UdSSR ziehen wollte, zog die Raketen von den sowjetischen Grenzen ab. Die kubanische Raketenkrise war gelöst. Die Verhandlungen zum Abbau der Spannungen waren in vollem Gange. Der US-Präsident wollte sich aus dem Krieg in Vietnam zurückziehen und nach dem Fehlschlag in der Schweinebucht und der Ausbildung von Rebellen in den USA, war er auch an Kuba nicht mehr interessiert. Kennedy war nicht damit einverstanden, dass die CIA und das Pentagon darauf bestanden, amerikanische Soldaten zu schicken, um Castro zu stürzen.

„Allen Dulles, der ehemalige CIA-Chef, den Kennedy nach dem Debakel in der Schweinebucht entlassen hatte, hasste den Präsidenten. Dulles war weg, aber seine Leute sind im Geheimdienst geblieben. Es begann Gerede darüber, dass man Kennedys Wiederwahl nicht zulassen kann. Das geht nicht, so einfach war das. Er musste getötet werden. Denn sonst würde er in seiner zweiten Amtszeit einen noch radikaleren Kurs einschlagen. Kennedy versuchte ernsthaft, den Kalten Krieg mit Russland zu beenden. Kennedy zog sich aus Vietnam zurück und versuchte, Frieden mit Kuba zu schließen, und er hatte alle Möglichkeiten, erfolgreich zu sein. Das hat natürlich den Falken, den Friedensgegnern und den Hardlinern in unserem Land nicht gefallen. Und sie können nicht aufhören, denn es steht so viel Geld auf dem Spiel. Deals und Geld. Nur darum geht es, nicht um Russland. Wenn es kein Russland gäbe, würde man einen anderen Feind finden. Wir schaffen diese falsche Umgebung durch die Medien. Ich beobachte das schon mein ganzes Leben lang – Lügen für Geld. Wir leben in einer Lüge. Wir reden immer wieder davon, dass die Kommunisten Amerika übernehmen“, sagte Regisseur Oliver Stone.

Mit seinem Film JFK erschüttert Oliver Stone die offizielle Version von Kennedys Ermordung. Als die Behörden den Amerikanern ein Bild von Lee Harvey Oswald zeigten, auf dem er angeblich mit eben diesem Gewehr posiert, schlägt der Filmemacher den Zuschauern vor, sich die Bilder genauer anzusehen.

„Ich habe diese Bilder noch nie gesehen. Ja, das ist mein Gesicht, aber es wurde auf den Körper einer anderen Person gelegt. Achten Sie darauf, wie der Schatten von der Nase fällt. Er liegt aufrecht, als wäre es Mittag. Und der Schatten darunter sieht seitlich aus, wie am frühen Morgen oder Abend“, sagte Oswald.

Dem Bericht zufolge gab Oswald, der in der Armee der schlechteste Schütze seines Zuges war, innerhalb von 6 Sekunden drei präzise Schüsse auf ein sich bewegendes Ziel ab, obwohl das Nachladen eines solchen Gewehrs mindestens 2,5 Sekunden dauert. Die Forensiker fanden keine Pulverspuren auf Oswalds Gesicht, die vorhanden gewesen wären, wenn er den Abzug betätigt hätte.

Oswald, 23, machte keinen Hehl aus seinen marxistischen Überzeugungen. Er lebte zwei Jahre lang in der Sowjetunion und heiratete sogar eine Russin. Da seine russische Frau aus der UdSSR in die USA zurückgekehrt ist, wurde er rund um die Uhr vom FBI überwacht, aber aus irgendeinem Grund hat ihn am Tag des Mordes niemand aufgehalten.

„Wie es in meinem John F. Kennedy-Film heißt, ist die Vorbereitung auf den Krieg eine grundlegende Funktion des Staates, und Kennedy wollte dem ein Ende setzen. Das ist einer der Gründe, warum ich den Film über ihn gemacht habe. Die Geschichte von JFK ist in meinem Land nicht fair“, ist sich Stone sicher.

Oliver Stones Film hat den Kongress dazu gebracht, die Behörden gesetzlich zu verpflichten, den ganzen Fall öffentlich zu machen. Innerhalb von 25 Jahren nach der Premiere sollten alle Dokumente als nicht geheim eingestuft werden. Die Frist ist 2017 abgelaufen, aber mehr als 10.000 Berichte, Memos und Protokolle bleiben unter Verschluss. Zum zehnten Mal wurden Papiere veröffentlicht, die auf eine „russische Spur“ hindeuten.

„Oswald traf sich mit KGB-Offizieren in Mexiko. Selbst wenn man berücksichtigt, dass es schon lange her ist, könnten sie 20 bis 25 Jahre alt gewesen sein. Jetzt sind sie 80 bis 85 Jahre alt und könnten noch am Leben sein. Können Sie sich vorstellen, was die kubanische oder russische Regierung ihnen oder ihren Familien antun könnte, weil sie Informationen an die CIA weitergegeben haben, weil sie ihr Land vor 60 Jahren verraten haben?“, fragt Mark Zaid, ein auf die Gesetzgebung der nationalen Sicherheit spezialisierter Rechtsanwalt.

Auf diese Weise wird dem leichtgläubigen Zuschauer erklärt, warum die Freigabe der Dokumente seit so vielen Jahren hinausgezögert wird. Nicht veröffentlicht werden zum Beispiel die Interviews von Kennedys Witwe und seinem Bruder, die in privaten Gesprächen sagten, dass die Mörder des Präsidenten nicht in Übersee, sondern in dem Washingtoner Sumpf gesucht werden sollten, den JFK trockenlegen wollte.

„Die Informationen, die auftauchen, bringen diese Ereignisse mit der CIA in Verbindung. Charles Capebell, der Bürgermeister von Dallas, war zum Beispiel ein CIA-Agent. Die Autokolonne wurde umgeleitet und statt in einer geraden Linie zu fahren, wendete der Wagen mehrfach und wurde langsamer. Das Auto selbst, mit getönten Scheiben, wurde durch ein Cabrio ersetzt. Nach all diesen Jahren sollten die Menschen wissen, warum“, sagte Robert Kennedy Jr, Neffe von John F. Kennedy.

Nach der Ermordung des 35. US-Präsidenten wurde eine Sonderkommission gebildet, um alle Umstände zu untersuchen. Allen Dulles, den Kennedy als CIA-Direktor rausgeschmissen hatte, gehörte ebenfalls dazu. Nach fast einem Jahr Arbeit und der Befragung von 600 Zeugen kamen die Politiker zu dem Schluss, dass Oswald allein gehandelt hat. Eine der drei abgefeuerten Kugeln durchschlug nicht nur Kennedys Körper, sondern auch den Gouverneur von Texas, der mit ihm im Auto unterwegs war. In Anbetracht der Flugbahn kann das eigentlich nicht passieren.

„Ich habe keinen Zweifel daran, dass die Kugel von hinten in Kennedys Kopf eingedrungen ist, aber es gab einen weiteren Kopfschuss von vorne, rechts vom Präsidenten“, ist sich der Radiologe David Mantick sicher.

Das bedeutet, dass es mindestens einen weiteren Schützen gab. Und zwar nicht, wie Oswald, hinter der Wagenkolonne, sondern vor ihr. Auch die Ärzte des Krankenhauses, in das der Präsident nach dem Attentat eingeliefert wurde, gaben an, dass die Kugel von vorne in Kennedys Kopf eindrang. (Anm. d. Übers.: Das sagten die Ärzte damals vor der Presse und zeigten mit dem Finger auf die Stelle an der Stirn, wo die Kugel eingedrungen ist. Das wird auch in dem Bericht des russischen Fernsehens gezeigt)

„Ich erinnere mich genau, dass ich auf den Stufen der Universität von Delaware saß und nicht glauben konnte, dass Kennedy ermordet worden war. Mit meinen Kommilitonen gingen wir zu den Autos auf dem Parkplatz, schalteten das Radio ein und sagten, das kann nicht sein“, sagte US-Präsident Joe Biden.

Präsident Biden erlaubte der National Archives Administration nur 1.500 Dokumente über die Ermordung John F. Kennedys freizugeben. Einige Tausend weitere wurden vorher in der Zeit von Donald Trump offengelegt, obwohl er gedroht hatte, alle Archive zu diesem Fall zu veröffentlichen.

„Hätte dieses Attentat verhindert werden können? Das ist die Frage, auf die die Papiere, die man uns zeigt, keine Antwort geben können. Oswald wurde überwacht, aber es wurde nichts unternommen. Wenn die CIA von seinen Plänen wusste, ist es dasselbe wie am 11. September, als der Geheimdienst von den Terroristen wusste, die ins Land kamen, und darüber geschwiegen hat. Das Kennedy-Attentat hätte meiner Meinung nach verhindert werden können“, sagte Gerald Posner, Autor von „Case Closed: Lee Harvey Oswaldi and the Assassination of John F. Kennedy“.

Es sind die CIA und das FBI, die den Präsidenten bitten, die Veröffentlichung zu verschieben. Und wie die Geschichte von John F. Kennedy zeigt, sind selbst die Herren im Weißen Haus besser dran, wenn sie sich diesen Geheimdiensten nicht widersetzen.

Ende der Übersetzung

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

8 Antworten

  1. Schön, dass wir wieder beim wichtigsten Thema unserer Zeit sind, der Bewahrung des Weltfriedens, schwer genug. Und damit sind wir beim größten Lügner, Betrüger, Räuber usw. unserer Zeit, den USA. Freilich sind sie auch ungeheuer geschickt und perfide in ihren Methoden und finden immer wieder Leichtgläubige und Unwissende, die ihnen alles „abnehmen“. Die Aufklärung zu diesem Thema kann gar nicht intensiv genug sein. Sie könnte zur Abrüstung führen, damit zu gewaltigen freiwerdenden Summen zur Lösung wirklicher Probleme. Damit ist nicht gesagt, dass der Rest der Welt aus Engeln besteht. Aber niemand sonst bringt soviel Unruhe, Spaltung, Hass und Gier in die Welt wie dieses von sich selbst so eingenommene Staatsgebilde.
    Nb.: Wer heute noch an den Einzeltäter L.H.Oswald glaubt, glaubt auch an den Mann im Mond.
    Selbst die Mehrheit der US-Bürger tut das nicht mehr, und das will was heißen.

      1. Danke für den link. Glaube, dass ich das beiläufig sogar mitbekommen habe. Im Laufe der Jahre kamen auch so einige kritische Sendungen zum Fall JFK bei sog. Qualitätssendern, aber dann regelmäßig außerhalb der üblichen Zeit. Man möchte dem Normalbürger „soviel Information“ einfach nicht zumuten.

  2. Wer mal eine richtig umfassendes Bild haben möchte von JFK, den USA der damaligen Zeit und den Menschen, die das wirkliche Zepter in der Hand haben, dem empfehle ich diese Doku. Fast 4 h .. aber jede Sekunde gucken wert .. und ich bin niemand, der gerne 4 h Dinger mit viel Gelaber hört .. nur da gibt es eine Information nach der anderen.

    JFK to 9/11 Everything Is A Rich Man s Trick (Documentary)
    https://www.youtube.com/watch?v=9Wf3O93I4lI

    1. Apropos, die Russen müssen wissen, wie es wirklich war. Ich kann mir nicht vorstellen, dass deren Geheimdienst dümmer ist als alternative Medien. Zum Beispiel wissen auch die Russen, dass der Vater vom alten Bush zusammen mit Rockefeller, Henry Ford und anderen die Nazis unterstützten bzw sie an die Macht brachten. Und auch sie wissen, dass die Supereichen Amis 1933 einen Putsch in den USA inszenierten um dort einen Faschismus zu installieren. (Smedley Butler sollte das tun) „they get things done“ war deren Einstellung zu faschistischen Systemen. Genau das gleiche hat Merkel kürzlich zu China gesagt „Die bekommen Dinge getan, die haben keine Querdenker“

      Glaubt ihr nicht? Die Beweise sind überall und können nicht mehr versteckt werden. Ich persönlich denke, dass die jetzt wieder was Faschistisches aufbauen wollen, weil denen gerade ihre Geschichte um die Ohren fliegt. Und die russische Regierung wird das auch alles wissen.

  3. Was brauchen die Amis noch, um zu erkennen, von wem sie beherrscht werden?
    Ich denke auch, daß die Russen Bescheid wissen, aber sie mauern genauso wie sie ihren Vaterländischen Krieg von Väterchen Stalin bis heute schönreden. Es ist ja bequem, denn bRD Politiker wälzen sich seit 1945 im Schuldkult, ein Zeichen, vom wem auch diese BRD beherrscht wird.
    Man braucht nur mal nachschlagen, was der Nachfolger, Lydon Johnson, alles in Bewegung setzte, da findet man die ganze heutige widerliche Agenda wieder. Völkermischung, Abtreibung, Papiergeld, Kriege… Die wechseln die Präsidenten, aber die dunkle Macht dahinter bleibt dieselbe. Leider hat auch Trump sein Versprechen nicht gehalten, denn er trat an, um den Sumpf trockenzulegen.

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