Mobiles Internet:

Preise in Russland sind die niedrigsten der Welt

Ich berichte immer wieder, dass Deutschland in meinen Augen noch in der Internet-Steinzeit ist und dass Russland in Sachen Internet viel fortschrittlicher und dazu noch günstiger ist als Deutschland. Das hat nun eine Studie bestätigt.

Das russische Fernsehen hat in einem Artikel über eine aktuelle Studie über die Kosten für mobiles Internet in den führenden Ländern der Welt berichtet und ich habe den Artikel übersetzt. Da die Preise in dem Artikel in Rubel angegeben sind, schreibe ich in Klammern die ungefähre Summe in Euro dazu. Heute liegt der Kurs bei 87 Rubel für einen Euro, der Einfachheit rechne ich mit 90 Rubel pro Euro.

Beginn der Übersetzung:

Die weltweit günstigsten Tarife für eine Internet-Flatrate gibt es in Russland, und beim niedrigsten Preis für 1 Gigabyte mobile Daten ist Russland in einem Jahr vom sechsten auf den zweiten Platz in der Welt aufgestiegen, heißt es in einer Studie der Analyse-Agentur Content Review, die Vesti vorliegt.

Die Tarife für mobiles Internet von 136 Mobilfunkbetreibern wurden in den 50 Ländern mit dem höchsten BIP in Landeswährung verglichen.

Die durchschnittlichen Kosten für Tarife mit Internet-Flatrate sind im Jahr 2020 weltweit von 3.181,80 (ca. 35 Euro) auf 4405,10 Rubel (ca. 44,90 Euro) gestiegen, in Russland stiegen sie von 602.50 (von 6,70 Euro) auf 830 Rubel (9,20 Euro).

Der durchschnittliche Preis für 1 Gigabyte stieg im Jahr 2020 weitweit von 187 (1,08 Euro) auf 189,8 Rubel (1,10 Euro), in Russland sank er von 37,30 (42 Cent) auf 24,6 Rubel (27 Cent). Der Preis für 1 Gigabyte ist in Russland um ein Drittel gesunken, weil die Abonnenten auf Tarife mit größerem Datenvolumen umgestiegen sind, und die Tarife sich langsamer verteuern als die angebotenen Datenvolumen steigen.

Im Jahr 2020 sind die Tarife aufgrund der erhöhten Auslastung der Netze während der Quarantäne, erhöhter Investitionen in den Netzausbau und in 5G gestiegen.

Die zehn Länder mit den niedrigsten Kosten für Internet-Flatrate sind:

Russland (835 Rubel, 9,18 Euro), Rumänien (1305,6 Rubel, 14,50 Euro), Indien (1362,5 Rubel, 15 Euro)), Israel (1403,5 Rubel, 15,50 Euro), Kasachstan (1438,2 Rubel, 15,70 Euro), Mexiko (1573 Rubel, 18 Euro), Irak (1615 Rubel, 18 Euro), Algerien (1680 Rubel, 18,60), Polen (1691,5 Rubel, 18,81 Euro), (Thailand 2253,4 Rubel, 25 Euro).

Die zehn Länder mit dem niedrigsten Preis für ein 1 Gigabyte sind: Indien (9,2 Rubel, 10 Cent), Russland (24,6 Rubel, 26 Cent), Indonesien (28,2 Rubel, 31 Cent), Malaysia (35,4 Rubel, 39 Cent), Türkei (37,1 Rubel, 41 Cent), Algerien (41,1 Rubel, 45 Cent), Kasachstan (42,9 Rubel, 46 Cent), Iran (53,1 Rubel, 59 Cent), Singapur (58 Rubel, 65 Cent), Nigeria (64,9 Rubel, 72 Cent).

Ende der Übersetzung

Wenn man nun noch bedenkt, dass das Internet in Russland auch noch schneller ist als zum Beispiel in Deutschland, stellt sich die Frage, warum es in Deutschland so viel teurer ist. Übrigens habe ich selbst noch einen alten Tarif, der noch einmal günstiger ist als die genannten Zahlen und mein russischer Internetprovider ruft mich mehrmals im Monat an, um mich endlich zum Umstieg auf einen neuen Tarif zu überreden. In der Frage unterscheidet sich Russland wohl nicht allzu sehr von anderen Ländern…

Anmerkung: Ich habe mir nicht die Mühe gemacht, alle Zahlen mit dem Taschenrechner zu berechnen, sollte mir beim Kopfrechnen irgendwo ein Fehler unterlaufen sein, sehen Sie mir das bitte nach, darum habe ich oben extra den zugrunde liegenden aktuellen Rubelkurs genannt.

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

6 Antworten

  1. Ich habe gerade über check24.de einen neuen Mobilfunkvertrag abgeschlossen. Der beinhaltet Telefonate (die Sondernummern sind natürlich nicht kostenlos), SMS und Internet, jeweils Flatrate. Der Vertrag läuft über 24 Monate und kostet mich im Monat einschließlich Abschlussgebühr und Cashback ca. 17 Euro. Der Netzbetreiber ist o2, der Vertragspartner mobilcom debitel. Da würde ich eigentlich erwarten, „mich“ in der obigen Liste zwischen Kasachstan (1438,2 Rubel, 15,70 Euro) und Mexiko (1573 Rubel, 18 Euro) wieder zu finden. Aber vielleicht sind das Festnetztarife. Das wäre natürlich nicht ganz vergleichbar, denn damit kommt man ja nur stationär an die Leistungen heran. Klar liege ich deutlich über den für Russland ausgewiesenen Mobilkosten von 9,20 Euro pro Monat. Wahrscheinlich ist in Russland sogar die Datenrate höher, denn ich habe eine Bandbreitenbegrenzung auf 10 MBit/s. Das ist wenig, verglichen mit LTE, aber es reicht für Youtube-Videos und für das Home-Office. Gut, Spiegel-online lädt vielleicht ein bisschen länger. 😉 Aber da ich einen Skriptblocker benutze, hält sich auch das in Grenzen.

  2. Russland (835 Rubel, 9,18 Euro)

    Reisetipp:
    Ich bezahle für mein russisches Mobile-Abo bei Beeline mit Internet-Flatrate sogar nur 650 Rubel. Bezahlbar prepaid nur in den Monaten, während denen ich mich in Russland aufhalte und kann an jedem grösseren Flughafen erledigt werden. So führe ich meinen eigenen Hotspot mit mir und erspare mir so das zum Teil mühsame oder für ausländische Nummern gar nicht mögliche Registrieren in öffentliche WLans.

  3. Halb-OT: Bin gerade von einem Heyden-Artikel ziemlich enttäuscht, erstaunt, zumal Ulrich Heyden bislang eigentlich immer halbwegs vertrauenswürdiger Informationslieferant gewesen ist.

    Da schreibt er etwa, daß Rußlands Wirtschaft nur „im Nullbereich“ wachse und die Jugend wenig Perspektiven hat. Was würde Heyden bloß über Merkels Deutschland schreiben, dessen Wirtschaftskraft 2020 um 5 Prozent zurückging (die ohne Milliarden an steuerfinanzierten Staatshilfen für DAX-Konzerne noch schlechter dastünde) und dessen Jugendliche ebenfalls wenig Perspektive haben, gerade hinsichtlich einer Ausbildung in einem Bereich, der für Deutschlands Wohlstand und Wachstum mal Schlüssel war (MINT, Automobilwirtschaft)?

    @ Thomas Röper: Danke für die Info über mobiles Internet in RU. Die Gretchenfrage an der Stelle ist: Echte Flatrate oder nicht? In Deutschland gibt es nämlich haufenweise Fake-„Flatrates“, die mit „5 GB High-Speed-Internet“ gedeckelt sind. Eine Flatrate ist eben flat, und nicht irgendwann gedrosselt. Diese kostet bei der Deutschen Telekom € 84,95 im Monat (MagentaMobil XL); 02 hat keine 300 MBit/s-Flat.

    Und: Wie sieht es 2021 eigentlich mit Strom, Wasser und Gas/Fernwärme aus? Ich denke, sehr viele junge ausreisewillige/westpropagandaindoktrinierte Russen unterliegen da so mancher Illusion, insbesondere hinsichtlich Lebenshaltungskosten, Jobeinstieg und -sicherheit, wenn sie von ihrer großen Zukunft im güldenen Westen träumen…

    Quellen:
    1.) Der Heyden-Artikel „Putin fordert Kontrolle des russischen Internets“ https://www.heise.de/tp/features/Putin-fordert-Kontrolle-des-russischen-Internets-5078907.html
    2.) Vermutlich Heydens Abschreibvorlage: https://jacobin.de/artikel/alexej-nawalny-russland-proteste-verhaftung-verurteilung-putin/

  4. Leider ist die Aussagekraft dieses Preisvergleichs relativ gering. €14.50 zu bezahlen ist beispielsweise für einen rumänischen Arbeitnehmer etwas anderes als für einen Arbeitnehmer in der Schweiz. Für einen aussagekräftigen Vergleich müsste man die Tarife in Prozent des jeweiligen Medianeinkommens des Landes betrachten (oder einer ähnlichen Kennzahl). Dann ist Indien sicher nicht mehr bei den günstigsten Anbietern…

    1. Man kann die von Ihnen aufgeworfene Frage diskutieren. Aber eines sollte nachdenklich machen: Die Kosten für die Telekomunternehmen sind überall weitgehend gleich: Die Technik (Sendemasten, sonstige Hardware und auch Software und übrigens auch die Smartphones der Kunden) kostet überall das gleiche, das alles muss in überall auf der Welt von den wenigen internationalen Herstellern eingekauft werden. Wie erklären sich also die unterschiedlichen Preise…?

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