Pressefreiheit in den USA: Voice of America bestraft Journalistin für kritische Frage an Pompeo

In den USA hat ein besonders eindrückliches Beispiel gezeigt, wie (schlecht) es im Westen um die Pressefreiheit bestellt ist. Eine Journalistin des US-Staatssenders Voice of America wurde von ihrem Arbeitgeber für eine „kritische“ Frage an Außenminister Pompeo bestraft.

Voice of America ist Teil der U.S. Agency for Global Media (USAGM), also der staatlichen Medien der USA. Finanziert wird Voice of America vom Kongress. Laut Eigenwerbung wird bei Voice of America „dem Publikum die Wahrheit“ erzählt und natürlich steht Voice of America demnach für kritischen Journalismus.

Nun aber berichtet die Washington Post über einen aktuellen Vorfall, der aufzeigt, wie Voice of America wirklich arbeitet: Kritische Fragen an Mitglieder der US-Regierung sind nicht gewollt und werden bestraft.

Robert Reilly, der Chef des Senders, hat die Mitarbeiterin Patsy Widakuswara, die für Voice of America im Journalisten-Pool des Weißen Hauses war, strafversetzt. Auf Presseanfragen zu der Personalie hat Voice of America nicht reagiert, obwohl die Vereinigung des Journalisten-Pools des Weißen Hauses scharf protestiert hat. Laut den Journalisten ist der Schritt gegen die in der Verfassung der USA verankerte Pressefreiheit gerichtet.

Nachdem Widakuswara am Montag versucht hat, Pompeo ihre Frage zu stellen, war sie schon am Dienstag nicht mehr dabei, als der Journalisten-Pool zusammen mit US-Präsident Trump nach Texas geflogen ist, wo Trump „seine“ Mauer noch einmal inspiziert hat. Die Entscheidung des Direktors von Voice of America „schadet den Interessen aller Amerikaner,“ die auf Journalisten angewiesen sind, um Informationen über die Schritte ihrer Regierung zu erhalten, und unterstützt in gewissem Maße „Bemühungen, die Pressefreiheit in der Welt einzuschränken“, so der Verband des Journalisten-Pools.

Besonders skandalös ist der Fall, weil es sich dabei um den staatlichen Auslandssender der USA handelt, der gleichzeitig für sich in Anspruch nimmt, weltweit für Pressefreiheit und freie und kritische Berichterstattung einzustehen. Dass das in Wahrheit Unsinn ist und dass Voice of America ein reines Propaganda-Instrument für transatlantische Interessen ist, ist nichts Neues. Neu ist jedoch, dass ausgerechnet diese Kämpfer für Pressefreiheit das nun so offen demonstrieren und ihre Journalisten sofort versetzen, wenn sie Vertretern der eigenen Regierung eine „kritische“ Frage stellen.

Sie fragen sich, was die Dame Pompeo gefragt hat, um so eine Reaktion auszulösen?

Ganz einfach: Sie hat den US-Außenminister gefragt, wie er den Ruf der USA in der Welt wieder herstellen will und dann hat sie auch noch gefragt, ob er es bedauert, dass er von einer zweiten Amtszeit für Trump gesprochen hat. Auf Twitter hat sie ein Video davon veröffentlicht, auf dem zu sehen ist, wie Pompeos Sicherheitsleute sie abdrängen, während sie versucht ihre Frage zu stellen.

Das ist die Art „kritischer“ Fragen, die man US-Regierungsvertretern als Mitarbeiter der „kritischen“ US-Staatsmedien besser nicht stellen sollte.

Man fragt sich wirklich, wo die Presse kritischer ist, im Westen oder in den bösen Ländern, wo die Presse angeblich gegängelt wird. Ich habe in meinem Buch über Putin viele Pressekonferenzen und von westlichen Journalisten moderierte Podiumsdiskussionen übersetzt und dort waren die Fragen an Putin wesentlich kritischer als in diesem Fall. Das gilt auch für die Fragen auf Putins Jahrespressekonferenzen, bei denen ich als Journalist zweimal dabei war.

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

8 Antworten

  1. Warum sieht man den Beitrag auf FB und Twitter nicht? Alles lesbar nur das nicht.

    Ja warum durfte die Dame nicht mit? Vllt. liegt es an den Regeln

    Smith–Mundt Act prohibited the U.S. Department of State and the Broadcasting Board of Governors (BBG) from disseminating government-produced programming within the United States over fears that these agencies would “propagandize” the American people.

    Das Video war ein Schritt zu weit. Noch ist Trump im Amt. Auch sein Oberaufpasser Michael Pack und der fackelt nicht lange.

  2. Das Gescheiteste wäre, wenn Biden eine Untersuchung Betreff Wahlbetrug einleiten würde. Das würde das amerikanische Volk vereinen und besänftigen. Beweise werden keine mehr sein, aber noch immer könnten Leute aus den Wahlbüros unter Eid befragt werden. Denn die vom Trump Lager vorgelegten Beweise wurden von den Gerichten (sagt mir, wenn ich was falsches sage) allesamt abgewiesen und nicht weiter untersucht.

    Und das führte letztlich zum Sturm auf das Capitol. Trump hat mit seinen Reden gewiss dazu beigetragen. Dem Sturm voraus ging aber, dass eine grosse Wählerschaft die Wahlergebnisse anzweifelte und keinerlei Anstrengung unternommen wurde diese Bedenken ernst zu nehmen! In einem Rechtsstaat sollte eigentlich die Unschuldsvermutung gelten bevor jemand verurteilt wird. Ist Trump da wirklich Schuldiger, Alleinschuldiger? Das beinhaltet, dass auch der Sturm untersucht werden muss, woher hatten sie so schnell ihre «Faschingskostüme» und Fahnen her? Sie waren doch nur an einer Ansprache von Trump, der die Wahlergebnisse weiter anzweifelte und zu einem Marsch VOR das Capitol aufrief.

    Wenn Millionen Wähler sich betrogen fühlen, werden Biden und die gesamte Regierung – auch hinsichtlich auf die Aussenpolitik, noch Probleme haben.

    Zugunsten der amerikanischen Demokratie sollte Biden die Wahlen untersuchen lassen. Das ist meine Antwort an die Jounalistin.

    1. apied: „Das Gescheiteste wäre, wenn Biden eine Untersuchung Betreff Wahlbetrug einleiten würde.“

      Das würde zumindest von Charakter zeugen. Ums Verrecken will ich keinen Sieg erringen, der mit dem Makel des Betrugsvorwurf behaftet ist. Dass es ihm egal ist, sagt alles über diesen Lumpen aus.

      1. Damit würde er die Glaubwürdigkeit der USA wiederherstellen. Und er würde als Vater der Nation, als bester Präsident der Geschichte eingehen. Einer der für ganz Amerika ja für die Welt ein Vorbild verkörpert. Vielleicht kommen er und seine Berater nur nicht auf die Idee?

  3. Altmaier, Maas, und Co sind da nicht besser.
    Nicht einmal das Gesundheitsministerium meines BL antwortet auf Anfragen von mir.
    Muss ja auch niemand. Der Pöbel der die Kasper finanziert, hat gefälligst die Klappe zu halten und keine Fragen zu stellen.

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