Nato vs. Russland

Russische Reaktion auf Ausweisung von Diplomaten bei der Nato: „Das ist wahre Heuchelei“

Die NATO hat die Zahl der russischen Diplomaten bei der Nato halbiert und eine Reihe von russischen Diplomaten ausgewiesen. Da die Nato gleichzeitig von einem Dialog mit Russland spricht, muss man sich fragen, wer den führen soll, wenn Diplomaten ausgewiesen werden. Entsprechend deutlich war die russische Reaktion.

Nachdem die Nato die Zahl der bei der russischen diplomatischen Vertretung der Nato akkreditierten Diplomaten halbiert hat, hat Nato-Generalsekretär Stoltenberg erneut verkündet:

„Wir sind bereit, einen sinnvollen Dialog mit Russland zu führen. Wir sind bereit, eine Sitzung des NATO-Russland-Rates abzuhalten.“

Nur wie soll man in der internationalen Politik einen Dialog führen, wenn keine Diplomaten da sind? Es sind ja Diplomaten, die diesen Dialog führen sollen. Die Zahl russischer Diplomaten wurde nun auf zehn halbiert. Wie aber soll es sinnvolle Gespräche geben, wenn bei der Vielzahl von Themen nicht einmal mehr ein russischer Experte pro Thema bei der Nato akkreditiert sein kann?

Maria Sacharova, die Sprecherin des russischen Außenministeriums, hat dazu eine offizielle Erklärung abgegeben, die ich übersetzt habe.

Beginn der Übersetzung:

Der Generalsekretär des Nordatlantischen Bündnisses, Stoltenberg, hat beschlossen, die Akkreditierung von acht Mitgliedern der Ständigen Vertretung Russlands bei der NATO in Brüssel zu beenden. Dies wurde uns am 6. Oktober dieses Jahres offiziell mitgeteilt, was zur Folge hat, dass sich die Mitgliederzahl unserer Mission zum 31. Oktober dieses Jahres halbieren wird.

Dieser Schritt der NATO hat uns überrascht, er kam aber nicht unerwartet. Er überraschte durch seine Dreistigkeit, denn es wurden keine offiziellen Erklärungen oder Gründe genannt. Gleichzeitig wurde in den Medien eine Hetzkampagne gestartet, die durch eine Reihe von Aussagen von „Quellen“ und direkte Desinformation durch die NATO gekennzeichnet war.

Warum kam das nicht unerwartet? Weil die Größe unserer Ständigen Vertretung bereits 2015 und 2018 drastisch reduziert worden ist. Wir sprechen hier von einer einheitlichen Linie der NATO. Bald wird es in Brüssel niemanden mehr geben, der ein vernünftiges Gespräch mit dem Internationalen Stab des Bündnisses und seinen Mitgliedstaaten führen kann. Offenbar ist es genau das, was die Verantwortlichen der NATO zu erreichen versuchen.

Angesichts der Thesen, die sie über die Notwendigkeit eines Dialogs und der Wiederaufnahme der Tagungen des NATO-Russland-Rates geäußert haben, wirkt dieser Schachzug des Bündnisses absolut lächerlich. Das ist wahre Heuchelei. Einerseits wird von der Notwendigkeit von Dialog und Zusammenarbeit gesprochen. Andererseits informieren sie über die Verringerung der Zahl der Mitarbeiter unserer Ständigen Vertretung. Und drittens melden sich „Quellen“ und es wird direkte Desinformation verbreitet, anstatt einen Grund für den Schritt zu nennen.

Das ist ein weiterer Beweis dafür, dass Erklärungen der NATO haltlos sind. Bei mehr als einer Gelegenheit, auch in jüngster Zeit, hat die NATO die Ernennung eines ständigen russischen Vertreters in Brüssel gefordert, der sich nicht auf Kontakte auf Arbeitsebene beschränkt. Und jetzt ist es, wie es ist.

Die mangelnde Bereitschaft der NATO zur Zusammenarbeit, ist endgültig und unwiderruflich deutlich geworden. Darauf werden wir bei der Ausarbeitung unserer Antwort aufbauen. Sie wird folgen.

Ende der Übersetzung

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

13 Antworten

  1. Wenn es noch eines weiteren Beweises bedurfte, dass die NATO hirntot ist, hier wurde wieder einer geliefert!
    Man will es immer wieder aufs Neue gar nicht glauben, was für eine Dummheit und Realitätsferne in diesem Verein herrscht! Ich habe in der letzten Woche eine solcher Figuren erlebt, die irgendwo in Wolkenkuckucksheim leben!
    General a.D. Heinrich Brauß fabulierte auf einer Veranstaltung von der „Annexion der Krim“, der „russischen Aggression“ in der Ukraine, „russischer Desinformation“ und den üblichen Plattheiten, die dazugehören. Von mir schon während seines Vortrages unterbrochen, weil dieser Quatsch einfach unerträglich war, versuchte ich nach der Veranstaltung, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Das gelang leider nicht, denn Herr General liefen weg, nicht, ohne zuvor noch zu bemerken, wie man denn nur Sympathien für die russische Regierung haben könne. Davon hatte ich aber gar nichts gesagt.
    Ich frage mich, was die NATO mit diesem Schritt überhaupt bezweckt. Kann da jemand helfen?
    Krieg gegen Russland oder die NATO endet tödlich, das wissen sie. Aber dennoch wollen sie rüsten, obwohl de facto alle NATO-Staaten pleite sind. Durch den Corona-Wahn haben sich die westlichen Staaten selber ins Knie geschossen, sie können mangels Finanzen nicht mal mehr bei der Bildung mithalten, geraten also gegenüber China, Russland … auch auf diesem Gebiet immer mehr ins Hintertreffen! Ich verstehe es nicht mehr!

    1. Es gibt offenbar unterschiedliche Interessen. Hauptsächlich möchte man Reaktionen Russlands erzeugen um die eigenen Bevölkerungen in Angst zu versetzen. Dies eröffnet mehrere Möglichkeiten. Die Rechtfertigung der eigenen Existenz, Bereicherung durch Rüstungsausgaben (USA ist das grosse Vorbild), Gefügige Bevölkerung.

      Bei den wenigsten herrscht Russenhass wie bei diesem General (wie man denn nur Sympathien für die russische Regierung haben könne). Einfach ein nützlicher Idiot, der die Zuarbeit macht.

  2. Der Westen bittet eben um Dialog indem er Schläge austeilt, das war schon immer so. Dialog bedeutet für den Westen denn auch keine gleichberechtigte Kommunikation, sondern betteln und bitten der anderen Seite, auch das war schon immer so.
    Wenn der Westen sich in einer Position der Stärke glaubt dann versucht er seine Interessen nicht mit Dialog durchzusetzen sondern mit Schlägen, das Problem im Westen ist nur, dass dort noch niemand gemerkt hat, dass man im Westen gar nicht in der stärkeren Position ist gegenüber Russland, es braucht also noch den Aufwachprozess der natürlich von den USA behindert wird. Das Problem in Russland ist eben, dass dort noch niemand gemerkt hat, dass man den Westen in Bezug auf militärische Themen gar nicht braucht, ein Aufwachprozess ist auch hier von nöten. Wieso denn immer versuchen irgendwelche Leute in künstlich aufgebaute Gremien zu bringen wenn es doch sooo offensichtlich ist, dass kein fairer Dialog stattfinden kann? Russland nimm Deine Leute nach Hause und setze sie dort sinnvoller ein, das mit der NATO ist doch nur Zeitverschewendung.

  3. Es ist ein ganz normaler und nachvollziehbarer Vorgang, dass enttarnten Geheimdienstmitarbeitern die diplomatische Akkreditierung entzogen wird. Offensichtlich ging der russische Militärgeheimdienst hier etwas zu dreist (plump?) vor.

    Um die Peinlichkeit zu überspielen, nimmt dir russische Regierung wieder einmal die Opferrolle ein.
    Wie man den Reaktionen hier entnehmen kann, funktioniert die Strategie bei der entsprechenden Zielgruppe auch.

    1. @Alles nur Spass

      Zitat aus dem Artikel:
      „…Dieser Schritt der NATO hat uns überrascht, er kam aber nicht unerwartet. Er überraschte durch seine Dreistigkeit, denn es wurden keine offiziellen Erklärungen oder Gründe genannt.“

      Wo haben Sie denn die „enttarnten Geheimdienstmitarbeiter“ her? Wenn die NATO der Russischen Regierung nicht mal diesen Grund nannte, wollen SIE die Leute persönlich „enttarnt“ haben?

        1. Danke, nur hat der CH-Nachrichtenkanal diese Begründung von wem genau gehört? Wenn Russland sagt, ihnen wurde kein Grund genannt, nehme ich erst einmal diese Quelle. Das Schreiben der NATO wird wohl eher nicht an die CH geschickt worden sein. Unsere „Nach-richter“ spielen gerne stille Post ;o))

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