Russischer Außenminister Lawrow: Beziehungen zwischen der EU und Russland „in Fetzen zerrissen“

Wie sehr sich die Beziehungen zwischen der EU und Russland verschlechtert haben, zeigt Moskau in immer deutlicheren Formulierungen, die man als Warnungen an die EU verstehen muss, dass für Russland die rote Linie erreicht ist.

Die Beziehungen zwischen der EU und Russland sind auf einem historischen Tiefpunkt angelangt, woran Deutschland die Hauptschuld trägt. Die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland waren zwar angespannt, aber sie haben hinter den Kulissen und auf “Arbeitsebene” bis vor kurzem noch recht gut funktioniert. Deutschlands Verhalten im Fall Navalny hat aber bereits dazu geführt, dass Russland im Bezug auf Deutschland erklärt hat, dass die “Beziehungen zerstört” sind und das “Band des Vertrauens zerschnitten” ist. Der russische Außenminister Lawrow hat nach den europäischen Handlungen der letzten Zeit bereits im Dezember öffentlich gesagt, dass Russland sich fragt, ob es überhaupt noch Sinn macht, mit der EU zusammenzuarbeiten.

Letzte Woche hat Lawrow in einem einstündigen Interview noch einmal die russische Position deutlich gemacht und dabei darauf hingewiesen, dass weitere Sanktionen der EU zu einem Ende der Beziehungen zur EU führen könnten. Der Kremlsprecher Peskow hat die Aussage Lawrows bestätigt.

Es macht ein wenig Hoffnung, dass die EU das Signal verstanden haben könnte, denn aktuell sprechen sich führende EU-Politiker gegen weitere Sanktionen aus, die sie noch vor kurzem gefordert haben. Aber in der Frage herrscht Uneinigkeit in der EU, da die anti-russischen Scharfmacher im Baltikum und in Polen (und nicht zuletzt auch in den USA) auf weitere Strafmaßnahmen gegen Russland pochen.

Nun hat Lawrow der auf wirtschaftliche Themen spezialisierten russischen Agentur RBC ein Interview gegeben, über dessen Kernaussage das russische Fernsehen berichtet hat. Ich habe den Bericht des russischen Fernsehens übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Der russische Außenminister Sergej Lawrow glaubt, dass die Beziehungen unseres Landes zur EU „in Fetzen zerrissen“ sind. Ihm zufolge wird eine normale Zusammenarbeit durch Voreingenommenheit behindert.

Lawrow erinnerte an sein Interview mit dem Journalisten Wladimir Solowjow, in dem er auf die Bereitschaft Russlands hingewiesen hat, die Beziehungen zur EU abzubrechen. Der Minister stellte fest, dass die EU Moskau als Fremden ansieht.

Was den Ausdruck „in Fetzen zerrissen“ angeht, so hat Lawrow den Satz des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama umformuliert und auf die Beziehungen Russlands zur EU angewendet.

In einem Interview mit der russischen Agentur RBC wies der Staatsmann darauf hin, dass viele Mechanismen der Zusammenarbeit zwischen Moskau und Brüssel bereits zerstört worden sind.

Zuvor hatte Lawrow gesagt, Russland wolle sich nicht von der Welt isolieren, sei aber bereit, die Beziehungen zur EU abzubrechen. Es geht darum, dass Sanktionen ein Risiko für die Wirtschaft des Landes darstellen. So hat der EU-Vertreter Josep Borrell kürzlich Moskau besucht. Als Ergebnis des Besuchs schlug er vor, neue Sanktionen gegen Russland zu verhängen.

Ende der Übersetzung

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

3 Antworten

  1. Nach dem „Zweiten Dreißigjährigen [Thukydides-]Krieg 1914-45“ (Churchill) des angelsächsischen Imperiums und seiner Vasallen auf dem Eurasischen Kontinent wird seit dem Ende der UdSSR seine Fortsetzung gegen Rußland vorbereitet.

    „Das Hauptinteresse der US-Außenpolitik während des letzten Jahrhunderts, im Ersten und Zweiten Weltkrieg und im Kalten Krieg waren die Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland. Denn vereint sind sie die einzige Macht, die uns bedrohen kann. Unser Hauptinteresse war sicherzustellen daß dieser Fall nicht eintritt.

    Die Hauptbefürchtung der USA ist, daß deutsches Kapital und deutsche Technologien sich mit russischen Rohstoff-Ressourcen und russischer Arbeitskraft zu einer einzigartigen Kombination verbinden, die die USA seit einem Jahrhundert zu verhindern suchen.“ (George Friedmann, StratFor, 2015)
    https://www.youtube.com/watch?v=BfWDb8YRl6w&t=988s

    „Die Russen verfügen über mehr Bodenschätze als ihnen zusteht;
    davon wollen wir auch unseren Anteil haben.“ (zit. Willy Wimmer)
    https://www.youtube.com/watch? v=JzUtK9jjVoA

    1. Es geht hier m.E. nur vordergründig um „Bodenschätzte. Ich meine, die „Russen“ wollen sie ja nicht behalten, und China soll ja reich an sog. seltenen Erden sein, die strategisch Öl und Gas an Bedeutung den Rang ablaufen könnten.
      Es geht natürlich um „Herrschaft“ auch über dieselben.

      Aber in erster Linie geht es um „Herrschaft“ i.S. des alttestamentarischen Postulates:
      „Du sollst keinen anderen Gott neben mir haben!“

      Und wenn ich die Verkündigungen dieser jüngsten „Sicherheitskonferenz“ nicht völlig falsch interpretiere, so lautet die Strategie:
      „Erst machen wir die Russen fertig, und dann sind die Chinesen dran.“

  2. Es lohnt sich wirklich, den Quellen bei Corbett nachzugehen.

    Nur leicht OT, aber das hier hat bei mir gestern die letzten, noch fehlenden Puzzleteile ins Bild fallen lassen:
    https://www.youtube.com/watch?v=ynVqPnMQ2sI

    Ich denke, hier kann man so etwas wie die Wurzel dieses ganzen Übels verorten. Die angesprochenen geopolitischen Interessen spielen natürlich auch eine Rolle, aber die Vehemenz und Menschenfeindlichkeit, mit der die Agenda durchgesetzt wird, passen sehr gut zu der hier benannten Gruppe.
    Ignoriert mal die Bingo- Athmosphäre und lauscht gebannt den Worten des grossen Meisters 😉

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