Russland baut in der Arktis neue Städte für den Export von Flüssiggas

In Russland wird die Arktis entwickelt, um Erdgas zu fördern und neue Märkte zu erschließen, die nicht mit Pipelines beliefert werden können. Riesige Terminals für den Export von Flüssiggas entstehen und mit ihnen eine neue Stadt im Eis.

Der Bericht des russischen Fernsehens in der Sendung „Nachrichten der Woche“ vom Sonntag über das gigantische Projekt in der Arktis ist nicht nur interessant zu lesen. Beeindruckend sind vor allem die Bilder des Projekts und der Baustelle. Es entsteht eine neue Stadt im Eis, deren Zweck der Export von Flüssiggas in die ganze Welt ist. Da wir vom Nordmeer reden, gehört dazu auch eine neue Flotte von Eisbrechern, die die Route das ganze Jahr über befahrbar halten müssen.

Auch für die Wissenschaft ist das ein Boom-Projekt, denn aufgrund der neu geschaffenen Infrastruktur können Forscher nun die Umwelt der Region besser erforschen. Das Projekt ist geopolitisch nicht zu unterschätzen, denn Russland will als großer Player in Märkte vorstoßen, die bisher von anderen Ländern mit Flüssiggas beliefert werden.

Ich habe den Bericht des russischen Fernsehens vor allem wegen der einmaligen Bilder aus der Arktis übersetzt und zusammen mit meiner Übersetzung sollte der Beitrag auch ohne Russischkenntnisse verständlich sein.

Beginn der Übersetzung:

Russland entwickelt die Arktis umfassend, wissenschaftlich und industriell. An den Ufern der Karasee wächst eine ganze Stadt mit Produktion und Infrastruktur. Heute leben und arbeiten dort mehr als 12.000 Menschen. Aber das ist erst der Anfang. Ein Bericht von Alena Rogosina.

Nach der Landung auf dem Pass in der Nähe von Murmansk sieht man Nordlichter. Und es gibt so viele Touristen in der Stadt, dass die Hotels schon im Sommer ausgebucht waren. Murmansk ist die Hauptstadt der Arktis. Auf der anderen Seite der Kola-Bucht wächst nicht einfach eine neue Stadt, sondern eine Stadt der Fabriken.

Das ist Velkomenka. Hier werden Gasplattformen gebaut. Wie die 17.000 Menschen hier arbeiten, kann man kaum verstehen: Frost, Wind und eine solche Luftfeuchtigkeit, dass man das Gefühl hat, sofort in seine Atome zu zerfallen.

Ein Teil der Dockanlage ist fertig. Im Inneren befindet ihre riesige Basis. Sie ist 415 Meter lang. Das Volumen der Reservoirs beträgt 230.000 Kubikmeter. Diese Gravitationsplattform wird nur durch ihr Eigengewicht auf dem Meeresboden gehalten.

Novateks innovative Baustelle an den Ufern der Karasee hat wie ein riesiger Magnet so viel Energie und junge Menschen aus dem ganzen Land angezogen, dass es keinen Zweifel daran gibt, dass die Inbetriebnahme der ersten Produktionslinie von „Arctic LNG-2“, die für 2023 geplant ist, planmäßig erfolgen wird. Die Region ist der Meinung, dass das durch das einzigartige Investitionsklima ermöglicht wurde.

„Die einzigartigen Steuervorteile haben die Schaffung einer freien Wirtschaftszone in der Arktis ermöglicht, und das bedeutet mehr als 3.000 Arbeitsplätze und Milliarden an Investitionen“, sagte Andrej Chibis, Gouverneur der Region Murmansk.

Beeindruckendes Bilder. Die erste Fahrt unseres neuesten Eisbrechers „Arktika“. Er ist auf dem Weg zum Nordpol. Alle Systeme der einzigartigen Maschine funktionieren wie ein Uhrwerk. Ausgezeichnete Seetüchtigkeit und ein beispiellos leistungskräftiger Antrieb.

„Die Aufgabe ist es, einen direkten Zugang zum pazifischen Markt zu erhalten, was für Russland das erste Mal sein wird. Natürlich produzieren wir immer noch die wichtigsten Produkte im europäischen Teil des Landes und müssen sie durch dieses zwei Meter dicke Eis bringen. Das ist für unsere guten Partner aus der Volksrepublik China äußerst wichtig“, sagte Wjatscheslaw Ruksha, stellvertretender Generaldirektor der Direktion Nordmeerroute des Staatskonzerns Rosatom.

Welchen Aufwand bedeutet allein der Warentransfer in Sabetta. Hier weiß man aus erster Hand, welche Arbeit im Bau von all dem steckt: Arktische Häfen, Kommunikation, Energie, Schiffe. Und wie aus einem Science Fiction Film: Hinter dem Polarkreis werden im industriellen Maßstab Gemüse und Beeren angebaut.

„Russland wird ein unglaublich reiches Land werden, nicht nur durch Bodenschätze und biologische Ressourcen, sondern durch die Entwicklung seines Territoriums“, sagte Ilja Iljin, Dekan der Fakultät für globale Prozesse an der Staatlichen Universität Moskau.

So ein seit Sowjetzeiten nicht mehr gesehenes Bauprojekt braucht auch einen riesigen Zustrom von Spezialisten. Sie kommen aus dem ganzen Land. In arktischen Städten und Gemeinden reparieren sie Häuser, bauen Kliniken, modernisieren Flughäfen, eröffnen Filialen von Universitäten.

Der Hafen von Nornickel jenseits des Polarkreises. Riesige orangefarbene Schiffe verkehren wie arktische Expresszüge das ganze Jahr über zwischen Murmansk, Europa, Asien und Dudinka.

Nur wenige Menschen wissen das, aber Nornickel war der indirekte Vorfahre der russischen Atomflotte. Als die Sowjetunion die Effizienz und die Produktion in Taimyr steigern musste, stellte sich heraus, dass das ohne ein leistungsfähiges Transportsystem in der Arktis, das das ganze Jahr über funktionieren muss, unmöglich war.

Ozeanologen besteigen das arktische Frachtschiff. Hier sollen sie die Auswirkungen von Süßwasser auf die Eisbildung im Arktischen Ozean erforschen. Auf allen Schiffen werden spezielle Sensoren zur Überwachung installiert. Niemand auf der Welt hat solche Informationen jemals zuvor gemessen.

Wissenschaftler mit Drohnen beobachten Walrosse und zählen die Tiere. Mit einer Armbrust mit ultraleichten Kunststoffpfeilen nehmen sie Hautproben. Mitglieder der Expedition erforschten auf dem Forschungsschiff „Ivan Petrov“ im Franz-Josef-Land den ganzen Sommer über den Zustand von Walrossen und Eisbären. Toxikologische Proben, Schwermetalle, sowie die Erforschung der Genetik – komplexe Studien sind notwendig, um den Zustand dieser bedrohten Arten zu verstehen.

Luftaufnahmen der polaren Raubtiere mit digitaler Präzision verfolgen die Tiere auf Strecken von bis zu 15 Kilometern Länge. GPS-Tracker verfolgen die Bewegung der Tiere.

Dank einer wissenschaftlichen Entwicklung in Russland wird die Kohlenwasserstoffverschmutzung in den Weltmeeren abnehmen. Zumindest in der Arktis.

Psyrophile sind arktische Bakterien. Das gemeinsame wissenschaftliche Projekt des Rosneft Center for Arctic Research, der Moskauer Staatlichen Universität und des nicht-staatlichen Instituts „Innopraktika“ löst das komplexe Problem des Kohlenwasserstoffabbaus in den polaren Breitengraden. Für das Präparat werden Mikroben aus den Gewässern der Arktis entnommen und dorthin zurückgebracht. Die Ölverschmutzung ist hier mit Eis vermischt, was die Reinigung erschwert. Aber die Psychrophilen sind in der Lage, diese Aufgabe zu bewältigen. Für die Minustemperaturen der Arktis gab es ein solches mikrobielles Mittel bisher nicht auf der Welt.

Die Bohrungen laufen auch bei Sturm. Das spezielle Design des Forschungsschiffs macht das möglich. Modernste Ausstattung. Es arbeitet am russischen Schelf nach den höchsten globalen Standards des Umweltschutzes. Gesteinsproben sind wichtig, um die geologische Struktur zu verstehen und das Öl- und Gaspotenzial zu bewerten. Dies ist das erste Mal, dass solche Bohrungen hier durchgeführt werden.

Laboranalysen der ausgewählten Bohrkerne werden von der Firma „Innopraktika“ und der geologischen Fakultät der Staatlichen Universität Moskau durchgeführt. Die analytischen Studien, die im Laufe des nächsten Jahres fortgesetzt werden, werden die Zuverlässigkeit der Prognosen für das Öl- und Gaspotenzial im arktischen Becken verbessern und ein neues geologisches Modell der Region Nord-Kara ergeben.

Als wichtigste eurasische Seeverkehrsroute muss die Nordmeerroute sich bis 2035 beweisen. Unzählige Male kletterten Journalisten auf die oberen Decks der Eisbrecher. Von hier aus ist der ganze Golf von Kola zu sehen. Die Eisfelder beginnen nur 12 Kilometer entfernt. Und wenn man hier in Kälte und im Wind steht und dieses Bild des Hafenlebens beobachtet, erkennt man, dass es nirgendwo auf der Welt so ein Traum ist, seine Region, sein Land zu entwickeln.

Ende der Übersetzung

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

Eine Antwort

  1. Das ist Zukunft und nicht die kommenden Strom Black Out , um das Erbe, der Erbgengeneration optimal und Staatlich gesichert , zu Verzinsen ( Windkraft ohne Wind ). Bauzeiten von mehren Jahrzehnten, für kleine Flughäfen und Bahnhöfe

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