Rettung afghanischer Nato-Helfer

Russland bietet Hilfe bei der Evakuierung von Afghanen in den Westen an

Westliche Politiker und Medien behaupten, sie würden gerne alle Afghanen, die den Nato-Staaten in dem Krieg geholfen haben, in Sicherheit bringen. Leider sei das aber derzeit nicht möglich. Das ist offensichtlich gelogen, man will diese Leute gar nicht aufnehmen.

Die Erklärungen westlicher Politiker zu der Situation in Afghanistan sind ziemlich verlogen. Die Bahauptungen, man sei vom schnellen Vorrücken der Taliban in Afghanistan überascht worden, sind – höflich ausgedrückt – unglaubwürdig. Es hätte vollkommen ausgereicht, wenn die Politiker den Anti-Spiegel gelesen hätten, denn ich habe hier sehr schnell nach der Ankündigung der Flucht der Nato aus Afghanistan berichtet, dass Experten der vom Westen eingesetzten afghanischen Regieung nur etwa drei Monate geben. Und so ist es auch gekommen, denn die übereilte Flucht aus Afghanistan haben die USA im Mai verkündet und als „Abzug“ bezeichnet. Im August ist Kabul gefallen, es waren exakt drei Monate.

Daher ist auch das derzeitige Hin-Und-Her-Schieben der Schuldfrage reine Show. Die Politiker beschuldigen die Geheimdienste, falsche Informationen geliefert zu haben, die Geheimdienste beschuldigen die Politiker, die Warnungen ignoriert zu haben. Es ist ein unwürdiges Spektakel, wenn man bedenkt, dass es um Menschenleben geht.

Der Westen wollte seine afghanischen Helfer im Stich lassen

Heute beklagen alle Politiker, dass man die Afghanen, die der Nato in den zwanzig Kriegsjahren geholfen haben, im Stich gelassen hat. Sie überschlagen sich vor laufenden Kameras mit Forderungen, die afghanischen Helfer im Westen aufzunehmen. Diese Erklärungen haben aber nur einen Sinn: Sie sollen die aufgebrachten Wähler beruhigen, denn außer Worten geschieht nicht viel.

Man hätte die Helfer schließlich in den drei Monaten von Mai bis August zusammen mit den eigenen Streitkräften evakuieren können, Zeit war genug vorhanden. Aber das wollte man nicht tun. Und auch jetzt, wo es Evakuierungsflüge gibt, werden in erster Linie westliche Staatsbürger aus Kabul ausgeflogen, aber nur wenige Afghanen. Und diejenigen, die ausgeflogen werden, kommen zumeist nicht in den Westen. Stattdessen verhandelt der Westen mit den Ländern der Region über die Aufnahme der Helfer. Man will sie nicht im Westen haben und lässt – für die Medien – nur eine kleine Zahl in den Westen bringen, damit nicht so auffällt, dass die Mehrheit recht- und mittellos in fremden Ländern abgeladen werden soll.

Dazu wird auf Zeit gespielt. Die westlichen Medien haben in fetten Überschriften berichtet, dass die USA 100 Millionen bereitgestellt haben, um ihren afghanischen Helfern zu helfen. Im Spiegel hieß es zum Beispiel unter der Überschrift „USA nach dem Truppenabzug – Biden genehmigt 100 Millionen Dollar für afghanische Flüchtlinge„:

„Tausende Afghanen, die für das US-Militär gearbeitet haben, können mit speziellen Visa in die USA einreisen. Präsident Joe Biden hat jetzt Nothilfen für sie bewilligt“

Dass es den afghanischen Helfern der US-Truppen aber praktisch unmöglich gemacht wird, diese speziellen Visa zu erhalten, konnte man bestenfalls gut versteckt lesen. Der Haken dabei ist nämlich, dass die Leute die Visa nicht in Afghanistan beantragen können, sondern dazu in ein anderes Land fliehen müssen. Und die Bearbeitungszeit für die Visa beträgt bis zu einem Jahr. Darüber habe ich ausführlich berichtet, den Artikel finden Sie hier.

Besonders heuchlerisch sind die deutschen Politiker, die nun alle medienwirksam Hilfe versprechen. Ein Highlight war CDU-Kanzlerkandidat Laschet, der allen Ernstes versprochen hat, alle afghanischen Helfer in Deutschland aufzunehmen. Nur eben nicht jetzt, wo sie Hilfe brauchen, sondern nach seinem Wahlsieg. Da nach der Wahl vielleicht noch Monate vergehen, bis eine neue Regierung gebildet ist, ist das an Zynismus kaum zu übertreffen.

Würde Laschet es ernst meinen, dann müsste der die jetzige Regierung drängen, die Leute jetzt aufzunehmen und es nicht für den Sankt-Nimmerleinstag versprechen. Das Elend derer, die als afghanische Ortskräfte für die westlichen Truppen gearbeitet haben, wird von der westlichen Politik in geradezu unerträglicher Weise instrumentalisiert.

Der Realitätstest

Russland hört die hohlen Reden der westlichen Politiker natürlich auch. Und weil die westlichen Politiker beklagen, sie könnten derzeit nicht alle ehemaligen afghanischen Helfer evakuieren, obwohl man ihnen angeblich so gerne helfen und sie bei sich aufnehmen möchte, hat Russland Hilfe angeboten.

Die russische Botschaft in Kabul arbeitet normal und steht in Kontakt mit den Taliban, darüber habe ich mehrmals berichtet. Russland hat die westlichen Politiker beim Wort genommen und bei den Taliban angefragt. Die haben es Russland gestattet, afghanische Helfer der Nato-Staaten auszufliegen. Russland ist sogar bereit, Flugzeuge zur Verfügung zu stellen, denn die Taliban haben den russischen Flugzeugen und ihren Besatzungen Sicherheitsgarantien gegeben. Nun wartet Russland darauf, dass sich westliche Staaten melden, denn die einzige Bedingung Russlands ist es, dass diese afghanischen Helfer – wie von den westlichen Politikern medienwirksam versprochen – aus Afghanistan direkt in westliche Länder geflogen werden.

Wörtlich sagte Maria Sacharova, die Sprecherin des russischen Außenministeriums:

„Angesichts der gegenwärtigen Situation auf dem Flughafen von Kabul und der Tatsache, dass mehrere westliche Länder nicht für die Abreise ihrer Diplomaten, Soldaten und Zivilisten aus Afghanistan gesorgt haben, ganz zu schweigen von den Afghanen, die mit ihnen zusammengearbeitet haben, und ihren Familien, die das Land verlassen wollen, aber das nicht können, möchten wir folgendes mitteilen:
Um eine Verschlechterung der humanitären Lage in Afghanistan zu verhindern, sind wir bereit, die Dienste der russischen zivilen Luftfahrt zur Verfügung zu stellen, um den Flug einer beliebigen Anzahl afghanischer Staatsangehöriger, einschließlich Frauen und Kinder, in alle Länder zu gewährleisten, die an ihrer Aufnahme und Unterbringung interessiert sind.
Wie uns Vertreter der neuen Regierung in Afghanistan versichert haben, gibt es keine prinzipiellen Hindernisse für die Ankunft und den Abflug russischer Flugzeuge in Kabul. Die Sicherheit der Flugzeuge, der Besatzungen und der Passagiere ist gewährleistet.“

Nun wollen wir mal abwarten, wie ernst die westlichen Politiker ihre schönen Worte meinen. Wenn sie Angst haben, ihre afghanischen Helfer mit eigenen Flugzeugen aus dem Land zu holen, dann die Russen sind bereit, zu helfen.

Wetten, dass man das in den westlichen Medien nicht erfahren wird?

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

21 Antworten

  1. Hoffentlich überlegt sich RU das noch einmal, die sollten für den aggressiven Westen keinen Finger rühren.
    Sollte das Angebot wider Erwarten angenommen werden, sehe ich schon die zukünftige Schlagzeile:
    „Afghane ermordet 3 Menschen in München, Putin flutet Europa mit islamistischen Terroristen“

      1. Reicht ein Lacher, oder willst du nicht noch mal darüber nachdenken, unter welchen Vorraussetzungen die Sowiets damals ins Land kamen und wer die Islamisten wirklich stark gemacht hat?
        Ich meine Nachdenken im Sinne von ‚ohne NATO-Brille‘!

      2. Brzezinski wäre beleidigt, denn er hat es sich als Verdienst angerechnet, „den Russen“ in Afghanistan „ihr Vietnam“ bereitet zu haben, indem er veranlasste, dass die Islamisten durch die USA aufgerüstet und in den Kampf gegen die Regierung geschickt wurden, damit die Sowjetunion ihrer Vertragsverpflichtung folgen und der Regierung auf deren Bitte hin zu Hilfe kommen muss. Sonst hätte sie weltweit „ihr Gesicht verloren“, weil sie solche Beistandspakte mit vielen Ländern geschlossen hatte, die wie Afghanistan nicht weiter Kolonien des Westens sein wollten.
        Also: Immer schön bei der Wahrheit bleiben: Auch an den über 40 Jahren Krieg in Afghanistan sind die USA schuld, genauer: ihre „Eliten“. Apropos: Zusatzfrage: Wer hat 3 Jahre bei Brzezinski Außenpolitik studiert, aber dafür in 800 Seiten Autobiographie nur einen Absatz „Platz gehabt“? (Richtig: Die Antwort lautet: Der Friedhofsnobelpreisträger und „König aller Drohnenmörder“: Obama!)

      3. Hä? Haben die Russen vor 20 Jahren Afghanistan angegriffen? Ich denke, doch eher nicht. Und die Taliban waren vor dem 11.09.2001 nie ein Problem des „Westens“. Erst als der 11.9. war, fing Bush mit dem Geschwafel von einem Krieg gegen den Terror an.

  2. Noch eines, man sollte tunlichst vermeiden den beschönigenden Begriff „Ortskräfte“ zu benutzen.
    Zu allen Zeiten,in allen Ländern,in allen Kulturen, galten solche Leute als Kollaborateure,Verräter,Saboteure,Spione.
    So tragisch persönliche Schicksale sein können, waren solche Menschen in keinem Land und unter keinem System wohl gelitten.
    Fragen wir mal die Moffengriets, die Quieslinge, die Mütter unehelicher Wehrmachtskinder in ganz Europa.
    Jeder der sich auf Kollaboration einlässt muss sich des Risikos bewusst sein, speziell in einem Land wie Afghanistan sollten alle wissen, dass noch keine imperialistische, ausländische Macht sich Dauerhaft im Land halten konnte – und schon gar nicht die entsprechenden Marionettenregierungen.
    „Ortskräfte“ klingt einfach nach lokalem Gastro-Personal für gerne gesehene Touristen, nichts liegt ferner.

  3. Sehr schön.
    Mit einer Gruppe, die im eigenen Land als Terroristische Organisation verboten ist, wird im Ausland zusammengearbeitet. Ist schon ein wenig schizophren.
    Kurzfristig gedacht ist das ja nachvollziehbar. Aber ob das insgesamt clever ist, wird sich noch zeigen.
    Hauptsache man kann sich wieder als Held profilieren. Putin weiß ja genau, das sein Angebot nicht angenommen und auch insgesamt eher Schwachsinn ist.

    By the way hat auch Russland einen Teil seiner Belegschaft außer Landes gebracht. So ganz scheinen sie dann den Zusagen dann wohl doch nicht zu trauen.

    1. „Mit einer Gruppe, die im eigenen Land als Terroristische Organisation verboten ist, wird im Ausland zusammengearbeitet. Ist schon ein wenig schizophren.“

      Russland hat mit den Taliban gesprochen und das lag im Interesse des Landes sowie den Ländern mit denen Russland einen Beistandspakt hat. Folglich spricht nichts dagegen wenn man den Taliban klar macht gefälligst im eigenen Land zu bleiben.
      Russlands Fürsorge für die eigenen Bürger ist gesetzlich festgeschrieben. Immerhin muss Russland mit der schießwütigen und wahllos bombenden NATO rechnen.
      Also ist die Rückholung nicht benötigten Personal richtig.

      „Hauptsache man kann sich wieder als Held profilieren. Putin weiß ja genau, das sein Angebot nicht angenommen und auch insgesamt eher Schwachsinn ist.“

      Wenn Russland nun anbietet Leute auszufliegen dann handelt es sich um eine rein humanitäre Geste. Ausfliegen bedeutet nicht nach Europa sondern nur erst einmal aus der Gefahrenzone zu bringen.
      Russland half auch dem Nato Partner Türkei bei der Brandbekämpfung. Fragt da einer ob es das Wert war für den Feind zu sterben? Nein man tat gemeinsam was nötig war um Menschenleben zu retten.

      https://www.tagesschau.de/ausland/tuerkei-absturz-loeschflugzeug-101.html

      Merkwürdig ist nur der Umstand das die ehemaligen Helfer dieses mal auch in die USA ausgeflogen werden. Warum nicht zu ihren Brüdern und Schwestern in der näheren Umgebung? In deren Augen sind die eben Verräter nicht mehr und nicht weniger.

      https://twitter.com/AliCologne/status/1426882078856159238/photo/1

      Man wusste wohl warum man sie lieber bezahlte. Das hat nicht nur Deutschland so gehandhabt sondern Alle in der Nato.

      Aber vielleicht begreift nun auch der letzte Abgeordnete das er erst nachdenkt bevor man die BW losschickt.

    2. „Ist schon ein wenig schizophren.“

      Wir wissen, was für Typen Handreichungen als schizophren betrachten.

      „… und auch insgesamt eher Schwachsinn ist.“

      Gibts für die Behauptung auch eine Begründung?

  4. Der Kollege „Ver“-@Albert hat ganz schön zu tun, seine Lügenpropaganda an den Mann zu bringen.
    https://thewallwillfall.org/2021/08/19/afghanistan-examining-the-myths-the-lies-and-the-legends-andre-vltchek/
    Das bestätigen mir übrigens auch diverse Arbeitskollegen aus Afghanistan.
    Die afghanischen Terroristen sind ausnahmslos Deutsche/Briten/USA und deren Söldner aus dem besetzten, geplünderten Osteuropa. Der Vorrat an frischem Afghane wird in nächster Zeit fehlen im Reichstag:-)

  5. Ich vermute mal, der Westen wird das Angebot der Russen „großzügig“ (gemeint ist „mit Hochmut und Ignoranz“) ausschlagen, zumal alles, was die Russen tun, sowieso falsch ist. Man sammelt lieber Gründe, um die russischen „Schurken“ auch weiterhin „in Schach“ halten zu können.

    Ja – so (hinterhältig) „großmütig“ ist der Westen tatsächlich. Außerdem soll der Westen die eklige Suppe, die er seit Jahrzehnten in Afghanistan gekocht hat, selber auslöffeln … damit die ganze Welt noch einmal in allen Details genau beobachten kann, wie politisch unfähig (und unwillig) er ist, mit anderen Völkern auf Augenhöhe umzugehen, und wie fies er tatsächlich seine vorgeblichen „Verbündete“ behandelt … 🙁

  6. soweit ich weiß, ist das Lesen der Kommentare für Thomas eine zeitraubende Sache. Da ist es fraglich ob man lange Antworten auf Trolle wie Albert oder Susanne M. geben sollte oder sie einfach ignorieren sollte.

  7. Ob die jüngsten Anschläge in Kabul und der Ruf von US-Präsident Joe Biden nach „Vergeltung“ sich wohl auswirken werden auf dieses humanitäre Angebot von Russland?
    Oder möglicherweise auf die kommenden Wahlen in Deutschland und Russland?

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