Kirgisistan und Tadschikistan

Soldaten der Ex-Sowjetrepubliken liefern sich Feuergefechte an der Grenze

Wahrscheinlich weiß kaum jemand in Deutschland, wo sich Kirgisistan und Tadschikistan befinden. Aber wegen eines kleinen Konflikts schießen nun Soldaten der Länder in Russlands unmittelbarer Nachbarschaft aufeinander.

Es ist wohl nicht zu erwarten, dass der Konflikt eskaliert, beide Seiten scheinen an einem Ende Kämpfe interessiert zu sein. Trotzdem bricht ein weiterer Konflikt in Russlands unmittelbarer Umgebung zwischen zwei Ländern aus, mit denen Russland gute Beziehungen hat. Die russische Nachrichtenagentur TASS hat die Ereignisse zusammengefasst und ich habe den Artikel der TASS übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Das Wichtigste über den Konflikt an der Grenze zwischen Kirgisistan und Tadschikistan

Zwei Menschen wurden getötet, beide Seiten melden Verletzte

Die Situation an der Grenze zwischen Kirgisistan und Tadschikistan eskalierte am 28. April aufgrund eines Konflikts zwischen Anwohnern um den Zugang zu Wasser. Nach mehreren Zusammenstößen, bei denen auch Schusswaffen zum Einsatz kamen, trafen am Donnerstag die Soldaten beider Länder in der Gegend aufeinander.

Die Parteien vereinbarten einen Waffenstillstand, aber erst ab 17:00 Uhr Moskauer Zeit am 29. April.

TASS bringt ein Update zu den Entwicklungen.

Was passiert ist

Der Konflikt begann in der Nähe der Wasserverteilungsstelle Golovnoy am Oberlauf des Flusses Isfara, den beide Länder als ihr Territorium betrachten.

Es wurde berichtet, dass Bürger Tadschikistans die Straße blockierten, die zwei Bezirke Kirgisistans verbindet, während die kirgisische Seite die Straße zur tadschikischen Enklave Vorukh blockierte.

Nach Angaben des kirgisischen Grenzschutzes kam es am 29. April zu einem Feuergefecht zwischen Soldaten. Die Behörde erklärte, dass die tadschikische Seite „Mörserstellungen“ aufbaut. Nach Angaben des Portals 24.kg wurden von der kirgisischen Seite etwa 850 Einheimische aus dem Konfliktgebiet evakuiert.

Der kirgisische Grenzschutz berichtete, dass die tadschikische Seite das Feuer auf mehrere Außenposten eröffnete, was zu einem Brand am Außenposten Dostuk führte. Als Reaktion darauf nahmen kirgisische Spezialeinheiten des Grenzschutzes einen Außenposten auf tadschikischem Gebiet ein. Nach Angaben des kirgisischen Grenzschutzes schicken beide Seiten zusätzliche Kräfte in das Konfliktgebiet.

Gegenseitige Vorwürfe

Das kirgisische Gesundheitsministerium meldete zwei Todesfälle als Folge der Zusammenstöße. Außerdem wurden 26 Personen verletzt.

Duschanbe berichtet von neun Verletzten, von denen zwei Schussverletzungen erlitten haben.

Kirgisistan hat eine Voruntersuchung des Vorfalls eingeleitet und beschuldigt Tadschikistan, mit Mörsern und Maschinengewehren versucht zu haben, die Wasserquelle zu beschlagnahmen. Der kirgisische Grenzschutz erklärte, die „tadschikische Seite habe den Konflikt absichtlich provoziert“ und „verschärfe die Situation weiter.“

Duschanbe beschuldigt die kirgisische Seite der Provokation.

Der Waffenstillstand

Der kirgisische Präsident Sadyr Zhaparov hielt am Donnerstag eine Sitzung des Sicherheitsrates des Landes ab und wies den Rat an, die Situation an der Grenze zu Tadschikistan friedlich zu lösen.

Die Außenminister Kirgisistans und Tadschikistans vereinbarten ab dem 29. April um 20 Uhr Ortszeit (17 Uhr Moskauer Zeit) einen Waffenstillstand an der Grenze. Sie einigten sich auch auf gemeinsame Patrouillen und die Überwachung der Situation entlang der Grenze.

Nach Angaben der Pressestelle der kirgisischen Regierung werden sich die Premierminister beider Länder im Zusammenhang mit der Situation an der Grenze am Donnerstag in Kasan treffen, wo eine Sitzung des Eurasischen Zwischenstaatlichen Rates stattfindet.

Die Gründe für den Konflikt

Nach Angaben der kirgisischen Seite ist die Wasserverteilungsstelle Golovnoy „ein strategisches Objekt der Kirgisischen Republik und befindet sich auf kirgisischem Territorium“.

Duschanbe seinerseits behauptet, dass Golovnoy laut Karten aus den Jahren 1924 bis 1927 und 1989 „vollständig zur Republik Tadschikistan gehört.“

Ein Großteil des Konflikts ist auf umstrittenen Abschnitte der Grenze zwischen den beiden Ländern zurückzuführen – von den ca. 980 km, die im Abgrenzungs- und Demarkationsprozess beschrieben wurden, sind etwa 580 km umstritten.

Was in den Tagen vor dem Konflikt geschah

Seit dem 24. April wurden zwei kirgisische Staatsangehörige bei Bauarbeiten in der Grenzregion zu Tadschikistan vermisst. Später stellte sich heraus, dass die Polizei des Nachbarstaates sie festgenommen hat. In Kirgisistan wurde ein Strafverfahren eingeleitet. Am 25. April übergab Tadschikistan die Inhaftierten an die kirgisischen Behörden. Sie waren Bewohner des Bezirks Leilek in der Region Batken in Kirgisistan.

Am 26. April wurde dem Botschafter von Tadschikistan in Kirgisistan eine Note übergeben.

Am 28. April übergab das Außenministerium Tadschikistans dem Botschafter Kirgisistans in Tadschikistan, Dschanjsch Rustenbekow, eine Note im Zusammenhang mit dem Vorfall im Grenzgebiet. „Dem Botschafter Kirgisistans wurde eine Note des Außenministeriums Tadschikistans übergeben, die die tiefe Besorgnis der tadschikischen Seite über die illegalen Handlungen von Vertretern des Grenzschutzes Kirgisistans in Bezug auf zwei minderjährige Bürger Tadschikistans im Bereich Kulik Jamoat nahe der Stadt Isfara zum Ausdruck bringt“, so die Botschaft

Ende der Übersetzung

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

8 Antworten

    1. Wenn ich jetzt meinen verschwurbelten Aluhut aufsetzen würde, dann käme ich glatt zu dem Schluss, dass westliche Geheimdienste die an Russland grenzenden zentralasiatischen Staaten gegeneinander aufhetzen könnten, um die Region zu destabilisieren und Russland zu schwächen. Aber sowas würden die USA freilich nie tun 😉

  1. Wenn es die UdSSR noch gäbe, dann wäre es garnicht er zu dem Konflikt gekommen. Man stelle sich einmal vor, Baden-Württemberg, Bayern und Hessen würden gegenseitig den Krieg ausrufen um zu entscheiden, wem denn nun der Odenwald gehörte.
    Aber seitdem die UdSSR zerfallen ist sind diese ganzen kleinen und großen Konflikte von Osteuropa bis Zentralasien aufgetreten, bei dem sich Menschen für ein Stückchen Land an die Gurgel gehen…

  2. Das fragliche Gebiet ist durchsetzt mit Enklaven(kirgisische umschlossen von Tadschikistan und vice versa). Da brodelt es mindestens schon seit dem Ende der Sowjetunion, davor und dazwischen wohl auch. Dort reicht ein kleiner Funke, um Auseinandersetzungen zu zünden. Das dritte Land da, Usbekistan, ist auch nicht gerade ein Freund der beiden ersteren und die Hassliebe wird von beiden auch erwidert.
    Ok, zur Zeit vielleicht eine Verschwörungstheorie, falls der böse große Onkel aus Übersee wirklich Afghanistan verliert, wird er wohl bald da zündeln. In den Staaten entstehen gerade mit chinesischem Geld Teile der neuen Seidenstraße und Überraschung die ersteren sind Nachbarn der ach so böse unterdrückten Uiguren in China.

    1. Einen ähnlichen Gedanken hatte ich auch, hatte ihn aber nur auf Russland bezogen. Sie haben treffenderweise angemerkt, dass sich dort auch das Seidenstrassenprojekt befindet, weshalb die USA durch die Destabilisierung auch den Chinesen schaden würden.
      Ich denke mal, unsere „Verschwörungstheorie“ hat zumindest schonmal zwei Antworten auf die Frage „Cui bono?“ Und dass die CIA in den 1960er Jahren in Zentralasien versucht hat, via Islamismus diesen Teil der UdSSR zu destablisieren wurde von mehreren Historikern ermittelt. Dass Ähnliches wieder versucht wird, ist also nicht auszuschliessen…

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