Bundestagswahl

Wie in Russland über das zweite Triell berichtet wurde

Die Bundestagswahl wird auch in Russland mit großem Interesse verfolgt, da Deutschland nun mal das wichtigste Land in der EU und für Russland immer noch ein wichtiger wirtschaftlicher Partner ist. Daher übersetze ich russische Fernsehberichte über den Wahlkampf in Deutschland.

Da die deutschen Berichte über das Triell allgemein bekannt sind und viele diese Veranstaltung auch gesehen haben, komme ich direkt zur Übersetzung des Beitrages des russischen Fernsehens über das Triell und die Durchsuchungen im deutschen Finanzministerium.

Beginn der Übersetzung:

Zwei Wochen vor der Wahl wird der Begriff „Merkels Nachfolger“ in Deutschland vorsichtiger verwendet: Derjenige, dem der Platz zugedacht ist, der CDU-Kollege der Kanzlerin, Laschet, hat die – wenn auch nicht alles – entscheidende Fernsehdebatte verloren. Doch die Presse ist sicher: Diesmal könnte die Niederlage für die Konservativen fatal sein. Der siegreiche Sozialdemokrat Scholz konnte nicht nur mit ihren typischen Gesten einen Teil von Merkels Wählern an sich ziehen. Aus Deutschland berichtet Michail Antonow.

Die nächste Fernsehdebatte entwickelte sich zu einer Auseinandersetzung zwischen den führenden christlichen und sozialdemokratischen Kandidaten. Die Grüne Baerbock spielte lange Zeit keine Rolle in der Diskussion und man erinnert an sie, weil während sie sprach im Studio etwas umgefallen ist.

„Ups, so wie es rumpelt im Studio, so spannend wird die Bundestagswahl.“

Merkels Parteikandidat Armin Laschet, der in den Umfragen gegen Olaf Scholz verliert, versuchte, seinen SPD-Konkurrenten anzugreifen, indem er die Diskussion auf eine seltsame Geschichte lenkte, die sich letzte Woche ereignet hat. Das Kölner Büro der Financial Intelligence Unit, die dem von Scholz geführten Finanzministerium untersteht, wurde durchsucht.

Die Behörde wird verdächtigt, Betrug und Geldwäsche zu vertuschen. Scholz musste erklären, dass die Behörde so indirekt mit seinem Ministerium verbunden sei, dass das Finanzministerium keine Kenntnis von seiner Tätigkeit habe. Doch Laschet gab nicht auf.

„Herr Scholz, aber die Durchsuchungen fanden in Ihrem Ministerium statt.“
„Sie haben absichtlich einen falschen Eindruck erweckt.“
„Gab es Durchsuchungen in Ihrem Ministerium oder nicht?“
„Allein Ihre Frage zeigt, dass Sie unehrlich sind.“
„Ihr Ministerium wurde durchsucht.“
„Ja, es gab eine Durchsuchung im Ministerium. In Köln.“

Die Tatsache, dass die Staatsanwaltschaft 14 Tage vor der Wahl „aufgewacht“ ist, mag ein Zufall gewesen sein, aber er war eindeutig zugunsten der CDU. Allerdings ist es ihr nicht gelungen, den Sozialdemokraten und Scholz persönlich damit sichtbaren Schaden zuzufügen.

Der Finanzminister gewann auch diese Debatte, und zwar noch überzeugender als die vorherige: mit 41 Prozent gegenüber 27 von Laschet und 25 von Baerbock. Es steht so schlecht um Merkels Partei, dass er sich Fragen anhören muss wie: „Werden Sie als Juniorpartner in eine Koalition mit Herrn Scholz gehen?

„Wir führen hier keine Koalitionsverhandlungen, sondern wir suchen den richtigen Weg für unser Land.“
„Die Zuschauer interessiert die Antwort, trotzdem kann ich Sie nicht zwingen. Aber unsere Zuschauer denken, dass Sie diese Frage nicht beantworten wollen.“

Nicht nur die Umfrageinstitute, sondern auch die Nachbarn in der Europäischen Union schätzen die Chancen der Christdemokraten als gering ein. Das zeigen Indizien.

Der polnische Präsident Duda weigerte sich, Angela Merkel bei ihrem Abschiedsbesuch in Warschau zu treffen – er verwies auf seinen vollen Terminkalender und verließ die Stadt. Die Beziehungen zwischen Deutschland und Polen sind aus vielen Gründen auf dem Gefrierpunkt, aber diese Art von Demarche ist nach Ansicht von Die Welt eine regelrechte Beleidigung. Es könnte darauf hindeuten, dass die polnische Führung sich nicht mehr darum schert, was Berlin von ihr hält, und sich darauf einstellt, dass die Beziehungen zu ihrem westlichen Nachbarn endgültig den Tiefpunkt erreichen werden, wenn die Sozialdemokraten in Deutschland an die Macht kommen. Jüngsten Umfragen zufolge liegt die SPD bei 26 Prozent, während die CDU nur 20 Prozent erreicht.

Die Hoffnungen der CDU ruhen nun auf etwa dem Fünftel der deutschen Wähler, die noch unentschlossen sind, wen sie wählen sollen. Und nach Einschätzung der Experten des Spiegel werden die Christdemokraten am Ende nicht sechs Prozent, sondern nur zwei Prozent hinter der SPD liegen. Aber das wird für sie natürlich nur ein schwacher Trost sein.

Ende der Übersetzung

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

9 Antworten

  1. Das werden lustige Kopulationsverhandlungen nach dem Wahltag!
    Schon die letzten beiden Male hat es ja Monate gedauert. 2013 schlug Gregor Gysi vor, daß das Parlament einfach die Initiative an sich reißen sollte und zB, den damals noch nicht existierenden Mindestlohn einfach beschließen sollte. Eine MEhrheit für den Mindestlohn (SPD, Grüne Linke) gab es ja im Parlament, und es wäre Gysi ein innerer Vorbeimarsch gewesen, wenn der nach wie vor amtierende Wirtschaftsminister Rösler FDP, diesen dann hätte umsetzen müssen.

    So sollten nämlich eigentlich Gesetze entstehen: Die gewählten Abgeordneten diskutieren und beschließen, und die Ministerien (Minister = „Diener“) setzen die Beschlüsse um. Und es war natürlich ein dezenter Hinweis darauf, daß nach 2005 schon zum zweiten Mal in der „Ära Merkel“ eigentlich eine rot-rot-grüne Mehrheit im Parlament bestand, aber nie umgesetzt wurde. Und das wird auch diesmal wieder nicht passieren. Vorausgesetzt, die mit Gendern und dem Rausschmeißen von echten Linken beschäftigten „LINKEn“ kommen nach dieser öffentlichen Selbstzerfleischung überhaupt noch einmal in den Bundestag.

  2. „Schon die letzten beiden Male hat es ja Monate gedauert….“
    Erinner mich noch. Nach der letzten Wahl war das. Ein halbes Jahr Frieden. Hoffen wir, dass das Geschachere ums goldene Kalb diesmal noch länger anhält.

  3. Abseits vom Thema, zur Bewältigung eventueller emotionaler Tiefpunkte, etwas russischen Humor:

    _____://www.fondsk.ru/news/2021/09/13/o-transgendere-megan-rorer-i-diskussijah-vo-dvore-54459.html

    Дмитрий СЕДОВ
    „О трансгендере Меган Рорер и дискуссиях во дворе“
    13.09.2021

    [ GedeepLt und an der einen oder anderen Stelle vorsichtig verschliffen – ich hoffe, ich habe die Gedanken des Autors und die russische Sprache nicht allzu sehr vergewaltigt.]

    „Über Transgender Megan Rohrer und Hinterhofdiskussionen

    Es sollte ein einziges rückständiges Land auf der Welt geben!

    Gestern gab es eine hitzige Diskussion an unserem runden Tisch im Hof, der normalerweise für Dominoschlachten genutzt wird. Es begann damit, dass der Enkel von Großvater Kusmischev die Nachricht überbrachte, dass in San Francisco der erste Transgender-Bischof gewählt worden war. Der Junge ist ein Dilettant im Internet und weiß alles. Er erzählte uns, dass sie früher eine Frau war, jetzt aber ein Mann ist und für zweihundert Gemeinden zuständig sein wird.

    Wir ließen die Dominosteine fallen und nahmen die Nachricht mit großer Aufmerksamkeit zur Kenntnis. Mit Hilfe der Jungs aus der Nachbarschaft und ihrer Gadgets fanden wir heraus, dass der neue Bischof Megan Rohrer heißt, eine Familie hat und mit einer Mezzosopranstimme amerikanische Volkslieder im Fernsehen singt.

    Großvater Kusmischev erklärte sofort, dies sei Gewalt gegen die Natur. Wenn sie ein Mann ist, sollten sie mit einer Männerstimme singen. Wie könnte es auch anders sein? Wenn Pater Filimon, ein Diakon von hünenhafter Gestalt, in unserer Dreifaltigkeitskirche mit einer Mezzosopranstimme zu singen begänne, würde es einen heftigen Aufruhr unter den Gemeindemitgliedern geben, vor allem unter den Gemeindemitgliedern, die sein Gebrüll lieben. Sie wollen diesen Fortschritt nicht.

    – „Aber der Fortschritt ist nicht aufzuhalten“, – sagte ein anderer Experte, auch ein begeisterter Dominospieler, Samosadov und entwickelte seinen Gedanken, – „Warum werden Frauen transgender und verwandeln sich in Männer? Weil sie es leid sind, von ihrem wenig beneidenswerten weiblichen Schicksal gequält zu werden. Weil sie zu Hause ausgebeutet werden.“

    Samosadovs These fand keine Unterstützung, weil keiner der Experten wollte, dass sich seine Frau in einen Mann verwandelt. Sie sollte sich lieber der Ausbeutung hingeben.

    Ein besonderer Protest wurde von der ältesten Gruppe von Experten geäußert, die mit zunehmendem Alter begann, den Tempel Gottes zu besuchen. Diese Experten mit den Nachnamen Ljamkin, Mulin und Sosulin lieferten sich ein lautstarkes Gefecht. Die Begegnung im Tempel mit einem Priester, der vor kurzem noch eine Frau war, erschien ihnen wild und inakzeptabel.

    – „Und wie werde ich ihr meine sündigen Taten beichten?“ – rief Ljamkin. – „Würde sie meine Beweggründe verstehen, wenn ich mich zum Beispiel mit meiner Nachbarin Evdokia in den Abgrund der Ausschweifung stürzte? Pater Fjodor zum Beispiel verstand mich und sagte: Geh, bereue, Diener Gottes. Aber nicht mehr.“

    Aber was würde „sie“ sagen? Schließlich sind es Schlangen!

    Mulin, ein Experte, der sein ganzes Leben lang um den Titel eines Dozenten am Institut für angewandte Demographie gekämpft hatte, ging das Problem von der anderen Seite an.

    – „Natürlich hat das Privatleben von Megan Rohrer nicht funktioniert. Sie würde sich auf keinen Fall einfach so umdrehen lassen. Offenbar hat ihr Mann sie so sehr geschlagen, dass sie zurückschlagen wollte. Jetzt sind sie ebenbürtig. Was die Emanzipation angeht, ist also alles in Ordnung. Und wenn sie zum Beispiel einen neuen Freund findet, wird sie sich vielleicht wieder ändern.“

    – „Ich will Sie nicht als Dummkopf bezeichnen“, sagte Sosulin, der sein ganzes Leben lang als Feuerwehrmann gearbeitet und während des Dienstes die Bezirksbibliothek von vorne bis hinten gelesen hatte. – „Hier geht es doch nicht um Emanzipation, nicht wahr? Der Punkt ist, dass die Heilige Schrift und damit Jesus Christus die Gleichstellung von Mann und Frau verbietet. Verstehen Sie diese Feinheit? Gut, sollen die Ungläubigen doch ihre eigenen 50 Arten von Sex erfinden und sich die Organe annähen, die sie wollen. Wenn es das ist, was sie vorhaben, sollen sie als Ziegen auf die Straße gehen.
    Aber das ist einem Priester strengstens verboten. Strengstens verboten, Mulin!“

    – „Megan Rohrer sagte, dass Gott alle Menschen liebt, auch Transgender“, warf der Enkel ein, „dort gibt es keine Unzufriedenen.“

    – „Natürlich“, seufzte Samosadov, „haben sie sich mit der Gleichstellung der Geschlechter selbst übertroffen. Sie ziehen mit ihren Fahnen durch die Straßen, jubeln, singen Lieder. Jetzt werden sie ihre Fahnen in den Tempeln aufhängen.“

    – „Und sie werden diesen Tempeln einen besonderen Namen geben, zum Beispiel den Tempel des Kreuzes und des Regenbogens. Aber vielleicht überstürzen wir die Dinge. Wenn die Transgender eine Mehrheit in der Kurie bilden, werden wir ein echtes Spektakel erleben“, sagte Sosulin.

    – „Glauben Sie, dass sie einen Papst aus ihren eigenen Reihen ernennen werden?“ – argwöhnte Mulin.

    – „Natürlich werden sie das“, sagte Sosulin. – „Das ist es, was kommen wird.“

    – „Und was ist mit uns? Wir hingegen bleiben wie immer hinter ihnen zurück. Schande für die ganze Welt!“ – rief Samosadov.

    – „Es ist gut, wenn etwas von Dauer ist“, resümierte Sosulin. – „Auf diese Weise ist es ruhiger. Weil ich mit meinen Nerven langsam am Ende bin. Wenn ich Sie, Samosadov, in einem Frauenkleid sähe, bekäme ich bestimmt einen Herzinfarkt. Und wenn Vater Fjodor sich in eine Frau verwandelte, würde ich das nicht überleben.
    Es sollte wenigstens ein rückständiges Land auf der Welt geben. Unseres zum Beispiel.“

  4. Bitte, verwende bloß nicht so extensiv wie die Mainstreampresse dieses unselige Wort „Triell“. Das nervt. Es mögen 3 Personen gewesen sein, so dass ein „Duell“ irgendwie nicht passend ist. Doch „Schlagabtausch“, „Debatte“ oder „Auseinandersetzung“ reicht doch zur Beschreibung des Ganzen voll aus. Man muss nicht so schwachsinnige Konstrukte wie „Triell“ verwenden.
    Bei sechs Personen wäre das in logischer Konsequenz ein „Sextell“. Das werden sie sicher nicht verwenden, denn das klingt so wie „Sexerzählung“.
    Das nur zur Anmerkung.
    Die CDU mag in den Umfragen hinten liegen. Nun ja, aber ist das ausreichend. Wie heißt es im Fußball noch so treffend: Das Ergebnis ist erst nach dem Spiel. Wer weiß, was bis zum Wahltag noch so alles passiert.

    1. Genau! Gerade zuletzt (in den USA) lagen doch Wahlprognosen ziemlich daneben. Und wir wollen nicht vergessen, dass die Pronoseinstitute alle irgendjemandem gehören, der Interessen hat. So, wie die 5-Prozent-Hürde mit dazu beiträgt, dass kleine Parteien weniger Stimmen bekommen (weil sie ja sinnlos, verschenkt sind), als wenn es keine Hürde gäbe, so beeinflussen Umfrageergebnisse das Wahlverhalten. Ich würde solches Zeug möglichst wenig lesen.

    2. Die Parteien haben weitgehend undifferenzierbare Programme. Die drei Kanzlerkandidaten sind allesamt eigentlich unwählbar. In so einem Fall kommt im Regelfall die Captain-Regel zur Anwendung, die besagt, dass dann der Kandidat gewählt wird der am ehesten so ausssieht wie die Idealisierung eines Flugkapitäns oder eines Kapitäns zur See. Das ist in diesem Fall Scholz. Der erste Fall im Nachkriegsdeutschland war Brandt gg. Kiesinger. Helmut Schmidt war ein idealer Captain. Aber auch Kohl gg. Scharping und Lafontaine, oder Schröder gg. Kohl. Siehe dazu
      Scientific American: „How Elections Are Decided: Who Would You Choose as Captain of Your Boat?“.
      https://blogs.scientificamerican.com/thoughtful-animal/how-elections-are-decided-who-would-you-choose-as-captain-of-your-boat/

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