Nahostkonflikt

Wie in Russland über die blutigen Unruhen in Ost-Jerusalem und Gaza berichtet wird

Da die blutigen Unruhen in Ost-Jerusalem und im Gaza-Streifen derzeit die Schlagzeilen beherrschen, will ich hier aufzeigen, wie in Russland über die Ereignisse und die Chronologie berichtet wird.

Kritik an Israel ist in Deutschland so dermaßen Tabu, dass schon Facebook-Post ausreichte, damit eine Berliner CDU-Politikerin aus dem Landesparteivorstand ausscheiden musste. Dass Kritik an der israelischen Politik genauso wenig anti-jüdisch ist, wie zum Beispiel Kritik an der französischen Regierung auch nicht anti-französisch ist, kann die politische Klasse in Deutschland bis heute nicht verstehen. Der Spiegel schrieb darüber:

„Die Politikerin Ayten Erdil verlässt nach einem umstrittenen Facebook-Post den Landesvorstand der Berliner CDU. Erdil hatte am Montagabend die Gewalt in Jerusalem kommentiert und dabei mit Bezug auf Israel von »Verbrechen gegen die Menschlichkeit« gesprochen, die es »periodisch zu jeder Fastenzeit« gebe. Sie war dafür umgehend kritisiert worden.“

Dabei kann man das, was die Frau schreibt, zumindest diskutieren, wenn man sich die Chronologie der Ereignisse anschaut. Mit ihrem völkerrechtswidrigen Vorgehen bei der Aussiedlung von Palästinensern zu Gunsten jüdischer Siedler hat die israelische Regierung die Unruhen zumindest indirekt selbst zu verantworten. Das wird in deutschen Medienberichten nicht unbedingt deutlich, weshalb ich eine Zusammenfassung der Ereignisse der russischen Nachrichtenagentur TASS übersetzt habe, in der auch die Chronologie der Ereignisse aufgezählt wird. Ich habe die in dem Artikel gesetzten Links der TASS übernommen.

Beginn der Übersetzung:

Was über die Situation um Ost-Jerusalem bekannt ist

In der Nacht zum 11. Mai feuerten palästinensische Radikale aus dem Gaza-Streifen mehr als 200 Raketen auf Israel. Das Militär des Landes reagierte mit dem Beschuss von 140 militärischen Zielen. Die israelische Armee beruft wegen der dramatischen Eskalation um den Gazastreifen 5.000 Reservisten ein.

Vor der Eskalation des Konfliktes kam es wegen der Vertreibung arabischer Bewohner aus dem Stadtteil Sheikh Jarrah in Ost-Jerusalem zu Zusammenstößen zwischen israelischen Sicherheitskräften und Palästinensern.

Das wichtigste über die Eskalation des Konflikts.

  • Die Spannungen in Ost-Jerusalem begannen Mitte April zu wachsen. Am 7. Mai kam es zu Zusammenstößen zwischen der israelischen Grenzpolizei und Palästinensern in der Nähe des Tempelbergs (ein Platz im südöstlichen Teil der Altstadt Jerusalems, auf dem sich das drittheiligste Heiligtum des Islams, die al-Aqsa-Moschee, befindet) und im Stadtteil Sheikh Jarrah, wo Sicherheitskräfte gemäß eines israelischen Gerichtsbeschlusses die Räumung mehrerer arabischer Familien durchführten.
  • Die wichtigsten Zusammenstöße ereigneten sich am Abend des 7. Mai und in der Nacht des 8. Mai in der Nähe der al-Aqsa-Moschee, wo sich die Gläubigen während der muslimischen Fastenzeit des Ramadan zum Gebet versammelten. Israelische Sicherheitskräfte feuerten mit Gummigeschossen auf die Gläubigen und setzten Blendgranaten und Tränengas ein, dann stürmten über 200 Polizisten die Innenhöfe und Gebetshallen der Moschee und zwangen die Gläubigen, Al-Aqsa zu verlassen.
  • Die palästinensische Nachrichtenagentur WAFA meldete am 10. Mai auch Verhaftungen von Palästinensern im Gebiet Sheikh Jarrah.
  • Als Reaktion auf die anhaltenden Angriffe aus dem Gazastreifen hat die israelische Regierung außerdem beschlossen, die Fischereizone vor ihren Küsten ab dem 9. Mai bis auf weiteres vollständig für palästinensische Fischer zu sperren. Am 10. Mai beschloss das israelische Militär außerdem, den Grenzübergang Erez zwischen dem Gaza-Streifen und dem jüdischen Staat bis auf Weiteres zu schließen. Israel hat zusätzliche Kampfeinheiten an die Grenze zum Gazastreifen entsandt.
  • Am 10. Mai begannen massive Raketenangriffe aus dem Gaza-Streifen auf Israel. Palästinensische Radikale aus dem Gaza-Streifen feuerten in der Nacht mindestens 150 Raketen auf israelisches Gebiet ab, woraufhin die israelische Armee die erste Angriffswelle gegen Ziele der Radikalen in der palästinensischen Enklave starteten.
  • Israel beging am 10. Mai den Jerusalem-Tag, der den Jahrestag der Annexion des Ostteils der Stadt nach dem Sechstagekrieg 1967 markiert. Im Laufe des Tages wurde berichtet, dass sich die Situation auf dem Tempelberg normalisiert habe, aber am Abend kam es in der Nähe der Al-Aqsa-Moschee erneut zu Zusammenstößen. In der Nacht des 11. Mai vertrieben israelische Ordnungskräfte gewaltsam betende Gläubige.
  • Nach Angaben der israelischen Armee haben in der Nacht zum 11. Mai palästinensische Radikale aus dem Gazastreifen mehr als 200 Raketen abgefeuert. Das israelische Militär reagierte darauf mit dem Beschuss von 140 militärischen Zielen in der palästinensischen Küstenenklave sowie der Eliminierung von etwa 15 Menschen der Gruppen Hamas und Islamischer Dschihad.
  • Mindestens 25 Palästinenser wurden bei Angriffen der israelischen Armee auf den Gaza-Streifen getötet. Das Gesundheitsministerium der Küstenenklave berichtete außerdem, dass 107 Palästinenser bei den Angriffen verwundet wurden. Unter den Toten waren neun Kinder.
  • Der palästinensische Rote Halbmond meldete am 11. Mai, dass die Zahl der Palästinenser, die bei Zusammenstößen mit israelischen Ordnungskräften in Ost-Jerusalem und im Westjordanland verletzt wurden, auf 714 gestiegen sei.
  • Israel hat den Zugang zum Gaza-Streifen für ausländische Journalisten gesperrt.
  • Israels Außenministerium rief die Weltgemeinschaft auf, die radikale Hamas-Bewegung, die den Gaza-Streifen kontrolliert, für ihre anhaltenden Raketenangriffe auf israelische Städte zu verurteilen.
  • Die Hamas wiederum forderte die arabischen Länder auf, die Friedensabkommen mit Israel zu kündigen.

Internationale Reaktionen

  • Das russische Außenministerium erklärte, dass die zunehmenden Spannungen durch die Vertreibung arabischer Bewohner aus ihrem angestammten Wohnort – dem Gebiet Sheikh Jarrah – und durch die Förderung von Plänen zum Bau von 540 Häusern für Siedler in der Siedlung Har Homa und durch die Tötung von zwei Palästinensern an einem Kontrollpunkt in der Nähe der Stadt Jenin angeheizt wurden. Moskau wiederholte seine „prinzipielle und konsequente Position“ zum Vorgehen Israels und betrachtet die Enteignung von Land und Eigentum sowie die Errichtung von Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten, einschließlich Ost-Jerusalem, als Maßnahmen ohne rechtliche Wirkung.
  • Teilnehmer des Nahost-Quartetts (Russland, USA, UN und EU) forderten die israelische Regierung auf, Zurückhaltung zu üben und auf Schritte zu verzichten, die die Situation im Osten Jerusalems weiter verschärfen könnten.
  • Zur gleichen Zeit verurteilten die USA die jüngsten Raketenangriffe auf Israel aus dem Gazastreifen und unterstützten das Recht des jüdischen Staates auf Selbstverteidigung.
  • UN-Generalsekretär António Guterres forderte einen Stopp der Zwangsräumungen gegen Palästinenser.
  • Am 10. Mai diskutierte der UN-Sicherheitsrat über die Situation in Ost-Jerusalem. Informationen über die Gespräche werden vertraulich behandelt.
  • Hunderte von Demonstranten haben an einer Protestaktion vor der israelischen Botschaft in Amman teilgenommen. Linke und islamistische Aktivisten hatten das Vorgehen der israelischen Regierung gegen arabische Bewohner Ost-Jerusalems verurteilt und die Ausweisung des israelischen Botschafters gefordert.

Ende der Übersetzung

Werbung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

15 Antworten

    1. Es wird höchste Zeit, dass die BRD den Staat Palästina anerkennt, so wie das die Mehrheit der Staaten auf der Welt getan haben. Spannend dabei ist, dass die DDR ja den Staat Palästina anerkannt hat. Die diplomatischen Beziehungen wurden von der DDR ja nicht aufgehoben, die DDR ist bloß in der BRD aufgegangen. Im Prinzip würde dies bedeuten, dass Berlin in gewisserweise Palästina weder anerkennt noch leugnet. Für die genaue Analyse bräuchte es einen Experten für Völkerrecht, die Ergebnisse wären sicher spannend…

  1. Israel ist ein Staat, das Judentum ist eine Religion. Es ist mir unbegreiflich, warum eine Kritik an Israels Politik und Außenpolitik „antisemitisch“ sein soll. Beide sind hochproblematisch und verletzen Völker- wie Menschenrechte. Mit dem jüdischen Glauben hat das garnichts zu tun. Ergo kein religiöses, sondern ein politisches Thema.

    1. Ganz so einfach ist es nicht, da Israel sein Existenzrecht in diesem Land eben aus dem Glauben herleitet. Genauer auf die Schenkung“ des Landes an Abraham und seine Nachfahren durch Gott persönlich. Buch Mose 17 Tora bzw. Bibel, Altes Testament. Und so wird hier eben die Bibel als „Grundbuch“ benutzt.

      Der Landraub wird von den „Siedlern“ auch genauso verstanden und exekutiert. „Judäa und Samaria“ sind für die „biblisches jüdisches Kernland“, und dort haben Araber eben nichts zu melden. Dumm nur, daß es das „Westjordanland“ ist, von dem hier die Rede geht….

      https://de.wikipedia.org/wiki/Jud%C3%A4a_und_Samaria

  2. *** palästinensische Radikale aus dem Gaza-Streifen ***
    Waren die Russischen Partisanen, in den Augen von diesem Widerlichen West-Presstituierten, auch Radikale, die aus dem feigen Hinterhalt Besatzer Soldaten, der Wehrmacht und SS Verbänden angriffen ?????
    Nein es ist die palästinensische Résistance, die Besatzer ihres Landes angreifen, ob aus dem KZ Gaza oder aus den Gettos, der Semitischen Ureinwohner.

  3. Auch hier wird es am Ende so sein, dass israelische Volk wird den Blutzoll für die, ich sag mal, unvernünftige Politik seiner „Eliten“ bezahlen. Ich kann die israelischen „Eliten“ auch nicht verstehen, nach dem was dem israelischen Volk in der Zeit des Dritten Reiches widerfahren ist. Alles schon vergessen? Wahrscheinlich, denn es reicht eben nicht aus, auf der einen Seite ein ständiges Gedenken einzufordern, was auch überhaupt nicht in Abrede steht, aber andern Seit tritt man die Menschenrechte durch sein Handeln mit den Füßen. Die Idee den Juden nach dem Zweiten Weltkrieg eine Heimat zu geben, war ja richtig. Nur die Umsetzung war leider Mangelhaft und hat schon bei der Entstehung Israels die heutigen Konflikte in sich getragen. Palästina war britische Kolonie und die Araber wurden „nicht gefragt“ ob sie Land das ihnen ca. 1000 Jahre gehörte einfach so abgeben möchten.

    1. Es gibt ja auch noch die Jüdische Autonome Oblast in Russland. Ein äußerst gering besiedeltes Fleckchen Erde mit viel Potential. Dort kann man Siedeln, ohne das dabei andere zu Schaden kommen.

    2. *** Ich kann die israelischen „Eliten“ auch nicht verstehen, ***
      das sind auch nur die Verwalter, des Schöpfers und Herrscher, über das Khasarische Gebilde.
      Der durch seine Kreatur Adolf Hitler, die Menschen Jüdischen Glaubens, die verstockt Unwillig waren, in den nahen Osten zu marschieren, die Semiten Massakrieren, die Länder für SEIN Eretz Israel zu Erobern und den 3 Tempel zu Errichten, entsorgen lassen, damit sie wenigstens, zur Erpressung der Welt noch nützlich waren.

    3. Schwarzer: „Ich kann die israelischen „Eliten“ auch nicht verstehen, nach dem was dem israelischen Volk in der Zeit des Dritten Reiches widerfahren ist. Alles schon vergessen?“

      Den „israelischen Eliten“ ist ja nichts geschehen, das haben die nicht vergessen. 😉

  4. In Deutschland gehen die Politiker davon aus, dass man den Holocaust am besten dadurch sühnt, dass man Israel den Völkermord an den Palästiniern finanziert. Das sichert einem Politiker auch das Wohlwollen der deutschen Nationalhure, die 2 Zeitungen herausbringt, die eine hält sich so gescheit wie die ganze Welt, die andere Zeitung ist stark bebildert, Sex und Politik werden dabei ganz eng vermischt.

    1. Wenn Deutschland die Russländische Föderation auch nur halb so sensibel wie Israel behandeln würde, dann hätten wir schon Fünfzig Nordstream-Pipelines verlegt und die Bundeswehr würde Russland HELFEN sich zu verteidigen!

  5. Ich bin beeindruckt, wie umfassend, wie informativ, wie konzis und wie neutral diese von Thomas Röper dankenswerterweise in präziser und wohlformulierter Weise übersetzten Berichte von russischen Medien sind.

    Es gibt hier „im Westen“, in Deutsch, keine vergleichbar so umfassende, neutrale und vor allem _unaufgeregte_ Berichterstattung mehr.

    Die „Lücken“ in der Berichterstattung sind so gewaltig geworden, dass sie allmählich auch für „die Masse“ unübersehbar werden.

    Aus diesem Aspekt heraus sind mir auch gerade die übersetzten Berichte wie dieser hier von besonderem Wert und Bedeutung.

    Dafür möchte ich hiermit einen besonderen Dank und Anerkennung für Thomas Röper aussprechen!

    1. Ja genau, dem schließe ich mich an. Seit einiger Zeit lese ich hier häufiger und bin froh über die Sachlichkeit der Berichte und Übersetzungen. Das vermisse ich nämlich in manchen der „alternativen Medien“.

  6. Wo bleiben die ach sonst dem „Westen“ so wichtigen demokratischen Rechte der Palästinier, die seit Jahrzehnten unter einer Dauerbesatzung rechtlos zu leben haben? Die CDU hisst heute die Israelfahne. Die Bombardierung okkupierter Städte , das hatten wir ja schon einmal, in Warschau und Belgrad!

Schreibe einen Kommentar