Donbass

Ein Bericht aus erster Hand von der Front im Donbass

Alina Lipp, eine Deutsche mit russischem Vater, ist seit Monaten in Donezk und berichtet von dort. Nun hat sie erstmals die Front besuchen können, hier veröffentliche ich ihren Bericht.

Ich kenne Alina Lipp schon seit einiger Zeit persönlich und wir sind gute Freunde geworden. Seit einigen Monaten ist sie in Donezk und berichtet auf ihrem Telegram-Kanal über den Alltag in Donezk und veröffentlicht viele aktuelle Meldungen. Vor einigen Tagen hat sie die Gelegenheit genutzt und ist mit einigen anderen Journalisten an die Front gefahren. Auf ihrer Internetseite hat sie einen ersten Bericht veröffentlicht, den ich als Gastbeitrag veröffentliche.

Ich kenne Alina wie gesagt persönlich und wir telefonieren manchmal mehrmals täglich. Ich weiß, dass sie in ihren Berichten die ungefilterte Wahrheit berichtet, sie ist eine Idealistin, die, wie ich, einfach nur das berichten will, was die deutschen „Qualitätsmedien“ ihren Lesern verschweigen. Von ihrem Frontbesuch hatte sie mir schon erzählt und einige Dinge, die ihr die Menschen dort erzählt haben, haben sie so berührt, dass ich im Gespräch hören konnte, wie sie kaum die Tränen zurückhalten konnte.

Hier nun Alinas erster Frontbericht, den Sie auf ihrer Seite veröffentlicht hat. Ich werde auch weitere Berichte von ihr veröffentlichen, wenn sie sie geschrieben hat.

Donbass: Bericht über meine Trips an die Front – Tag 1

Donezk, 28.02.22. Früh morgens um sieben Uhr werde ich von drei großen Autos abgeholt, von denen zwei mit einem großen weißen „Z“ markiert sind. Ich kannte diese Markierung aus dem Internet, alle russischen Fahrzeuge der militärischen Operation in der Ukraine tragen sie. In dem Auto ohne „Z“ soll ich Platz nehmen, zusammen mit einem amerikanischen und einem russischen Journalisten. Die anderen beiden Fahrzeuge stellen sich als Begleitfahrzeuge heraus, in denen schwer bewaffnete Soldaten mitfahren, die uns den Weg zeigen und uns beschützen sollen.

Wir fahren los in Richtung Süden – an die Front, an der Soldaten der Donezker Volksrepublik und der russischen Armee derzeit durch im Donbass gelegenen Dörfer rauschen, die seit Jahren unter ukrainischer Kontrolle stehen. Ich bin hochgespannt, was wir dort sehen würden. Doch bevor es richtig losgeht, halten wir an einer Tankstelle an, denn die Reisetruppe möchte Kaffee mit Schokoriegeln und Mini-Croissants frühstücken. Ich lehne dankend ab, dennoch werden mir Cappuccino und eine Tafel Schokolade in die Hand gedrückt. Einige Soldaten füttern einen Straßenhund, der uns mit großen bettelnden Augen beim Essen zuschaut, mit Mini-Croissants. Dann geht es endlich los — mit einer kugelsicheren Weste über dem Fenster meiner Tür und mehreren Gewehren zwischen unseren Füßen, was ich etwas gruselig finde.

Ungefähr eine Stunde lang fahren wir über schlammige Straßen zwischen Feldern und Dörfern hindurch. Auf dem Weg sehen wir jede Menge Panzer, im Feld aufgestellte Artillerie, endlos lange Militär-Konvois und vor allem beschädigte Wohnhäuser. Auf allen Fahrzeugen prangt das berühmt-berüchtigte „Z“. Ich frage meine Kollegen, was dies bedeuten würde; Sie sagen, sie hätten mehrere Varianten gehört – die verbreitetste Erklärung sei „Zorro“. Als Zeichen dafür, dass die Streitkräfte Russlands und der Donbassrepubliken für die Wiederherstellung der Gerechtigkeit eingesetzt würden.

Acht Jahre lang hatten die ukrainischen Streitkräfte die Donbassbevölkerung regelrecht terrorisiert, mit Scharfschützen auf im Grenzbereich lebende Zivilisten geschossen, Anschläge auf Schulen oder gar humanitäre Hilfsaktionen verübt. Ich selbst war mehrfach in diese Grenzgebiete gefahren und habe das Leid mit eigenen Augen gesehen – und die Schüsse der ukrainischen Soldaten gehört.

Wir erreichen das erste Dorf, in dem wir drehen wollen: Nikolaevka. Erst zwei Tage zuvor war es aus ukrainischer Kontrolle „befreit“ worden, wie man hier sagt. Wir steigen aus dem Auto, mein Blick fällt sofort auf eine Kirche mit wunderschöner goldener Kuppel, deren eine Hälfte wie abgerissen aussieht. Unser Fahrer stellt sich mir nochmals vor, erklärt, er sei Personenschützer und ich solle in gefährlichen Situationen immer sofort nach ihm Ausschau halten. Alles klar. Wir gehen in Richtung Kirche, kommen an einem fast komplett zerstörten Wohnhaus vorbei. Ich betrachte den Innenhof, die bunten Kinderspielzeuge, die dort aus den Trümmern hervorleuchten.

Plötzlich erschüttert eine ohrenbetäubende Explosion die Umgebung und ich springe wie automatisch in die Arme des Personenschützers. Er lacht etwas und erklärt mir, dass dies ein Abschuss „von unseren“ gewesen wäre. Es folgen weitere Schüsse und ich kann mich einfach nicht daran gewöhnen. Die kriegserfahrenen „alten Hasen“ um mich herum müssen schmunzeln.

Nachdem wir ein paar Aufnahmen im Kasten haben, fahren wir weiter Richtung Süden. Plötzlich macht unser vorausfahrendes Begleitauto eine scharfe Linkskurve und setzt zurück, um umzudrehen. Uns wird bedeutet, es ihm gleich zu tun. Wir drehen um, passieren einen kleinen Militärwagen, aus dem plötzlich einige Soldaten springen und unsere Türen aufreißen. Völlig in Panik bitten sie uns, uns ein paar Meter mitzunehmen, ukrainische Scharfschützen hätten gerade ihre Reifen zerschossen. Die Soldaten quetschen sich in unsere kleine Kolonne und wir rasen los. Wir werden gefragt, was zum Teufel wir hier verloren hätten, am anderen Straßenende sei gerade sogar ein ukrainischer Panzer eingefahren. Aus dem Fenster nehme ich plötzlich zig nebeneinander auf dem Boden liegende Scharfschützen mit Gewehren wahr, die in eine Richtung zielten. Wir hatten wohl ausversehen die Front der Front erreicht.

Nach all der Aufregung fahren wir in das Dorf Starognatovka, dessen Hauptstraße in voller Länge von russischen und donezker Militärfahrzeugen vollsteht. Alle Motoren laufen, der Lärm ist kaum vorzustellen. Wir halten am Dorfladen an, wo ich eine Frau anspreche, ob sie mir ein paar Worte zur aktuellen Lage und den Erlebnissen der letzten Tage erzählen mag. Sie bricht sofort in Tränen aus, fragt, was man da erzählen soll, es sei die Hölle gewesen. Bevor die „Z“-Truppen kamen, hätten die Ukrainer massiv das Dorf unter Beschuss genommen, tagelang hatten die Bewohner in Kellern gekauert, ohne Schlaf, oft ohne Essen. Die Geschäfte waren geschlossen gewesen. Mehrere Häuser wurden schwer beschädigt oder zerstört, einige Nachbarn sind ums Leben gekommen. Seit die Russen da sind, ist alles endlich wieder friedlich, sagt sie, seit zwei Tagen könne sie wieder schlafen und die Geschäfte hätten auch wieder geöffnet. Ich bedanke mich bei ihr und drücke sie ganz fest. Wir gehen weiter durch das Dorf, sprechen mit verschiedenen Anwohnern, die uns genau die gleiche Geschichte erzählen. Dann fahren wir zurück nach Donezk – das Benzin reichte nicht mehr für lange Zeit und es gab in der Umgebung keine Tankstellen. Zurück in Donezk verabredeten wir uns für einen weiteren Fronttrip am nächsten Tag.

Nachtrag: Die in diesem Artikel beschriebenen Ereignisse entsprechen der Wahrheit und haben sich genauso abgespielt. Sie sind von mir mit Fotos und Videos dokumentiert worden. Das Material wurde und wird auf meinem Telegramkanal t.me/neuesausrussland sowie bei Peertube unter «Neues aus Russland» veröffentlicht.

Werbung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

14 Antworten

  1. Tja, das Mädel ist richtig mutig.
    Vielleicht sollte man mal eine gewisse Golineh Atai dort hin schleifen, mehrfache Preisträgerin irgendwelcher Preise, gestiftet durch sicher zutiefst humanistische Vereine, denen „Menschenrechte“ eine Herzensangelegenheit sind. Die sind jetzt natürlich ganz doll entsetzt darüber, daß die Russen dem Spuk, der sie vorher nie interessiert hat, eher noch gut geheißen wurde, ein Ende bereiten. (Man kann nur hoffen, daß es nicht allzu blutig wird, aber blutig wird es, wie es aussieht, werden.)
    Ich hab das Bild noch vor Augen, als die Kiewer Bande 2014 Panzer in Richtung Donbaß schickte und die „Dame“, damals wohl noch beim ARD, aus sicherer Entfernung verkündete, das sei doch viel zu spät … da war nix von „Kiew schießt auf sein eigenes Volk“…

  2. Lieber Thomas, ich halte es für sehr wichtig und wertvoll, dass Alina möglichst viele Gespräche mit den Einwohnern als Doku-Material macht und aufzeichnet, für heute, für morgen und für die Nachwelt. Die Menschen sollten sich darin auch vorstellen. Dies ist wichtiger als alles andere!

    Gerade weil unsere Lügenmedien ja das gleiche machen, und sich immer ihnen genehme Opfer aussuchen, am liebsten weinende Kinder (die man dann 20 mal am Tag ertragen muss!) um eine gewaltige, verlogene Stimmung zu erzeugen.

  3. Die sollten doch mal diese „Nachrichtensprecher“ bei ard/zdf/phönix & Co. – welche sich nicht zu blöd waren zu behaupten in der „ukraine“ gäbe es keine Nazi’s – dorthin vor Ort schicken und live berichten lassen….

    Aber nein, die müßten ja eine ganze Fabrik für Windeln mitnehmen… 😋😋

    1. Tatsächlich gab es die mal, stellvertretend nenne ich nur: Peter Scholl-Latour. Der hatte so viel Abenteurerblut in sich, dass er nicht mal gedrängt werden musste. Heute gibt es nur noch Schlappschwänze, die vom Balkon des First-class-Hotels aus „berichten“. Leute wie der Erstgenannte sind den Medien höchst unwillkommen, die könnten das Gesamtbild stören!

  4. Herzlichen Dank an Thomas Röper und seine Mitarbeiter und Helfer. Seine journalistische Arbeit sehe ich als eine der wichtigsten Stützen für eine wahrheitsnahe Information zum Horrorthema Ukraine.

    Überall in der Welt haben die USA – Machteliten seit dem Bestehen ihres Landes eine blutige Spur hinterlassen, und ich kann nur hoffen, dass die unsäglichen Aktionen und Provokationen im Zusammenhang mit der beabsichtigten Zerstörung der Staatlichkeit Russlands, die in der aktuellen „Krise“ kulminieren, endlich mal einen größeren Teil der Menschheit aufwecken und auch manche der vollkommen sedierten BlödianInnen aufrütteln.

    Wenn wir die US-Machteliten anschauen, sehen wir direkt ins Zentrum des Bösen, ins schlagende Herz der Hölle. Und mit dem Ukrainischen Faschismus wurde ein Personal rekrutiert, das zu diesem Schreckensbild perfekt passt.

  5. Eine Frage: Russische Fahrzeuge sind an einem weißen Z erkennbar. Bei den Fotos von Fahrzeugen im Bericht ist das Z mit einer Schablone aufgesprüht. Viele in sozialen Medien kursierende Bilder von zerschossenen russischen Fahrzeugen und Panzern tragen das Z, allerdings ist dort oft das Z schlampig mit einem Pinsel aufgemalt. Ich war selbst Soldat und kann mir kaum vorstellen, dass auf Militär-Fahrzeuge das Z einfach mit einem Pinsel mit verlaufender Farbe aufgemalt ist. Sind das Fakefotos, die hohe russische Verluste nur vortäuschen sollen?

    1. Beweisen kann man das wohl nicht, aber der Verdacht ist naheliegend. Bestes Beispiel fuer das fact forging der ukrainischen Armee (oder verwandten Milizen) war ja der „Angriff“ auf den Nuklearkomplex Zaporizhzhia, der seit dem 24.02.2022 von russischen Einsatzkraeften gesichert war, von den westlichen Medien jedoch sofort begierig als moegliches „Chernobyl II“ hochstilisiert wurde. Man muss jedoch leider konstatieren, dass eine derartige „Berichterstattung“ bei der Masse der westlichen, vor allen Dingen deutschen MSM-Konsumenten entsprechende Wirkung zeitigt. Stellt sich die Frage, ob sich Russland an der Kriegsfront der Medien zu leicht unterbuttern laesst.

  6. Hier die Bedeutung der Kürzel „Z“usw:
    Z :The eastern Forces of the RF
    squared Z:forces from Crimea
    O:forces from Belarus
    V:Marines
    X:chechens
    A:special Forces
    Habe es von nem Foto abgeschrieben,da Bilder nicht erlaubt.
    Druschba (:

  7. Frau Lipp / Herr Röper – wie lautet Ihre Stellungnahme zu:
    „And the constitution adopted by Lenin’s successor, Josef Stalin, has been restored by the Moscow-backed separatist leaders of Donetsk and neighbouring Luhansk after they broke away from the central government in 2014.
    This constitution prescribes the death penalty for a number of crimes, making the separatist “People’s Republics” – and authoritarian Belarus nearby – Europe’s only homes to capital punishment.
    After almost eight years of existence, the “republics” are understood to have evolved into totalitarian, North Korea-like statelets.
    It is near impossible for foreigners to enter the areas. Ukrainians can only visit if they have relatives in Donetsk and Luhansk, and would have to cross into Russia first, which takes about 30 hours and costs $100 – a journey that also involves bribing officials at times. Residents need a Soviet-era residency registration.“
    Quelle: aljazeera.com/news/2022/2/22/what-are-donetsk-and-luhansk-ukraines-separatist-statelets

    Was ist am Text korrekt, was falsch? Der Text klingt mir zu propagandistisch, zu wenig sachlich.

Schreibe einen Kommentar