Energiekrise

Ein gutes Geschäft: Ungarn liefert russisches Gas an die Ukraine

Ungarn hat angefangen, Gas an die Ukraine zu liefern und verdient sich dabei eine goldene Nase. Die bankrotte Ukraine bezahlt lieber ein Vielfaches für Gas, als das Gas direkt aus Russland zu importieren.

Im Oktober hat Ungarn einen neuen langfristigen Liefervertrag für Gas mit Gazprom abgeschlossen, der Ungarn günstiges russisches Gas garantiert, während die Gaspreise im Rest der EU wegen des kürzlich von der EU-Kommission erlaubten Börsenhandels mit Gas ein Vielfaches betragen. Gleiches gilt auch für die Ukraine, die offiziell kein russisches Gas mehr kauft, sondern „europäisches“ Gas.

In Wirklichkeit hat die Ukraine ihr Gas seit 2014 bei Scheinfirmen in Ungarn gekauft, die russisches Gas zu „europäischem Gas“ umdeklariert haben, das die Ukraine dann direkt aus der Transitpipeline in ihr eigenes Gasnetz geleitet hat, ohne dass dieses „europäische Gas“ jemals in Europa gewesen wäre. Ich habe darüber Anfang Oktober ausführlich berichtet, den Artikel finden Sie hier.

Die Scheinfirmen in Ungarn haben für diese Dienstleistung, also für das Ausstellen der Papiere, die das russische Gas zu „europäischem“ Gas gemacht haben, hundert Dollar pro 1.000 Kubikmeter berechnet. Anti-Spiegel-Lesern ist das seit Sommer 2020 bekannt und es hat sich gerade erneut bestätigt, wie ich hier ausgeführt habe.

Die Ukraine will aber weiterhin kein Gas direkt aus Russland importieren, obwohl das wesentlich billiger wäre. Daher hat die Ukraine nun erneut Lieferverträge mit Ungarn abgeschlossen, das sein russisches Gas seit Oktober über die neue Pipeline Turkish-Stream bezieht. Für Ungarn dürfte das ein hervorragendes Geschäft sein, denn das Gas wird vermutlich zum Börsenpreis (oder etwas darunter) verkauft, während Ungarn das Gas wesentlich billiger bezieht.

Darüber hat das russische Fernsehen berichtet und ich habe den Artikel des russischen Fernsehens übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Ungarn beginnt mit Gaslieferungen an die Ukraine

Zum ersten Mal überhaupt hat die Ukraine damit begonnen, physisch Gas aus Ungarn zu importieren, erklärte der Leiter des ukrainischen Gastransportsystems, Sergej Makogon, auf seiner Facebook-Seite.

Das ukrainische Gastransportsystem hat nur in Richtung Ukraine-Ungarn gearbeitet. Aufgrund technischer Maßnahmen sei es möglich, Gas in beide Richtungen zu liefern, erklärte Makogon.

(Anm. d. Übers.: Man führe sich den Unsinn bitte vor Augen: Es wurde eine komplizierte technische Lösung gefunden, damit russisches Gas weiterhin durch die Ukraine nach Europa kommen und gleichzeitig russisches Gas für einen wesentlich höheren Preis in entgegengesetzter Richtung aus Europa in die Ukraine fließen kann)

Ungarn ist nach der Slowakei zum zweiten garantierten Gaslieferanten für die Ukraine geworden. „Die Öffnung dieser Richtung hat Händlern die Möglichkeit eröffnet, von einem Terminal in Kroatien aus Flüssiggas in die Ukraine zu liefern“, betonte Makogon. (Anm. d. Übers.: Flüssiggas ist teurer als russisches Pipelinegas und der Transport in die Ukraine kostet zusätzlich noch Transitgebühren)

Nach Angaben des Betreibers des ukrainischen Gasnetzes importierte die Ukraine im Jahr 2021 über 2,6 Mrd. Kubikmeter Gas aus der EU.

Ungarn hat im September 2021 einen neuen 15-jährigen Gasliefervertrag mit Gazprom unterzeichnet. Der Vertrag sieht mögliche Änderungen nach zehn Jahren vor.

Ungarn wird 4,5 Mrd. Kubikmeter pro Jahr erhalten, davon 3,5 Mrd. Kubikmeter über Serbien (durch die Pipeline Turkish-Stream) und 1 Mrd. Kubikmeter über Österreich.

Im Jahr 2020 lieferte Gazprom 8,637 Mrd. Kubikmeter Gas nach Ungarn und 10,522 Mrd. Kubikmeter im Jahr 2019. In der ersten Hälfte des Jahres 2021 stiegen die Lieferungen um 5 Prozent auf 3,909 Mrd. Kubikmeter.

Außerdem liefert Russland Gas im Rahmen langfristiger Verträge an Deutschland, was bedeutet, dass Gazprom das Gas billiger als auf dem Spotmarkt verkauft.

„Nur mit dem Weiterverkauf von einer Milliarde Kubikmeter Gas kann man fast eine Milliarde Dollar verdienen, und sie (Deutschland – Anm. d. Red.), die von uns 5,6 Milliarden mehr erhalten haben als in den langfristigen Verträgen vorgesehen, verkaufen es jetzt“, sagte Präsident Wladimir Putin. „Dort gibt es eine Pipeline, die das polnische Pipelinesystem mit dem ukrainischen verbindet. Das Volumen beträgt etwa 3 Millionen Kubikmeter pro Tag. Das ist genau die Menge, die von Deutschland nach Polen geliefert wird. Ich habe jeden Grund anzunehmen, dass das am Ende in die Ukraine geht. Und die Verbraucher in Europa und Deutschland sollten wissen, was in Wirklichkeit vor sich geht.“ (Anm. d. Übers.: Über diese Aussage Putins habe ich seinerzeit berichtet, die vollständige Aussage Putins finden Sie hier)

Ende der Übersetzung

Fazit: Die Ukraine bezieht Gas wesentlich teurer als wenn sie es direkt bei Gazprom kaufen würde. Dabei ist es egal, ob deutsche Importeure das billig gekaufte russische Gas zum Börsenpreis an die Ukraine liefern, ob Ungarn das tut, oder ob die Ukraine teureres – aber dafür nicht russisches – Gas kauft, das als Flüssiggas nach Kroatien geliefert wird. Die bankrotte Ukraine kauft das Gas lieber teurer ein, als es günstiger in Russland zu beziehen, und lässt Zwischenhändler riesige Profite machen. Und die Rechnung bezahlen die ohnehin schon verarmten ukrainischen Verbraucher.

Ob die 2014 dafür auf den Maidan gegangen sind…?

Die Gründe für die Energiekrise in Europa

Über die Gründe für die Energiekrise in Europa habe ich oft berichtet, daher fasse ich sie hier der Vollständigkeit halber nur noch einmal kurz zusammen.

Erstens: Der letzte Winter war kalt, weshalb viel Gas verbraucht wurde. Pipelines und Tanker reichen nicht aus, um im Winter genug Gas nach Europa zu bringen, weshalb die Gasspeicher normalerweise im Sommer aufgefüllt werden. Das ist in diesem Jahr ausgeblieben und während die Gasspeicher normalerweise zu Beginn der Heizsaison zu fast 100 Prozent gefüllt sind, waren es in diesem Jahr nur knapp 75 Prozent.

Zweitens: Die Energiewende hat zu einem zu großen Anteil von Windenergie am Strommix geführt. Da der letzte Sommer aber außergewöhnlich windstill war, fehlte die Windkraft und es wurde unter anderem Gas zur Stromerzeugung genutzt, das eigentlich in die Speicher hätte geleitet werden müssen.

Drittens: Der Wunsch vieler europäischer Politiker, russisches Gas durch vor allem amerikanisches Flüssiggas zu ersetzen, hat dazu geführt, dass in Europa nun Gas fehlt. Der Grund: In Asien sind die Gaspreise noch höher als in Europa und die fest eingeplanten amerikanischen Tanker fahren nach Asien, anstatt nach Europa.

Viertens: Die Reform des Gasmarktes der letzten EU-Kommission hat den Handel mit Gas an den Börsen freigegeben. Dadurch wurde Gas zu einem Spekulationsobjekt. Während Gazprom sein Gas gemäß langfristiger Verträge für 230 bis 300 Dollar nach Europa liefert, ist es für die Importeure ein gutes Geschäft, das Gas an der Börse für 1.000 Euro weiterzuverkaufen und diese Spekulationsgewinne in Höhe von mehreren hundert Prozent in die eigene Tasche zu stecken.

Warum Gazprom trotzdem langfristige Verträge möchte? Die Antwort ist einfach, denn das war auch in Europa so, als in Europa noch Gasfelder erschlossen wurden. Der Produzent von Gas muss Milliardeninvestitionen planen und das geht nur, wenn er weiß, wie viel Gas er langfristig zu welchem Preis verkaufen kann. Daher möchte ein Gasproduzent langfristige Verträge, auch wenn der Preis zeitweise möglicherweise viel niedriger ist als der, den er an der Börse erzielen könnte.

Auch für den Kunden ist es von Vorteil, wenn er die Gaspreise und die Gasmengen im Voraus planen kann, denn was passiert, wenn man sich auf kurzfristige Verträge einlässt, erleben wir gerade in Europa. Dass die EU-Kommission sich trotzdem für kurzfristige Verträge und Börsenhandel von Gas einsetzt, ist entweder Inkompetenz, oder der Wunsch europäischen Konzernen die lukrative Börsenspekulation mit Gas auf Kosten der Verbraucher zu ermöglichen, oder die politische Abhängigkeit von den USA, die auf kurzfristige Verträge setzen, weil ihrer schnelllebigen Frackingindustrie schnelle Gewinne wichtiger sind als langfristige Planungssicherheit.

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

11 Antworten

  1. Vielleicht muss man nur lange genug warten, also bis die Ukraine pleite ist?
    In so einem Zustand ist sie für den Westen nicht mehr als Bündnispartner interessant, sondern nur noch als Selbstbedienungsladen… Pufferzone… oder wie man sowas heutzutage nennt.

    Russland darf da ja ohnehin nicht mehr ran.
    Dann hätte sich die Ukraine sauber selbst zwischen die Stühle geklemmt.

  2. Die USA verkauft doch auch verflüssigtes russisches Erdgas an Europa(meist reimportiert von gr0ßen europäischen Gasvorkommen in Holland und Belgien! LOL!; letztes brauchte man wohl keinen Reimport mehr, die Europäer brauchen wohl keine Ausreden mehr!) Deutsche Firmen machen das gleiche wie Ungarn und die Slowakei!
    Who cares! Der Markt regelt das! IMHO mehr der Profit, weil das Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von Profit, wusste man schon 1860, Marx zitiert:
    http://www.mlwerke.de/me/me23/me23_741.htm#M250

  3. Dass Ungarn der Ukraine hilft, geht sicher wohl auf ausdrücklichen Wunsch Wladimir Putins zurück. (Weil Realist, was er aus der mächtigen EU nirgendwo verhindern könne). Also ordnet er die Gas-Bruderschaft genau dort an, wo der Zank am größten wird. „Und ja, wo die Not am größten, da sind die Freunde nah!“ Der Zank kommt danach später. – Orbán muss nur aufpassen, dass die Bezahlung nicht in der sonderbaren Währung: 1 blecherner Lambrecht (‚der Zentner Gefechtshelm‘) erfolgt.

  4. „Die Ukraine will aber weiterhin kein Gas direkt aus Russland importieren, obwohl das wesentlich billiger wäre.“

    Vermutlich nutzen sie deshalb die neue Pipeline über Ungarn, weil die nicht so porös ist wie die alte. Die Ukrainer machen das allein aus Umweltschutzgründen, damit nicht so viel Methan unverbrannt in die Atmosphäre entweicht. 😉

  5. Langsam verstehe ich weder Gazprom noch Putin. Bei Vorzugspreisen hätte man den Weiterverkauf vertraglich ausschließen können und müssen. Was soll das ganze Theater?
    Herr Röper vielleicht können sie bei dem Ganzen Erdgaszirkus etwas kürzer treten, bevor es langweilt.

    1. Vorzugspreis bedeutet nicht Freundschaftspreis. Die alte BRD lieferte einst Rohre für die Pipeline bekam als Gegenleistung über Jahre hinweg Gas zu einem Vorzugspreis.
      Gebaut wurde diese Pipeline dann von Ostblockländern auf eigene Rechnung. Im Gegenzug waren auch Vorzugspreise vereinbart.
      Dann kam die Wende, die Baukosten der Pipeline standen verteilt in den ostdeutschen / Ostblock Firmenbüchern und die neue BRD genoss ihren Vorzugspreis, konnte genüsslich über die Pleite der DDR meckern und jammern.

      Kleiner Rückblick ins Jahr 2014 da klang das so:

      https://www.deutschlandfunk.de/umstrittene-gaspipeline-ungarns-regierung-setzt-auf-russland-100.html

      Wenn Ungarn auf eigene Kosten etwas gebaut hat und damit Gazprom finanziell entlastete warum dann nicht eine Win Win Situation? Das nicht im Pipeline Bau gebundene Geld steckt dann wohl zielgerichtet in der Erschießung.

      „Orbans Energiepolitik setzt auf staatlich verordnete Preissenkungen und eine Renationalisierung der ungarischen Energiewirtschaft. Und damit auf das Gegenteil von dem, was die EU fordert: einen marktwirtschaftlichen Wettbewerb auch bei Strom- und Gas.“

      Und heute jammert die selbe EU über Marktversagen, Wucherpreise und was ihr sonst noch einfällt um eigenes Versagen zu verschleiern.

      Es ist nicht die Schuld von Herrn Röper wenn die EU nicht klar denken kann. Auch kein Wunder bei der ewigen Finsternis im Hinterteil der USA.
      Ganz nebenbei angemerkt, die USA verhandelt gerade mit Katar über Flüssiggas Lieferungen für die EU.
      Ausgerechnet mit Katar, dass gleiche Land bei dem westliche Medien ständig was zu meckern haben.

        1. Warum sollte dann die Ukraine kein russisches ungarisches Gas kaufen? Wer viel bezahlen will bitte schön. Zahlt eh der europäische Steuerzahler. Und weil die EU so auf freie Märkte pocht handelt Ungarn eben marktgerecht. Billig gekauft teuer weiterverkauft. Blockiert Gazprom einen Weiterverkauf bekommt die EU wieder einen Tobsuchtsanfall. 50% fest 50% freier Markt so schreibt die EU das vor.

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