Öl und Gas

EU will auf US-Druck auf russisches Gas verzichten, die USA importieren weiterhin russisches Öl

Während die EU auf Druck der USA auf russisches Gas verzichten soll, macht das Weiße Haus Druck auf Demokraten, kein US-Öl-Embargo gegen Russland zu verhängen.

Europa bekommt fast die Hälfte seines Gases aus Russland und der Bedarf wird in den nächsten Jahren steigen. Die wichtigsten Gründe sind der Kohleausstieg und die Erhöhung des Stromverbrauchs durch E-Autos. Trotzdem hat die deutsche Regierung nun dem Druck nachgegeben und Nord Stream 2 de facto beerdigt.

Die USA hingegen importieren weiterhin fleißig russisches Öl und haben auch nicht vor, das zu ändern. Dabei geht es im Falle der USA nur um etwa drei Prozent ihres Ölverbrauches, den sie aus Russland importieren, aber selbst darauf wollen sie nicht verzichten. Während die Wirtschaft und die Menschen in Europa unter den anti-russischen Sanktionen leiden werden, treffen die Sanktionen die USA praktisch gar nicht. Die USA fordern von der EU große Opfer zur Durchsetzung der US-Politik, sie sind aber nicht bereit, selbst auch nur kleinste Opfer zu bringen.

Das hat das amerikanische Portal Axios berichtet. Ich habe den Artikel von Axios übersetzt (Hervorhebungen und Links wie im Original).

Beginn der Übersetzung:

Scoop: Biden-Offizielle setzten Demokraten wegen Russland-Ölverbot unter Druck

Offizielle der Biden-Administration haben einige demokratische Senatoren unter Druck gesetzt, die parteiübergreifende Gesetzesinitiative der Senatoren Joe Manchin (D-W.Va.) und Lisa Murkowski (R-Alaska), die Öl- und Gasimporte aus Russland verbieten würden, nicht zu unterstützen, sagten Berater der Demokraten im Senat gegenüber Axios.

Warum das wichtig ist: Die stille Lobbykampagne offenbart ein Weißes Haus, das Präsident Bidens Autorität bewahren will, um zu entscheiden, welche Kosten Russland für den Einmarsch in die Ukraine auferlegt werden sollen – und nach welchem Zeitplan.

  • Es zeigt auch die Frustration seiner Berater über die Bemühungen des Kongresses, ihn in die Enge zu treiben.
  • Das Weiße Haus hat am Freitag signalisiert, dass es bereit ist, die Einfuhr von russischem Öl zu reduzieren – ohne genau zu sagen, wie.

Das große Bild: Ein Verbot könnte zu höheren Preisen an den Zapfsäulen in Teilen der USA führen und die Inflation anheizen, was eine der wichtigsten Sorgen von Biden ist.

  • Es könnte auch andere Länder dazu zwingen, diesem Beispiel zu folgen und die Ölpreise weltweit in die Höhe treiben. Russland, der drittgrößte Ölproduzent der Welt, liefert den größten Teil seiner Erdölprodukte nach Europa und Asien.

In Zahlen ausgedrückt: Öl aus Russland machte im Jahr 2021 etwa 3 % der US-Rohstoffeinfuhren aus.

  • Es wird hauptsächlich nach Hawaii und an die Küsten importiert, wo die Raffinerien keinen Zugang zu den Pipelines haben, die die großen einheimischen Ölfelder in Orten wie dem Permian Basin im Südwesten verbinden.
  • Energieanalysten und Ökonomen sind sich nicht einig, wie stark ein Importverbot die Preise in die Höhe treiben würde.

Was die Nachrichten antreibt: Cecilia Rouse, die Vorsitzende des Rates der Wirtschaftsberater, sagte am Freitag vor Reportern: „Wir prüfen Optionen, die wir jetzt ergreifen können, um den US-Verbrauch russischer Energie zu senken, aber das Wichtigste ist, dass wir eine stetige Versorgung mit globaler Energie aufrechterhalten.“

  • Das scheint eine Abkehr von der anfänglichen Ablehnung der Bemühungen des Kongresses zu sein, ein Embargo gegen russisches Öl für US-Raffinerien zu verhängen.
  • Die Lobbyarbeit hinter den Kulissen schien Anfang der Woche gemischte Ergebnisse zu zeitigen. Das Manchin-Murkowski-Gesetz hat jetzt 20 Mitunterzeichner.
  • Unterdessen sagte die Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, am Donnerstag zu Reportern über ein Verbot: „Ich bin dafür – verbietet es.“
  • Bloomberg berichtete am Freitag, dass Beamte der Regierung Gespräche mit Vertretern der Öl- und Gasindustrie über die Auswirkungen eines möglichen Verbots auf die vom amerikanischen Verbraucher zu zahlenden Preise führen würden.

Ein Sprecher des Weißen Hauses lehnte eine Stellungnahme ab.

Zwischen den Zeilen: Berater des Senats erklärten gegenüber Axios, dass die Reaktion des Weißen Hauses auf die Bemühungen von Manchin und Murkowski ähnlich aussehe wie die Aufforderung an die Gesetzgeber in der vergangenen Woche, die Forderungen nach einem Ausschluss Russlands aus dem SWIFT-Finanzsystem zurückzuschrauben – eine Entscheidung, die die Regierung Biden schließlich getroffen hat.

Was sie sagen: Michael McFaul, der unter Präsident Barack Obama als US-Botschafter in Russland tätig war, sagte am Freitag, er erwarte, dass sich die Praxis des Imports von russischem Öl „bald ändern“ werde.

  • „Die Vereinigten Staaten sollten kein russisches Öl importieren. Punkt“, sagte McFaul während einer Online-Podiumsdiskussion über die russische Invasion in der Ukraine, die von Jonathan Swan von Axios moderiert wurde.
  • „Ich verstehe die Inflation. Ich verstehe die Argumente. Aber es gibt keinen ethischen oder moralischen Grund, warum wir das tun sollten, und ich erwarte, dass sich das bald ändern wird.“

Viele US-amerikanische Raffinerien haben den Kauf von Öl aus Russland de facto eingestellt, da sie sich Sorgen machen, wie sie dafür bezahlen sollen, wenn viele russische Unternehmen bereits mit Banksanktionen belegt sind.

  • Vorläufige Daten der Energy Information Agency zeigen, dass die US-Importe in der letzten Februarwoche auf Null gesunken sind.
  • Am Freitag kaufte die Shell PLC mit Hauptsitz im Vereinigten Königreich russisches Rohöl mit einem hohen Preisnachlass, der laut Wall Street Journal fast 30 Dollar pro Barrel unter den internationalen Referenzwerten lag.
  • Laut Andrew Freedman von Axios sind die Treibstoffpreise in den USA aufgrund des wirtschaftlichen Aufschwungs und des knappen weltweiten Angebots bereits so hoch wie 2014.

Die Quintessenz: Das Weiße Haus wollte schon immer einige Sanktionen als Druckmittel gegen Russland in der Hinterhand behalten, um Schmerzen für die amerikanischen Verbraucher zu verzögern, wenn nicht gar zu vermeiden.

  • Aber da sich die internationale und nationale Meinung so stark gegen Russland wendet, könnte Biden dazu gedrängt werden, die Sanktionen früher als geplant zu verhängen.

Ende der Übersetzung

Und nun vergleichen Sie das Vorgehen der USA, möglichst auf Sanktionen zu verzichten, die den USA wehtun könnten, mit dem, was die USA von der EU verlangen und was die Brüsseler US-Marionetten in regelrecht vorauseilendem Gehorsam umsetzen.


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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

24 Antworten

  1. Ich las heute diesen Artikel:

    https://tkp.at/2022/03/05/vor-preisexplosion-bei-lebensmitteln-als-folge-des-ukraine-krieges-ungarn-verbietet-getreideexport/

    Darin ging es u.a. um die Frage, ob es den USA angesichts der breit gefächerten Sanktionen überhaupt noch MÖGLICH sei, einen Öleinfuhrstopp der USA aus Russland zu verhindern.

    Aber davon mal abgesehen: Bei 3 % würde ich mir keine Katastrophe in den USA erwarten, wenn dieser Handel am Ende auch unterbliebe. Die Frackingfirmen würden sich die Hände reiben und vermutlich irgendwelche Zulieferwege finden.

  2. Der Trainer von Manchester City, ‚Sir‘ Pep Guardiola – heute in Pressekonferenz befragt, antwortet mit knallharten Statement: „Es gibt Politiker, um solche Dinge zu vermeiden. Sie passieren trotzdem,weil sie Versager sind, komplette Versager. Sie sind da, um solche Dinge zu vermeiden. Diese Dinge geschehen, weil sie nicht in der Lage sind, es zu verhindern. Es geht nicht um eine Flagge oder ein Stück Land, es geht um Geld. Es passiert in Syrien, Afghanistan, Jugoslawien, …wo unschuldige Menschen sterben, weil die Elite Geld will. Wenn Geld nicht involviert ist, gibt es auch keinen Krieg. Es passiert trotzdem. Seit acht, neun Tagen ist nun Krieg. Die NATO und die europäischen Organisationen sind … Versager, komplette Versager.“ [watch?v=FqRroA-6JEU]

  3. Nur zu! Wer sich einen Kanzlerzwerg wie Scholz, eine Baerbock usw. leistet, hat wohl nichts anderes verdient. Diese ganze Politikergeneration muss weg, aber nicht in Pension, sondern in den Knast!

      1. In Deutschland gilt, dass jeder Gefangene den Staat pro Tag eine ziemliche Menge Geld kostet. In Russland gibt’s das wahrscheinlich billiger, aber dort sind JVU-Beamte und Straflager auch nicht umsonst, und die Wertschöpfung durch Granaten wie Navalny würde ich lieber nicht zu hoch bewerten.

        Ergo: Wenn jemand aus dem Verkehr gezogen werden sollte, dann vielleicht besser nicht in eine russische Strafkolonie. Entweder schickt man sie zu Asow, wo sie Gelegenheit haben, „ewigen Ruhm“ zu erwerben, oder auf eine Insel, alle miteinander, Süd-Georgien z.B. oder, wenn das Dschungel-Camp länger dauern soll, etwas in milderen Breiten, aber schön abgelegen und ohne Materialien für einen Schiffbau. Ich könnte mir vorstellen, dass es faszinierend wäre, die Dynamik zwischen Parteifreund/inn/en zu verfolgen. Wer nach zehn Jahren noch übrig ist, darf auf Bewährung zurück.

  4. Natürlich sind die Oligarchen weltweit in bestimmten Punkten einer Meinung, aber eben nicht in allen Interessen. Daraus entstehen Kriege. Aber es gibt zu bestimmten Zeitpunkten Interessen bestimmter Spieler, die mehr Interesse an Krieg haben. Dass Russland derzeit kein Interesse haben kann, sich in daniederliegende Länder einzumischen, liegt auf der Hand. Also werden die Russen grundsätzlich passiv agieren, aber die bedrohliche Gefahr aus der Ukraine auszuschalten und die DonBas- Gebiete weiter unterstützen.

    1. (DonBas- Gebiete weiter unterstützen…) – Antwort: Festlandsockel! Festlandsockel! Man bedenke (strategisch) diesen wegbrechenden Sockel des Nordkaukasus: ab Rostow, Krasnodar und südlicher bis Süd-Ossetien. Dann wenn nämlich die GESAMTE KRIM AMERIKANISCH geworden wäre! Putin wäre heute nicht mehr Präsident. So steht der Präsident auch in der Pflicht, keinen Neuen Kursker Bogen mehr zuzulassen. (heute diffamiert man den russ. Präsidenten als Wahnsinnigen. Klaro, mit amerikanskii Krym wäre er heute tatsächlich wahnsinnig! Seine Völker auch … wahnsinnig – Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt! [Zitat Egon Bahr]

  5. Die Konfliktverschärfung in der Ukraine, die schließlich zur Abspaltung von Lugansk und dem Donbass geführt hat, folgte demselben Prinzip, wie hier mit strafrechtlich relevanten Methoden die Impfpflicht durchgezogen wird.

    Die Konfliktverschärfung begann nach dem Maidan-Putsch und dem Versprechen, niemand will euch verbieten, Russisch zu sprechen.

    „Ein Grossteil der Bevölkerung der Ukraine ist russisch sprechend. Die Russen selber sind nach den Ukrainern die grösste Bevölkerungsgruppe mit ca 8 Mio Menschen. Diese sind von den Eingriffen in den Alltag direkt betroffen. Dabei hat der Vorsitzende der Svoboda-Fraktion, Oleh Tyahnybok, noch am 26.02.2014 also fast auf den Tag genau vor 5 Jahren versichert dass niemand in der Ukraine Menschen jemals aufgrund von Sprache oder Nationalität verfolgen wird.“

    Quelle suchen mit: „10 Jahre Knast für Russisch sprechen“ Der Artikel ist von 2019, also sind das zufällig fast auf den Tag genau 8 Jahre.

    Gestern habe ich mir eine Arte-Reportage über die Separatisten im Donbass angesehen. Und sie sagten, daß sie bedrängt worden seien und aus der Not zur Abspaltung gegriffen hätten. Die Reportage war nicht tendenziös. Man kann sie auf Youtube finden.

    In der Ukraine und hier geht es darum, den Bürgern „den Willen zu brechen“.

    Wenn solches Vorgehen nicht schwerstkriminell ist, was ist dann schwerstkriminell?

    Aut antikrieg dot com findet man interessante Stellungnahmen bekannter Kritiker der amerikanischen Politik. Auch sie folgen nicht dem Narrativ der russischen Aggression. Ron Paul, Paul Craig Roberts, usw. Wie heißt es so schön: Du bist nicht alein!

    Auf der Schweizer Seite sniper dot ch findet man alle Waffen Im- und Exporte, Regime-Changes der USA, usw. Auch interessant.

    1. Warum sich Ungarn immer gegen eine Aufnahme der Ukraine in die EU verweigerte, hatte auch eine „Sprachen“-Ursache. Selbst der MDR berichtete darüber:
      „…als Kiew ein neues Schulgesetz verabschiedete. Dieses schreibt vor, dass ab der fünften Schulklasse überwiegend auf Ukrainisch unterrichtet werden soll – ein Problem für die ungarische Minderheit in Transkarpatien, die oft kaum Ukrainisch beherrscht. Die ungarische Regierung hatte daraufhin damit gedroht, die Integration der Ukraine in die EU und NATO zu blockieren.“

      https://www.mdr.de/nachrichten/welt/osteuropa/politik/ukraine-doppelte-staatsbuergerschaft-100.html

  6. Aus dem US-Import von Öl wird wohl nichts werden.
    https://de.rt.com/meinung/133136-sanktionen-wie-von-goethes-zauberlehrling/ :

    >> Inzwischen haben sechs der zehn größten globalen Reeder, MSC, Maersk, CMA CGM, Yang Ming, ONE und Hapag-Lloyd, erklärt, sie würden keine russischen Güter mehr transportieren. Warum? Die Fachzeitschrift American Shipper erklärt das so: „Die Chefs der Reedereien verweigern Schiffe oder Transporte nicht auf Grundlage dessen, was klar sanktionierbar ist. Sie tun es auf Grundlage dessen, was jetzt oder später sanktioniert werden könnte. Sanktionen sind zwar in präziser Sprache geschrieben, aber in der Praxis sind sie chaotisch.“ Die (überwiegend griechischen) Tankerreedereien reagieren genauso.

    Die Konsequenz daraus lautet: Es gibt keine Tanker, die das von den USA gewünschte Öl von Russland dorthin transportieren, weil das Risiko als zu hoch eingeschätzt wird, auch wenn der Energiesektor von den Sanktionen explizit ausgenommen wurde. Die einzigen Tanker, die die Lieferungen durchführen könnten, wären russische (die USA besitzen keine Tanker); aber deren Risiko ist im Grunde das höchste, denn dann könnten die Schiffe selbst beschlagnahmt werden. <<

    1. „Es fährt kein Schiff nach Nirgendwo …“ (Christian Anders) – Also keine guten Nachrichten für das Weiße Haus, jetzt, wo die Zustimmungswerte Sleepy Joes schon bei 92% liegen! Könnten das doch noch gar 114% werden?

  7. Eines ist zweifelsfrei klar: Deutschland und die anderen EU-Vasallen haben den Limbo der Dummheit unter allen Völkern souverän gewonnen.
    Und das war‘s dann auch schon mit der Souveränität.
    Wenn die US-„Freunde“ verlangen würden, dass wir die Nordseedeiche wegbauen, dann täten wir auch das.

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